Hier mal ein paar nette Worte von mir für die Arbeit deiner Schwester: Ich habe HOCHACHTUNG vor diesen Lehrkräften. In den Schulen, die ich bis jetzt kennen lernen durfte haben Lehrkräfte gearbeitet, bei denen ich mir echt dachte, die machen das aus Berufung und nicht, um sich 'nen schönen Lenz zu machen! Ich finde es eine absolute Frechheit, diesen Menschen ständig weis zu machen, dass ihre Arbeit nix taugt, weil es woanders in Europa ja auch an Regelschulen funktioniert.
Ob dieses Funktionieren wirklich so statt findet, wie uns hier weis gemacht wird, hätte ich gerne mal belegt. es werden einfach ein paar Zahlen raus gehauen, aber wie da was konkret aussieht, erfährt man nicht. Italien wird ja sehr gerne als Beispiel vorne an gestellt, schaut man sich deren Platz bei Pisa an, gehe ich davon aus, dass dort grundsätzlich nicht so viel Wert auf Bildung gelegt wird und demnach auch egal ist, wer da alles zusammen in einer klasse hockt. Mal so ganz böse ausgedrückt. Ich glaube auch immer noch, dass das ein Sparmodell werden soll und am Ende zahlen alle drauf dabei!
Super, wenn es dort so gut geklappt hat, was eher selten sein dürfte. Dann wären wir jetzt aber schon wieder an dem Punkt, dass man künftig alle Schulen Gymnasium nennt und auch wirklich ALLE Kinder dort hin gehen dürfen....Die Schule war etwas speziell, nominell war es ein Gymnasium (und zwar eines, auf das der "Elite"-Begriff durchaus zutreffen würde, bikulturell, dreisprachig, kleine Klassen, diverse Förder- und Forderbereiche), es wurden aber an dieser Schule auch Haupt- und Realschüler zum Abschluss gebracht. Sie wurden in den gleichen Klassen unterrichtet wie die Gymnasiasten.
Das hat problemlos funktioniert und war für alle Beteiligten - soweit ich das als so "Beschulte" beurteilen kann, sehr fruchtbar.
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22.07.2014, 08:10Inaktiver User
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
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22.07.2014, 13:14
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Inklusion kann funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten. Ich bin an einer Regelschule, gymnasialer Zweig, und in meiner Klasse gibt es zwei behinderte Kinder, die bis jetzt recht erfolgreich in die Klasse integriert wurden. Der Anfang war schwierig, das muss ich zugeben, bis sich in den Köpfen aller der Gedanke festgesetzt hatte, dass es klappen könnte. Und.. bei uns klappt es. Jeder kann vom anderen lernen, auch vom Behinderten. Gerade heute waren die beiden Inklusionskinder gemeinsam in einer Gruppe in Chemie, sie ergänzen sich wunderbar! Und auch der Rest der Gruppe konnte von den Zweien wirklich noch enorm viel lernen. <<Ich bin immer wieder und oft erstaunt, wie freundlich und hilfsbereit die Schüler der Klasse mit den Beiden umgehen. Sie haben verstanden: behindert ist nicht gleich dumm!
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10.08.2014, 01:28
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Ich halte mittlerweile überhaupt nichts mehr von dieser Idee. Hier ist mal wieder eine Opfergruppe gefunden worden, der unbedingt "Gutes" getan werden soll, koste es, was es wolle. Die "normalen" Kinder, die keinen Opferstatus haben, solle lieb und nett, hilfsbereit, verständnisvoll, verzichtsbereit, anpassungsbereit und unauffällig sein. Sie sollen lernen, mit Kindern mit geistigen oder seelischen Behinderungen zu leben und deren Besonderheiten zu akzeptieren und nicht selten auch auszuhalten. Seien es Aggressionsausbrüche, Grapschereien im Pubertätsalter, oder nur einfache Konzentrationsstörungen durch permanente Unruhe im Klassenraum durch störende Integrationshelfer oder unruhige oder laute Kinder mit diesen Behinderungen.
Für Kinder ohne geistige oder seelische Behinderungen ist dies eine Zumutung. Sie sollen sich konzentrieren, sollen Leistung bringen, um am Ende einen möglichst hoch qualifizierten Abschluss zu machen und werden dabei permanent gestört. Auch die Lehrkräfte in diesen Klassen sind in permanentem Dauerstress, einen Spagat zwischen den Bedürfnissen so heterogener Gruppenangehöriger zu machen.
Entweder, wir wünschen uns als Gesellschaft eine qualifizierte Jugend, die als "unser größtes Kapital" den wirtschaftlichen Bedarfen der Zukunft entsprechend hoch ausgebildet ist, oder wir legen unseren Schwerpunkt auf die Anpassung an die Bedürfnisse der schwächsten und langsamsten in der Gruppe und pfeifen auf den Bildungsstatus und Pisaergebnisse. Beides zusammen geht nur im sozialromantischen Wolkenuckucksheim.
Ich frage mich immer öfter, ob unsere Politiker uns wohl eher als Laborratten für ihre ökonomischen und sozialen Experimente anstatt als mit Rechten ausgestattete, steuerzahlende Bürger sehen.
Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute;
seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw
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10.08.2014, 07:05Inaktiver User
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10.08.2014, 10:23Inaktiver User
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Ich habe nicht den kompletten Strang gelesen, falls es also bereits entsprechende Meinungsäußerungen hier gibt, bitte ich um Nachsicht für diese evtl. Redundanz.
Ich habe in verschiedenen Institutionen gearbeitet und immer wieder auch Kinder in den Gruppen gehabt, die in Teilbereichen besonderen Förderbedarf hatten - immer in "Regeleinrichtungen" - aber i.d.R. ohne abgeschlossene Diagnostik, so dass keine finanzielle Mehrausstattung für Personal oder Material beantragt werden konnte.
Für die Gruppen war es gar nicht problematisch, diese Kinder sozial zu integrieren, schwierig wurde es immer nur für die KollegInnen, die Zeit zur individuellen Förderung in einer 1:1 Situation zu erübrigen, wenn der Personalschlüssel der Regelgruppe das einfach nicht berücksichtigt als Notwendigkeit.
Aber zum Thema "Inklusion in der Schule"
Inklusion findet nicht im luftleeren Raum statt - nicht einmal die Komponente Raumgestaltung ist nach meiner Erfahrung in den Köpfen.
So musste der Gebäudewirtschaft meiner Kommune die UN-Konvention bekannt gewesen sein, als nach Konjunkturpaket2 Schulgebäude saniert wurden. Keine der Schulen, die in diesen Genuss kamen, wurde mit einem Aufzug versehen, obwohl doch gerade mal Gerüste zur Genüge auf dem Schulgelände zur Verfügung standen (und die behindertengerechte Toilette im Erdgeschoss an meinem damaligen Arbeitsplatz installiert wurde
).
Ansonsten wurde jedoch natürlich auch kein weiterer Sanitärraum für die Versorgung im Bedarfsfall eingerichtet.
Thema "Ganztag": der Bedarf der Familien ist groß, ich kann aber nur feststellen, dass mit den Mitteln, die dorthin fließen, Inklusion nicht geleistet werden kann.
Dort gibt es die Regeln für Gruppengrößen und Personalschlüssel nicht auf Gesetzesebene, das hat zur Folge, dass die mir bekannten Träger sich mit dem, was die Finanzierung hergibt, "durchwurschteln" mit vielen Honorarkräften und wenig Stammpersonal, welches seltenst ausreichend geschult ist, um der "Inklusion" gerecht werden zu können.
Auf einer großen überregionalen Veranstaltung zum Thema äußerte sich jemand von einer Bezirksregierung euphorisch : das machen wir mit der Inklusion wie mit dem Ganztag - wir fangen einfach an und dann wird das mit der Finanzierung schon hinterher kommen.
Darauf wartet der Ganztag in NRW jetzt bereits 10 Jahre ....
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11.08.2014, 11:12
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Wer sind denn die normalen Kinder? Sind das die, die Probleme mit der Rechtschreibung haben und später während des Studiums einen Grammatik- und Orthographiekurs besuchen müssen?
DER SPIEGEL*48/2013 - Tiger mit ie
Im zweiten Test, an dem fast 300 Studenten teilnahmen, sollte ein Zeitungsartikel mit eigenen Worten zusammengefasst werden. Jeder achte künftige Pädagoge gebrauchte dabei vielfach Wörter im falschen Sinnzusammenhang, mehr als jeder dritte machte häufig Grammatikfehler. Studierende mit Migrationshintergrund, die noch schlechter abschnitten, sind dabei nicht mitgerechnet.
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11.08.2014, 17:09
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11.08.2014, 17:26
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Deswegen habe ich das Wort "normal" in Anführungsstriche gesetzt. Auf die Kinder, die offiziell nicht als behindert gelten, kann und wird in unserem Sozialsystem nicht mehr adäquat eingegangen. Es wird im Bildungswesen herumlaboriert, dass sich die Balken biegen, ein Bildungssparprogramm regiert das Schulwesen und der Bildungsstand der Kinder hängt immer mehr vom persönlichen und finanziellen Einsatz der Eltern ab. Bei einer zunehmend hetergogenen Zusammensetzung der Gesellschaft wächst daher die Zahl der Privatschulen, die sich ihre Schülerschaft aussuchen können und sich dafür von den Eltern bezahlen lassen, folgerichtig kontinuierlich an.
Ich bin froh, dass meine drei Kinder die 10 Klasse dieses chaotischen Bildungssystems mittlerweile alle ohne allzu große Defizite hinter sich gelassen haben. Das hat uns jahrelang einiges an persönlichem Einsatz und Nerven gekostet.Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute;
seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw
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11.08.2014, 18:50Inaktiver User
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Bist du in Bausch und Bogen für AusSonderung? Falls ja - kannst du begründen, warum vergleichbar intelligente Körperbehinderte weiterhin in AusSonderung gehören - z.B. Rollstuhl fahrende Kids? Nein, die müssen nicht alle gefüttert und gewickelt werden - die allermeisten im übrigen nicht. Trotzdem gehen mehr als 90% von ihnen in AusSonderungsschulen, in denen sie weder Englisch noch sonstige höhere Bildung bekommen - ein Weggesperrtwerden in sog. Heime, falls die achosaufoperungsvollen Eltern versterben, ist der nächste Lebensschritt - denn eigenständiges Leben, Arbeiten, Lieben, Flirten für sog. Behinderte ist in Deutschland nicht vorgesehen.
Schule - die Möglichkeit, der Begabung entsprechende Bildung zu erlangen - wäre da ein Baustein von vielen. Neigungsgerechte Arbeit, eigenständiges Wohnen und Zugänglichkeit von öffentlichen Gebäuden weitere. Inklusion hört nicht in der Schule auf.
Warum sollen Menschen nicht hinreichend Lebenschancen bekommen - hier: auf Bildung? Oder sind Behinderte für dich Menschen minderen Rechts?
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11.08.2014, 19:37
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte



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