Antworten
Ergebnis 1 bis 6 von 6
  1. User Info Menu

    Keine Ahnung wohin ich will...

    Hallo,

    Ich werde in wenigen Wochen meine Diplomarbeit abgeben und damit mein Studium abschließen.

    Mich überkommt in der letzten Zeit ein sehr komisches Gefühl wenn ich daran denke. In den letzen Jahren und Monaten habe ich so viele Pläne gehabt, was ich machen könnte, habe mich so darauf gefreut, endlich das Studium hinter mich zu bringen. Jetzt wo es da ist, ist leider nicht mehr so viel davon übrig.
    Bitte nicht falsch verstehen: ich freue mich auch jetzt noch darauf endlich praktisch tätig zu werden, mich im Beruf beweisen zu können und natürlich auch ein paar Cent mehr zur Verfügung zu haben. Aber der letzte Schritt dahin, also die endgültige Entscheidung was ich will, macht mir Angst.

    Ich habe in meinem Kopf enorm viele Alternativen, die ich nicht geordnet bekomme. Das geht dabei los, dass ich nicht weiss, wohin ich will. Ich komme ursprünglich aus Trier. Studiert habe ich in Frankfurt. Das Leben in der pulsierenden Großstadt war zunächst sehr schön, aber mittlerweile sehne ich mich doch wieder nach etwas Ruhe und würde gerne nach Trier zurück. Andererseits würde ich auch noch gerne etwas erleben, ein wenig in der Welt rumkommen...
    Dann geht es beim Job weiter: ich würde gerne promovieren, da ich gerne wissenschaftlich arbeite und auch gerne in meinem Fachgebiet weiterforschen würde. Es ist allerdings schwierig, eine Stelle zu bekommen. Viele sind zudem nur mit 50% oder 75% Arbeitszeit, was es noch einmal schwieriger macht. Andererseits könnte ich mir auch vorstellen, neben einem Job ein weiteres Studium zu absolvieren (an der Fernuni). Das wäre dann etwas, was nichts mit meiner Ausbildung zu tun hat, aber was mich schon seit Jahren privat interessiert.
    Und das sind jetzt nur mal die zentralen Überlegungen - wie kann ich es jetzt schaffen, eine Entscheidung zu treffen?

  2. Inaktiver User

    AW: Keine Ahnung wohin ich will...

    Hallo Elli_Blue,

    zunächst einmal: Deine gemischten Gefühle und Deine Verwirrung beim Gedanken an die Zeit nach dem Examen sind nicht ungewöhnlich. Du hattest jetzt mehrere Jahre ein klares Ziel (Abschluss als xy) und einen definieren Status (Studentin).
    Nach der letzten Prüfung ist alles wieder offen. Du bist plötzlich diplomierte xy und fühlst dich vielleicht noch gar nicht so, jeder fragt, "Wie geht es beruflich nun weiter?" und es gibt zahllose Möglichkeiten und ebenso viele Risiken.

    Hast Du im Augenblick, wenige Wochen vor der Abgabe, überhaupt die Zeit und die Ruhe, vernünftige Überlegungen hinsichtlich deiner beruflichen Zukunft anzustellen? Das ist doch eher unwahrscheinlich.
    Mir hilft es in solchen Situationen, alle Fragen, Ideen, Anregungen und Sorgen zu notieren, sobald sie mir durch den Kopf schießen. So entsteht eine große Themenliste und ich kann sicher sein, dass nichts vergessen geht. Gleichzeitig plane ich schon ein Wochenende, eine Woche oder wieviel mir nötig erscheint ein, um die Themen abzuarbeiten, mit anderen zu diskutieren und mir Informationen zu holen.

    Zentral für Deine Fragen sind natürlich die Jobaussicht für Dein Fach. Kannst Du es dir leisten, nur in Deiner bevorzugten Gegend zu suchen? Wie sind die Chancen, eine Promotionsstelle zu bekommen (Vollzeit als Doktorandin scheint mir ein ungewöhnlicher Luxus, gibt es in meinem Fach gar nicht).
    Berufseinstieg und Fernstudium gleichzeitig scheint mir ziemlich sporlich.

    Alles Gute für das Examen

    raetia

  3. User Info Menu

    AW: Keine Ahnung wohin ich will...

    Hallo,

    Vielen Dank für Deine Antwort.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hast Du im Augenblick, wenige Wochen vor der Abgabe, überhaupt die Zeit und die Ruhe, vernünftige Überlegungen hinsichtlich deiner beruflichen Zukunft anzustellen? Das ist doch eher unwahrscheinlich.
    Ja, das stimmt schon. Ich bin allerdings gut vorangekommen mit meiner Arbeit, so dass ich mir ab und an die Zeit nehmen kann, Stellenanzeigen zu lesen und Möglichkeiten zu sichten. Die Bewerbung werde ich erst nach der Abgabe schreiben, aber das ändert leider nichts daran, dass die Gedanken momentan in meinem Kopf kreisen.

    Ich bin (bald) Ingenieurin und habe in meinem Fachgebiet gute Aussichten, schnell einen Job zu finden. Finanziell gibt es natürlich regionale Unterschiede. In der Kleinstadt sind es eher kleine Firmen, die entsprechend weniger zahlen. Dafür sind die Mietkosten aber auch niedriger.
    Hinsichtlich der Promotionsstellen bin ich mir unsicher: ich kenne mehrere Kommilitonen, die sehr schnell eine Stelle an ihrem Wunschort gefunden haben. Andere suchen dagegen schon länger.
    Halbzeit-Stellen bekommt man sehr schnell, allerdings entsteht dabei häufig das Problem, dass zwar die Bezahlung 50% ist, die Arbeitszeit aber deutlich mehr, so dass es schwierig ist, nebenbei noch einen weiteren Job zu haben (den man aber braucht, um genug Geld zum leben zu haben).

    Mit Freunden und meiner Familie habe ich schon über das Thema gesprochen, nur hat mich das auch nciht weiter gebracht. Der Tenor ist meist "geh deinem Wunsch/Herzen nach".
    Was mir klar ist: ich sehne mich sehr danach, ein geregeltes Leben zu führen. Ich habe fast 1,5 Jahre pausenlosen Lern- und Leistungsdruck hinter mir. Erst durch Abschlussprüfungen, dann durch die Diplomarbeit. Es gab in der Zeit 2-3 Wochen, in denen ich abschalten konnte. Obwohl ich sehr ehrgeizig bin, hat mich das innerlich doch zermürbt. Es geht mir nicht darum, von 8 bis 16 Uhr zu arbeiten, aber einfach mal sagen zu können "jetzt ist Freizeit" wäre mir schon sehr viel wert. Wenn das nicht mir so schrecklich vielen Entscheidungen verbunden wäre....

  4. Inaktiver User

    AW: Keine Ahnung wohin ich will...

    Hallo Elli_Blue,

    kann es sein, dass Du nach einem flott durchgezogenen Studium zunächt mal eine ruhigere Phase brauchst? Und später, so in ein bis zwei Jahren auch wieder Lust auf mehr Trubel, Arbeit, neue Regionen hättest?

    Und ist das in Deinem Bereich kombinierbar, also vielleicht erst mal eine Einsteigerstelle mit halbwegs regegelten Arbeitszeiten, danach Promotion oder Arbeiten im Ausland?

    Oder neigst du dazu, Dich zu überlasten und wären überschaubare Arbeitszeiten dauerhaft wichtig, so dass Dir auch noch Energie für das Privatleben bleibt?

    Wie gesagt, eine halbe Stelle als Doktorandin heißt in den Geisteswissenschaften schon Glück gehabt zu haben. Und natürlich arbeitete man darauf dann 100 %, schließlich wollen auch Publikationen, Vorträge bei Tagungen und Mitarbeit in Verbänden erledigt sein, was zwingend ist, wenn man eines Tages im eigenen Fach mal eine feste Stelle möchte. Der Lebenstandart ist in diesen Jahren nicht wesentlich anders als als Studentin.

    Was genau reizt dich an der Promotion, bzw. was würde sie Dir bringen? Bessere Aussichte und Gehalt hinterher, dauerhafter Einstieg in die Wissenschaft? Wenn es Dir nur um das wissenschaftliche, gründliche Arbeiten geht und es mittelfristig keine Vorteile bringt würde ich eher abraten - so eine Promotion ist zu anstrengend, wenn sie für den Lebenslauf nicht wirklich weiterhilft.
    Welche Aufgaben und welche Arbeitgeber würden dir langfristig gefallen?

  5. User Info Menu

    AW: Keine Ahnung wohin ich will...

    Auch ich möchte dir Mut machen! Unsicherheiten gibt es an solchen Wendepunkten im Leben immer. Aber: Niemand zwingt dich, jetzt die richtige Entscheidung für den Rest deines Lebens zu treffen. Wer sagt denn, dass du jetzt nicht erstmal 2 Jahre in einem Job arbeiten kannst, um dich dann immer noch für eine wissenschaftliche Laufbahn zu entscheiden? Klar möchte man auch mal Gewissheit und Sicherheit haben, "sesshaft werden", aber niemand zwingt dich für immer an einem Ort, in einem Job zu bleiben. Wenn man so an die Sache rangeht, wirkt die ganze Situation schon weniger bedrohlich.

    Vielleicht tut es dir jetzt wirklich erstmal gut, weg vom ewigen Lernen und in die Praxis zu kommen. Dann kannst du mit neuen Erkenntnissen an die Uni zurückkehren. Vielleicht bist du jetzt aber auch gerade gut im Lernprozess drin, dann ist es eine Überlegung wert, gleich weiterzumachen. Dass es in der Wissenschaft kaum Vollzeitstellen gibt, muss auch nicht unbedingt hinderlich sein, sondern ermöglicht es dir unter anderem, noch freiberuflich etwas nebenher zu machen oder dich anderweitig zu engagieren.

    Hattest du denn schon mal die Möglichkeit, während deines Studiums längere Praktika zu machen, schon mal in die Praxis reinzuschauen? Allein das hilft ja oft schon bei der Entscheidung, ob das was auf Dauer wäre...

  6. User Info Menu

    AW: Keine Ahnung wohin ich will...

    Hi,

    Ich danke euch für eure Antworten. Alleine durch die Fragen wird für mich schon einiges klarer.

    Die Praxis kenne ich schon ganz gut. Ich habe fast mein komplettes Studium fachbezogen gearbeitet. Im Semester 20 Stunden/Woche, in prüfungsfreien Zeiten auch mal Vollzeit. Im letzten Jahr habe ich die Stelle gekündigt, um mich auf die Abschlussprüfungen und die Diplomarbeit konzentrieren zu können.
    Ich habe damals gesagt bekommen, dass ich mich melden soll, wenn ich nach dem Studium eine Stelle suche. Das wäre für mich allerdings nur eine Lösung, wenn alles andere nicht klappt, da es fachlich nicht ganz das ist, was ich mir vorstelle.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    kann es sein, dass Du nach einem flott durchgezogenen Studium zunächt mal eine ruhigere Phase brauchst? Und später, so in ein bis zwei Jahren auch wieder Lust auf mehr Trubel, Arbeit, neue Regionen hättest?
    Das trifft es ganz gut, denke ich. Meine Mutter hat mir auch empfohlen, dass ich mir zunächst eine Stelle suchen soll, die mir grundsätzlich gefallen könnte und dann in Ruhe zu schauen, welche Bedürfnisse und Interessen sich mit der Zeit herausbilden. Das würde mir auch den Druck nehmen hier und jetzt die "ultimative" Stelle zu finden, mit der ich ein Leben lang glücklich sein würde (was es wohl ohnehin nicht geben wird).
    Das wird sicherlich auch relativ problemlos machbar sein. Ich habe in den letzten Wochen immer mal wieder die regionalen Stellenanzeigen gelesen und dabei durchaus mehrere Positionen gefunden, die interessant klingen und bei denen ich auch das Anforderungsprofil erfülle.

    Was mir enorm wichtig ist, ist ein Job, in dem ich mitbestimmen und auch mit einer gewissen Kreativität arbeiten kann. Ich mag es gar nicht, wenn ich gesagt bekomme: "Mach dies und das nach dem Schema x!". Meine Arbeitsergebnisse werden deutlich besser, wenn ich selbst entscheiden kann, welcher Weg der beste ist, um eine Aufgabe umzusetzen. Das ist auch etwas, was mein ehemaliger Chef sehr an mir geschätzt hat und ich denke das sollte man auch nicht verkümmern lassen.
    Eine klassische Karriere zu machen, also in einem Betrieb aufzusteigen, ist mir eher weniger wichtig. Sicherlich habe ich langfristig Wünsche, die ich mir gerne erfüllen würde und für die es einen entsprechenden finanziellen Hintergrund bedarf, aber das lässt sich wohl mit einem "normalen" Gehalt als Ingenieurin gut realisieren.

    Tja, wofür promovieren? Definitiv nicht, um den "Dr.-Ing." dann auf das Klingelschild schreiben zu können.
    Ich mag generell Herausforderungen und die Promotion wäre definitiv eine. Ein dauerhafter Einstieg in die Wissenschaft ist sicherlich eine Möglichkeit. Wenn ich mir aber Statistiken anschaue, nach denen nur jeder fünfte Doktorand nach der Promotion in der Wissenschaft bleibt, stelle ich mir schon die Frage, ob das überhaupt sinnvoll ist.

    Heute sähe der Weg also so aus, dass ich mir eine Stelle in meiner alten Heimat suche und mich dann erst einmal umschaue. Daraus ergeben sich zwar immer noch einige Unsicherheiten und ich frage mich, ob ich dadurch nicht Chancen verpasse, die ich schon jetzt haben könnte, aber letztendlich ist es wahrscheinlich der einfachste und naheliegendste Schritt in ein glückliches Berufsleben.... oder?

Antworten

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •