Hi,
Der Titel ist etwas provokant gewählt... wahrscheinlich wird mir hier niemand eine eindeutige Antwort geben können, aber ein paar Ratschläge oder eure Sicht der Dinge würden mir ja schon reichen.
Ich bin 25 Jahre alt und aktuell im 9. Semester meines Studiums. Ich habe fast 8 Semester für mein Grundstudium gebraucht (damit also doppelt so viele wie "normal"), aber im Hauptstudium bin ich quasi aufgeblüht, es macht mir Spaß und ich kann mir vorstellen, mich auch noch über das Studium hinaus wissenschaftlich mit gewissen Themen zu befassen und meine Kenntnisse zu vertiefen. Ich würde also gerne promovieren.
Wie und ob das klappen wird, steht natürlich in den Sternen, aber der Wunsch wird beständig größer und entsprechend bemühe ich mich auch, meine verbleibenden (vermutlich) zwei Semester so gut wie möglich abzuschliessen. Leider klappt das oftmals nicht so, wie ich es mir vorstellen würde. Mir fehlt immer wieder die Zeit.
Aber ich hole erst noch einmal kurz aus: ich gehe an zwei Wochentagen arbeiten. Es ist hart, wenn man morgens um 7 Uhr aufgestanden ist und abends um 18 Uhr wieder daheim ist, noch die Uni-Skripte nachzuarbeiten. Trotzdem setze ich mich oft noch hin und quäle mich bis Mitternacht, um dann völlig k.o. ins Bett zu kippen. Viel kommt dabei nicht herum, so muss dann an den anderen Tagen gearbeitet werden. Weil die anderen Tage mit Vorlesungen, Übungen, etc. recht voll sind, bleibt dann meist für das Nacharbeiten und Lernen nur das Wochenende. Und selbst da gibt es so viele Dinge, die anklopfen: mein Freund will auch mal mehr als 5 Minuten Aufmerksamkeit, der Einkauf muss erledigt werden, die Wohnung geputzt.... und so staut sich dann mein Uni-Kram über das ganze Semester hinweg an, bis ich mich dann kurz vor der Prüfung hinsetze und im Koffeinrausch in zig Nachtschichten alles im Schnelldurchgang in mein Gehirn prügele.
Daraus entsteht gleichzeitig ein unschöner Teufelskreis: ich habe eigentlich pausenlos meine Uni-Aufgaben im Kopf. Wenn ich etwas im Fernsehen schauen will, setze ich mich mit dem Skript vor die Glotze. Wenn ich irgendwelchen Freizeitaktivitäten nachgehe, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich ja noch so viel zu lernen hätte....
Dass dieser Dauerlernstreß sich auf alle Bereiche meines Lebens auswirkt, muss ich wohl nicht weiter erläutern. Mein Freund fühlt sich mittlerweile so richtig böse vernachlässigt. Er wirft mir vor, dass ich mich ständig in meinem Zimmer "einschließe" und das Lernen vor jegliche andere Aktivitäten stelle. Wann wir das letzte Mal zu zweit irgendetwas am Wochenende unternommen haben (abgesehen vom gemeinsamen Einkaufen), kann ich gar nicht sagen. Ich vermute, dass es im April/Mai letzten Jahres war.
Das Schlimme dabei ist auch, dass mir sogar schon der Gedanke kam, wieder in eine eigene Wohnung zu ziehen, um mich konzentrierter meinem Studium widmen zu können. Es sind zwar nur Gedanken, die mir irgendwann in der Verzweiflung kamen, aber neutral betrachtet finde ich sie einfach nur schlimm.
Ich habe dieses Problem vor ca. einem Jahr schon erkannt und versucht es auch mit Hilfe einer Therapeutin und Beratungsstellen zu verbessern. Es hat mir einige neue Impulse gegeben, aber das Hauptproblem bleibt: langfristig fehlt mir einfach die Zeit, um mein Studium so zu gestalten, wie ich es gerne möchte.
Das Hauptproblem, das ich aktuell sehe, ist eigentlich meine Arbeit. Sie ist zwar thematisch im Bereich meines Studiums angesiedelt, gibt mir aber nichts mehr. Anfangs habe ich sehr viel gelernt, konnte mich fortbilden, meine Ideen verwirklichen, aber mittlerweile sitze ich 95% der Zeit einfach nur ab und verbringe sie mit surfen, chatten und jeder Menge Langeweile. Ich habe schon versucht, mir Uni-Aufgaben mitzunehmen, aber dort finde ich leider keine Ruhe: ständig kommt jemand ins Büro, meine Kollegen reden, telefonieren, laufen herum... da ist an ernsthaftes Lernen nicht zu denken.
Gleichzeitig verursachen die zwei Arbeitstage auch immer einen gewissen Bruch in meinem "Uni-Leben": die beiden Tage bin ich nicht an der Uni, sondern im Büro, habe keine Zeit mich mit Vorlesungen etc. zu beschäftigen. Ich kann es schlecht erklären, aber diese Umstellung im Kopf fällt mir manchmal sehr schwer.
Die Lösung wäre jetzt natürlich, die Arbeit zu kündigen. Problem: ich brauche das Geld oder zumindest einen Teil davon.
Meine Eltern unterstützen mich mit Unterhalt, aber das ist leider gerade der Mindestsatz. Wohnung und Essen kann ich damit zahlen, aber das Leben besteht leider nunmal aus mehr. Und selbst als bescheidener Student braucht man ab und an einen neuen Pullover, ein Buch oder auch mal neue Computer-Hardware, was ich mir mit dem Unterhalt alleine definitiv nicht leisten könnte.
Mir fehlen dafür ca. 350, wenn nicht sogar 400 EUR monatlich, die irgendwoher kommen müssen.
Bei meinen Eltern habe ich schon vor einem Jahr nachgefragt. Antwort: "Du bekommst genug und gibst eh nur alles für unsinnigen Kram aus. Wir hatten damals auch nicht mehr".
Eine Option wäre nun, für die letzten beiden Semester und meine Diplomarbeit einen Studienkredit bei der kfw aufzunehmen. Im nächsten Semester hätte ich (aufgrund meiner Semesteranzahl) zum letzten Mal die Möglichkeit dazu. Wenn ich von 400 EUR ausgehe, wären das bei 18 Monaten 7200 EUR, zuzüglich Zinsen würde ich den Betrag auf 7500 EUR aufrunden.
Für meine Verhältnisse ein ganz schöner großer Batzen Geld. Normalerweise werden diese Kredite in einem Rahmen von 10 Jahren zurückgezahlt, d.h. es würde dann 10 Jahre lang eine Belastung von monatlich 60 EUR auf mich zukommen. Viel Geld, aber wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, sicherlich zu bewältigen.
Ich schwanke nun hin und her.... was würdet ihr tun?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 70
-
20.01.2009, 20:57
Wie soll ich mein Studium beenden?
-
20.01.2009, 21:27
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Hallo frau u,
ich würde erst mal ALLE Möglichkeiten, die Du hast betrachten.
Du könntest:
a) weitermachen wie bisher
b) den Job behalten und das Studium runterfahren, so dass Du Dich weiterhin ohne Kredit finanzieren kannst, aber dafür etwas später mit dem Studium fertig bist
c) Dir einen neuen Job suchen, der mit dem Studium womöglich besser vereinbar ist
d) den Job runterfahren (wenn das denn möglich ist) und die entstehende Finanzlücke durch einen niedrigeren Kredit (dann vielleicht nur 200 Euro im Monat) schließen
Das sind die Möglichkeiten, die mir ad hoc so einfallen. Vermutlich gibt es noch einige mehr.
Welche davon am ehesten in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. davon wie die Job- und Verdienstaussichten in Deinem Studiengang sind. 60 Euro Ratenzahlung können ein Klacks oder eine spürbare Belastung sein. Dann stellt sich die Frage, wie gravierend eine weitere Verlängerung der Studienzeit sich auf Deine Berufsaussichten auswirken würde. Wie zügig schließen andere ab?
Was macht denn Dein Freund? Studiert er noch, oder ist er schon berufstätig? Und wenn letzteres wäre er in der Lage und bereit, für einen begrenzten Zeitraum den größeren Teil Eurer Lebenskosten zu tragen, um Dir einen Freiraum zu verschaffen?
Also von mir noch viele Fragen und noch keine keine Antwort pro oder contra Kredit.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
-
20.01.2009, 23:32
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Hallo,
Vielen Dank für Deine Antwort.
a) ist für mich aktuell keine Lösung, da ich enorm unter der jetzigen Situation leide.
Die Variante b) lebe ich im Prinzip schon seit einigen Jahren. Das Studium stand meist im Hintergrund, das was mich motiviert hat war(!) die Arbeit. Meine Interessen haben sich aber gedreht und ich sehe meine Zukunft nicht mehr in der Firma, sondern in der Wissenschaft und möchte mich daher auch voll meinem Studium widmen. Die Durchschnittsstudienzeit in meinem Fach (es ist übrigens Informatik) liegt an meiner Uni bei 11,x Semestern. Wenn ich das Studium jetzt konsequent durchziehe, liege ich noch recht genau in diesem Bereich. Dabei möchte ich auch eigentlich bleiben.
c) ist eine gute Möglichkeit, die ich schon länger verfolge, die aber sehr schwierig ist. Ein Job an der Uni wäre ideal, nur leider sind diese Jobs auch sehr begehrt und werden meist unter den Studenten weitervergeben. Ich habe mich mehrfach bei wissenschaftlichen Mitarbeitern umgehört, ob in Kürze etwas bei ihnen am Lehrstuhl frei wird - leider war das immer erfolglos.
d) ist leider keine Option. Ich habe jetzt eigentlich eine halbe Stelle mit 20 Stunden, d.h. praktisch wären das 2,5 Tage. Man hat meinen Wunsch, nur an 2 Tagen vor Ort zu sein, schon recht missmutig zur Kenntnis genommen. Gründe für diese Haltung gibt es eigentlich nicht, da ich ohnehin nach Stunden bezahlt werde, aber mein Chef steht da auch unter dem Kommando der Personalabteilung.
Mein Freund ist selbst noch nicht so lange mit dem Studium fertig und ist selbstständig. Es ist schwierig, seine aktuelle Situation mit ein paar Sätzen zusammenzufassen, aber er hat einige Fehler gemacht und es geht ihm aktuell finanziell auch nicht sehr gut. Es reicht für ihn, aber nicht dafür, mich zu unterstützen.Was macht denn Dein Freund? Studiert er noch, oder ist er schon berufstätig? Und wenn letzteres wäre er in der Lage und bereit, für einen begrenzten Zeitraum den größeren Teil Eurer Lebenskosten zu tragen, um Dir einen Freiraum zu verschaffen?
Er ist durchaus bemüht und hat Verständnis für meine Lage. Er selbst hat auch die Idee gehabt, mir in seiner Firma einige Aufgaben zu geben, aber aufgrund des fehlenden Kapitals ist das momentan nicht ohne weiteres umzusetzen.
LG
-
21.01.2009, 00:48
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Was das Studium angeht, würde ich mich nicht unter Druck setzen. Ich meine, du bist erst im 9. Semester und solange du dir es leisten kannst, weiterzustudieren, sehe ich keine Probleme. Mach es in Ruhe zu ende. Obwohl ich nicht ganz nachvollziehen kann, dass es Studienordnungen gibt, die es erlauben, ganze 8 Semester im Grundstudium bleiben zu können, ohne dass es da irgendwelche Fristen gibt oder Konsequenzen gibt. Aber ich finde es gut, dass es dir jetzt Spaß macht und du auch eigentlich weißt, was du später machen willst.
Gut, du bist auf das Geld angewiesen, das du in deinem Job verdienst. Du arbeitest da zweimal die Woche. Aber ich kenne wirklich sehr viele Menschen, die das auf die Reihe kriegen und trotzdem ihr Studium durchziehen, weil ihnen wirklich etwas daran liegt und sie das auch durchziehen wollen.
Ich sehe das Problem eher auf einer anderen Ebene. Ich verstehe nicht, dass dein Freund so wenig Verständnis für deine "Lernerei" aufbringt, zumal er selbst studiert hat. Meiner hat das nicht und er kann sich trotzdem gut in mich einfühlen bzw. er versteht mich, wenn ich keine Zeit habe und lernen muss. Wir wohnen nicht einmal zusammen.
Du kannst dein Studium durchziehen, wenn du es denn willst, aber ich denke, dir fehlt letztendlich die Begeisterung für dein Fach - sonst würdest du Prioritäten setzen. Da muss man sich am Wochenende eben auch mal hinsetzen...und das kotzt mich auch an. Wenn du das Ziel hast, dein Studium in den nächsten zwei Semestern zu Ende zu bringen, musst du dich schlicht und einfach zusammenreißen.
Aber das ist leichter gesagt als getan! Viel Erfolg!
-
21.01.2009, 10:04
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Was ist daran nicht nachvollziehbar?
Es gibt nun einmal Studienordnungen, die eine bestimmte Anzahl an Prüfungsleistungen pro Semester oder nach x Semestern vorschreiben und andere tun das nicht. Bei mir ist letzteres der Fall und so selten ist das meiner Erfahrung nach eigentlich nicht. Die Universitäten sind doch über jeden Studenten froh - noch besser, wenn er besonders lange eine Karteileiche ist.
Ich kriege es ja auch auf die Reihe. Ist ja nicht so, dass ich in den letzten 2-3 Semestern großartig durch Prüfungen gefallen wäre, o.ä.Aber ich finde es gut, dass es dir jetzt Spaß macht und du auch eigentlich weißt, was du später machen willst.
Gut, du bist auf das Geld angewiesen, das du in deinem Job verdienst. Du arbeitest da zweimal die Woche. Aber ich kenne wirklich sehr viele Menschen, die das auf die Reihe kriegen und trotzdem ihr Studium durchziehen, weil ihnen wirklich etwas daran liegt und sie das auch durchziehen wollen.
Und wenn ich vorhätte, in der Firma, in der ich aktuell arbeite, anzufangen, könnte ich auch einfach so weitermachen und würde dann mit recht großer Sicherheit ohne große Rückfragen nach meinem Abschluß übernommen.
Das ist aber nicht die Richtung, in die ich gehen möchte, sondern ich möchte mich auf mein Studium konzentrieren können.
Es geht nicht um fehlendes Verständnis, ich glaube du überinterpretierst das. Das Verständnis hat er ja lange genug gehabt. Und es geht auch nicht darum, dass er nun bei mir am Schreibtisch steht und sagt "Du lernst ja schon wieder! Komm sofort mit und unternehm irgendwas mit mir". Es ist eher eine grundsätzliche Unzufriedenheit, die auch bei mir entstanden ist.Ich sehe das Problem eher auf einer anderen Ebene. Ich verstehe nicht, dass dein Freund so wenig Verständnis für deine "Lernerei" aufbringt, zumal er selbst studiert hat. Meiner hat das nicht und er kann sich trotzdem gut in mich einfühlen bzw. er versteht mich, wenn ich keine Zeit habe und lernen muss. Wir wohnen nicht einmal zusammen.
In einer Beziehung möchte man nun einmal Zeit miteinander verbringen. Wenn das über Wochen mal nicht so geht, wie man sich das vorstellt, kann man damit sicherlich leben. Das geht sicherlich auch, wenn man 6 Monate eine Diplomarbeit schreibt.
Aber wie will man eine Beziehung führen, wenn sich das über Jahre hinweg so fortsetzt?
Von der vorlesungsfreien Zeit vor dem aktuellen Semester sind mir sage und schreibe 4 freie Tage übrig geblieben, dann fing das Semester an. Vorher hatte ich zwei mündliche Prüfungen (jeweils 45 Minuten) und musste noch eine Seminararbeit schreiben. Auch davor war es nicht anders. Klar, so ist das Leben, c'est la vie, und auch wenn es sich so anhören mag, möchte ich darüber nicht jammern. Trotzdem stellt es vielleicht ein wenig dar, dass mir momentan völlig die Möglichkeiten fehlen, den Kopf frei zu bekommen.
Weil ich pausenlos dabei bin zu lernen, soll ich mich mal zusammenreißen und lernen?Du kannst dein Studium durchziehen, wenn du es denn willst, aber ich denke, dir fehlt letztendlich die Begeisterung für dein Fach - sonst würdest du Prioritäten setzen. Da muss man sich am Wochenende eben auch mal hinsetzen...und das kotzt mich auch an. Wenn du das Ziel hast, dein Studium in den nächsten zwei Semestern zu Ende zu bringen, musst du dich schlicht und einfach zusammenreißen.
Aber das ist leichter gesagt als getan! Viel Erfolg!

Irgendwie geht das nicht auf, sorry.
Ich sitze hier pausenlos, arbeite den Kram nach, mache Übungsaufgaben, etc. aber mir fehlt einfach die Zeit dafür, das in einem Umfang zu tun, den ich für richtig halten würde.
Als ich dieses Problem bei der Therapeutin angesprochen habe, hat sie mich gebeten, doch mal den Arbeitsaufwand, den die Uni für die Veranstaltungen vorsieht als Grundlage zu nehmen und dann auszurechnen, wieviele Wochenstunden ich auf dem Papier zu erledigen hätte. Damals kamen als durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit für die Uni 43 Stunden heraus. Wenn ich dann noch meine 16-17 Stunden Arbeitszeit für das Geldverdienen hinzurechne, landen wir bei 60 Stunden wöchentlich oder auch 8,5 Stunden pro Tag, von Montag bis Sonntag.
Vielleicht bin ich ein Weichei, vielleicht bin ich einfach nicht leidensfähig, aber ich halte es für schlicht und einfach irrational, 365 Tage im Jahr 8,5 Stunden zu arbeiten.
Da muss man zwangsläufig irgendwo Abstriche machen und da bei der Uni niemand nachfragt, wenn man mal nicht zu einer Vorlesung kommt, eine Übungsaufgabe nicht abgibt oder die Vorlesung nicht nachbearbeitet, gibt es die Abstriche dort. Und ich möchte das einfach nicht mehr.
-
21.01.2009, 10:24
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Hey!
Also zunächst erstmal Hut ab vor der Leistung, durch die du dich bisher durchgequält hast. Mir ging es die letzten Jahre ganz ähnlich: Magisterstudium + Vollzeitjob + Fernstudium. Da war ich manchmal kurz vorm Heulkrampf und konnte nichtmal Lebensmittel einkaufen ohne schlechtes Gewissen (du musst das noch erledigen, da noch was schreiben etc.).
Bei mir ging es irgendwann nicht mehr (bin chronisch krank und da ist Stress richtig übel). Ich war dann gezwungen, Prioritäten zu setzen.
Das hast du im Ansatz ja schon getan. Wenn ich richtig rauslese, steht das Hauptaugenmerk auf einem guten Abschluss, der dir die Möglichkeit zum weiteren wissenschaftlichem Arbeiten + evtl. Promotion gibt.
Ergo, Studium sollte jetzt an Nummer 1 stehen.
Ich sehe bei dir in der zusätzlichen Arbeit nicht unbedingt, die Arbeitszeit als Problem, sondern eher den Bruch in der Wochenroutine und den geistigen Nullauf/ Langeweile dort (du schriebst, dass du da hauptsächlich chattest und surfst). Sowas wirft einen aus der Lernerei immer wieder raus.
Ich würde an deiner Stelle zunächst die anstehenden Uni Aufgaben (auch längerfristig) überprüfen und sortieren. Und dann ganz knallhart überlegen, ist es im anvisierten Zeitrahmen schaffbar oder nicht. Man neigt immer dazu, sich richtig viel aufzupacken. Es bringt dir aber nix, wennn du das jetzt durchziehst und, überspitzt gesagt, nach dem Abschluss mit Burn-Out da steht und dein Freund + Freundeskreis die Koffer gepackt hat.
Vermutlich wirst du es mit dem Arbeitspensum (20h) nicht in 2 Semestern schaffen. Kredit ist ne Option (war leider auch meine einzige Chance, da ich keine weitere Unterstützung hatte). Gibt es bei dir die Möglichkeit, den Kredit über das Studentenwerk zu nehmen? Hier gabs die Variante für Leute, die kurz vorm Abschluss standen und das Ganze war zinslos.
Oder gäbe es die Chance, einen Job mit besserem Gehalt zu finden? (das würde die Wochenstundenzahl auch minimieren)
VGThis is my truth, tell me yours! (Manic Street Preachers)
Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten! Dieter Nuhr
-
21.01.2009, 10:54
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Hallo frau_u,
ich will auch noch mal kurz meinen Senf dazugeben. Also vorab, 25 und 9. Semester finde ich nicht schlimm! Da würde ich mir keinen Kopf machen!
Das mit dem schlechten Gewissen ist leider normal. Ich hatte das permanent. Ich denke, wenn du wirklich über das Semester verteilt lernst, kannst du dir auch Fernseh-Pausen bewusst gönnen. Mir fiel es immer besonders schwer, mich in den Semesterferien zu entspannen, vor allem, wenn ich ein Fach im Semester davor aufgegeben hatte und bereits alle Unterlagen zum "Vorlernen" da hatte. Wenn ich so zurückdenke, hatte ich eigentlich permanent die letzten Jahre das Ich-müsste-eigentlich-lernen-schlechte-Gewissen.
Wenn dich dein aktueller Job so annervt, würde ich überlegen, was anderes zu suchen. Als Informatik-Studentin dürfte es ja eigentlich nicht so schwer sein, einen anderen gutbezahlten Nebenjob zu finden, oder?
Und was ist eigentlich mit den Semesterferien? Kannst du da eventuell deine Stunden etwas aufstocken und dann zur Prüfungszeit reduzieren?
Ich habe übrigens Informatik als Zweitstudium studiert und hatte zwischendurch einen ziemlichen Hänger. Irgendwann habe ich mich aber wieder aufgerappelt. Allerdings wurde ich (finanziell und psychisch) von meinem Mann unterstützt, wofür ich ihm sehr dankbar bin.
Bei meinem Erststudium hatte ich die Abschlussförderung in Anspruch genommen. Dadurch konnte ich relativ entspannt meine Magisterarbeit schreiben. Da ich auch noch verlängern musste und insgesamt 9 Monate für die Arbeit gebraucht habe, war es dann doch sehr beruhigend, wenn das Geld auf dem Konto war und man sich voll auf das Schreiben konzentrieren konnte.
Wenn bei dir das Ende in Sicht ist (und so klingt es ja), würde ich diesen Studienkredit als ernsthafte Alternative ins Auge fassen. Informatiker werden immer gebraucht und gut bezahlt, da würde ich mir wirklich keine Sorgen um die Rückzahlung machen!
Just my two cents.
Historia
-
21.01.2009, 11:10
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Hallo,
Ja, damit hast Du 100% recht.
Ich hatte gestern noch längere Zeit mit meinem Freund über das Thema gesprochen und das auch als Punkt aufgezählt: ich lebe quasi in zwei Welten. Es gibt die Uni-frau_u und die Arbeits-frau_u und ich tauche immer zwischen diesen beiden hin und her. Die Verbindung dazwischen ist schwierig: klar, ich schaue zwischendurch mal, ob mein Prof ein neues Übungsblatt hochgeladen hat oder checke, wenn mal etwas wichtiges auf der Arbeit anliegen sollte, auch meine Arbeits-Mails von zuhause, aber es ist schwierig, sich dann wieder komplett in die jeweiligen Aufgaben "hineinzudenken".
Das ist auch mein Gedanke.Ich würde an deiner Stelle zunächst die anstehenden Uni Aufgaben (auch längerfristig) überprüfen und sortieren. Und dann ganz knallhart überlegen, ist es im anvisierten Zeitrahmen schaffbar oder nicht. Man neigt immer dazu, sich richtig viel aufzupacken. Es bringt dir aber nix, wennn du das jetzt durchziehst und, überspitzt gesagt, nach dem Abschluss mit Burn-Out da steht und dein Freund + Freundeskreis die Koffer gepackt hat.
Insbesondere wenn ich tatsächlich einen Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin annehmen sollte, muss ich weiterhin sehr leistungsfähig und insbesondere auch in der Lage sein, mich selbstständig fortzubilden. Ich habe zwischenzeitlich schon Phasen gehabt, in denen ich trotz 8-9 Stunden Schlaf ständig müde war und mich nicht konzentrieren konnte - eindeutige Warnsymptome für das Burnout-Syndrom. Mir geht es zum Glück aktuell besser, aber ich habe durchaus Angst, dass diese Symptome zurückommen.
Meine Studienplanung steht eigentlich aktuell und ich denke dass meine Ziele realistisch sind. Es kann höchstens sein, dass ich mir nach den beiden kommenden Semestern etwas mehr Zeit für die Vorbereitung auf meine Fachprüfung, die ich ganz am Ende machen muss, nehme, aber dabei handelt es sich dann wohl um 1-2 Monate, kein weiteres Semester.
Es gibt in der Tat ein zinsfreies Angebot des Studentenwerkes, mit dem Studenten in der Studienabschlussphase gefördert werden.Vermutlich wirst du es mit dem Arbeitspensum (20h) nicht in 2 Semestern schaffen. Kredit ist ne Option (war leider auch meine einzige Chance, da ich keine weitere Unterstützung hatte). Gibt es bei dir die Möglichkeit, den Kredit über das Studentenwerk zu nehmen? Hier gabs die Variante für Leute, die kurz vorm Abschluss standen und das Ganze war zinslos.
Allerdings bin ich da noch etwas skeptisch, weil man a) einen Bürgen braucht und ich meine Eltern eigentlich nicht mit hineinziehen möchte und b) ist die Rückzahlungsphase sehr eng und mit wenig Sicherheiten. Das ist bei den kfw-Krediten wesentlich flexibler.
Aber ich informiere mich auch noch und würde mich mit Sicherheit auch beraten lassen, was genau für mich empfehlenswert wäre.
Ich verdiene aktuell durchaus gut, praktisch mehr, als ich eigentlich brauchen würde. Wenn ich irgendwo eine Teilzeit-Stelle annehmen würde, könnte ich noch besser verdienen, aber leider sind die meisten Jobs auch an eine gewisse Arbeitszeit gebunden. Wenn, dann sind es weniger qualifizierte Aufgaben, die auch wieder weniger Geld bringen.Oder gäbe es die Chance, einen Job mit besserem Gehalt zu finden? (das würde die Wochenstundenzahl auch minimieren)
LG
-
21.01.2009, 11:55
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Hi,
Danke für Deine Antwort.
Als Informatik-Student hat man da tatsächlich gute Chancen. Ich bekomme zig Angebote für Projekte über XING, hatte auch schon das konkrete Angebote für einen Vollzeitjob, etc.
Leider sind diese Sachen aber auch zeitlich anspruchsvoll. "Können Sie unseren Server für 5 Stunden pro Woche administrieren?" gibt es selten bzw. nahezu nie. Üblich sind die 20 Stunden/Woche und genau in so einem Job stecke ich ja gerade.
Die Semesterferien sind leider bei mir grundsätzlich "Lernzeit". An meiner Uni ist es üblich, die Prüfungen über die komplette vorlesungsfreie Zeit zu verteilen und keine Nachschreibetermine im selben Semester anzubieten. Da bleibt dann wenig Zeit, sich anderen Themen zu widmen.Und was ist eigentlich mit den Semesterferien? Kannst du da eventuell deine Stunden etwas aufstocken und dann zur Prüfungszeit reduzieren?
Mein Freund schüttelt auch immer wieder den Kopf über meine Prüfungstermine (er kennt das System mit einer Prüfung am Ende des Semesters und einer Widerholungsprüfung am Ende der Semesterferien), aber ich kann es leider auch nicht ändern.
LG
-
21.01.2009, 17:31Inaktiver User
AW: Wie soll ich mein Studium beenden?
Also, zunächst mal solltest du deine Art zu Lernen überprüfen.
9. Semester bei 11 Semestern Durchschnitt ist allerdings doch okay (aber wiekommst du darauf: "Die Universitäten sind doch über jeden Studenten froh - noch besser, wenn er besonders lange eine Karteileiche ist."
)
Das Hinsetzen nach dem Arbeitstag ist vertane Zeit, weil nichts hängenbleibt und du hinterher nur fertig bist.
Das Gleiche gilt für Skript lesen während des Fernsehens.
Als Regel würde ich mir machen: Lernen ist Lernen, Freizeit ist Freizeit und Arbeit ist Arbeit - immer nur eine Sache auf einmal.
Also nach der Arbeit abends ist Freizeit angesagt, mit entsprechenden Beschäftigungen. An den restlichen Wochentagen ist neben Veranstaltungen und einer kurzen Pause nochmal lernen angesagt.
Und das Wochenende teilt sich auf in Freizeit und lernen, am besten vielleicht auch nach Stundenplan.
Ansonsten: es gibt sicher auch Dinge, auf die du zumindest vorübergehend verzichten kannst. Man muss nicht alles sehen, was im TV so läuft, und echte Freunde haben auch Verständnis, wenn man sich eine zeitlang nicht so häufig sieht, weil viel gelernt werden muss.Geändert von Inaktiver User (21.01.2009 um 17:36 Uhr)




Zitieren

