Hallo Gedichte-Liebhaber,
mich interessieren eure Lieblingsgedichte und was sie in euch ausloesen (kann ja auch nur Heiterkeit sein..)!
Hintergrund ist ein Radioprojekt, an dem ich momentan arbeite.
Ich bin im Ausland (Spanien) und es geht vorwiegend um auslaendische Literatur (d.h. haupts. dt/it./engl./frz.)..auch die Selbstgeschriebenen sind willkommen..
Ich wuerd mich freuen wenn einige hier posten!
Einen sonnigen Tag wuensche ich...
lg ele
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Ergebnis 1 bis 10 von 17
Thema: Lieblingsgedichte
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27.04.2007, 16:59Inaktiver User
Lieblingsgedichte
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27.04.2007, 17:55Inaktiver User
AW: Lieblingsgedichte
Der Auftrag ist vollkommen unklar:
Was ein Gedicht bei mir auslöst?
Was verursacht, dass ich ein Gedicht schreibe?
Oder was ein Gedicht das ich schreibe bei mir verursacht?
Oder was verursacht dass ich Gedichte von anderen lese?
Oder was Gedichte Lesen verursacht?
Na Kopfschütteln natürlich, dann fliegen Schuppen und Schüttelreime. Mir fehlt nur noch ein Sinnvolles sprachliches Umfeld zum Schüttler:
- SpiegeleierDer Gipser frisst die Spiegeleier
- Igelspeier
- Lispegeier
- Gispelrei(h)e
- Giebelseier
- Liegespeier
- Gipsereile (oh, der ist guuuuht gggg)
ungesund schnell in Gipsereile.
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27.04.2007, 23:42
AW: Lieblingsgedichte
Hallo Leane!
In der Schule habe ich gerne Gedichte vorgetragen. Sonst mache ich mir eigentlich nicht viel daraus. Allerdings gibt es zwei Gedichte, die ich immer wieder gerne lese und die zu meinen absoluten Favoriten gehören, nämlich
- Kurt Tucholsky, Augen in der Großstadt
(Das Gedicht bietet einem geradezu an, das Sprechtempo frei zu gestalten. Außerdem spiegelt das Gedicht die Großstadt so schön wieder.)
- Joseph von Eichendorff, Mondnacht
(Geht mir einfach nicht aus dem Kopf.)
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28.04.2007, 07:59Inaktiver User
AW: Lieblingsgedichte
Hallo Leane,
schwierig zu sagen!
So richtige Lieblingsgedichte habe ich nicht, eher noch Lieblingsdichter - beispielsweise R. M. Rilke.
Aber doch, eines seiner Gedichte, durch das ich auf ihn aufmerksam wurde, mag ich ganz besonders:
Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris
Ist das nicht sprachgewaltig? Geprochen wurde es am Ende des Fernsehfilms "Der Verleger". Und diese Rezitation in Verbindung ist auch das Einzige, woran ich mich in Bezug auf diesen Film wirklich erinnere.
Was löst es in mir aus?
Wie alles, was mich emotional berührt, erst einmal eine Gänsehaut. Dann Bewunderung für ein Talent, mit Worten zu jonglieren. Beides aber gehört zusammen.
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03.05.2007, 15:20
AW: Lieblingsgedichte
Ganz klar: Eine verliebte Ballade für ein Mädchen namens Yssabeau (Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund)
von F. Villon
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Da will ich sein im tiefen Tal
dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.
Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hats auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart
für mich so tief im Haar verwahrt ...
Ich such ihn schon die lange Nacht
im Wintertal im Aschengrund ...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.
Im Wintertal, im schwarzen Erdbeerkraut,
da hat der Schnee ein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei.
Und habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!
... ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!
Das ist für mich Leidenschaft pur, Sehnsucht und Romantik, Hingabe, es ist göttlich.
Der Dichter hat das alles erfahren, erlebt und verloren, es ist tantrisch und Lichtjahre entfernt von öden one night stands...Do what makes your heart sing
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03.05.2007, 15:50
AW: Lieblingsgedichte
Und weil ich gerade in der richtigen Stimmung bin (und das am Arbeitsplatz!), noch so ein Herz-Schmerz-Romantik-pur-Stück von Börries von Münchhausen:
Die Ballade vom Brennesselbusch
Liebe fragte Liebe: "Was ist noch nicht mein?"
Sprach zur Liebe Liebe: "Alles, alles dein!"
Liebe küsste Liebe: "Liebste, liebst du mich?"
Küsste Liebe Liebe: "Ewig, ewiglich!"---
Hand in Hand hernieder stieg er mit Maleen
von dem Heidehügel, wo die Nesseln stehen,
eine Nessel brach er, gab er ihrer Hand,
zu der Liebsten sprach er: "Uns brennt heißrer Brand!
Lippe glomm auf Lippe, bis die Lust zum Schmerz,
bis der Atem stockte, brannte Herz auf Herz,
darum, wo nur Nesseln stehn am Straßenrand,
wolln wir daran denken, was uns heute band!"
Spricht von Treu die Liebe, sagt sie "ewig" nur,-
ach, die Treu am Mittag gilt nur bis zwölf Uhr,
Treue gilt am Abend, bis die Nacht begann -
und doch weiß ich Herzen, die verbluten dran.
Krieg verschlug das Mädchen, wie ein Blatt verweht,
das im Wind die Wege fremder Koppeln geht,
und ihr lieber Liebster stieg zum Königsthron,
eine Königstochter nahm der Königssohn.-
Sieben Jahre gingen, und die Nessel stand
sieben Jahr an jedem deutschen Straßenrand,
wer hat Treu gehalten? Gott alleine weiß,
ob nicht wunde Treue brennet doppelt heiß!
Bei der Jagd im Walde stand mit schwerem Sinn,
stand am Knick der König bei der Königin,
Nesselblatt zum Munde hob er wie gebannt,
und die Lippe brannte, wie sie einst gebrannt:
"Brennettelbusch,
Brennettelbusch so kleene,
wat steihst du so alleene!
Brennettelbusch, wo is myn Tyd' eblewen,
un wo is myn Maleen?"
"Sprichst du mit fremder Zunge?" frug die Königin,
"So sang ich als Junge", sprach er vor sich hin.
Heim sie ritten schweigend, Abend hing im Land,-
seine Lippen brannten, wie sie einst gebrannt!
Durch den Garten streifte still die Königin,
zu der Magd am Flusse trat sie heimlich hin,
welche Wäsche spülte noch im Sternenlicht,
Tränen sahn die Sterne auf der Magd Gesicht:
"Brennettelbusch,
Brennettelbusch so kleene,
wat steihst du so alleene!
Brennettelbusch,
ik hev de Tyd 'eweten,
dar was ik nich alleen!"
Sprach die Dame leise: "Sah ich dein Gesicht
unter dem Gesinde? Nein, ich sah es nicht!"
Sprach das Mädchen leiser: "Konntest es nicht sehn,
gestern bin ich kommen, und ich heiß Maleen!"-
Viele Wellen wallen weit ins graue Meer,
eilig sind die Wellen, ihre Hände leer,
eine schleicht so langsam mit den Schwestern hin,
trägt in nassen Armen eine Königin.---
Liebe fragte Liebe: "Sag, weshalb du weinst?"
Raunte Lieb zur Liebe: "Heut ist nicht mehr wie einst!"
Liebe klagte Liebe: "Ists nicht wie vorher?"
Sprach zur Liebe Liebe: "Nimmer - nimmermehr."
Weil ich ja sagen soll, was das in mir auslöst, so kann ich das gar nicht hinschreiben, so emotional macht es mich.
Ich habe gerade mein Büro abgeschlossen, weil mir die Tränen runterlaufen.
LaliqueDo what makes your heart sing
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10.05.2007, 10:37Inaktiver User
Lieblingsgedichte
Schreib' "alles von Heinz Erhardt" rein, und "so gut wie alles von Wilhelm Busch" und "fast alles von Erich Kästner" - dann hast Du meine Lieblingsgedichte auf einem Haufen.
Betsi-Kuh
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10.05.2007, 13:06
AW: Lieblingsgedichte
Betsi, jaaa!
Zitat von Inaktiver User
Das sind auch meine Lieblingsautoren, wenn es um Satire, Ironie, Witz und Scharfsinn geht!
Ich bin nicht nur eine sentimentale alte Kuh, auch wenn es nach den von mir weiter oben genannten zwei Gedichten so aussieht!
Nur manchmal...
Lalique
die sich freut, mal wieder was von dir zu lesen
!
ps Eugen Roth fehlt noch!
Aber eigentlich sollten wir ja dazuschreiben, was die Lektüre dieser Gedichte in uns auslöst und bei den obigen ist das bei mir Schmunzeln und Heiterkeit und ich sage vor allem bei W. Busch immer: der trifft den Nagel auf den Kopf mit seiner Menschenkenntnis!Geändert von Lalique (10.05.2007 um 13:18 Uhr)
Do what makes your heart sing
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13.05.2007, 21:08
AW: Lieblingsgedichte
Mein absoluter Lieblingsdichter ist Lord Byron. Ich lese ihn immer wieder gerne.
Hier folgen 2 meiner Lieblingsgedichte von ihm:
So we'll go no more on a roving
So we'll go no more a roving
a poem by Lord Byron
So, we'll go no more a roving
So late into the night,
Though the heart be still as loving,
And the moon be still as bright.
For the sword outwears its sheath,
And the soul wears out the breast,
And the hearth must pause to breathe,
And love itself have rest.
Though the night was made for loving,
And the days return too soon,
Yet we'll go no more a roving
By the light of the moon.
She walks in beauty
She walks in beauty, like the night
Of cloudless climes and starry skies;
And all that's best of dark and bright
Meet in her aspect and her eyes:
Thus mellow'd to that tender light
Which heaven to gaudy day denies.
One shade the more, one ray the less,
Had half impair'd the nameless grace
Which waves in every raven tress,
Or softly lightens o'er her face;
Where thoughts serenely sweet express
How pure, how dear their dwelling place.
And on that cheek, and o'er that brow,
So soft, so calm, yet eloquent,
The smiles that win, the tints that glow,
But tell of days in goodness spent,
A mind at peace with all below,
A heart whose love is innocent!
Wenn ich Byrons Gedichte lese, bin ich immer vollkommen verzaubert.
Mir ist als gleite man in eine andere Zeit, seine Zeit. Fast fühlt man sich als würde man in einer Sommernacht an einem Fenster sitzen, in einem Kleid wie aus einer Jane Austen Verfilmung gekleidet und bei Kerzenlicht heimlich diese Zeilen lesen, niedergeschrieben mit Tinte in einen Brief, der noch versiegelt wurde und einem insgeheim von einer vertrauten Dienstbotin überbracht....
Ist, was wir scheinen und schaun im Raum, nur ein Traum in einem Traum?Edgar Allan Poe
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14.05.2007, 09:50
AW: Lieblingsgedichte
Hallo Black_Kitten,
Zitat von Black_Kitten
das, was du über Byrons Gedichte schreibst, finde ich sogar noch bezaubernder als diese
!
LaliqueDo what makes your heart sing


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