Obwohl ich noch an meiner längeren Story arbeite, konnte ich nicht anders, als Folgendes niederzuschreiben. Da die Resonanz auf "Cinderellas Träume" ziemlich gering ausfällt, würde ich mich über konstruktive Kritik, Hinweise auf mögliche Unstimmigkeiten oder ungeschickter Ausdrucksweise freuen, da ich den folgenden Text perfektionieren möchte.
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Das Vermächtnis meiner Schwester
Gedankenverloren schlenderte Alina die Straßen der kleinen Stadt entlang. Ihre Semesterferien hatten eben begonnen, das Wetter war angenehm mild, und nichts vermochte Alinas heitere Stimmung zu trüben. Warme Sonnenstrahlen kitzelten ihr Gesicht. Sie fühlte sich rundum zufrieden. – Beinahe. Dennoch schlich sich leiser Wehmut in ihr Herz, wie auch an vielen Tagen in Berlin, wo sie studierte. Es war, als fehlte ihr etwas, was sie zu einem Ganzen und nicht nur zu einem Teil machte. Dabei glaubte Alina, ihre perfekt ergänzende Hälfte in dem angehenden Anwalt Thorben gefunden zu haben, mit dem sie schon seit einem Jahr zusammen war. An diesem Wochenende sollte er sie zu Hause bei ihren Eltern besuchen, damit Alina ihn endlich vorstellen konnte.
Alina seufzte. Was war es, was sie vermisste? Wieso hatte sich diese nagende Sehnsucht nach jemandem besonders in letzter Zeit so verstärkt und war dann in einen stillen, seelischen Schmerz übergegangen? Die junge Frau fuhr sich mit den Fingerspitzen über ihr zu einem französischen Zopf geflochtenes, honigblondes Haar und beschloss, den Kopf nicht weiter darüber zu zerbrechen. Stattdessen verzogen sich ihre vollen Lippen zu einem vergnügten Lächeln, und sie konzentrierte sich auf die Musik. Als sie jedoch das Vibrieren ihres Handys in der Jackentasche spürte, zog sie die Kopfhörer ihres MP3-Players aus den Ohren.
„Schatz, wo bist du?“, vernahm sie die Stimme ihres Vaters.
„Na, auf dem Weg nach Hause“, sie betrachtete die kleine Tüte in ihrer Hand, in der ein Joghurtbecher, eine Tafel Schokolade und ein Kassenzettel lagen.
„Da hat eben ein Mann nach dir verlangt. Er war groß, athletisch und dunkel gekleidet“, ihr Vater klang besorgt. „Kennst du ihn?“
„Vielleicht ist es jemand von der Uni?“, überlegte Alina. Allerdings, wieso sollte sich jemand in den Semesterferien solch einen weiten Weg von Berlin in den Süden Deutschlands machen, um die junge Frau unangekündigt in ihrem Elternhaus zu besuchen?
Hans zögerte. „Wie ein Student sah er aber nicht aus.“ Die Dreiundzwanzigjährige fragte sich, wie er das wohl gemeint haben mochte. Alina bat ihren Vater, sich nicht weiter den Kopf darüber zu zerbrechen und legte auf. Nachdem sie die Kopfhörer wieder in die Ohren gesteckt hatte, ging sie beschwingt weiter. Radfahrer fuhren an der jungen Frau vorbei, eine kleine Gruppe von Frauen kam ihr entgegen. Aber Alinas Blick hielt sich an keiner der Personen fest, bis jemand fünfzig Meter weiter vorne hinter der Ecke hervortrat. Alina wusste nicht, warum sie stehen geblieben war, als sie die hoch gewachsene, breitschultrige Gestalt erblickte. Seine dunkle Kleidung kontrastierte stark mit der hellen Umgebung. Irgendetwas hielt Alina davon ab, diesen Weg weiterzugehen. Der dunkel gekleidete Mann studierte im Gehen ein Foto in seiner behandschuhten Hand. Als er den Kopf hob, ließ Alina vor Schreck beinahe ihre Tüte fallen. Dieses blasse Gesicht, das rabenschwarze Haar hatte sie in den vergangenen Tagen in diesem Viertel schon mehrmals bemerkt.
Instinktiv trat sie mehrere Schritte zurück. Kalte, eisblaue Augen fixierten Alina, dann das Bild. Dann erneut Alina. Da lief der Mann los. Sie verspürte enormen Adrenalinschub; ohne lange zu überlegen, wirbelte sie herum und flüchtete hinter die Mauern eines Hauses. So schnell sie die Beine trugen, eilte Alina durch die enge Gasse, bog scharf nach rechts ab, wo sie einen kleinen steinigen Pfad entlang rannte. Hektisch blickte sie sich um. Noch entdeckte sie ihren Verfolger nicht. Mit einem Satz sprang Alina über den niedrigen Zaun und verschanzte sich hinter der hölzernen Trennwand. Geduckt saß sie mit dem Rücken zum bodenlangen Fenster. Ihr Atem kam schnell und flach. Sie schob einzelne Haarsträhnen aus dem Gesicht. Rasch drehte sie sich um. Hinter dem Fenster des Reihenhauses schien sich nichts zu bewegen. Es war keiner da, der ihr helfen konnte.
Unbeweglich saß Alina eine Zeitlang da und versuchte aus dem Lärm ihrer Umgebung schnelle Schritte heraus zu filtrieren. Aber da war nichts. In der Ferne heulte eine Sirene, Kinder lachten, Vögel sangen. Alina hörte ihr eigenes Herz wild gegen die Brust hämmern. Wer war dieser Mann? Was wollte er von ihr? So verstrichen Minuten, ehe Alina entschied, sich nach Hause zu begeben.
Jedes Mal, wenn ein scharfes Geräusch in ihre Ohren drang, zuckte sie erschrocken zusammen.
Auf das Drängen ihrer Eltern hin hatte Alina die Polizei verständigt. Wenig später wurde ein Beamter vorbei geschickt, der sich Alinas Beschreibung anhörte und notierte. Bevor er das Haus verließ, riet der Polizist, nicht alleine abends unterwegs zu sein.
„Ich denke nicht, dass er Sie zu Hause aufsucht. Das tun die meisten nicht“, meinte der Polizist. „Sollten Sie ihn jedoch in Hausnähe entdecken, melden Sie es bitte.“
Das beruhigte Alina. Der Beamte hatte Recht. Als ihre Eltern am Abend von Verwandten eingeladen worden waren, bestanden sie darauf, dass Alina sie begleitete. Alina jedoch beabsichtigte, die Zeit zu nutzen, um an ihrer Hausarbeit weiter zu schreiben. Sie hatte sich recht schnell von dem Schrecken erholt und schrieb im Büro ihres Vaters fleißig an ihrem Essay, obwohl ihr eigentlich der Sinn danach stand, mit Freunden auszugehen. Kurz vor Mitternacht vernahm sie im Haus ein Donnern und daraufhin ein lautes Knacken.
Alina öffnete die Tür. Ein Blick die Treppe hinunter ins Erdgeschoss verriet Alina, dass es sich nicht um ihre Eltern handelte. Dunkel gekleidete Männer redeten miteinander.
„ …Oben, wo das Licht brennt.“
„ … schnell hinter uns bringen.“ Einer von ihnen hechtete die Treppe hoch. Alinas Herz raste in der Brust. Sofort knallte sie ihre Tür zu und verriegelte sie. Die Schritte wurden lauter. Die Männer waren schneller bei der Tür, als Alina die Balkontür aufgerissen hatte. Stürmische Tritte und wütendes Hämmern versetzten Alina in Angst und Schrecken. Ihre Hände krallten sich in metallene Stäbe, dann stieg sie über das Geländer. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie auf den Rasen, knapp über zwei Meter unter ihr. Das Einschlagen auf die Tür wurde immer lauter. Da sprang Alina ab. Unsanft landete sie in ihren Hausschuhen auf dem Gras und verlor kurzzeitig die Balance, so dass sie auf den Hintern fiel. Ihre Beine schmerzten, jedoch raffte sich Alina auf. Barfuss setzte sie ihre Flucht fort. Die Fremden registrierten, dass die junge Frau quer durch den Garten und schließlich hinaus auf die Straße floh. Einer von ihnen kletterte über das Gelände, während die anderen die Treppe nahmen.
Scharfe Kieselsteine bohrten sich in ihre nackten Füße. Aber Alina biss die Zähne zusammen. Ihre Gedanken rasten. Wohin sollte sie gehen? Wo war sie sicher? Warum waren diese Männer gewaltsam eingebrochen? Alinas Haargummi löste sich im Rennen, und die festen Haarstränge lockerten sich. Einen Augenblick lang war sie in ihrer Verwirrung stehen geblieben, ehe sie sich vor die Augen führte, dass das Gummi das kleinste ihrer derzeitigen Probleme darstellte. Blind vor Angst Alina in jemanden hinein. Sie prallte an der harten Brust ab und brauchte wenige Sekunden, um ihre Sinne zu sammeln. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen, als sie in kalte, helle Augen blickte. Eine mächtige Pranke schoss wie aus dem Nichts auf sie zu. Ehe Alina reagieren konnte, schloss sich eine Hand um ihre Taille und presste den linken Arm an den Körper, während die andere Hand ihren Mund zuhielt. Alinas Kehle entrann ein leiser Schrei.
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14.04.2007, 23:33
Das Vermächtnis meiner Schwester
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15.04.2007, 08:08Inaktiver User
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
Hallo E-E,
drei Tipps
1. Erklärte Gefühle machen einen Text langweilig. Als LeserIn möchte man doch selber noch etwas mitspüren, entdecken ...
Ersetze alle erklärten Gefühle durch Handlungen, Bilder, Situationen. Du kannst gleich beim ersten Wort beginnen.
2. Streichen. Bei einem kurzen Text muss alles raus, was nichts mit der Handlung zu tun hat. Wozu den Anwalt Thorben? Auch volle Lippen, französische Zöpfe interessieren mich nur, wenn sie einen Bezug zur Geschichte haben.
3. Ziel. Die Erzählung hat kein Ziel. Ich habe am Ende keinen Schimmer, warum du das geschrieben hast und warum ich das lesen sollte.
lg
Markgraf
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15.04.2007, 11:15
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
Zu 2.: Es ist keine Kurzgeschichte, sondern der Beginn einer etwas längeren. Ich finde durchaus, dass man über den Protagonisten etwas erfahren muss, ehe man in die Geschichte einsteigt, oder bevorzugst du eher eine Person, die du dir komplett selbst im Kopf zusammen stellen musst?
Zu 3.: Du musst gar nichts lesen, wenn du nicht willst. Aber es ist doch klar, dass ich mein Ziel nicht sofort verrate. Schließlich ist das ja keine Kurzgeschichte in solchem Sinne, sondern eine, die natürlich fortgesetzt wird.
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15.04.2007, 23:52Inaktiver User
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
Hallo
ich verliere ganz schnell die Lust zu lesen, wenn mir Formulierungen wie
" gedankenverloren schlendern, warme Sonnenstrahlen..angenehm mildes Wetter, leise Wehmut.. heitere Stimmung getrübt... nagende Sehnsucht.. hoch gewachsene, breitschultrige Gestalt..
und "das Herz rast und die Tür knallt.. unsanft landet etwas..
blind vor Angst.. vor Entsetzen geweitete Augen, kalte Augen,
der Kehle entrann ein Schrei.. "
lese..
"Entrann" war etwas außergewöhnlich, aber ich fand es auch nicht treffend.
Die Sprache gefällt mir nicht, ich störe mich zu sehr an diesen so oft, so oft gelesen Standard-Formulierungen.
Bitte nicht böse sein, aber Du wünschtest Dir ja Rückmeldung.Geändert von Inaktiver User (16.04.2007 um 00:01 Uhr)
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16.04.2007, 07:20Inaktiver User
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
Wie kommt eigentlich der Polizist da so plötzlich rein?
Ich würde vermutlich nicht aufgrund der Ahnung eines Verdachts, dass mir am Aband jemand gefolgt sei zur Polizei rennen, auch nicht auf das Drängen von Eltern.
Was die Geschichte werden soll scheint sich langsam abzuzeichnen, irgendwie riecht es nach Spionagekrimi. Die Trenchcoats sind vielleicht aus der Mode? Die lassen doch solche Literatur sonst von Weitem erkennen....
Der präsentierte Teil geht so weit, dass ich wahrscheinlich weiterlesen würde, aber nicht sicher, die nächsten paar Zeilen können entscheiden, ob ich zu ende lese oder lieber selber was schreib.
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16.04.2007, 14:33
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
So so, ich hätte nicht erwartet, dass man sich so aktiv beteiligt. Aber es freut mich, weil ich durch die Feedbacks an der Geschichte weiter "feilen" kann. Muss aber gleich sagen, dass sich an der Sprache kaum etwas ändern wird. Sehr zum Verdruss einiger Leser hier.
(Ich kann die Sprache leider nicht neu erfinden.)
Mal eine Frage an Linwen2: Was würdest du statt "kalte Augen" sagen? Oder die "Tür knallt"? Mir persönlich fällt da nichts ein, wenn jemand jedoch einen Ratschlag hat ... Ich würde mir gerne Anregungen holen.
Zu Eyrris Kommentar: Das mit der Polizei ist so eine Sache. Die einen würden nichts tun, die anderen vermutlich doch. Und nein, es ist keine Geschichte aus diesem Genre (Spionage).
Bitte, wenn ihr kritisiert, gebt doch Beispiele an, wie man es "richtig" machen soll! Das würde mir ungemein helfen, als "Tu dies nicht, tu das nicht".
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16.04.2007, 15:53
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
Ich glaube nicht, dass es darum geht, einen bestimmten Ausdruck wie "kalte Augen" durch einen anderen zu ersetzen.
Es ist die Schreibweise, das Sprachniveau im ganzen, das einen ansprechen, auch das Kreative, das man spüren muss.
Ich reagiere spontan unwirsch, wenn ich hier Lektor spielen soll und fang damit gar nicht erst an.
Es wäre immens zeitaufwendig, und es ist nicht mein Ding, zumal ich weiß, dass im Grunde jeder immer nur bestätigt werden möchte.
Ich gebe bei solchen Geschichten sehr schnell auf, es fehlt jede Motivation und ich werde sofort gleichgültig, wenn mich etwas von Anfang an nicht fesselt oder neugierig macht.
Warum soll ich mir das antun!
Ich verlange auch nicht von anderen, dass sie meine Verse erstens lesen und zweitens analysieren und kommentieren, ich mach das wegen des Kicks, den mir das Reimen gibt und bin nur hier, um selber aktiv zu sein!
LaliqueDo what makes your heart sing
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16.04.2007, 17:37Inaktiver User
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
immerhin @ lalique, hast du das gelesen und bist drauf ein gegangen.
Offenbar fühltest Du Dich auch angesprochen.
Zugegeben, diese geschichte ist auch mein stil nicht, vermutlich würde ich nicht mal das Buch anschauen mit diesem Titel, wenn es in der Auslage der Buchhandlung anzutreffen wäre.
Aber ich hatte gerade Zeit und da kann ich ja sagen was mir dazu einfällt, wie Du ja auch.
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17.04.2007, 08:18
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
Ich habe den ersten Absatz gelesen und dann aufgehört.
Zitat von Inaktiver User
Angesprochen fühle ich mich insofern, als die Verfasserin sich an alle hier wendet und ich gehöre doch auch dazu oder?
Ich habe hauptsächlich reagiert, weil sie sich über die geringe Resonanz beklagte und ein statement dazu abgegeben.
Das hat mit dem, wie du damit umgehst, nichts zu tun
!
Allens klar?
Have a nice day,
LaliqueDo what makes your heart sing
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17.04.2007, 12:46
AW: Das Vermächtnis meiner Schwester
Kein Grund " unwirsch" zu sein, liebe Lalique, und du " sollst " auch nicht den Lektor spielen - ElementsEnergy " würde sich freuen" über konstruktive Kritik .
Niemand " verlangt", dass etwas gelesen, analysiert und kommentiert wird - wer Lust dazu hat, kann es tun und der Bitte von ElementsEnergy nachkommen, wer nicht, widmet sich einem anderen Strang.
Stimmt, die meisten Schreiberlinge schreiben , weil es ihnen Spaß macht, es ihnen ein Bedürfnis ist, den gewissen " Kick" gibt, aber jeder " darf" auch Anregungen " einholen".
Ich nehme an, Bestätigung wird gerne gelesen , aber Kritik auch angenommen.
Lb. Gr. ViolaGeändert von Viola (17.04.2007 um 23:45 Uhr)
Why, what is to live?
Not to eat and drink and breathe,
—but to feel the life in you down all the fibres of being, passionately and joyfully.
Elizabeth Barrett Browning


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