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    Beitrag Neue Kurzkrimis

    MORD DURCH WORT
    Oder: Rache in New Mexico

    Die Sirenen der Unfallwagen, die aus Taos die kurvenreiche Bergstraße nach Angel Fire hinaufrasten, konnte man schon fünfzehn Minuten vor ihrer Ankunft hören. Eine kleine Gruppe von Menschen sammelte sich am Steilhang, wo Flammen und schwarzer Rauch aus dem Wrack eines Autos aus der Tiefe aufstiegen. Die Unfallwagen mussten bis zur Abzweigung nach Angel Fire weiterfahren, um dem Feuerwehrauto mit großem
    Abschleppkran Platz zu machen. Der Kran brachte nach einer Stunde das noch qualmende mit den Überresten von zwei Menschen an die Oberfläche. Die Unfallwagen kehrten unverrichteter Dinge nach Taos zurück, und dasAutowrack mit menschlichen Überresten wurde den zuständigen Behörden übergeben. Die fanden schon
    am nächsten Tag, dass Mary und Bert Larson, aus dem sehr flachen Bundesstaat Minnesota, auf der ungewohnten Bergstraße in New Mexico die Kontrolle über ihr Auto und ihr Leben verloren hatten.

    Am dritten Tag nach dem Unfall kamen Lars und Britta Larson, die Kinder der Verunglückten, in Taos an, um die sterblichen Reste ihrer Eltern beizusetzen und die zwei Urnen nach Minnesota zu bringen. Britta hatte vor der Kremation die schwere Aufgabe, die Fetzen einer verbrannten Lederjacke von den Skelettknochen ihrer Mutter zu entfernen. Während sie tränenüberströmt bei dieser Arbeit war, fühlte sie in der am Skelett klebenden Jackentasche etwas Hartes. Sie musste Taschenleder und Futter, die miteinander verschmolzen waren, vorsichtig von dem rechteckigen Gegenstand schaben. Was sie danach in der Hand hielt, schien ihr unglaublich: ein kleines, altmodisches, nahezu unversehrtes Tonbandgerät.

    Es war ihr unfassbar, dass nicht nur das Gerät selbst sondern auch das Tonband auf den zwei Spulen intakt zu sein schien, und sie sagte es kaum zu hoffen, dass sie die toten Batterien durch neue ersetzen und dann mit ihrem Bruder noch eine letzte Botschaft ihrer Eltern hören könnte. Aber so geschah es, und dies ist, was Britta und Lars hörten:
    Vater (anscheinend am Steuer und mit der Faust auf das Dashboard schlagend): " Verdammt, du bist wohl verrückt geworden. Ich soll allein zurück nach Minnesota, und du bleibst hier?"
    Mutter ( leise, langsam): "Ich habe deine Wutanfälle lange genug ohne Widerrede ertragen. Aber jetzt ist Schluss. Ich will meine Ruhe."
    Vater (schreiend): "Das tust du mir nicht an, du altes Biest. Denkst wohl, du kannst mich ausrauben? Keinen Pfennig kriegst du. Ich sperre morgen früh meine Konten. "
    Mutter (leise, langsam): "Ich habe heute fünfzig Prozent unserer gemeinsamen Konten auf ein privates für mich überwiesen. "
    Vater (laut schreiend): "Das gibt's doch nicht. Du Sauluder--ich hau dir jetzt eine r-u-n-t-errr...."
    Das Tonband läuft unter lautem Geräusch aus.

    Britta und Lars saßen lange wie versteinert. Dann fragte Britta ihren Bruder:"Glaubst du immer noch, das war ein Unfall?"
    " Was meinst du?" fragte Lars zurück.
    "Unsere Mutter war 82 Jahre alt und litt, wie du weißt, an Rückgrat Schmerzen, die sie immer mehr verkrümmten. Sie hatte mir anvertraut, dass sie einen Weg suchte, aus dem Leben auszuscheiden, wenn die Schmerzen noch schlimmer würden. Vielleicht war dieser Zeitpunkt gekommen. "
    "Du meinst..."
    "Ja, Lars, ich meine sie hat unseren jähzornigen Vater dazu benutzt, ihr zu einem schnellen Tod zu verhelfen."
    "Was sagst du da, Britta? Das wäre Mord."
    "Ja, Lars, das wäre Mord-Selbstmord. Aber man kann es auch Rache nennen. Oder vielleicht Karma?"

  2. Inaktiver User

    AW: Neue Kurzkrimis

    (Un)Glückskatze


    "Wie hast du es gemacht?"
    Tom grinste selbstzufrieden. "Was denn?"
    "Wie hast du Ines umgebracht?" Tom war seit unserer Schulzeit vor dreißig Jahren mein bester Freund. Ich wusste, dass er seine Frau ermordet hatte. Aber wie?

    Ines zu heiraten war einer der wenigen Fehler, die Tom in seinem Leben gemacht hatte. Sie war ein chronisch unzufriedener Mensch gewesen und hatte sich immer als Opfer gefühlt. Seit drei Tagen war sie tot. Ich freute mich für Tom, weil er sie endlich losgeworden war.

    Offiziell war die adipöse Ines über ihren ebenso fetten Perserkater gestolpert und die steile Marmortreppe hinuntergefallen. Dabei hatte sie sich das Genick gebrochen und war sofort tot. Der Kater blieb unverletzt. Tom hatte mit mir am Fuß der Treppe gestanden, weil wir auf Ines gewartet hatten. Wir wollten zusammen zum Essen gehen. So waren wir beide zu Augenzeugen des Unglücksfalls geworden.

    Auf Tom fiel nicht der Hauch eines Verdachts. Trotzdem wusste ich, dass er Ines umgebracht hatte. Ich kannte Tom. Sein Lächeln auf meine Frage war ein klares Geständnis. "Jetzt sag schon, Tom."

    Statt einer Antwort führte er mich in den Keller. Dort deutete er auf das Gestell, in dem Ines den gelben Sack zur Mülltrennung aufgehängt hatte. Ich öffnete den Deckel und betrachtete den Inhalt. Da Tom seit Ines Tod keinen Müll mehr trennte - er hatte das immer schon für überflüssig gehalten - sah ich sofort, was er mir zeigen wollte.

    Eine glatte, glasklare Folie. "Das hätte auch schiefgehen können", sagte ich erschrocken. "Hat aber geklappt", stellte Tom grinsend fest.

    Tom hatte die Folie am Kopf der Treppe ausgelegt. Ines war auf die Folie getreten und die Folie war weggerutscht. Die schwerfällige Frau hatte das Gleichgewicht verloren und war die Treppe hinuntergestürzt.

    "Aber wie hast du es hingekriegt, dass der Kater da saß?"
    Tom lächelte glücklich. "Katzenminzeöl."
    Geändert von Inaktiver User (04.10.2017 um 19:58 Uhr) Grund: Titel hinzugefügt


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    AW: Neue Kurzkrimis

    Ich habe mich sehr gefreut, dass mein erster Beitrag zu der von mir ins Leben gerufenen Kategorie NEUE KURZKRIMIS mit Zinn’s spannender Geschichte ihre erste Fortsetzung gefunden hat. Wir haben noch Platz für 22 zusätzliche!

  4. Inaktiver User

    AW: Neue Kurzkrimis

    Warum genau 22 bzw. 24 insgesamt?


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    AW: Neue Kurzkrimis

    Als ich die Kategorie begann, gab mir Brigitte ein Maximum von 24 Beiträgen. Aber mit vereinten Kräften können wir das vielleicht vergrößern.

  6. Avatar von Avocado_Diaboli
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    AW: Neue Kurzkrimis

    Wer ist Brigitte?

    Okay, ich versuch´s mal:

    GESCHMÄCKER SIND VERSCHIEDEN

    "Der berühmte stumpfe Gegenstand", seufzte Berghauser, als er Meyer gegenüber an den Tisch trat und ihm einen Becher Kaffee reichte. Dieser nahm einen Schluck und verzog unmerklich das Gesicht. Seit er auf Espresso umgestiegen war, konnte er diese lauwarme Filterbrühe nicht mehr ertragen. Wurde Zeit, eine eigene Nespresso für das Büro anzuschaffen. "Kein Hinweis auf die Tatwaffe?" pustete er murmelnd in seinen Becher, vorgebend, das Gesöff trinken zu wollen. Bah, im Leben nicht! Aber er wollte seinen Chef nicht brüskieren, der von sich behauptete, als einziger im ganzen Präsidium einen "ordentlichen Kaffee!" hin zu bekommen.
    "Du weißt doch, wie das ist: Da wird jemand erschlagen vor dem Haus aufgefunden und niemand hat zu der Tatzeit etwas gesehen, geschweige denn liegt die Tatwaffe daneben. Gut, er lag nicht auf der Straße, sondern in seinem Hinterhof, aber trotzdem - viel zu viele Möglichkeiten." Berghauser nahm genussvoll einen Schluck. "Noch Kaffee?" "Nee, danke, hab noch", murmelte Meyer und begann, sein Pausenbrot auszupacken.
    "Wie geht es denn der Frau?" nuschelte er zwischen zwei Bissen. "Den Umständen entsprechend. Sie ist mit ihren 75 Jahren nun auch kein junger Hüpfer mehr, und sie waren über 50 Jahre verheiratet. Ein bißchen verschroben ist sie, und sie scheint den Tod ihres Mannes nicht wirklich zu bedauern. Hat mir haufenweise Stracke angeboten. Wirklich lecker."
    "Dir auch?" Meyer musste lachen und winkte mit seinem Brot. "Das hier hat sie mir gemacht, weil ich gestern so lange bei ihr geblieben bin, bis der Pathologe wieder weg war. Sie hat mich so vollgestopft, dass ich mich ihrer nur erwehren konnte, indem ich mir Brote hab einpacken lassen. Das ist noch übrig. Schmeckt echt gut."

    Marlies setzte sich zurück und biss feierlich in das letzte Stück der Eichsfelder Stracke. Wie sie dieses Zeug hasste! Ein halbes Jahrhundert hatte es beim Abendbrot nichts anderes gegeben als diese vermaldedeite Wurst. Dieter hatte einen Hang zum Groben gehabt, und so hatte sie sich stets seinen Vorgaben unterworfen. Aber nun, nach über 50 Jahren Mettwurst, hatte sie die Nase voll. Sie wusste selbst nicht, was an diesem Abend in sie gefahren war. Sie hatte den Vorschlag gemacht, einmal Salami zu essen, vielleicht auch die grobe. Aber nein, Dieter hatte sich geweigert. Geweigert! Hatte ihr nur gedroht und war auf den Hof hinausgeschlappt. "Stracke, und sonst nix! Das weißt du genau!!" Zuerst war sie ganz ruhig gewesen. Dann war etwas mit ihr geschehen, brach sich Bahn. "Du mit deiner scheiß Stracke!" kreischte sie und hetzte hinter ihm her. Sie hatte die gute in der Hand, die schon sechs Wochen in der Kammer lagerte und hart war wie ein Ofenscheit. Mit einem unglaublichen Hieb zog sie ihm die Wurst über den Schädel. Er hatte nur verdutzt geröchelt und sich den Kopf gehalten. Beim zweiten Schlag war er in die Knie gegangen, und der dritte an die Schläfe hatte ihm den Rest gegeben. Marlies hatte triumphierend aufgeschrien. "So, und jetzt mach ich mir ein KÄSEBROT!!!
    Wer nichts Nettes zu sagen hat, kann sich ruhig zu mir setzen.
    Geändert von Avocado_Diaboli (05.10.2017 um 12:35 Uhr) Grund: Protagonisten umbenannt


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    AW: Neue Kurzkrimis

    Tja, die Ehefrauen. Sodom und Gomera.



    Die Hölle - das sind die anderen


    „Hilde! Hiiilde! Wo bleibst du denn? Ich habe Hunger.“

    Oh Gott, nicht schon wieder. Seit Egon den schweren Unfall hatte und sich nur noch im Rollstuhl fort bewegen konnte, war er noch unausstehlicher geworden. Schon früher hatte er sie herum gescheucht, wüst beschimpft und auch geschlagen. Besonders, wenn er betrunken war. In seiner Schreibtischschublade hatte er immer einen Vorrat von seinem geliebten Jägermeister stehen.

    Manchmal zwang er sie, mit zu trinken. Ihr wurde schon schlecht, wenn sie das Zeug riechen musste. Aber er war unerbittlich. „Du weißt ja, Hildchen, mein Testament ist geschrieben. Gilt natürlich nur für brave Mädchen, die mit ihrem lieben Egon mal ein Gläschen heben ...Los, du Schlampe, runter damit!“ Und so hatte sie sich gefügt. Mittlerweile brachte ihr der Alkohol sogar eine Erleichterung.

    „Hilde! Ich zähle bis drei. Eins, zwei ...“
    „Schon gut, Egon, ich komme ja schon!“

    Wütend war sie auf sich selbst. Egon war völlig hilflos ohne sie, aber das Testament konnte er jederzeit ändern. Brauchte bloß seinen alten Spezi Karl-Heinz anzurufen. Die beiden gingen seit ihrer Jugend durch dick und dünn.

    Sie hatte Nusskuchen gebacken. Dem konnte er nicht widerstehen und manchmal wurde seine Laune etwas besser und er ließ sich herab, mal ein freundlicheres Wort zu ihr zu sagen. Was er denn für freundlich hielt ...

    Sie reichte ihm ein Stück mit dem Kuchenlöffel, ungeduldig schob sie nach und auf einmal verschluckte er sich und hustete und krächzte. Und sie nahm noch ein Stück, ein besonders großes, und wieder stopfte sie es ihm in den Mund. Ihre ganze Wut entlud sich. Ungerührt sah sie zu, wie er nach Luft schnappte, wie seine Augen aus den Höhlen zu quellen schienen und wie er plötzlich still wurde.

    Sie wischte sich den Schweiß ab. Am ganzen Körper zitternd, erhob sie sich, wankte zum Schreibtisch, holte den Jägermeister heraus und nahm ein großen Schluck. Puh, das tat gut, nie hätte sie gedacht, dass sie das Zeug mal so brauchen würde. Egal, jetzt konnte sie tun und lassen, was sie wollte, vielleicht mal eine Kreuzfahrt machen oder ein paar schicke neue Stiefel …

    Erst langsam merkte sie, dass die wohlige Wärme, die der Jägermeister in ihr ausgelöst hatte, einer Übelkeit wich, die immer stärker wurde. Was war bloß los? Am besten noch einen Schluck. Schließlich räumte Jägermeister den Magen auf. Jetzt bemerkte sie das Blatt Papier, das in der Schublade unter der Flasche lag. Sie erkannte Egons Handschrift.

    „Liebe Hilde, ich wusste, dass du eines Tages hier herum schnüffelst, wenn ich ins Gras gebissen habe und du das Testament suchst. So wie ich dich kenne, genehmigst du dir bestimmt einen ordentlichen Schluck und feierst deine Freiheit. Du bist so eine dumme Gans, Hilde. Der Schnaps ist vergiftet und in spätesten einer Stunde ist Schluss mit lustig.Mein ganzes Vermögen erbt Karl-Heinz, mein alter Kumpel, der einzige Mensch, auf den ich mich immer verlassen konnte. Leb wohl, Hilde, auf Wiedersehen in der Hölle.“
    Geändert von Perlengazelle (04.10.2017 um 20:03 Uhr)


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    AW: Neue Kurzkrimis

    Toller Stil, Avocado Diabolo!


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    AW: Neue Kurzkrimis

    Eine neue Variante zum ehelichen Doppelmord. Prima gemacht!


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    AW: Neue Kurzkrimis

    Hallo alle Kurzkrimi Schreiberlinge!
    Ich lebe in den USA, unterrichte Deutsch und würde gern Brigitte um Erlaubnis bitten, die 24 Kurzkrimis als Lesebuch für Fortgeschrittene Deutschstudenten in den USA zu veröffentlichen. Wenn‘s erfolgreich wird, würden wir alle mit einem 24. Teil am Profit beteiligt. Hättet Ihr Interesse oder was dagegen?

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