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  1. Inaktiver User

    AW: Neue Kurzkrimis

    Zitat Zitat von Perlengazelle Beitrag anzeigen
    Das A und O ist - nach dem Bekunden einer mir bekannten Autorin - das Überarbeiten und nochmal Überarbeiten und nochmal. Und vor allem streichen. Aber die erste Fassung sollte unbefangen herunter geschrieben werden. Sagt sie.
    Au weia. Dann habe ich keine Chance, weil ich meine Sachen ungerne noch einmal durchgehe. Spontane Erstfassung kenne ich auch nicht, ich bossle Satz für Satz. Allerdings kann ich nicht mitreden, ich habe nur diese beiden Kurzkrimis hier geschrieben.

    Das Streichen mache ich während des Schreibens. Irgendwo habe ich den Tipp gelesen: Kill your Darlings. Das hilft mir bei jeder Art von Text, wenn sich eine scheinbar geniale Wendung querstellt: Nehme ich sie heraus, flutscht es wieder.



    Zitat Zitat von Perlengazelle Beitrag anzeigen
    Ich habe da noch was Älteres - eher tragisch.
    Ah, du hast vorher schon geschrieben. Das merkt man. Ich habe vor diesem Thread nie Prosatexte verfasst. (Und werde es nach Threadende wohl nicht wieder tun. Es ist purer Ich-kann-wenn-ich-will-Ehrgeiz, der mich hier mitmischen lässt.^^)


  2. Registriert seit
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    AW: Neue Kurzkrimis

    Naja, ich habe ein bisschen rumgekritzelt. Wirklich ganz dilettantisch. Meistens grottenschlecht.


  3. Registriert seit
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    AW: Neue Kurzkrimis

    Teuflisches Lachen, Avocado! Ich finde auch dein Motto mit dem Loslassen und den freien Händen sehr gut. Ist das von dir?

  4. Avatar von Avocado_Diaboli
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    AW: Neue Kurzkrimis

    Hallo Vati,
    danke für die Blumen, aber das ist nicht von mir. Keine Ahnung, wo ich das mal aufgeschnappt habe - aber ich fand es so treffend, dass ich es direkt übernommen habe
    Wer nichts Nettes zu sagen hat, kann sich ruhig zu mir setzen.


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    AW: Neue Kurzkrimis

    Ich habe eine neue Idee. Kam mir gerade beim Einkaufen. In der Apotheke ...



    Wenn der Postbote klingelt

    Die meisten Leute denken, dass ein Paketbote ziemlich weit unten in der Rangfolge der big winners steht. Genauer gesagt, eigentlich schon eher im Minusbereich. Kriegt nichts auf die Reihe, Loser, dumm geboren und nichts dazu gelernt. Meine Süße dachte ähnlich. Gut, am Anfang war große Liebe, sie könne ohne mich nicht leben, Herz und Schmerz und Schmalz, wenn Sie verstehen, was ich meine.

    Doch nach kürzester Zeit ging‘s dann los. Sie träume von einer Familie, von Haus und Einbauküche und Garten und dem ganzen Spießerkram. Schicke Karre dazu, Pool, edle Fummel - das volle Programm eben. Natürlich reichten ihr meine paar Kröten nicht mehr und überhaupt könne sie mit mir über nichts reden. Mein Wortschatz wäre beschränkt, meine Kumpels alle unmöglich und sie hätte die Nase voll, jedes Wochenende mit diesen Blödmännern auf dem Fußballplatz abzuhängen und sich anschließend die Kante zu geben. Nachtigall, ich hör dir trappsen.

    Reckte jedenfalls die Nase ganz schön hoch, die Süße. Meinte, sie wäre sonst was mit ihrer Apothekerlehre und ihrem weißen Kittel und frommen Augenaufschlag. Dreht den Leute Pillen an, die sie nicht brauchen, statt mal was Anständiges abzudrücken. So Sachen eben, die man einfach braucht. Mother‘s little helpers und so.

    Die Sache eskalierte dann, als ich ihr vorschlug, mal einen Griff in den Apothekerschrank zu tun, den Giftschrank, der hinten im Aufenthaltsraum steht. Merkte keine Mensch. Ihr Chef wäre doch ein selten dämlicher Esel, der überhaupt nicht checkte. Damit hatte sie mir jedenfalls immer in den Ohren gelegen. Da könne man doch ordentlich Kohle machen, wenn man wusste, wie – ein Schritt hin zu ihrem geliebten Spießerleben. Von nichts kommt eben nichts.

    Du lieber Himmel, dass sie so unter die Decke gehen würde, hatte ich nicht erwartet. Hat mich doch glatt aus ihrer Bude geworfen, Schluss mit lustig. Ich könne froh sein, wenn sie nicht die Bullen holen würde. Na, andere Mütter haben auch schöne Bräute.

    Aber irgendwie wurmte mich die Sache. Die bunten Pillchen aus dem Giftschrank gingen mir nicht mehr aus Kopf. Die Kohle, die es dafür gab, konnte ich auch gut alleine auf den Kopf hauen. Einschließlich ein paar Träume hin und wieder. Nicht, dass ich das brauchen würde. Aber mit der Zeit ging mir diese dämliche Paketschlepperei doch gewaltig auf die Nerven. Und nur ein paar Bierchen mit den Kumpels machen die Kohl nicht fett.

    Jedenfalls wurde die Sache langsam spruchreif. Mein Plan war wasserdicht. Mittwoch nachts hatte die Süße Nachtdienst, ging erst abends zur Apotheke und hatte tagsüber die Schlüssel zu Hause. Ich würde der Süßen ein Päckchen bringen und dann sanft überzeugen, wie das so meine Art ist. Wenn sie erst Mal eine paar Klunker in die Finger bekam, würde sie schon einsehen, dass ich „the one and only“ war. Und ein Familienleben ist eigentlich auch nicht zu verachten, mit genügend großem Polster. Nachschub würde es dank meine Süßen immer geben.

    „Paketpost!“ Der Summer an der Haustür ertönte. Ich schnappte mir das Paket und stieg hoch in den dritten Stock. „Was willst du denn hier? Verschwinde, oder ...“ „Freue mich auch, dich wieder zu sehen, Süße. Los, rein mit dir und Schnauze halten!“ Blitzschnell hatte sie sie in die Wohnung gedrängt, als ich plötzlich von hinten eins über gezogen kriegte. „Meine Verlobte hat mich schon vorbereitet, dass Sie wahrscheinlich mal einen Freundschaftsbesuch machen würden. Verstehe ich sehr gut, dass die Schächtelchen in meiner Apotheke zu verlockend sind. Na, im Knast können Sie ja mal ein paar Kartons falten. Zeit genug werden Sie ja haben.“

    Das ist die ganze Geschichte, Herr Anwalt. Meinen Sie, da ist was zu machen?
    Geändert von Perlengazelle (07.10.2017 um 19:38 Uhr)

  6. Avatar von Avocado_Diaboli
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    AW: Neue Kurzkrimis

    Gazelle, eine Bombenstory. Der Stil ist klasse, den Leser/den Anwalt direkt anzusprechen. Ich hörte geradezu die Berliner Mundart, "meine Süße, wa?" Allerdings: Wieso könnte der Protagonist in den Knast? Er hat ja (bis auf einen kleinen Hausfriedensbruch) noch nichts gemacht.
    Wer nichts Nettes zu sagen hat, kann sich ruhig zu mir setzen.

  7. Inaktiver User

    AW: Neue Kurzkrimis

    Klasse, Gazelle. Frisch und rasant erzählt.

    Jetzt traue ich mich kaum, mit meiner elegischen (= Euphemismus für langweiligen^^) Story anzutreten ...



    Ma Baker



    "Guckt mir genau zu. Den äußeren Bogen der Büroklammer biege ich auf und schneide den Draht hier mit der Zange ab. Der Teil mit der Öse ist der Schlüssel." Ma Baker formte mit der Kombizange aus dem verbliebenen inneren Bogen der Büroklammer eine lange Öse und bog sie um Neunzig Grad nach unten. "Mit dem zweiten Drahtstück", sie deutete mit dem leicht gewellten Drahtende auf das Vorhängeschloß, das auf dem Tisch lag, "drücken wir die Stifte im Schloss herunter." . Ihre zehnjährigen Zwillingssöhne verfolgten aufmerksam Ma Bakers Vorführung. Vierstellige Zahlenschlösser bekamen die beiden Jungen inzwischen in zwanzig Sekunden auf. Es war an der Zeit, etwas Neues zu lernen.

    Die Bewohner des 500-Seelen-Dorfes Kleinschnickhausen nannten die magere Mittdreißigerin mit dem braunschwarzen Haar entrüstet Ma Baker. Ma Baker wie in Boney M.s Song:

    Ma Baker
    She taught her four sons
    Ma Ma Ma Ma
    Ma Baker
    To handle their guns

    Die alleinerziehende Ma Baker aus Kleinschnickhausen hielt allerdings nichts von Waffen. Stattdessen brachte sie ihren beiden goldblonden Engeln bei, Schlösser zu knacken. "Warum schießen, wenn man in einer Minute jede Türe öffnen kann?", war ihr Motto. Anfangs hatte sie versucht, sich mit einem Schlüsseldienst in Kleinschnickhausen selbstständig zu machen. Doch damals, als sie mit ihren beiden Kleinkindern ins Dorf gezogen war, sperrte niemand in Kleinschnickhausen sein Haus ab. Wenn doch, lag der Schlüssel unter der Fußmatte. Daher hatte nie jemand Ma Bakers Service als Notfall-Schlüsseldienst in Anspruch genommen. Inzwischen sperrte zwar jeder seine Haustüre ab und drehte den Schlüssel zweimal im Schloß um. Auch die Fußmatten waren als Schlüsselversteck aus der Mode gekommen. Doch kein Kleinschnickhausener würde je Ma Baker rufen, wenn er sich ausgesperrt hatte.

    So lebten Ma Baker und ihre Söhne vom Ertrag der Dinge, die Ma Baker hinter Türen fand. Ma Baker war sehr ordentlich. Nie warf sie die Dinge in den Schubladen der Behausungen, die sie besuchte, durcheinander. Oft merkten ihre Gastgeber nicht einmal, dass sie da gewesen war. Die wenigsten wissen genau, wie viel Bargeld sie im Haus haben, nicht wahr? Die Zwillinge trugen seit einigen Monaten durch entwendete Fahrräder zum Familieneinkommen bei. Ma Baker hatte einen osteuropäischen Geschäftspartner, der ihre Waren in Geldscheine umwandelte.

    Dann kam der Abend, an dem Ma Baker sich im Haus des Engländers umsehen wollte. Die Zwillinge hatten in der Schule von der Tochter des Engländers erfahren, dass ihr Vater eine schöne Münzsammlung habe. Zwar weigerten sich die Zwillinge, das mit einem lächerlichen, dreistelligen Zahlenschloss gesicherte rosa Fahrrad des Mädchens zu stehlen, denn beide waren verliebt in die süße Kleine. Doch die Münzsammlung des Vaters war etwas anderes. So betrat Ma Baker am Samstagabend Smiths Haus. Sie wusste, der Hausherr war in der Dorfschenke. Dort fand eine Versammlung statt, um gegen den Bau einer großen Schweinemastanlage vorzugehen. Der Engländer war zweiter Vorsitzender der Initiave gegen das Bauvorhaben. Seine Tochter verbrachte laut Auskunft der Zwillinge das Wochende bei ihrer Mutter, die vor einigen Jahren den Engländer und die gemeinsame Tochter verlassen hatte.

    Ma Baker zog im Licht ihrer Taschenlampe das Münzalbum aus einer Wohnzimmerschublade, als die Deckenleuchte angeknipst wurde und der Engländers sagte: "Wie schön, dass Sie hier sind. Ihnen wollte ich schon längst einmal meine Münzsammlung zeigen." Ma Baker legte das Münzalbum auf das Sideboard und lächelte Smith unsicher an. Smith trug einen Pyjama, war stark erkältet und putzte sich die Nase. "Mögen Sie Grog?", fragte er. Ma Baker nickte vorsichtig. Smith nieste dreimal hintereinander und führte Ma Baker in die Küche. Nach dem zweiten Glas schlug Smith vor, dass sie einander Duzen könnten. Ma Baker freute sich. Robin, also Smith, gefiel ihr sehr. Und Robin mochte Ma Baker.

    Wenige Wochen später zogen Ma Baker und ihre Söhne bei Robin und seiner Tochter ein. Ma Baker nahm eine Teilzeitstelle als Hausmeisterin in einem Hochhaus in der nahen Kreisstadt an. Erst wussten es nur die Bewohner des Hochhauses. Dann sprach es sich in der ganzen Stadt herum: "Hast du dich ausgesperrt, ruf Ma Baker an." Fürs Türenöffnen bezahlt zu werden, gefiel ihr viel besser als ihr früheres Metier. Ma Baker verlangte nie mehr als fünzig Euro für ihre Hilfe, egal ob sie am Tag oder in der Nacht gerufen wurde.

  8. Avatar von Avocado_Diaboli
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    AW: Neue Kurzkrimis

    Und wieder ein Lovestory . Ich glaube, du hast ein neues Metier erschaffen: Den Liebes-Krimi!
    Ich mag das, dass deine "Verbrecher" letztlich doch ein Herz und Moral haben. Like!
    Wer nichts Nettes zu sagen hat, kann sich ruhig zu mir setzen.

  9. Inaktiver User

    AW: Neue Kurzkrimis

    Danke schön.

    Es gibt tatsächlich sehr spezifische Unterabteilungen bei Krimis. Zum Beispiel gibt es Krimis, deren Storys explizit im Milieu strickender oder häkelnder Frauen spielen. Mein Favorit ist eine amerikanische Häkelkrimiserie, in der die Mitglieder des Handarbeitskränzchens Morde aufklären.

    Die Strickerinnen haben eine andere Serie von einer anderen Autorin. Denn Frauen, die häkeln, interessieren sich oft nicht fürs Stricken und umgedreht.

    Zum Krimi wird als Gimmick in jedem Band ein neues Häkelmuster und ein Kuchenrezept geliefert.

  10. Inaktiver User

    AW: Neue Kurzkrimis

    Wie heißen die Autoren, bitte?

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