Hallo zusammen,
ich bin derselben Meinung wie sternschnuppe03. Ein gewisses Grundtalent ist beim Schreiben einfach Voraussetzung und das besitzt nun mal leider nicht jeder. Ohne gewisse Begabung fürs Erzählen und Formulieren wird man sich, denke ich, recht schwer tun, überzeugende Erzählungen mit dem gewissen Etwas zu verfassen.
Ich habe bereits im Grundschulalter mit dem Geschichtenschreiben begonnen und als sich das im Laufe der Jahre immer mehr zu Romanen gesteigert hat, habe ich mir auch überlegt, professionelle Trainings oder Ratgeber zu nutzen.
Als ich mir aber ein entsprechendes Sachbuch gekauft habe, habe ich schnell gemerkt, dass das jedenfalls für mich persönlich nichts ist. Zunächst tagelang jeden Charakterzug einer Figur genau zu überlegen und festzusetzen, jeden Handlungsstrang präzise genau festzulegen, bevor ich überhaupt erst mit dem Schreiben beginne, fand ich mühselig und ehrlich gesagt auch ziemlich langweilig und anstrengend.
Beim Lesen einer Geschichte sollen Emotionen übermittelt werden, man muss mit den Figuren fühlen und sich in die Handlung eingebunden fühlen und ich denke, das erreicht man am besten, indem Charaktere und Handlungsstränge nicht bis ins kleinste Detail durchgeplant sind - vielmehr sollte man dabei auf seine innere Stimme hören, das schreiben, was einem gerade in den Sinn kommt, was man im Moment des Schreibens für seine Geschichte als am besten empfindet.
Im Nachgang, wenn das Grundgerüst steht, kann man noch immer an einzelnen Handlungssträngen und Figuren feilen, sozusagen den Feinschliff vornehmen.
Antworten
Ergebnis 11 bis 16 von 16
-
24.02.2017, 07:38
AW: Schreiben lernen: Bücher, Kurse...: Erfahrungen?
-
24.02.2017, 08:11
AW: Schreiben lernen: Bücher, Kurse...: Erfahrungen?
Ich lese viel, gucke, was Leute tun und wie. Amateurschreibe aus dem Internet ist sehr hilfreich, weil man ganz schnell Muster erkennt, die einen nerven, und versteht, wie die sich ankündigen und wie man sie sein läßt. Komprimiert, aber nicht so lebensnah kriegt man das auch in Büchern wie "200 Arten, einen schlechten Roman zu schreiben" (um mal einen generischen Titel zu erfinden.) Ich lese auch Kritiken, und derivative und transformative Texte (Parodien, Fanfiction, Pastiches, ...) um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie andere Leute sich Texten nähern und was sie darin sehen. Blogs von Autoren geben gute Anregungen, wie man seinen Schreibprozeß angehen kann.
Leute, die viel lesen und vielleicht noch selber schreiben und einen guten Blick für Technik haben, sind wertvolle "Alphatester", ebenso die, die begeistert in eine Geschichte gehen und in jede Ecke und unter jeden Schrank gucken und merken, wenn irgendwo noch Nägel rausgucken, Klischees rumliegen oder es an Konsistenz oder innerer Logik fehlt.
In Schreibzirkeln habe ich gelernt, in 45 Minuten einen druckreifen Text rauszuhauen und für die Erwartungshaltung des Publikums zu schreiben. Außerdem habe ich da auch viel Schlechtes gehört, von dem ich lernen konnte. Es hat mich aber nicht in dem Maße weitergebracht, wie ich gehofft habe.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
-
24.02.2017, 08:15
AW: Schreiben lernen: Bücher, Kurse...: Erfahrungen?
Man braucht ein Interesse für Geschichten und für Sprache, und den Wunsch, gut zu werden. Der Rest ist Übung, Zeit, positives Feedback, konstruktive Kritik, und die Erwartung der Umgebung an einen, daß man eben schreiben kann. So bringt man die erste Million Wörter zusammen, durch die man sprichwörtlich durch muß, ehe man etwas schreibt, was etwas taugt.
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
-
27.02.2017, 17:18
AW: Schreiben lernen: Bücher, Kurse...: Erfahrungen?
Schön, dass es hier zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch kommt.
Ich denke, es gibt diesbezüglich auch unterschiedliches Verständnis was Schreiben angeht bzw. vielleicht auch unterschiedliche Traditionen. Im angelsächsischen Raum wird "Creative Writing" z.B. viel mehr als Handwerk verstanden als hier, ich habe einen Verwandten, der (in GB) so etwas studiert hat und jetzt Schriftsteller ist. Leider sehe ich ihn so gut wie nie und er schreibt in einer Sprache, die ich zwar lesen kann, allerdings nicht auf einem Niveau, dass ich mich mit ausreichender Tiefe damit auseinander setzen könnte.
In Deutschland muss man hingegen immernoch 'Genie' sein.
Ich denke auch, dass letztlich die Kombination von Talent (oder wie immer man es nennen will) und Technik eine gute Basis darstellen und dass man durch Austausch mit Gleichgesinnten und das gezielte Arbeiten - den Schreiben ist auch Arbeit, nicht nur Spaß - an Schwächen mehr aus seinen Texten machen kann.
Mir wäre jetzt auch kein Schriftsteller bekannt, der ganz ohne Austausch ausgekommen wäre, der ist meist Teil des Arbeitsprozesses.
Wildwusel, die derivativen/transformativen Texte interessieren mich schon länger. Bisher habe ich aber nichts Deutschsprachiges gefunden, was ich länger als 3 Seiten ertragen hätte (aber ein paar ganz gute englische Sachen). Wo liest du das?
-
27.02.2017, 18:08
AW: Schreiben lernen: Bücher, Kurse...: Erfahrungen?
Ich lese fast nur Englisch (generell). Im Laufe der Jahre ganze Archive durchgelesen, und a) unheimlich viel übers Schreiben und darüber, was man alles nicht tun sollte, gelernt, b) den Satz von Will Shetterly bestätigt gefunden, daß, wenn man einen Fan daran erkennt, durch wie viel Mist er bereit ist, zu waten, um etwas vom Objekt seiner Begierde zu erhaschen, die Fans von Fanfiction die härtesten Fans von allen sind, und c) gemerkt, daß das Leben zu kurz für schlechte Geschichten ist -- wenn etwas nervt oder langweilt, klicke ich's sofort weg.
Gerade in Genreliteratur ist das transformative oder derivative ja nie tot gewesen, man muß nur mit dem Genre, seiner Geschichte und seinen Meilensteinen vertraut sein, um es zu erkennen.
Speziell in Sachen Fanfiction, falls das die Richtung ist, die dich interessiert: kennst du "Archive of Our Own"? Hat auch 6000+ deutsche Texte. Unter der Annahme, daß 90% indiskutabel ist, und 9% nicht gut, könnten 60 brauchbare Texte dabei sein.
Ich folge bestimmten Autoren, auch in ihren Blogs/Journals, und lese, was sie schreiben, aber auch, was sie empfehlen, oder was Leute, mit denen sie ein gutes Verhältnis haben und sich viel austauschen, schreiben.
Wenn du etwas spezifisches suchst, kannst du mir auch eine PN schicken, vielleicht fällt es ja in einen Bereich, wo ich mich auskenne.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
-
27.02.2017, 21:59
AW: Schreiben lernen: Bücher, Kurse...: Erfahrungen?
Ja, AO3 (
) kenne ich. Ich spaßlese (dies im Unterschied zum beruflichen Lesen) auch so gut wie nur Englisch und merke, dass mir das Schreiben auf Englisch auch leichter fällt als auf Deutsch, was ziemlich absurd ist für eine Germanistin.
Im Archive schreiben auch viele nicht-Muttersprachler auf Englisch und das finde ich eher schwierig.
Auf Deviantart habe ich mich auch mal ein wenig umgesehen, das scheint mir produktiver zu sein was den Austausch über das Schreiben angeht.



Zitieren