Alt ist es. Heute im Jahr 2014 - genau 40 Jahre. Für Menschen? Sagte man einem 1970 geborenem - Du bist alt? Du bist Schrott. Es käme zum Aufstand. Zu Recht. Aber ein Boot? Mit 40 Jahren ist es uralt. Schrott. Weggeworfen. Ausrangiert.
So liegt es dort im Schuppen. Vergessen. Träumt von der Zeit - als es das tat was Boote tun müssen. Wasser unter ihrem Kiel spüren. Gerade dieses Boot - ein altes Abfahrtskajak. Geformt wie ein Uhrzeiger. Vorn schmal - nach hinten breiter werdend - dann wieder schmal. Modernere - jüngere Abfahrtsboote sehen immer noch aus wie dieses Alte. Nur nicht zerkratzt. Nicht ausgeweidet. Nicht staubig.
Die Zeit verging. In den Sommermonaten - daran kann es sich noch erinnern - fuhr es auf dem Rhein. Schnell war es. Wendig. Nichts für Anfänger. Kippelig ist es. Gemacht um die Stromschnellen hinabzusausen. Der Strömung folgend. Wasser unter sich. Den Kanuten sicher an das Ziel führend - wenn er es beherrscht - dieses Kajak. An Rennen nahm es teil - auch daran erinnert es sich. Trübe. Hier im Dunkel des Schuppens - vergessen - ausrangiert.
Als es jung und neu war - glänzte das Rot seine Haut aus Glasfaser strahlend. Halb durchsichtig der Körper. Aggressiv sah es aus. Zeigte - ich bin nicht für jeden da. Du musst mich beherrschen können. Ja - daran erinnert es sich durch den Nebel der Zeit - es war einmal ein Rassekajak unter Kaltblütern. Machte was her. War nicht irgendwer. Aber - auch das musste es lernen - dieses Kajak - Rasse schütz vor Ausmusterung nicht. Ob es daran lag dass es alt wurde? Oder der Kanute? Sich dieser anders orientierte? Im Grunde egal - heute liegt es hier - vergessen - oder zumindest dem Vergessen anheim getan.
Vor ein paar Jahren schöpfte es etwas Hoffnung. Die Schwärze des Vergessen seins öffnete sich etwas. Sein Kanute mit einem weiterem Menschen. Tageslicht dang in die Schwärze eines Kellerraums. Wenn Du - sein Kanute wendet sich an den 2. Menschen - dieses Kajak zum anderen dazu nehmen möchtest? Ich schenke es Dir. Es ist zu schade - es hier verkommen zu lassen. Worte - die ihm Hoffnung gaben - Hoffnung auf einen weiteren Tag mit Wasser. Einen weiteren Tag im Sonnenschein. Auf dem Wasser - auf einem Strom - das tuend - wozu es da ist - zu schwimmen - zu treiben - den Kanuten dahin zu bringen - wohin dieser ihn führt - voraus gesetzt - er beherrscht es - dieses uralte Boot.
Ein paar Stunden Luft - dann der Absturz der Hoffnung. Es landet nun wo es sich nun befindet - in diesem Schuppen. Die Fahrt auf dem Autodach zeigte ihm die Welt. Es fuhr an Seen vorbei - an Flüssen. Seinem Lebensraum. Nur um wieder in einer Dunkelheit eingesperrt zu werden. Dort - wo es nicht leben will - ohne Wasser - ohne Sinn und Zweck. Boote - das weiß es - dieses Kajak - sind dafür gemacht - auf dem Wasser zu sein. Das ist ihr Zweck. Das ist ihr Leben. Bis sie zerbrechen - nicht mehr reparierbar sind. Dann sterben sie. Lebendig begraben zu sein in der Dunkelheit? Im Trocknen? Mit Staub bedeckt? Nein - das ist nichts für alte Boote. So liegt es hier. Träumt von alten Zeiten. Von Zeiten - wo es auf dem Wasser war. Rennen gewann. Wo man ihm mit Achtung begegnete. Seine Wunden versorgte. Es pflegte. Es wertvoll war. Sonne auf der durchscheinenden Haut spürte. Sein Kiel das Wasser zerteilte. Ein Traum in der Schwärze des Vergessens.
So vergehen weitere Jahre. Bis - es merkt auf - soll es Hoffnung schöpfen - wie schon mal - sich die Tür seines Verlieses öffnet. Sonne eindringt - die Schwärze teilt. Der Mensch von damals - welcher ihn aus dem Keller mitnahm und in dieses andere Verlies sperrte - vertäut ihn auf das Autodach. Zurrt ihn fest. Sonne lässt die zerkratzte Haut glänzen im Reste einer Herrlichkeit die man nur noch erahnen kann. Ausgeweidet ist es. Keine Sitzanlage - keine Stützen hinten. Die Fahrt dauert an die 40 Minuten. Er riecht das Wasser. Hoffnung keimt auf. So nah war er dem Wasser schon lange nicht mehr.
Ein neuer Mensch. Diesen kennt er nicht. Wasser unter sich. Das alte Boot ist in seinem Element. So lange aus dem Wasser hat es das Schwimmen nicht verlernt. So zerkratzt und ramponiert es auch mit seinen 40 Jahren auch ist - es schwimmt. Der Mensch - dem er geschenkt wurde - steigt ein. Nein - denken sich Mensch und Kajak - wir mögen uns nicht. Glaubt es - aber Mensch und Boot müssen sich mögen - sonst funktioniert nichts. Der Mensch sitzt in ihm wie ein Fremdkörper. Kippelt hin und her. Er unterstützt den Menschen nicht. Er weiß - wenn der Mensch mit ihm paddeln will - muss er auf ihn hören. Auf alles was er macht. Muss ihn fühlen. Spüren. Ihm folgen und ihn dabei beherrschen. Dieser Mensch - das fühlt das alte Boot nur zu gut - spürt ihn nicht - folgt ihm nicht - beherrscht ihn nicht. Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Vergessen zerbirst. Dem alten Boot ist klar - so wird er dort bleiben - im Dunklen des Schuppens - weiter von der Vergangenheit träumen. Von der Zeit - als er Flüsse hinuntertrieb.
Der 2. Mensch - der sich alles anschaute - probiert es nun. Es ist nicht sein Besitzer. Nur jemand - der einmal in seinem Leben in einem Abfahrtskajak Platz nehmen wollte. Ein Mensch - der sonst in einem braven breiten Kajak paddelt. Hin und wieder auch mal andere probiert - damit er etwas dazulernt. Dieser Mensch nimmt nun Platz in ihm. Das alte Boot spürt es - merkt es - dieser Mensch - es taucht aus der Verzweifelung der Trostlosigkeit auf - könnte das Potential dazu haben - ihn zu spüren - ihm zu folgen - ihn zu beherrschen. Nicht ganz so gekonnt wie er es gewohnt ist - aber immerhin. Der Mensch sitzt in ihm. Es kippelt. Der Mensch fühlt nach - lässt die Hüfte den Bewegungen folgen. Dann - die Verzückung des alten Kajaks steigt - fordert der Mensch das Paddel. Die ersten Schläge - und das alte Kajak treibt den See entlang. Zwar in der Nähe des Ufers - immer im Flachen - damit eine Kenterung nicht ganz so dramatisch wird - aber - nach der langen Zeit endlich wieder das Gefühl von Wasser. Dort zu sein - wo man zu Hause ist. Der Mensch wird mutiger. Paddelt längere Schläge. Zwar immer noch am Ufer - aber was soll es? Es ist wieder dort wohin es gehört - im Wasser. Tut das wozu es geschaffen wurde - treiben auf dem Wasser. Zuhause wäre es auf einem Fluss und nicht auf diesem See. Aber Wasser ist erst mal Wasser. Und wenn dieser Mensch es braucht - sich auf der Sicherheit eines Sees mit ihm vertraut zu machen? Bitte sehr - denkt sich das Kajak - dann gebe ich ihm diese Zeit. Alles ist besser als in der Vergessenheit zu versinken.
Die Tür des Schuppens schließt sich hinter ihm - diesem alten Kajak. Nun mit neuen Erinnerungen. Erinnerungen an zwei Tage auf dem See. Zwei Tagen mit einem Anfänger. Tage mit Paddelversuchen - nicht das was es gewohnt war - aber immerhin es ist nicht mehr vergessen. Nun kann es in der Winterzeit schlafen - mit der Hoffnung in sich - dass es nächsten Sommer - wenn die Sonne wieder Kraft hat - das Wasser des Sees zu erwärmen - das Wasser wieder fühlt. Der Kanute wieder kommt. Dieser mit ihm trainiert. Vorausgesetzt - das Kajak seufzt - er - der Kanute findet Ersatzteile für ihn - dieses alte Kajak. Immerhin 40 Jahre - ja - 40 Jahre - hinterlassen Spuren. Aber - auch so - ausgeweidet wie es ist - es ist ein Kajak und es schwimmt. Es ist immer noch majästetisch - fies und gemein zu denen - die nicht mit ihm umgehen können. Wartet auf den einen Menschen - der es mag - dem es Spaß macht mit ihm zu paddeln. Vielleicht - diese Hoffnung nimmt es mit in die Dunkelheit des Schuppens - hat er diesen Menschen nun gefunden? Das nächste Jahr wird es zeigen - ob es nur alt oder alt und vergessen ist.
Antworten
Ergebnis 1 bis 3 von 3
Thema: Das alte Kajak
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06.10.2014, 11:48
Das alte Kajak
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06.10.2014, 14:34Inaktiver User
Das alte Kajak
Beim ersten Überfliegen - sehe ich - sehr viele - zu viele - Bindestriche im Text!
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19.11.2014, 23:59
AW: Das alte Kajak
Bitte dringend überarbeiten! Der Text ist sehr schwer zu lesen. Nicht nur die abgehackten Sätze und vielen Bindestriche machen ihn kompliziert, auch so entstellte Sätze wie "Der Kanute wieder kommt." und das Herumspringen in den Zeitformen sind schrecklich.


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