Ich habe lang überlegt, ob ich diesen Thread nicht nebenan bei den Buchtipps aufmachen soll. Aber dann habe ich mich dafür entschieden, ihn hier zu platzieren - schließlich kann jeder Schreiberling auf diese Weise aus den Fehlern seiner Vorgänger lernen... und sie zukünftig vermeiden.
Geht es Euch auch manchmal so, daß Ihr ein Buch deshalb nicht leiden könnt, weil IHR das Thema ganz anders behandelt hättet?
Oder daß Euch Logikfehler anspringen, die Euch das ganze Buch verleiden?
Lasst uns Bücher dieser Art hier sezieren...
(... und irgendwann bessere Bücher schreiben!)
Antworten
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24.11.2008, 08:36Inaktiver User
Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
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24.11.2008, 08:44Inaktiver User
Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
Das Evangelium nach Satan - Patrick Graham
Abgesehen davon, daß das Buch dehalb schwer zu lesen war, weil der Verlag blanvalet es schick gefunden hat, die Seiten von außen schwarz zu färben und die Farbe die Seiten zusammegeklebt hat, sind mir darin etliche Stellen übel aufgestoßen.
1) Eine FBI-Agentin wurde von einem Dämon gekreuzigt (das ganze Buch ist sehr brutal, aber das muß wohl so sein, wenn's um den Teufel geht). Die Agentin wird in letzter Sekunde gerettet - aber im ganzen, restlichen Buch kommen diese schweren Verletzungen nie wieder vor. Erzählt mir nicht, daß das keine Folgeschäden hinterlässt, wenn man ein paar Mordstrümmer Nägel durch die Muskulatur gejagt bekommt.
Da wäre es angebracht gewesen, daß sich die Heldin gelegentlich über die verblassenden Narben gestrichen hätte oder beim Kaffeetrinken Probleme zurückbehalten hätte, weil eine Sehne im Unterarm noch nicht komplett verheilt gewesen wäre.
2) Selbige FBI-Agentin (Amerikanerin) findet in einem Kloster alte Handschriften aus dem zehnten Jahrhundert - und kann sie sofort fließend lesen.
Ich hätte entweder angemerkt, daß sie zuvor Latein studiert hat (ich glaube kaum, daß der Inquisitor, um den es ging, amerikanisches Englisch geschrieben hat) oder sich wenigstens mit der alten Schriftart/Schreibweise auskennt.
Außerdem hätte ich sie länger suchen lassen. Wer findet denn bitte unter tausenden von alten, vergilbten Folianten und Handschriften innerhalb von ein paar Stunden alles zusammen, was er zu einem komplexen Thema sucht?
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24.11.2008, 12:01
AW: Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
Interessantes Thema!
Ich muss da erstmal nachdenken, denn ad hoc fällt mir kein Buch ein, in dem Diskrepanzen vorkommen, obwohl ich das kenne.
Ich ärgere mich oft über Übersetzungsfehler, aber da ist ja wieder etwas anderes.
Ich muss mal nachdenken...Do what makes your heart sing
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24.11.2008, 13:34Inaktiver User
Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
... das war bei mir ja auch nur "aus aktuellem Anlass"!
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24.11.2008, 20:41
AW: Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
Vielleicht nicht: "Das hätte ich anders geschrieben" sondern eher: Dazu kann ich doch nur folgendes sagen.
Auf diese Weise ist bei mir schon auch einiges entstanden:
Oh Ringelnatz Du Joachim
Zitat von Inaktiver User
ich hoff nicht wie der Pfingstochs hin
http://de.wikipedia.org/wiki/Pfingstochse
denn so ein Ende ist gar traurig
das Schlachten schmerzt den Ochsen schaurig
feiern wir lieber vegetarisch
mit Brot und Früchten exemplarisch
Du reimst so nett Oh Joachim
komm, leg Dich untern Baldachin
sonst kriegst Du noch nen Sonnenbrand
das wäre schlecht für Dichters Hand
auch wenn der Schmerz beflügeln kann
zu Reim und Dichtung dann und wann
muss man ihn doch nicht wirklich suchen
lernen wir Dichten statt zu fluchen
am Ende dichten wir die Dächer
und trocken bleiben die Gemächer.
Grins, auch gute Verdauung wünsch und das nötigen Futter dazu von gediegener Qualität.Zitieren erlaubt
Ich habe mit Verändern schlechte Erfahrungen gemacht.
Darum höre ich lieber auf mit dem Vergleichen.
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26.11.2008, 14:37
AW: Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
Liebe Betsi,
Zitat von Inaktiver User
mir ist etwas eingefallen
!
Ich las als Kind séhr gern die Bücher von Enid Blyton, du kennst sie sicher auch,die Abenteuerserie, die 5 Freunde Serie etc.
Am besten gefielen mir die Abenteuerbücher, in denen sich einige Kinder Jahr für Jahr in den Sommerferien irgendwo trafen und Haarsträubendes erlebten.
Dabei blieben sie aber immer gleich alt, 8 - 12 Jahre, das änderte sich nie!
Das hat mich furchtbar gestört, daran kann ich mich noch gut erinnern!
Noch etwas Generelles...
Immer, wenn Leute irgendwo eingesperrt waren über einen längeren Zeitraum hinweg und auch sonst, es wurden NIE die sanitären Bedürfnisse erwähnt!
Da ist man ja heute tabubefreiter!
Auch menstruierten die Frauen nie! Oder aber und das lese ich heute noch oft, haben sie leidenschaftlichen Sex irgendwo, an den unwahrscheinlichsten Orten, wo es weit und breit kein Bad gibt, und anschließend ziehen sich die Protagonisten die Hose hoch und das wars! Obwohl von Kondomen nicht die Rede und das Ganze ein Überraschungsakt war
!
Auch das wirft ja in der Praxis wohl einige Probleme auf...
LG
LaliqueDo what makes your heart sing
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26.11.2008, 14:50
AW: Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
OH JA, "Die Nebel von Avalon" von Marion Zimmer-Bradley! Gegen Ende des Buches fiel mir eine Ungereimtheit auf. Kann mich nicht mehr erinnern, was genau, auf jedenfall eine Sache, die die Biographie einer der Hauptpersonen betraf. Die Sache liess mir keine Ruhe und ich begann so lange in dem Buch zu blättern(immerhin auch im englischen Original über 1000 Seiten), bis ich die betreffende Passage (so im ersten Drittel des Buches) fand: ein klarer logischer Fehler!
Zitat von Inaktiver User
Ich war sowas von stinksauer! Und kann auch gar nicht verstehen, wie dies beim Korrekturlesen nicht auffallen konnte.
Wahrscheinlich dachte man sich 800 Seiten weiter fällt das eh keinem mehr auf. Ohnehin blieb ich bei dem Schinken nur dran, weil ich es im Urlaub am Pool las und ich mir mit dem englischen Original wenigstens etwas Gutes zu tun glaubte.
Frannie
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26.11.2008, 14:58
AW: Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
Mich stört es tatsächlich auch, wenn dem Schriftsteller so kleine "Flüchtigkeitsfehler" unterlaufen. Vielleicht etwas kleinlich, aber mir fällt es eben unangenehm auf. Das nimmt dem Ganzen irgendwie die Glaubwürdigkeit.
Ist aber auch bei Filmen so. Da haben Leute gerade was Fürchterliches erlebt, sind knapp dem Tod entronnen und haben in der nächsten Sekunde schon einen flotten Spruch auf der Lippe.
Oder ein Paar wacht am Morgen auf und sie hauchen sich ihren Drachenatem ins Gesicht...
Eine Frau hat den ganzen Tag gearbeitet, kommt in eine total aufgeräumte Wohnung und stöckelt wohl gelaunt in die Küche, um sich sofort den Essenzubereitungen zuzuwenden.Jeder von uns tobt in seiner eigenen Gummizelle
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26.11.2008, 17:00Inaktiver User
Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
Filifer, da gibt's im Filmforum nebenan einen wunderschönen Thread dazu... in dem geht's seitenweise nur über derartige Film-Klischees.
Geh' mal rüber - und Du wirst ein paar sehr verngügliche Stunden verleben, ich schwör's!Geändert von Inaktiver User (26.11.2008 um 22:24 Uhr)
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13.01.2009, 13:52
AW: Das hätt' ich aber ganz anders geschrieben...
Mein "Hass-Buch" in dieser Hinsicht:
Ein 2006 erschienenes Buch ueber Kaiserin Theophanu.
Als ich von dem Erscheinen des Buches erfuhr, legte ich voellig frustriert meine eigenen Plaene, ueber die begeisterungswuerdigste deutsche Kaiserin zu schreiben, ad acta und suchte mir ein anderes Thema. Das Aufspringen auf fahrende Karren kann ich naemlich nicht leiden!
Als ich das Buch dann las, dachte ich, ich werd nicht mehr! Kinderbuch! Eine Ansammlung von Kliaschees und Unglaubwuerdigkeiten, und meine Fussnaegel haben sich bis heute nicht wieder entrollt!
Grrrrrr...



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