"Unser" Reiterhof hat kurzfristig den Reitbetrieb eingestellt, der Besitzerin wurde alles zuviel und sie hat alle Schulpferde zum Verkauf gestellt. Der Betrieb sollte solange weitergehen, bis alle Schulpferde verkauft sind, das wollte ich aber meiner Tochter nicht antun (jedes mal, wenn sie hingeht ist wieder ein Pferd weg) und wir haben die Reitschule gewechselt.
Nun habe ich eine Frau getroffen, die dort noch reitet und sie erzählte mir, bis auf ein Pferd seien schon alle weg, die Besitzerin habe sie zum Schlachtpreis verkauft.
Bedeutet es das, was ich ahne?
Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken und ich sehe den Kleinen Prinzen (ein Pony) und die anderen vor mir. Meiner Tochter will und werde ich das gar nicht erzählen.
Aber der Satz lässt mich nicht los.
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01.04.2008, 19:15Inaktiver User
Zum Schlachtpreis verkauft...
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01.04.2008, 22:11Inaktiver User
AW: Zum Schlachtpreis verkauft...
Das muss ja nicht bedeuten, dass alle Pferde geschlachtet werden. Vielleicht ist der Schlachtpreis so eine Art "Grundpreis", unter dem nix geht und nette Leute haben die Pferde gekauft und sie in ihre Gärten gestellt. Im besten Fall. Wahrscheinlich bekommt man - wenn man in Not ist - nicht mehr Geld für Pferde. Dass sie nun alle dem Schlachter anheim fallen, ist doch nicht gesagt. Das mit dem Schlachtpreis würde ich deiner Tochter nicht erzählen. Es hilft ja niemandem.
Wie es nun wirklich ist, weiß ich auch nicht - hoffen wir, dass es diese halbwegs positve Variante ist.
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02.04.2008, 08:27
AW: Zum Schlachtpreis verkauft...
Ich würde es auch so interpretieren wie sevi. Eine Freundin kaufte sich ihr erstes Pferd auch "zum Schlachtpreis", der vorherige Besitzer hatte mit dem Tier im Anhänger ne Vollbremsung hingelegt, was dazu führte, dass es sich nicht mal mehr in die Nähe des Pferdehängers traute, für ihn (Turnierreiter) also völlig wertlos geworden war.
Mocca
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02.04.2008, 08:38Inaktiver User
AW: Zum Schlachtpreis verkauft...
Da muß man etwas weiter ausholen.
Seit einigen Jahren können Pferde nicht mehr "so" zum Schlachter, es muß für jedes Pferd, das zu Fleisch verarbeitet wird, ein lückenloser Pferdepaß her, in dem alle Impfungen und Behandlungen verzeichnet sind, um zu gewährleisten, daß nicht in irgend einer Form Medikamente im Essen landen.
Jedes Turnierpferd bzw. jedes Freizeitpferd hat diesen Paß (außer, es ist schon sehr alt).
Es könnte natürlich sein, daß die Schulpferde nur die nötigsten Impfungen brauchten und keine Behandlung benötigten oder bekamen, und somit durchaus zum Schlachter gehen könnten. Nur ist das einfach ein administrativer Aufwand, und dadurch wird diese Sache für Fleischereien eher weniger attraktiv und bei medikamentenbelasteten Pferden unmöglich.
Der Schlachtpreis hängt einfach von einer Gewichtsschätzung pi mal Daumen ab. Ist eine relativ feste Größe und spiegelt den Ausbildungsstand des Pferdes nicht wider (weil es ja egal ist, ob ein ausgebildetes Dressurpferd oder ein Weidepferd am Teller landet, wenn das Gewicht ähnlich ist).
Der Schlachtpreis wird dadurch gerne verwendet, um die Pferde wegzugeben, es ist einfach der Minimalpreis, der dann wieder für Leute interessant wird, wenn sie das betreffende Pferd gut kennen und annehmen können, sie kriegen ein gutes Pferd für lau.
Vermutlich sind also die meisten der Pferde entweder in anderen Schulbetrieben oder bei den Reitern, die sie am liebsten mochten (Kinder können bei Pferden dermaßen herzzerreißend heulen, daß Eltern schon mal gegen besseres Wissen das Tier kaufen).
Tatsächlich getötet wurde wahrscheinlich, wenn überhaupt, nur ein geringer Teil.
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02.04.2008, 13:50Inaktiver User
AW: Zum Schlachtpreis verkauft...
Also: ob ein Pferd geschlachtet werden kann oder nicht hat erstmal nichts mit dem Equidenpass (der "Ausweis" des Pferdes) zu tun. Schlachten lassen kann man jedes Pferd.
Allerdings kann ein Pferd nur "weiterverarbeitet" werden, wenn es im Equidenpass als Schlachtpferd eingetragen ist. Dann greift das was fenetra geschrieben hat. Im Equidenpass müssen alle Medikamente etc. vermerkt sein - ist bei Reitstallpferden häufig der Fall, weil viele Medikamente, die ein Schlachten des Tieres ausschließen eh sehr teuer sind, somit häufig nicht verabreicht werden. Außerdem ist einschläfern teurer als ein Pferd schlachten zu lassen (da kriegt man ja sogar noch Geld für) - schon deshalb sind die meisten Reitstallpferde als Schlachtpferde eingetragen.
Der Schlachtpreis bezeichnet den (tagesaktuellen) Preis, den Pferdefleisch wert ist. Der Schlachter bezahlt dem Pferdebesitzer also pro Kilo Fleisch x Euro.
Den Schlachtpreis kann man so natürlich auch für ein lebendiges Pferd ausrechnen - ein Pony ist laut Schlachtpreis so ca. 250 Euro wert.
Wenn jemand also sagt er hat ein Pferd zum Schlachtpreis verkauft, heißt das normalerweise, dass das Pferd an irgendjemanden für den gleichen Betrag, den man vom Schlachter bekommen würde, verkauft worden ist.


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