Hallo zusammen,
mich würde Eure Meinung zu folgendem Problem interessieren:
Eine Bekannte meiner Mutter, 80 Jahre alt und absolut vital und rüstig, musste kürzlich ihren sehr kranken Schäferhund einschläfern lassen.
Sie hing sehr an dem Tier und wollte sich zunächst keinen Hund mehr anschaffen, merkte aber nach ein paar Wochen, dass sie ohne Hund doch nicht leben möchte (solls ja durchaus geben, ich kenn das auch), also sah sie sich in einem Tierheim nach einem älteren Hund um. Sie entdeckte eine 8 Jahre alte Dackelhündin, mit der sie sich sofort anfreundete und die sie auch mehrfach spazieren führte. Man kannte sie also bereits im Tierheim als potentielle Interessentin, umso größer war deshalb ihre Enttäuschung, als man ihr vermittelte, man könne ihr den Hund nicht überlassen, sie sei zu alt dafür (wie gesagt, geistig und körperlich noch topfit)...
Nun hat sie die Nase voll und will sich zunächst erst mal nicht mehr um einen Hund bemühen.
Was haltet Ihr davon? Ist das für Euch eine Diskriminierung älterer Mitmenschen oder hat das Tierheim richtig entschieden?
Ich bin gespannt.
LG
rolu
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Thema: Zu alt für einen Hund?
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23.02.2008, 14:45Inaktiver User
Zu alt für einen Hund?
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23.02.2008, 15:28
AW: Zu alt für einen Hund?
Nein, ich finde das keine Diskriminierung. Ich finde das sinnvoll und hätte anstelle des TH genau so entschieden, weil ich alles andere fahrlässig gefunden hätte.
Ein TH hat im Sinne des Tieres zu entscheiden und mit 80 Jahren - egal wie fit die Dame ist - ist die Lebenserwartung nunmal vermutlich nur noch sehr bergenzt. Einen Hund in einen Haushalt zu vermitteln mit der sehr sehr großen wahrscheinlichkeit, dass dieser die neue Halterin überlebt, würde ich persönlich niemals verantworten wollen.
Ein Dackel kann locker 16-20 Jahre alt werden, 18 ist keine Seltenheit. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Bekannte deiner Mutter 90 wird?
Von der Möglichkeit, dass die stirbt solange der Hund noch lebt einmal abgesehen, kann so unheimlich viel passieren, was die Hundehaltung einfach unmöglich macht. Herzinfakt, Schlaganfall - alles Dinge, die die Mobilität extrem einschränken würden. Was dann?
Meine Oma ist jetzt 88. Sie war mit 80 noch absolut fit wie ein Turnschuh, hat Treppenhäuser geputzt, ist auf Leitern rumgekraxelt, hat jeden Tag Sport getrieben. In den letzten beiden Jahren hat sie so massiv abgebaut, dass sie auf keinen Fall mehr in der Lage wäre, einen Hund zu versorgen. Sie hat schwere Osteoporose, langsam setzt auch eine leichte Demenz ein.
Meine andere Oma war bis 71 eine absolut rüstige und gesunde Frau. Sehr auf gesunde Ernährung bedacht, jeden Tag Bewegung, Alleinversorgerin eines großen Haushaltes, in dem regelmäßig 2 Enkelkinder zugegen waren. Noch im Juli 04 tanzte sie auf einem Grillfest rum. Im August 04 2 Schlaganfälle, seitdem im Rollstuhl weil halbseitig gelähmt - das jetzt seit fast 4 Jahren. Vor 5 Tagen kam ein Herzinfakt dazu, jetzt liegt sie im Koma. Mit 75.
Bei meinem Opa - 79 Jahre - galloppiert die Demenz seit ca 1 1/2 Jahren. Unfassbar wie sehr man in so relativ kurzer zeit plötzlich abbauen kann. Er weiß 10 Minuten später nicht mehr, was man ihm erzählt hat.
Sowas passiert in dem Alter - damit muss jeder rechnen, der Tiere vermittelt.
Von mir würde die Dame nur einen sehr sehr alten Hund bekommen, von dem zu erwarten ist, dass er stirbt, bevor sie stirbt bzw. in einen pflegebedürftigen Zustand gerät. Bei einem Dackel hieße das, er müsste mindestens(!) 12-14 Jahre alt sein, damit ich drüber nachdenken würde. Das würde bedeuten, dass die alte Dame in absehbarer Zeit wieder einen großen Verlust zu verschmerzen hätte, ob sie das möchte? Ob das sinnvoll ist?
Einen größen Hund als kniehoch (also so bis Beagle) würde ich so alten Menschen im Übrigen ohnehin nicht geben.
AUSNAHME wäre für mich persönlich, wenn die Dame sicher bestätigen kann, dass der Hund auch im Falle ihres Ablebens oder bei Krankheit ihrerseits gut innerhalb der Familie versorgt wird. Sprich, wenn z.B. die Kinder der Frau mitkämen und schriftlich hinterlegen würden, dass sie sich um den Hund kümmern werden, falls es nötig wird. Denkbar wäre auch, diese Bedingung mit ins Testament aufnehmen zu lassen (z.B. dass die Kinder nur erben, wenn sie den Hund aufnehmen und nicht abschieben/einschläfern lassen). Dann müssen die Kinder und deren Lebensumfeld von vorneherein mit überpüft werden, als seien sie selbst Interessenten.
Dann und nur dann könnte ich es verantworten.Und falls wir uns nicht mehr sehen: Gut Tag, guten Abend und gute Nacht!
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23.02.2008, 15:58Inaktiver User
AW: Zu alt für einen Hund?
...und wir haben SchwieMu -jetzt 83- letztes Jahr einen Zwergdackelwelpen geschenkt und sind immer noch froh über diese Entscheidung!
"Omi" lebt auf einem mittlerweile 4-Generationen-Bauernhof und fühlte sich zu der Zeit überflüssig, war kurz davor, sich im Altenwohnheim eine Wohnung zu nehmen... das haben wir ihr mit dem Hund ganz schnell ausgeredet!
Sie hat geweint vor Glück, als sie das Hündchen bei uns abgeholt hat, ist heute noch total glücklich und zufrieden, ruft mich mind. 3x in der Woche an und erzählt, was Tinchen tolles gemacht hat...
Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Omi vor Tinchen stirbt. Bei uns ist aber eben die Möglichkeit, dass der Hund dann auf dem Hof bleibt und an die "nächste Generation" weitergereicht wird - die sind nämlich auch ganz verrückt nach dem Tier.
Alles in allem hat's Omi nur gut getan. Sie ist aber auch extrem gut drauf für ihr Alter: fährt selbst Auto (mitfahren ist allerdings etwas nervenaufreibend
), geht ständig ins Theater, Oper etc., fährt mind. 3 x im Jahr in den Urlaub (betreut dabei "Senioren" auf Caritas-Fahrten - um das machen zu dürfen, macht sie sich immer 10 Jahre jünger
).
Es war definitiv die richtige Entscheidung! Und damit sie sich nicht langweilt, kriegt sie demnächst auch noch unseren Hund für 14 Tage aufs Auge gedrückt!
"Unseren" haben wir übrigens aus dem Tierheim: würde ich die Mitarbeiterin dort nicht schon seit 20 Jahren kennen, hätten wir den auch nicht gekriegt. Grund: mein LG ist Jäger... dass der Hund noch nie mit war, okay... außerdem: für einen Jagdhundmischling ist die Jagd das Sinnvollste, was man ihm bieten kann. Aber das nur am Rande...
Viele Grüße
texasGeändert von Inaktiver User (01.03.2008 um 18:39 Uhr)
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23.02.2008, 16:12
AW: Zu alt für einen Hund?
ein 8 jahre alter Hund gehört gerade in die Hände älterer Menschen, denn er springt nicht mehr so ungestüm herum und läuft nicht mehr so weite Wege.
ausserdem schätze ich die weitere Lebensdauer auf höchsten 5-7 Jahre und das schafft die rüstige Omi allemal.
und wenn nicht - ist er bei ihr Zuhause in den nächsten Jahren immer noch besser aufgehoben als im Tierheim.
dann soll sie sich privat nach einem Tier umsehen.
ich hoffe, es klappt.
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23.02.2008, 16:27Inaktiver User
AW: Zu alt für einen Hund?
Hallo Murmeltier,
Zitat von murmeltier
bei allem Respekt vor Deinen vorherigen Argumenten - wie soll ich denn aber das nun verstehen? Soll man nun deshalb älteren Menschen gänzlich verwehren, sich ein Haustier anzuschaffen? Für einen Welpen zu alt, für einen 8 -jährigen Dackel zu alt, und bei einem sehr alten Hund die Möglichkeit, wieder einen schlimmen Verlust verschmerzen zu müssen?
Genau das hätte sie nämlich machen können - man hatte ihr einen krebskranken Hund mit begrenzter Lebensdauer angeboten, den sie aber nach langem Überlegen dann doch nicht genommen hat, einfach weil sie Angst hatte, dann wieder so einen Verlust zu erleiden...
Also - passen Deiner Meinung nach alte Menschen und Tiere gar nicht mehr zusammen?
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23.02.2008, 16:34Inaktiver User
AW: Zu alt für einen Hund?
Danke, Texas. Ich denke auch, dass es sicher von Fall zu Fall unterschiedlich sein wird, da eine Entscheidung zu treffen. Bei Eurer rüstigen Omi war es sicher die absolut richtige.
Zitat von Inaktiver User
Wir haben übrigens auch einen Jagdterriermischling aus dem Tierheim, und dass mein Mann Jäger ist, empfanden die dort sogar als sehr positiv...Der Hund ist zwar nicht jagdlich geführt, kommt aber sehr häufig in Wald und Feld und ist mit seinem Dasein offensichtlich sehr zufrieden...
LG
rolu
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23.02.2008, 16:37Inaktiver User
AW: Zu alt für einen Hund?
Ich kann es auch nicht verstehen, warum das Tierheim einer 80-jährigen Rentnerin, die körperlich fit ist, keinen 8-jährigen Dackel vermittelt.
Ich meine - ich bin nun leider nicht der große Hundekenner ... aber nehmen wir mal an, das Hundchen lebt ca. 4 Jahre glücklich und zufrieden mit der Omi ... und dann stirbt die Frau und der Hund muss wieder zurück ins Tierheim, weil sich keine Angehörigen finden. Wären dann die 4 Jahre mit der Omi nicht besser, als wenn er insgesamt die ganze Zeit vielleicht im Tierheim geblieben wäre? Oder ist das eher eine philosophische Frage .....
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23.02.2008, 16:39Inaktiver User
AW: Zu alt für einen Hund?
Zitat von Inaktiver User
Nein, Marie, finde ich nicht. Sehe ich genauso wie Du!
Vielleicht sollte man ein Tier auch nicht zu sehr vermenschlichen?
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23.02.2008, 16:45Inaktiver User
AW: Zu alt für einen Hund?
... außerdem ist das Leben eben immer "lebensgefährlich" ... auch für Hunde. Denn wenn die mit einem Menschen im jugendlicheren Alter als 80 zusammenleben und dieser Mensch wird krank oder stirbt!? Ja, dann steht der Dackel auch allein da!? Wer weiß denn schon, was einem alles so zustoßen kann?
Ok, die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass ein älterer Mensch plötzlich nicht mehr so fit ist wie bisher ... aber trotzdem bleibt auch die Chance, dass er es noch einige Jahre bleibt. Und ein Dackel ist ja nun auch nicht so ein Spring-ins-Feld, der 3 x am Tag seine 5 km Auslauf braucht .....
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23.02.2008, 16:56
AW: Zu alt für einen Hund?
Ich finde die Entscheidung des TH richtig. Habe es gerade letztes Jahr gehört dass ein alter Schäferhund ins TH musste weil der alte Besitzer zu krank war um sich um ihn zu kümmern. Sehr sehr traurig sowas.
Und solche Fälle gibt es leider sehr oft, wenn man mal auf die Seiten von TH's schaut ... Tiere die wegen Krankheit oder Versterben eines alten Menschen abgegeben werden mussten gibt es da zuhauf. Bei jüngeren Menschen die sterben ist die Chance grösser dass noch ein Partner zurückbleibt.
Und eine Bekannte meiner Mutter fand sogar etwas Trost in dem Gedanken dass ihr Dackel vor ihr gestorben ist. Allein der quälende Gedanke was aus ihm werden würde wenn sie zuerst stirbt (sie ist auch sehr alt) hat sie oft gesorgt.
Wenn die Situation so ist wie bei texas, klar, das ist was ganz anderes, dann nur zu! Man muss es sich einfach genau überlegen und sollte den Gedanken nicht scheuen..
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If in hole
Stop digging
(Indian saying)
"Sie sind alt, wenn Sie sich bücken, um die Schuhe zuzubinden, und dabei überlegen, was Sie noch erledigen könnten, wo Sie schon mal da unten sind ..."
Eckart von Hirschhausen
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