Na gut, dann mach ich ihn auf, den philosophischen Strang. Ich find das Thema nämlich spannend und wünsche mir spannende Diskussionen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, stellten sich in letzter Zeit hier verschiedene Fragen zum gleichen grossen Themenkomplex:
- Gibt es Unterschiede bei der Liebe zu anderen Lebewesen, je nachdem, wer das andere Lebewesen ist?
- Wo sind die Grenzen von Verantwortung und vielleicht auch Liebe?
- Was bedeutet "Tierliebe" eigentlich? (Und, damit im Zusammenhang stehend, was bedeutet "Tierschutz" für euch?)
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02.08.2007, 13:33Inaktiver User
Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
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02.08.2007, 14:19
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Danke für den Strang, Horus. Ich versuche meine Sichtweise einmal darzulegen:
Gibt es Unterschiede bei der Liebe zu anderen Lebewesen, je nachdem, wer das andere Lebewesen ist?
Wie hier wohl bekannt ist, gehöre ich der Gattung „Katzennarr“ an, wobei ich auch ganz allgemein ein Tierfreund bin und (außer bei Mücken, da bin ich gnadenlos) nicht einmal einem Insekt vorsätzlich Schaden zufüge. Abgesehen von meinem Mann gibt es kein Lebewesen, das ich mehr liebe als meine Katzen. Die Katzen sind für mich Familienmitglieder, ich empfinde das so. Manchmal denke ich schon, dass es gesünder wäre, etwas mehr Distanz zu haben, denn ich habe schon genug geliebte Tiere (darunter übrigens auch ein Hund) verloren. Sie leben nun einmal kürzere Zeit als wir.
Der ganz grundsätzliche Unterschied zwischen Liebe zu einem Menschen und zu einem Tier ist für mich der sexuelle Aspekt. Aber das ist wohl selbstverständlich.
- Wo sind die Grenzen von Verantwortung und vielleicht auch Liebe?
Eine Grenze könnte sein, wenn bei mir oder meinem Mann eine schwere Allergie ausbräche und ich mich entscheiden müsste zwischen einem Leben ohne Beschwerden, aber auch ohne Katzen, und einem Leben mit Beschwerden. Wie gesagt, das müsste dann schon gravierend sein und medikamentös nicht zu lindern.
Grenzen der Verantwortung? Wir hatten ja im Nachbarstrang das Thema Krankheit. Das ist ein sehr schwieriges Thema. Solange ich selbst in der Lage bin das Tier zu versorgen, würde ich es machen. Hierbei würde ich auch einiges auf mich nehmen und auf gewisse Dinge verzichten. Ich weiß übrigens, wovon ich spreche, da meine Katze herzkrank ist und täglich eine Tablette braucht. Wir können z.B. nur dann in Urlaub fahren, wenn unsere Katzensitterin Zeit hat. Ich würde eher auf den Urlaub verzichten. Grenzen würde ich da ziehen, wo die Pflege des Tieres mir z.B. nicht mehr gestatten würde, meinen Beruf auszuüben. Oder wo die Arztkosten so hoch sind, dass ich das nicht aufbringen könnte. Und vor allem, wo der Aufwand nicht in einem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen steht. Damit will ich sagen, dass das Leben des Tieres nur sehr eingeschränkt möglich ist und mit Schmerzen verbunden oder dass eine bestimmte ärztliche Maßnahme das Leben nur noch für kurze Zeit verlängern würde und mit Stress/Schmerzen für das Tier UND hohen Kosten verbunden wäre. Zum Glück habe ich vor der Entscheidung noch nicht gestanden, da die Fälle, wenn ich ein Tier einschläfern lassen musste, eindeutig waren.
- Was bedeutet "Tierliebe" eigentlich? (Und, damit im Zusammenhang stehend, was bedeutet "Tierschutz" für euch?)
Tierschutz hat für mich einen so hohen Stellenwert, weil ich finde, dass uns die Tiere anvertraut sind. Und zwar nicht zur bedingungslosen Ausbeutung und Schinderei. Ich bin zwar keine Vegetarierin, aber ich vermeide alles, was aus Massentierhaltung und Quälzuchten kommt. Konsequenterweise müsste ich wahrscheinlich vegetarisch leben, aber diese Konsequenz will ich zumindest momentan nicht ziehen. Allerdings sind für mich z.B. Pelze ein absolutes Tabu. Außerdem unterstütze ich verschiedene Tierschutzorganisationen finanziell.
So, das war es erstmal, was mir zu dem Thema einfällt. Ich bin gespannt auf die anderen Meinungen.Islabonita
Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin
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02.08.2007, 14:52Inaktiver User
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Ich geh mal auf einen Teilaspekt des ganzen Themas ein.
Grundsätzlich seh ich das mit der Verantwortung ähnlich wie du: wenn man sich mal entschieden hat, die Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen, dass muss man auch konsequent sein und diese Verantwortung wahrnehmen.
Aber: Es gibt Situationen, in denen dieses Wahrnehmen der Verantwortung jemandem anderes - einem anderen Menschen oder auch einem anderen Tier - oder mir selbst einen Schaden zufügt, der unverhältnismässig gross ist.
Wenn ich das im Voraus hätte abschätzen und erkennen können und nicht wahrgenommen habe, dann ist das mein Fehler und vielleicht muss ich dann wirklich die Konsequenzen weiter dafür tragen. Aber was, wenn ich das nicht im Voraus hätte wissen können? Dann wirds wohl ein Grenzfall. Wenn ich nicht weiss, auf was ich mich einlasse, hatte ich im Vorfeld auch keine Chance, wirklich ja oder nein zu dieser Verantwortung zu sagen.
Das sehe ich ein wenig anders.weil ich finde, dass uns die Tiere anvertraut sind.
Tiere brauchen uns nicht. Sie sind uns nicht anvertraut, sondern können auf sich selbst aufpassen. Das hat die Evolution so eingerichtet.
Wir hingegen sind zur Achtsamkeit für sie verpflichtet. Achtsamkeit heisst für mich: Acht geben, respektieren, Schaden minimieren. Aber nicht: Sie in Besitz nehmen und bevormunden. Mir ist kein Tier anvertraut. Ich kann entscheiden, mit einem Tier mein Leben zu teilen - und übernehme dann (erst nach dieser Entscheidung!) - Verantwortung für sein Wohlergehen.
Dass es den Steinbock oder Steinadler gut geht, ist seine eigene Sache. Ich bin verpflichtet, ihm nicht zu schaden und auf ihn Acht zu geben, aber er ist mir nicht anvertraut.
Was nicht bedeutet, dass ich achtlos an einem Tier in Not vorbeigehen würde (ich hab schon meine eigene Gesundheit für ein Wildtier riskiert). Aber das hat für mich mit Achtsamkeit zu tun, nicht mit "Anvertrautheit". "Anvertrautheit" hat für mich einen etwas negativen Beigeschmack, weil ich damit Entmündigung und Abhängigkeit verbinde. Aber genau das will ich einem Tier gegenüber vermeiden. Gerade weil ich wenig Unterschiede zwischen Tier und Mensch mache, würde ich die Vorstellung, dass uns Tiere anvertraut sind, verneinen. Denn "Anvertrautheit" impliziert für mich immer auch ein gewisses Über- und Unterstellungsverhältnis.
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02.08.2007, 16:22
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Für mich hat der Begriff "anvertraut" nicht so etwas Negatives. Ich meinte damit, dass wir als Mensch rein evolutionstechnisch dem Tier überlegen sind, was man ja leider daran sieht, was der Mensch so alles mit der Umwelt angestellt hat bzw. anstellt.
Insofern meine ich mit "anvertraut", dass wir verpflichtet sind, auf die Tiere zu achten. Was wiederum Deiner Definition von "Achtgeben" entspricht und das ist wohl auch der bessere Begriff für das, was ich ausdrücken wollte.
Puh, ganz schön schwierig, sich deutlich bei so einem doch recht schwierigen Thema auszudrücken.
Islabonita
Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin
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02.08.2007, 16:43
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Für Ausführlicheres fehlt mir gerade die Zeit (später mehr).
Der Mensch ist dem Tier mitnichten überlegen.
Tiere ruinieren nicht den Planeten. So dämlich ist nur der Mensch.
Das ist wohl kaum ein Zeichen für Überlegenheit, sondern für grenzenlosen Egoismus und Dummheit.
Er denkt ja auch, ein "Wesen" müsse aus Wasser und Blut bestehen. Auch das wissen Tiere besser.
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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02.08.2007, 16:54
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Oh Leute, Ihr macht es mir aber schwer - oder drücke ich mich so unverständlich aus *seufz*
Zitat von Karla48
Mit Überlegenheit meine ich, dass der Mensch aufgrund seiner Fähigkeiten in der Lage ist, die Tiere zu beherrschen und sie auszubeuten. Die Tiere sind dazu nicht in der Lage.Islabonita
Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin
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02.08.2007, 18:04Inaktiver User
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Hm, vielleicht trifft es das, etwas weiter formuliert:
Das Tier folgt mit seinen Handlungen seinen Instinkten, ohne diese zu reflektieren/reflektieren zu können. Moralische Fragen nach gut und böse stellen sich ihm so nicht. (Kater schleift totes Hasenbaby durch Katzenklappe, obwohl sein Napf gut gefüllt ist. Nicht, weil er das böse meint, ist halt sein Jagdinstinkt. Oder: Kater verhaut Nachbarkater, obwohl genug Platz wäre in der Straße. Verteidigt halt sein Revier.)
Der Mensch hat grundsätzlich die Fähigkeit, sein Handeln zu hinterfragen und zu steuern. Er kann also moralische Urteile fällen und muss Entscheidungen für sich treffen. (Ist es für mich vertretbar, an einer Jagd teilzunehmen/Fleisch zu kaufen, obwohl ich auch von Gemüse satt werden würde? Haue ich meinem Nachbarn mit dem Hammer auf den Kopf oder rede ich sachlich mit ihm, wenn mich seine laute Musik stört?)
Folge: Weil wir die Wahl haben, wie wir miteinander/unserer Umwelt/anderen Lebewesen umgehen - also nicht nur instinktgesteuert handeln - und die Folgen unseres Handeln weitaus besser überschauen können, haben wir mehr Verantwortung, und wie wir mit dieser Verantwortung umgehen, entscheiden wir in jeder Situation neu.
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02.08.2007, 21:19Inaktiver User
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Islabonita, Du hast Dich sehr gut ausgedrückt und ich habe alles verstanden, Horus hat es sehr schön weitergeführt.
Ihr beide habt aus meinem Verständnis gesprochen.
Und auch Ragna.
Wobei ich der Meinung bin, dass manche Tiere die Folgen ihres Tuns dann erkennen, wenn es ihnen nützt und damit schon Strategien von Verzicht und Investition in die Zukunft aufbauen.
Wie sonst schaffen es mein Hund und meine Katze, sich Punkt 22:15 nebeneinander an der Tür aufzubauen für den dreieinigen Nachtspaziergang, nicht um 22:10 und nicht um 22:20, und immer genau zum Ende des Spielfilms im nichtöffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wenn ich Arte gucke, sind sie immer hibbelig, ausser donnerstags, da gucke ich immer Arte und da sind sie also eine halbe Stunde später dran.
Liebe Grüsse
Elke
PS: Mir ist heute mehr pragmatisch, weniger philosophisch.Geändert von Inaktiver User (02.08.2007 um 21:25 Uhr)
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03.08.2007, 09:17
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Ich will im Moment mal nur auf die Unterschiede in der Liebe von Menschen und Tieren eingehen.
Tiere lieben vorbehaltlos, sie wollen einen nicht ändern, sie nehmen einen, wie man ist. Sie stellen keine Bedingungen. Für sein Tier muss man nicht schön, schlank, erfolgreich, sexy sein. Die Liebe zwischen einem Menschen und seinem Tier ist nicht so kompliziert wie die Liebe zwischen zwei Menschen. Irgendwie kommt sie mir "reiner" vor, zumal auch der Sex außen vor bleibt, der menschliche Beziehungen oft verkompliziert. Vielleicht fällt es vielen Menschen daher leichter, ein Tier zu lieben als einen anderen Menschen.
Und Tierliebe bedeutet dann eben einfach, sein Tier zu lieben, mit allen Konsequenzen. Es artgerecht zu halten, für es zu sorgen, es körperlich und auch seelisch gesund zu erhalten und es gegebenenfalls rechtzeitig loszulassen, wenn es alt oder krank geworden ist.
Tierschutz heißt, stark vereinfacht, dafür zu sorgen, dass dies möglichst überall so geschieht.
Dies alles mal nur bezogen auf Haustiere und auf emotionale Beziehungen.
Man könnte natürlich noch über Nutztiere und die gesamte Natur reden und was es heißen würde, die Verantwortung dafür korrekt auszufüllen. Aber ich denke mal, das hat weniger mit der Art "Liebe" zu tun, nach der Elke gefragt hat, oder?
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03.08.2007, 12:13Inaktiver User
AW: Der philosophische Strang zum Thema Tierliebe
Ich weiss nicht, ob Tiere lieben.
Manche Tiere sind auf gewisse Menschen bezogen, fühlen sich um diesen Menschen wohl und in Sicherheit. Und profitieren von ihm.
Aber ist das Liebe?
Tierhirne sind völlig anders als Menschenhirne (ich seh das völlig biologistisch: Gefühle sind in meinen Augen chemische und neurologische Prozesse im Hirn und der Hormone). Wir werden nie wissen, ob Tiere lieben. Dass Tiere Schmerz empfinden, das ja. Dass Tiere Behagen und Unbehagen empfinden - ja. Aber ob Tiere lieben? Und wenn ja, ob sie auf gleiche Weise lieben wie wir?
Ich weiss es nicht. Wir stellen uns das zwar gerne vor, aber ich denke, wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir es schlicht nicht wissen.
Und das finde ich sehr spannend. Das eröffnet Raum für viele Vorstellungen. Und vor allem behalten die Tiere so ihre völlige Eigenständigkeit, werden von uns also nicht vermenschlicht und mit menschlichen Eigenschaften vereinnahmt.
Umgekehrt - dass wir Tiere manchmal einfacher lieben können als andere Menschen, dem würde ich zustimmen. Weil wir nicht das Gefühl haben, dass Tiere Ansprüche an uns stellen.
Wobei ... bei genauerem Hinsehen ist dem vielleicht gar nicht so. Vielleicht würden Tiere in Wahrheit sehr wohl Ansprüche an uns stellen und wir merken es bloss nicht?


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