Hallo,
unser Kaninchen hat seit einigen Tagen Schiefhals, laut TA und wird auch entsprechend behandelt. Der TA meinte, es kann dauern und auch was zurückbleiben, aber die Chancen wären 50/50. Hat jemand Erfahrung, sie dreht sich so schlimm und der Kopf ist um 90° verdreht. Wir füttern und tränken mit der Hand und sie lässt sich gern streicheln und auf den Arm nehmen. Wird es besser? Kann uns jemand Mut machen? Vielen Dank
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08.07.2007, 17:31
Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
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08.07.2007, 18:21
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Hi Esmeralda,
sie hat dann Encephalitozoon cuniculi (e.c.), diesen Erreger tragen ca. 80 % aller Kaninchen in sich und bei Stress steigt die Möglichkeit eines Ausbruchs.
Wenn e.c. schnell erkannt und behandelt wird, sind die Heilungschancen mittlerweile sehr gut! Aber es ist ein harter Weg dorthin, denn das Bild, was die Kaninchen bieten, ist schon elend.
Wichtigstes Medikament ist Panacur, zudem noch Vitamin B12 und als Depot oftmals Cortison. Panacur muss zwingend mindestens 28 Tage lang durchgängig gegeben werden, Vitamin B12 und Cortison weniger lange, zudem aber noch ein gehirngängiges Antibiotikum.
Eine sichtbare Heilung tritt oft erst lange nach Abschluss der medikamentösen Behandlung ein.
Nicht verzagen, Esmeralda, auch wenn sie ein jammerhaftes Bild bietet - e.c. ist wirklich gut behandelbar. Wichtig ist nur, dass neben der Medikamentierung jeglicher Stress vermieden wird.
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12.07.2007, 00:20
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Hi Poison,
kannst Du vielleicht auch angeben, wo du diese info her hast? Mich interessiert das Thema, hab vor drei Jahren ein kaninchen wegen e.c. einschläfern lassen. Die behandelnde TÄ hielt nix von Panacur und Vitamin, hab aber auch auf der Behandlung damit bestanden und alles verabreicht.
Mich würde interessieren, ob sich in den letzten drei jahren was getan hat diesbezüglich. Denn damals hatte ich recherchiert, dass Aussichten zwar durchaus vorhanden sind, aber nur in etwa 50 % tatsächlich eine Heilung erreicht werden kann, wobei häufig behinderungen zurückblieben (also wie Esmeralda schrieb). Was verstehst Du unter sichtbare Heilung und was unter lange nach der Behandlung?
Ich bin nicht sicher, ob ich mein Kaninchen nochmal behandeln würde, letztlich war es für sie eine lange Zeit der Qual. Was macht man, um Sress für das Kaninchen zu vermeiden und wie pflegt man das Kaninchen, wenn man arbeiten muss?
Sorry, esmeralda, will hier nix miesmachen, ich wünsch euch und eurem kaninchen alles alles gute. Bitte berichte, wie es weitergeht, ja?
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12.07.2007, 06:33
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Hi,
ich persönlich hatte noch keinen e.c.-Fall in meiner Gruppe *toi toi toi*, kenne aber viele Halter, die das bereits durchmachen mussten, es kommt halt sehr häufig vor.
Wird die Behandlung sofort eingeleitet, stehen die Chancen sehr gut, dass es überstanden wird. e.c. ist kein Grund, gleich einzuschläfern.
Die Wirkung der Medikamente setzt zum Teil (ist ja bei jedem Kaninchen individuell) erst nach Beendigung der Verabreichung ein, meist so, dass der Schiefhals sich erst spät wieder zurückbildet. (Der Schiefhals ist aber nicht immer ein Anzeichen, es gibt so viele e.c.-Verläufe, bei denen überhaupt kein schiefer Hals zu sehen ist - das ist ja das tückische an dieser Krankheit.)
Ja, es ist eine qualvolle Zeit, aber sollte man nicht alles versuchen? Mit nur einem Quentchen Glück (den Rest erledigen die Medikamente und Ruhe) IST es eine vorübergehende Sache und da sehe ich es nicht ein, ein Tier deswegen einzuschläfern. Nicht so schnell aufgeben
Mit Behinderungen kann ein Kaninchen übrigens gut umgehen, es gewöhnt sich sehr schnell daran, falls doch mal was zurückbleiben sollte.
Stressvermeidung: Man muss entscheiden, ob man das kranke Tier vom Partner / von der Gruppe trennt, damit es nicht von denen gestresst wird - oder ob es Stress wäre, es allein zu halten während der Behandlungsdauer.
Unnötige Fahrten zum Tierarzt sollten nach Möglichkeit vermieden werden.
Die Umgebung muss weich gepolstert werden, damit das Tier, wenn es denn fällt, sich nicht wehtun kann.
Es ist schwer, Stress zu vermeiden, wenn man zeitgleich ständig Medikamente verabreichen oder sogar zwangsernähren muss, ein einziger Balanceakt.
Kann man arbeitsbedingt nicht öfter das Tier im Auge behalten, sollte man sich an einen Kaninchen-Verein wenden, oft ist es möglich, dass es dann dort vorübergehend während der Behandlungsdauer in Pflege genommen wird - ist zwar auch Stress für das Tier (eigentlich ist alles stressig
), aber die richtige Behandlung ist wichtig.
Ich bin - zum Glück! - kein e.c.-Profi, werde mir von meiner Tierärztin jetzt aber ein Medikamenten-Paket zusammenstellen lassen, damit ich im Fall eines Falles sofort nach Erkennen die Behandlung starten kann, ohne erst kostbare Zeit zu vergeuden, weil es gerade Samstagabend ist, wobei Panacur das Wichtigste ist. Mir sind derzeit einfach zuviele e.c.-Fälle bekannt.
Gugg mal hier
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12.07.2007, 18:33
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Hallo Ninchenfans,
danke für alle Infos. Ich habe meiner TÄ die neuesten Internet-Erkenntnisse ausgedruckt. Sie behandelt jetzt seit Montag mit den Mitteln und wir geben Panacur und Kochsalzlösung zusätzlich zu Hause. Sie frisst und trinkt gut, aber sie kann nur noch in der gepolsterten Kiste liegen und muss sich noch oft drehen. Dann ist sie völlig erschöpft und zittert. Es ist nicht leicht, das mit anzusehen. Die TÄ meinte heute, sie ist schon 8 Jahre alt und länger als bis zum WE sollten wir nicht warten. Die Behandlung hat noch keinen Erfolg gezeigt. Das Ninchen hat sehr an Gewicht verloren, trotz stündlicher Fütterung. Es ist ja auch Stress pur für das Tier. Zum Glück sind die großen Kids zu Hause in den Ferien und können sich tagsüber um unser Ninchen kümmern. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
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12.07.2007, 18:56
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Nicht aufgeben!
Die Erschöpfung, das Zittern, die Gewichtsabnahme - das ist alles normal. Solange das Tier kämpft, kämpfe Du bitte auch und lass es nicht voreilig einschläfern, nur weil es jetzt so elendig aussieht. Sie kann sich wieder erholen und diese Chance hat sie verdient, auch wenn es lange dauern mag!
Einen Behandlungserfolg kann man oft erst nach Wochen sehen - für uns ist der Anblick weitaus schlimmer als für das Tier, solange es frisst und trinkt.
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12.07.2007, 22:05
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Hallo Poison, danke für die Infos.
Den Artikel von Dr. Drescher kannte ich schon, es war damals, als ich recherchiert habe, der einzige seriöse zum Thema - alle anderen Infos stammten von Kaninchenseiten und alle bezogen sich irgendwie auf diesen einzigen Artikel. Dass eine Besserung oft erst nach ende der Behandlung, also 4 Wochen, auftritt, wusste ich leider nicht. Bezieht sich das mit der Bessserung nur auf den Schiefhals?
Ich hatte mein Kaninchen ja vier Wochen lang behandelt, bevor ich es einschläfern liess. Es hatte sich leider gar keine Besserung gezeigt, sie hatte nach wie vor alle 20 - 30 min. heftigste Drehanfälle (Schiefhals sowieso, aber mit dem hätten wir leben können). Davon ab allerdings frass sie die ganze zeit gut und konnte gut getränkt werden, und hatte zudem kaum Gewicht verloren. Aber die ständigen Drehanfälle mit anzusehen (kann ja ned 24 std am Tag das Kaninchen festhalten), brach mir echt das herz. Und jetzt wieder, wo ich lese, dass man vor vier wochen keine Besserung zu erwarten braucht - oder wie war das gemeint? Andereseits war sie wirklich schwer betroffen. Nun gut, ich weiss nicht.
Die Notfallmedikament sind jedenfalls ein toller tip, werd ich mir auch holen. Hab sowieso seit langen nen neuen TA, der hoffentlich besser ist.
LG
Lavazza
P.S. esmeralda, Warum will deine TÄ auch nicht so lange warten?
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12.07.2007, 22:56
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Hi Lavazza,
jedes Kaninchen und vor allem jeder e.c.-Verlauf ist sehr individuell, das macht gerade diese Krankheit so überaus tückisch. In vielen Fällen tritt bei sofortiger Erkennung eine rasche Besserung ein, in etlichen Fällen aber auch erst lange nach Beendigung der Medikamentengabe.
Oft ist es wohl auch so, dass nach Beginn der Medikamentengabe eine Besserung eintritt, dann nach einer Woche wieder eine rapide Verschlechterung und dann wird es langsam, sehr langsam, noch langsamer wieder besser.
e.c. ist ein Geduldsspiel, aber es kann gewonnen werden.
Das Kaninchen einer Bekannten hat auch diesen "Drehwurm", mehrmals am Tag dreht er sich einfach rundherum, aber er kommt damit zurecht. Seine Partnerin kümmert sich auch ganz rührend um ihn, so dass er nicht völlig den "Halt" verliert.
Lavazza, zum TA muss man so oder so, wenn man den Verdacht auf e.c. hat, denn nur eine Blutprobe kann Gewissheit geben, was es genau ist (Titerbestimmung). Aber wenn es Freitagnacht geschieht und man weiß, dass der Nottierarzt eher seinen Traumberuf als Schlachter verfehlt hat, dann ist es beruhigend zu wissen, dass sämtliche Medikamente im Hause sind.
Aber: Bei der nächstmöglichen Gelegenheit SOFORT zu einem kompetenten Kleintierarzt gehen. Die Medikamente daheim zu haben ersetzt nicht den Gang dort!
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13.07.2007, 09:32
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Wenn 80% der Kaninchen den Erreger in sich tragen, die Krankheit jedoch nicht auftritt, dann könnte man doch den Erreger bereits vor Ausbruch der Krankheit nachweisen ...oder nicht?
Könnte man dann nicht vorsorglich behandeln... oder geht das nicht?
Heike
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13.07.2007, 16:18
AW: Schiefhals-Kaninchen, wer hat Erfahrungen?
Ja, man kann ihn nachweisen über eine Blutuntersuchung.
Nein, bislang gibt es keine vorsorgliche Behandlung. Leider.
Soweit ich weiß - irgendwo gelesen - wird daran gearbeitet, aber das ist noch Zukunftsmusik.
Ich würde kein Tier am Leben erhalten, bei dem ich (und mehrere Tierärzte) mir sicher wäre, dass das künftige Leben bar jeglicher Lebensqualität wäre. Das Problem ist, dass ein akuter e.c.-Anfall erstmal danach aussieht, weil der Anblick wirklich schlimm ist, aber das ist vorübergehend, auch wenn es lange dauern mag. Von daher bitte nicht vorschnell einschläfern.


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