Hallo,
überlege seit langem, mir endlich wieder einen Hund zuzulegen. Da ich keinen Wert darauf lege, dass es ein Rassehund ist, dachte ich, dass ein Tierheimhund eine Option sein könnte. Bin mir jetzt gerade aber gar nicht mehr sicher, da ich in letzter Zeit häufiger von Schwierigkeiten mit traumatisierten Hunden gehört habe und solche auch bei dem Hund beobachte, den ich gerade für zwei Wochen in Pflege habe.
Sie ist eine Seele von einem Tier und wir verstehen uns prächtig. Ihre jetzigen Besitzer haben sie im Alter von sechs Monaten vor einem halben Jahr aus dem Tierheim geholt. Leider ist sie in einem Punkt wirklich problematisch. Sie hat einen extrem ausgeprägten Hütetrieb, kann keine Minute alleine bleiben und leidet anscheinend unter einer entsetzlichen Angst verlassen zu werden. Ich kann sie noch nicht einmal vorm Supermarkt anleinen, ohne dass sie austickt. Da eine Freundin auf sie aufpasst, wenn ich arbeiten muss, geht das. Ohne die wäre ich aber völlig aufgeschmissen.
Ob man einem traumatisiertem Hund so was wohl abgewöhnen kann?
Ist so etwas eher die Ausnahme oder muss man mit derart ausgeprägten Schwierigkeiten rechnen, wenn man einen nicht mehr ganz kleinen Hund zu sich nimmt?
Wäre dankbar für Erfahrungsberichte.
Liebe Grüße
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Thema: Tierheim-Hunde
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19.03.2007, 20:59Inaktiver User
Tierheim-Hunde
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20.03.2007, 02:14
AW: Tierheim-Hunde
Kuckuck!
Da es nicht "den" Tierheimhund gibt, kann man Deine Frage schlecht beantworten.
Ich vermute, dass Tierheimhunde häufig Verlassensängste haben, da sie es einfach schon kennen, von den Besitzern zurückgelassen zu werden. Aber daran kann man arbeiten. Einen Welpen kann man auch nicht nach 2 Wochen den ganzen Tag alleine lassen. Und wenn mans falsch anfängt, kriegt man auch einen Hund, der nicht alleine bleiben kann.
Meine TH-Maus kann ich ohne Probleme ein Weilchen zu Hause oder im Auto warten lassen. Aber da wir zwei Hunde haben (beides Tierheimhunde), ist sie normalerweise auch nicht ganz allein.
Anbinden vor Geschäft geht bei ihr auch nur ganz schlecht, da wird sie sehr unruhig, aber da ich das eh nicht gut finde, kommt es praktisch nie vor.
Was Deine Pflegemaus betrifft - dass die extreme Verlassensangst hat, sollte verständlich sein. Die muss ja alle paar Monate eine Trennung von den Bezugspersonen und eine neue Umgebung verkraften.
Erst die Trennung von der Mama, ein paar Monate später schon von den ersten Besitzern ins Tierheim abgeschoben, dann hat sie diese Umgebung wieder verlassen und ist zu den neuen Besitzern gekommen und die geben sie zu Dir (dass das nur für kurze Zeit ist weiß sie ja nicht!!) und bei Dir wechselt sie zwischen Dir und Deiner Freundin. Und das alles im ersten Lebensjahr.
Wo soll die Maus da die Ruhe und das Vertrauen, die Sicherheit hernehmen, um das Alleinebleiben aushalten zu können? Alleine bleiben ist für das Rudeltier Hund einfach extrem schwierig - in ungewohnter Umgebung eh.
Dass das bei Deinem Pflegehund nicht wie gewünscht funktioniert, sollte Dich aber nicht vom Projekt Tierheimhund abhalten.
Du solltest Dir nur darüber im Klaren sein, dass Du nicht einfach einen Hund holen kannst und nach ner Woche problemlos arbeiten gehen. Das wird nicht funktionieren. (Mit einem Welpen aber erst recht nicht!!)
Aber mit Geduld, viel Zeit und Verständnis und ein paar kleinen Tricks kann man vieles wieder grade biegen - nicht immer, aber oft.
Wenn Du vollzeit arbeiten gehst, den Hund dort nicht mitnehmen kannst und weder eine mehrstündige Mittagspause noch einen Hausmann hast, solltest Du das mit dem Hund aber eh besser lassen.
Just my 2 Cents.
Viele Grüße allerseits von
Avocado
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20.03.2007, 08:12
AW: Tierheim-Hunde
Hallo Starseeker,
also mit schwierigkeiten muß man generell rechnenIst so etwas eher die Ausnahme oder muss man mit derart ausgeprägten Schwierigkeiten rechnen, wenn man einen nicht mehr ganz kleinen Hund zu sich nimmt?
- junge hunde zerfressen in unbeobachteten augenblicken z.b. handys und schuhe.
Aber speziell zu tierheimhunden und nicht alleine bleiben wollen:
Unser erster hund war nur 6 wochen im tierheim und sehr selbstbewußt, aber seine größte sorge, wenn wir mit ihm unterwegs waren, war immer, daß wir ihn ja nicht irgendwo vergessen. Das blieb bis zum schluss so, wobei er in haus und hof sehr schnell entspannt war.
Jetzt haben wir seit 2 tagen wieder einen hund aus dem tierheim und der kennt die haustür schon ganz genau und steht davor in ganzer größe, damit er auch ja mit rein kommt.
Unsere hündin haben wir als welpen bekommen – sie ist jetzt 6 – und die sieht das alles viel entspannter, trödelt auch schon mal irgendwo rum. Sie ist sich völlig sicher, daß wir sie schon nicht vergessen werden, ob das nun ein charakterunterschied oder die nicht-tierheim-erfahrung ist, ist natürlich nicht so eindeutig.
In fremder umgebung anbinden und alleine lassen braucht denke ich, sehr viel mehr zeit - für jeden hund (muß ich gerade schreiben, wo ich immer so ungeduldig bin
) – vielleicht läßt Du sie bei soetwas besser zunächst zu hause in vertrauter umgebung.
arabeskeNur tote Fische schwimmen mit dem Strom.
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20.03.2007, 08:21Inaktiver User
AW: Tierheim-Hunde
Hi Avocado,
vielen Dank für Deine Antwort. Dass man Hunde generell nicht lange alleine lassen sollte ist mir klar. Auch dass Hunde gerade am Anfang, wenn Sie in eine neue Umgebung kommen viel Zuwendung und Zeit brauchen, ist für mich selbstverständlich. Ich würde mir ohnehin erstmal Urlaub nehmen, wenn ich mir einen Hund anschaffe.
Was mir etwas Angst macht, ist aber, dass ein traumatisierter Hund das vielleicht überhaupt nicht packt.
Bei meinem leider vor ein paar Jahren verstorbenen Hund, den ich als Welpen bekommen hatte, war es so, dass er nach ein paar Monaten keinerlei Probleme damit hatte, auch mal ein paar Stunden allein zu bleiben. Er wusste ja, dass er nicht verlassen wird.
Mein Pflegehund hat es bei seinen Leuten nach einem halben Jahr nicht gelernt, fünf Minuten allein zu sein. Ich kenne den Kontext da allerdings nicht gut genug, um sagen zu können, ob es an mangelnder Konsequenz im Training liegt.
Da ich ohnehin meist zuhause arbeite, wäre ein Hund bei mir nicht lange allein. Ein paar Stunden lassen sich allerdings nicht vermeiden.
LG
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20.03.2007, 08:32
AW: Tierheim-Hunde
Der ausgeprägte Hütetrieb hat aber nicht unbedingt etwas mit dem Tierheim zu tun. Es hat eher etwas damit zu tun, welche Rassen in einem Hund stecken. Auch "keine" Tierheimhunde, haben oft Angst vorm verlassen werden. Das hat absolut nicht mit traumatisiert zu tun.
Zitat von Inaktiver User
Ich würde mich im Tierheim gut beraten lassen (klingt wie bei Autokauf
)! Die kennen sich mit den Eigenschaften der Hunde meistens sehr gut aus und können Dir bestimmt weiterhelfen.
LG
StephanieFür einen Bissen Fleisch nehmen wir einem Tier die Sonne und das Licht und ein bisschen Leben und Zeit, an dem sich zu erfreuen seine Bestimmung gewesen wäre.
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20.03.2007, 08:34Inaktiver User
AW: Tierheim-Hunde
Hi Arabeske,
vielen Dank auch für Deine Antwort. Ich finde es auch nicht gut den Hund vor einem Geschäft anzubinden, allein zu Hause lassen geht bei Ihr aber gar nicht, ohne dass sie ununterbrochen bellt und die Tür demoliert. Sie fünf Minuten draußen zu lassen, erscheint mir insofern als das geringere Übel. Sie verzweifelt allerdings selbst dann, wenn wir noch Sichtkontakt haben.
Insofern wir nur zwei Wochen zusammen sind, ist das nicht so problematisch. Da sie nur so kurz bei mir ist, will ich sie jetzt auch nicht unnötig mit allein-sein-Training quälen, wo sie eh schon in einer ungewohnten Umgebung ist.
Wie lange hat es bei Euren TH-Hunden denn gebraucht, bis sie sich ans allein sein gewöhnt haben und wie lange können sie allein bleiben?
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20.03.2007, 08:51
AW: Tierheim-Hunde
Unser Hund (war allerdings nur für knapp 4 Wochen im TH) konnte nach 6 Wochen bei uns ohne Probleme allein gelassen werden. Ich habe mit fünf Minuten angefangen und das immer mehr gesteigert. Inzwischen bleibt er (notfalls) problemlos ein paar Stunden zuhause, liegt dann allerdings immer auf dem Sessel auf den er nicht soll.
Wenn wir die Haustür aufschliessen hört man ihn immer vom Sessel springen...
Er war allerdings auch noch sehr jung (8Monate) als er zu uns kam.Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.
Goethe
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20.03.2007, 09:00
AW: Tierheim-Hunde
Hallo!
Hab zwar keinen TH Hund sondern einen von der Strasse, aber der ist früher auch nach einigen Minuten alleine schon ausgetickt und hat die Wohnung demoliert. Seitdem konnte ich nur alleine weg wenn jemand anders da war. Kein Riesenproblem, da das mit meinem Ex Mann immer ganz gut ging, aber schon etwas umständlich manchmal.
Ich hab dann angefangen ihn mal 5-10 Minuten allein zu lassen, praktisch nur raus, etwas warten und wieder rein. Das war dann ok, nach einer Weile schienen auch 15-30 Minuten ok zu sein. Ich hab dann immer ganz intensiv mit ihm geredet, ihn auf seinen Platz gebracht, ihm gesagt dass er da sitzen soll und gut aufpassen soll und dass ich ganz schnell wieder da bin. Er hat gross und aufmerksam geguckt und zugehört und es scheinbar verstanden. Jedenfalls lebten die Gardinen noch als ich wiederkam!
Neulich musste ich dringend weg und es war niemand da der so schnell kommen konnte. Ich war 1,5-2 Stunden weg - und er war ok!
Hab ihn ganz doll gelobt und bin erleichtert! Ich denke sowas kann man wirklich langsam und mit Geduld trainieren. Betonung auf langsam! Ich glaube dein Pflegehund ist ein extremer Fall und sicher sind die meisten TH Hunde nicht so extrem veränstigt.
Am besten ist wenn du mit den Leuten im TH redest.
Alles Gute!
Noodie.
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If in hole
Stop digging
(Indian saying)
"Sie sind alt, wenn Sie sich bücken, um die Schuhe zuzubinden, und dabei überlegen, was Sie noch erledigen könnten, wo Sie schon mal da unten sind ..."
Eckart von Hirschhausen
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20.03.2007, 09:39Inaktiver User
AW: Tierheim-Hunde
Lieben Dank für Eure Antworten, die mir etwas Mut gemacht haben. Wahrscheinlich ist es wirklich das wichtigste, sich vorher gut über die Hunde zu informieren.
Stephanie, da hast Du natürlich recht. Sie ist ein Border-Collie-Mischling, da liegt das ja in den Genen. Sie ist ausgesprochen sozial und freundlich, lässt aber selbst Leute, die sie erst ein paar Stunden kennt, nur ungern ziehen.
Zitat von Madhouse
Andererseits hört Sie aufs Wort und das obwohl ich gar nicht ihr wirkliches Frauchen bin. Trotz des beschriebenen Problems mag ich gar nicht dran denken, dass ich sie wieder hergeben muss.
LG
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20.03.2007, 10:57
AW: Tierheim-Hunde
Huhu,
ich habe hier 2 Tierheimhunde sitzen und zwar welche, die länger "saßen".
Shiwa saß etwas über ein Jahr, Lilou fast 5 Jahre
, aber so ist das bei diesen Rassen eben...
Sie sind vom Wesen sehr verschieden in vielen Punkten.
Shiwa hat schon ein sehr sehr starkes Bindungsbedürfnis, ob das jetzt auch an der Rassepersönlichkeit oder am TH liegt, weiß ich letztlich nicht.
Sie ist nicht gern alleine, ich vermeide es auch möglichst sie lange alleine zu lassen, aber es gab nie Probleme in der Hinsicht, dass die Wohnung zerlegt hat. Ganz zu Anfang hat sie mal eine Tür leicht zerkretzt, aber danach nie wieder. Sie bellt nicht, macht nicht rein, macht nichts kaputt - außer Mülltürten und sowas und das liegt einfach daran, dass sie total verfressen ist und überall nach Essbarem sucht (leider auch Schublade und Türen öffnen kann).
Shiwa ist ein sehr unproblematischer Hund, ein Sonnenschein, mit ihr gab es nie Probleme und sie war der perfekte Ersthund für mich, trotz TH-Geschichte.
Lilou ist eine Ecke schwieriger, was aber sicher damit zusammenhängt, dass sie bisher immer total schlecht behandelt wurde. Vor dem Gnadenhof, wo sie unter miserablen Bedingungen in einem 4 qm-Zwinger einer reithalle gehalten wurde, war sie im Th und davor wurde sie einem Junkie weggenommen, der ins Gefängnis musste. Sie kannte keine Sozialkontakte zu Artgenossen, ist absolut stark ängstlich, wurde sicher misshandelt, hatte Anfangs in bestimmten Situationen öfter Panikanfälle, in denen sie dann sehr selten (vorallem wenn sie eben alleine irgendwo angebunden war - zu Übungszwecken in der Hundeschule, sonst machen wir das nicht!) in Notwehraggression geriet.
Dass wir uns mit diesem Hund keinen einfachen Hund ins Haus holen, wussten wir - aber die Fortschritte, die sie in nicht mal einem Jahr gemacht sind ENORM und erfreuen uns täglich.
Mittlerweile hat sie eine Grundsicherheit, wir nehmen regelmäßig an Hundetreffen teil und sie schätzt Sozialkontakte inzwischen sehr und hat sogar angefangen mit anderen Hunden ausgelassen zu spielen. Aggresionen sind bei ihr seit Monaten nicht mehr aufgetreten.
Warum ich das Schreibe? Um dir zu zeigen, dass man selbst größere Problem, die aus WIRKLICHEN Traumatisierungen resultieren, durchaus zumindest lindern kann.
Auch Lilou hat Verlassensängste, es zeigt sich darin, dass sie oft tatsächlich versucht mich "festzuhalten", wenn ich gehen will. Ganz sanft, aber deutlich. Und sobald man aufsteht steht sie vor der Tür, damit man ja nicht ohne sie geht - aber sie hat gelernt, dass auch das manchmal eben so sein muss.
Shiwa hat diese Ängste wie gesagt auch - aber das ist bei beiden händelbar.
In erster Linie zeigt es sich in total überschäumender, geradezu ausgeflipper Freude, wenn ich wiederkomme, damit kann ich leben ;)
Ich denke, bestimmte Grundzüge werden sie behalten, Lilou wird nie so so ein durch und durch fröhlicher und aufgeschlossener Hund wie Shiwa werden, dazu sitzen bestimmte Dinge zu tief und ich denke, beiden werden auch nie gern alleine sein - aber man kann alles auf ein erträgliches Maß bekommen und gut damit leben.
Schau dir die Hunde vorher an, erfrahe ihre Vorgeschichten, im th sitzen ja nicht nur Fundhunde. Bei meinen beiden weiß ich ja recht genau, was vorher alles war - gutes wie schlechtes und gerade wenn ein Hund länger im Th ist, können die Pfleger ja oft auch wirklich viel über ihn sagen.
Ich fänd es klasse, wenn eine arme Nase bei dir ein Zuhause fänd
Liebe Grüße
NatalieGeändert von murmeltier (20.03.2007 um 11:02 Uhr)
Und falls wir uns nicht mehr sehen: Gut Tag, guten Abend und gute Nacht!


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