Jetzt ist es soweit. Mein Mann und ich haben einen Hund adoptiert. Einen zweijährigen Rüden, der Angst hat, aus privater Haltung. Ein Angsthund. Mein Mann hat Erfahrung mit Hunden, ich nicht. Niemand traut uns die Haltung zu, alle sind negativ eingestellt, was wir uns da angetan haben. Aber es ging nicht anders. Da wo er war, musste er dringend raus. Und nun ist es so wie es ist. Natürlich habe ich auch Zweifel, aber noch mehr habe ich Ehrgeiz, Liebe, Willen und Geduld. Ich bin den ganzen Tag zuhause, kann mich den ganzen Tag mit ihm beschäftigen. In einer Hundeschule habe ich mich angemeldet, nächste Woche ist der erste Termin.
Trotzdem bleibt die Frage: was nun?
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Ergebnis 1 bis 10 von 14
Thema: Und jetzt?
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24.04.2017, 13:52
Und jetzt?
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24.04.2017, 16:22
AW: Und jetzt?
Lasst ihn viel in Ruhe. Wenig rumtun, warten bis erkommt.
Lasst ihn ankommen, überfordert ihn nicht. Gebt ihm die Ruhe, die er bisher nicht haben konnte.
Meine Angsthündin kam knapp vor dem Zahnwechsel. Sehr klein also. Sie hat einen massiven Deprivationsschaden, sie ist aller Wahrscheinlichkeit ohne Außenrteize aufgewachsen, kannte also nix.
Ich dachte, ich zeige ihr, wie toll das Leben ist. So wie es mit all meinen anderen Hunden war und ist. Riesenfehler!
Erst, seit sie ein Rentnerleben führen darf, wird der Stress weniger. Gassi nur im für sie bekannten und sicheren Gelände, gereglte Abläufe, keine Aktivitäten, die das Erregungslevel hoch halten. Anfangs auch keine wilden Spiele. Mene Maus hat auch ein ige Zeit Medikamente gebraucht, die die Angst nehmen und das Hirn normal arbeiten lassen. Von da ab konnte ich mit ihr trainieren und sie war lernfähig. Jetzt, nach 6 Jahren, ist sie immer noch in Habacht und fluchtbereit, aber zuhause ist siem ein einigermaßen fröhlicher Hund, der inzwischen unsere zweithündin zum Spielen auffordert.
Der abgenudelte Spruch "In der Ruhe liegt die Kraft" trifft hier 150%ig zu.
Weswegen hat er Angst? Deprivation? Misshandlung? Messiehaushalt? Hoarding? ...
Ich habe hier mal einen Strang für Leute mit Angsthunden angefangen.
Eine meiner Meinung nach gute Seite ist angsthund. de, vor allem auch das Thema Deprivation betreffend.
Hundeschulen sind nicht immer fähig, mit Angsthunden umzugehen. Manchmal gilt dort noch die Konfrontation als Methode der Wahl, die aber bei Hunden, die vor allem und jedem Angst haben, absolut kontraproduktiv ist. "Da muss er durch" ist ganz falsch.
Wenn der Hund bei Euch wirklich angekommen ist und keine Stresszeichen mehr zeigt, Selbstbewusstsein aufbauen über ganz kleine, leichte Übungen (Balancieren, einfachste Hindernisse, etwas unter einem Tuch rausholen, einfachste Suchen ...).
Überlegt Euch auch einen Einzeltrainer, der Expertise mit Angsstörungen hat. Mir hat eine Kollegin, FTA für Verhaltensmedizin, sehr geholfen.
Die zuständige Fachgesellschaft Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin
und -therapie – GTVMT (gtvmt .de) hat auf ihren Seiten auch eine FTA-Suche nach PLZ.
Ganz viel Glück und Geduld wünsche ich Euch!
Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin
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24.04.2017, 20:23
AW: Und jetzt?
Ich habe den Link über die Angsthunde mal rausgesucht
.
... and nothing else matters
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24.04.2017, 21:16
AW: Und jetzt?
Danke, spatz, wollte ich abends noch machen.
Thank you for observing all safety precautions.
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sonst normale Userin
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24.04.2017, 21:28Inaktiver User
AW: Und jetzt?
Ehrlich?
Bitte kein Ehrgeiz, kein Wille und keine Hundeschule in der nächsten Woche.
Lass den Hund ankommen.
Richte ihm Rückzugsorte in der Wohnung ein, besorgt Dir ein Sicherheitsgeschirr, lass den Hund das Tempo vorgeben.
Was hat der Hund denn für eine Vorgeschichte?
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24.04.2017, 23:59Inaktiver User
AW: Und jetzt?
Eins vorweg: un-be-dingt gut sichern vor dem Gassigehen, auch aus einem normalen Geschirr kann sich der Hund nullkommanix rauswinden, das glaubt man oft erst wenn man es erlebt hat, und dann ist es zu spät...
Ich möchte dir Mut machen, viele Hunde stecken erstaunlich vieles an schlechten Erfahrungen weg, da staun ich immer wieder.
Ganz wichtig ist das auch deine innere Haltung: der Hund sollte dir nicht furchtbar leid tun, das führt oft ganz unbewußt dazu, dass man ihn in seiner Angst immer noch bestärkt. Ist zwar gutgemeint, aber es ist oft nicht konstruktiv zu sehr auf die Ängste einzugehen. Das solltest du aber mit einem Experten trainieren, da kommt es wirklich drauf an genau zum rechten Zeitpunkt richtig und konsequent zu handeln.
Ich drück euch die Daumen!!
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25.04.2017, 17:26
AW: Und jetzt?
Vielen Dank ihr Lieben!
Die Hundeschule sollte nur für mich sein, ohne Hund. Damit ich vielleicht etwas Basiswissen bekomme.
Ich glaube, dass es sich um einen Deprivationsschaden handelt. Er saß im Zwinger ohne jegliche Ansprache.
Ein Sicherheitsgeschirr wollte ich auf alle Fälle besorgen.
Und ihr meint, erstmal in Ruhe lassen. So wie im Streichelzoo. Nicht hinter den Tieren her laufen, die Tiere kommen lassen.
Kann ich es irgendwie verhindern, dass er mich schnappt?
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25.04.2017, 17:51Inaktiver User
AW: Und jetzt?
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Absolut.... und es kann gut sein, das du es länger durchhalten musst.
Und ihn auch nicht immer wieder beobachten.
So tun, als wäre er gar nicht da. Erst mal.
Futter und Wasser kommentarlos hinstellen. Gehen.
Das ist wenn man das so nicht kennt, so zu sein, unglaublich schwer, aber gegenüber einem Hund sehr effektiv.
Ich wünsche euch alles Glück das man aufsammeln kann um euch rum, für euch.
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25.04.2017, 17:56
AW: Und jetzt?
Hallo Bermudadreieck, ich war (und bin es teilweise immer noch) auch Hundeanfänger, als wir vor ca. 2 Jahren unseren Racker bekommen haben. Allerdings haben wir wirklich Glück gehabt und einen sehr unkomplizierten Hund, sofern man das überhaupt so sagen kann, also jedenfalls kein Angsthund o.ä.
Mir hat das Buch " Das andere Ende der Leine" sehr geholfen, um zu kapieren, wie ein Hund grundsätzlich so tickt.
Ich würde mit meiner bescheidenen Erfahrung auch sagen: Hund viel in Ruhe lassen, ankommen lassen, aber auch selbst Ruhe bewahren, Krach und Peng
vermeiden, mit Leckerchen belohnen.
Aber du darfst dir auch nicht auf der Nase rumtanzen lassen, das merken die ratzfatz, dann haben die Oberwasser. Lass dir also bei aller Liebe und Geduld nicht das Zepter aus der Hand nehmen.
Bei dem nicht einfachen Balanceakt wünsche ich dir viel Erfolg, aber auch Spaß und Freude. Hier sind ganz viele Spezialistinnen unterwegs, vielleicht meldet sich noch die ein oder andere.
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25.04.2017, 17:58
AW: Und jetzt?
Dass Du alleine zur Theorie gehen möchtest, finde ich supertoll!

Weißt Du, wie lang der Hund im Zwinger war? "Schon immer" oder erst in letzter Zeit?
Auf jeden Fall in Ruhe lassen. Er soll von selbst Kontakt aufnehmen - und er wird das nach einiger Zeit vermutlich auch tun.
Futter hinstellen, dann weggehen. Manche dieser Hunde fressen nur, wenn sie alleine sind, manche sogar nur im Dunkeln (wenn sie in dunklen Verschlägen vegetieren mussten).
Ich bin relativ sicher, dass der Hund Dich nicht beißen wrd, wenn Du ihm Zeit lässt. Anfangs kann es gut sein, dass er droht, wenn ihm jemand zu nahe kommt und ihn anfassen möchte oder die Hand nach ihm ausstreckt.
Das macht meine Angsthündin nach 6 Jahren noch. Nicht bei mir und nicht bei meinem Freund, aber bei Kollegen, meinem Chef und bei Freunden, auch wenn sie sie schon seit Jahren kennt. Auch wenn jemand durchs Autofenster zu ihr reinschaut oder reinspricht. Wenn jemand ihre Distanz überschreitet, dann droht sie., aber sie schießt nicht einfach vor um beißt aus heiterem Himmel.
Hilfreich für Euch und den Therapeuten/Trainer wäre es zu wissen, wie die Vorgeschichte des Hundes aussieht. Gab es Misshandlung? Gibt es Verknüpfungen mit bestimmten Situationen, die dann beim Wiedrauftreten derselben/einer ähnlichen Situation zum angstaggressiven Verhalten führen?
Sinnvoll wird es sein, kleine Visdeosequenzen zu drehen. Ein Verhaltensspezialist kann damit ne Menge anfangen.
Rezeptfrei hat schon geschrieben, dass im Haus Rückzugsorte ganz wichtig sind. Da kann der Hund sein, ohne dass er gestört, gestreichelt oder angsprochen wird oder Kontakt haben muss.
Was hilfskonstriktion schreibt, nämlich dass Hund teils erstaunlich viel wegstecken und sehr schnell im Leben Fuß fassen, das kenne ich auch. Ist wohl so etwas wie die resilienz beim Menschen. Allerdings ist es auch so, dass konkrete Misshandlungserfahrung häufig leichter zu therapieren ist als es durch Deprivation verursachte generelle Angststörungen sind. Aber auch da kann es soweit funktionieren, dass der Hund innerhalb seiner eigenen Limitierungen ein gutes Leben führen kann.
Ich musste in den vergangenen 6 Jahren so irr viel lernen und so oft auch erkennen, dass ich Fehler gemacht habe. Und das mir über 50 Jahre Hundeerfahrung bei meiner Ängstlichen nicht soooviel geholfen haben, weil die Hunde meiner Familie und dann eine eigenen alle aus guten Zuchten kamen, gut sozialisiert waren und Urvertrauen mitbrachten.
Dafür freue ich mich wie eine Helikoptermutter über die lächerlichsten Mini-Mini-Fortschritte und ich möchte keine Sekunde mit diesem Hund missen.Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin


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