Du kannst die Gefahr begrenzen, dass er es tut, indem Du ihn nicht bedrängst.
Bei dem, was ich schreibe, gehe ich jetzt mal vom schlimmsten Fall, nämlich einem völlig verängstigten Hund aus, der gar nichts kennt.
Ich würde ihm, wie katelbach bereits beschrieben hat, Futter und Wasser hinstellen und ihn einfach in Ruhe lassen.
Wenn der Hund keinen Kontakt sucht oder Anzeichen von Angst zeigt, sobald Du Dich alleine oder mit Geschirr und Leine näherst, würde ich in Kauf nehmen, dass er sich zumindest am ersten Tag in der Wohnung löst. Anschließend nur kurz raus, lösen, zurück.
Ich würde die beschriebenen Rückzugsorte schaffen, mich einfach mit einem Buch auf den Boden setzen, lesen und den Hund beobachten lassen.
Ich würde nichts erzwingen.
Ich würde in den ersten Wochen auf Besuch im Haus, Tierarztbesuche (sofern nicht notwendig) und Dinge, die den Hund überfordern, verzichten.
Ich würde die Wohnung so sichern, dass keine Kabel und keine für den Hund gefährlichen Dinge rumliegen, weil er nachts vermutlich alleine schlafen wird und dann anfangen wird, die Wohnung zu erkunden.
Wenn Du Kontakt zu dem Hund hast, geh in die Hocke und lass ihn sich seitlich annähern. Frontale Annäherungen und Annäherung von oben ist aus Sicht des Hundes unhöflich oder sogar bedrohlich. Gleiches gilt wenn Du das Geschirr anlegen willst. Melden den Hund auch sofort bei Tasso an (funktioniert über das Internet). Besorg Dir zum Sicherheitsgeschirr (ich würde annyx empfehlen) eine Sicherheitsleine mit zwei Karabinern, die Du beide im Geschirr einklinkst. Bei einem großen Hund würde ich die Leine evtl. durch einen Jogginggurt ziehen.
Ich habe zwar keinen Hund mit Deprivationssyndrom (das ist katelbachs Spezialgebiet), sondern "nur" einen Hund mit einer generalisierten Angststörung, aber es gibt Parallelen.
Wichtig finde ich, einen wirklich guten Ansprechpartner im Hintergrund zu haben, der Erfahrung hat und unterstütz, wenn man mut- oder ratlos ist.
Wie dieser Ansprechpartner aussieht, hängt von Deinen Vorstellungen ab.
Es gibt Vertreter der "da muss er jetzt durch"- Fraktion, die mit aversiven Methoden arbeiten. Mein Weg ist das allerdings nicht.
Es gibt Trainer, die Erfahrung mit Angsthunden vorgeben, aber sie nicht wirklich haben. Blöd für Hund und Mensch, deshalb würde ich entweder die von katelbach vorgeschlagenen Tierärzte kontaktieren, oder mich auf eine Trainerempfehlung von einem Hundehalter mit ähnlichem Hintergrund verlassen.
Du wirst in das Leben mit solch einem Hund erst reinwachsen müssen. Ich würde Dir empfehlen, Dir gute Lektüre zum Thema Körpersprache zu besorgen, um den Hund lesen und verstehen zu können. Es gibt hier irgendwo einen Strang mit Buchempfehlungen, in dem Du stöbern kannst.
Ist der Hund schon bei Euch?
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Thema: Und jetzt?
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25.04.2017, 19:14Inaktiver User
AW: Und jetzt?
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26.04.2017, 16:47
AW: Und jetzt?
Vielen vielen vielen Dank für eure ganze Unterstützung! Ich bin total aufgeregt. Der Hund ist noch nicht da, wir holen ihn in zwei Wochen. Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen, dass es lange dauern kann, aber ich bin bereit diesen Weg zu gehen. Vielleicht wird es nie der Kuschelhund werden, aber das muss er auch nicht. Ich kuschel zwar gerne, aber ich habe ja noch meinen Mann...
Der Kleine ist zwei Jahre alt, wurde als Welpe gefunden und kam dann in den Zwinger. Nach der "Zwingerfrau" hat er auch schon geschnappt, weil die permanent mit ihren Händen vor ihm rum gefuchtelt hat. Deswegen hab ich da ein bisschen Sorgen. Allerdings lass ich ihn ja in Ruhe und überrenne ihn nicht.
Geschlagen wurde er wohl nicht.
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26.04.2017, 17:17Inaktiver User
AW: Und jetzt?
Bedenke bitte, dass es auch sein kann, dass nie ein selbstbewusster und unbefangener Hund aus ihm wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Leben mit so einem Hund weniger schön oder lebenswert ist. Es ist eben anders und es erfordert manchmal ein wenig mehr Organisation, um dem Hund die Ruhe und die Pausen zu verschaffen, die er braucht.
Ich lasse Dir mal Links zu zwei Webinaren hier, die ich sehr hilfreich fand. Bitte das Leerzeichen nach dem www. entfernen:
https://www. youtube.com/watch?v=KzzlAXUOorQ
https://www. youtube.com/watch?v=mKeG6Rt11rw
Für mich ist die Referentin eine der ersten Adressen, wenn es um Angstproblematiken bei Hunden geht. Sie ist Biologin, auf Verhaltenstherapie spezialisiert, ihre Methoden sind absolut gewaltfrei und aus eigener Erfahrung extrem erfolgreich, aber sie liegen nicht jedem.
Von ihr gibt es auch eine sehr gute DVD zum Thema Körpersprache (Das Kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes- bitte ebenfalls Leerzeichen nach dem www. entfernen: https://tiertraining.tv/kurse/kurs/das-kleingedruckte-in-der-koerpersprache-des-hundes/)
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30.04.2017, 09:01Inaktiver User
AW: Und jetzt?
Was Hunde in ihren ersten 8 Wochen lernen kommt einer genetischen Fixierung gleich. Das sollte man wissen in der Hundeerziehung.
Ansonsten schließe ich mich meinen Vorschreiberinnen an: Hund nicht bedrängen, auf die eigene Körpersprache und Stimme achten, Ruhezonen schaffen, Hund bei JEDEM erwünschten Verhalten loben etc.



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