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    Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    Hallo an alle Hundeexperten ;-)
    Wir haben ein tolles Labrador-Staffordshire-Mix-Mädchen, 2 Jahre alt. Sie ist sehr sozial, liebt Menschen, besonders Kinder sowie andere Hunde. Wir haben Hundeschule als auch regelmäßig Training mithilfe einer Hundetrainerin gemacht, d.h. sie beherrscht sehr gut die läufigen Kommandos, geht bei Fuß etc. - so weit, so gut.
    Sobald sie aber entweder eine Katze, Vogel o.ä. sieht, wird bei ihr ein Schalter umgelegt und sie dreht völlig am Rad. Reißt sich los (zumindest mein Sohn kann sie nicht mehr halten, auch ich habe mich schon verletzt dadurch, war aber eigene Blödheit...) und ist im Jagdrausch. Zwei Minuten später kommt sie reumütig zurück und macht sofort Platz und alles ist wieder gut (naja....manchmal auch nicht...wenn sie zB einen Vogel halb totgebissen hat :-((( ). Und dieses Verhalten taucht komischerweise erst seit 2-3 Monaten auf. Vorher hat sie zwar geschaut, ist aber nie so abgedreht. Die Trainerin hat mir ein paar Übungen mitgegeben, die funktionieren auch super und basieren auf Ablenkung. Im entscheidenden Moment aber (Katze, Vogel...) versagen die dann auch und sie verwandelt sich wieder in Mrs. Hyde ;-) Ein befreundeter Jäger meinte, sie zeige Anlagen von Jahdhunderassen. Kann ja auch sein, hilft mir aber nicht weiter. Kennt das evtl jemand und hat da noch einen Tipp? Mein Sohn hat mittlerweile Angst, mit ihr alleine zu gehen, was ja echt blöd ist 😕...

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    AW: Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    Hallo Jule,

    es ist immer sehr theoretisch hier Tipps zu geben, da es sehr auf den Hund ankommt, jeder eben individuell ist und ggf. ein anderes Training nötig ist. Man kann in Hundeschulen Antijagdtraining machen (bevor hier wieder alle aufschreien, man kann es auch Jagdersatztraining etc. nennen), meist basiert das auf Ablenkung.

    Da wir seit Jahren Jagdhunde haben (aktuell zwei), kann ich nur aus meiner Erfahrung sagen, dass Ablenkung bei unseren noch nie was gebracht hat, das Training klappt super, im Akutfall ist es für die Füße.
    Wir arbeiten daher mit klaren Stopp- oder Abbruchkommandos, die geübt und antrainiert werden, der Schwierigkeitsgrad wird gesteigert. D.h. der Hund bekommt z.B. beigebracht zu stoppen, sobald er etwas sieht, was den Jagdreiz auslöst oder abzubrechen, wenn er schon losgerannt ist (dann ist er auch für mich ansprechbar und kann anderweitig abgelenkt oder belohnt werden). Er muss erst das Grundkommando lernen und dann mit immer mehr Jagdreizen. Am besten trainiert es sich zu zweit. Unsere Hundeschule hat z.B. Hasen am Gummiseil, die werden gespannt und losgelassen, dann ist der Hase so schnell wie ein echter. Wenn der Hund dabei ruhig bleibt und nicht los rennt klappt es auch in der echten "Wildniss" ;)), aber du musst üben üben üben.

    An alle die was zu meckern haben, ich setze normal auch auf Alternativen/Ablenkung, aber beim Jagen muss es mit Kommandos klappen, wer einen echten Jagdhund mit großem Jagdtrieb hat wird das verstehen, denn nichts ist Spannender als das Jagen. Also spart euch die Disskussion.

    In meinem letzten Training in der Hundeschule war übrigens ein Hund dabei, der auch plötzlich einen starken Jagdtrieb bei Katzen entwickelt hat, bis er eine totgebissen hat. Dann musste er zum Wesenstest (wurde angezeigt) und hat daher das Training in der Hundeschule gemacht. Es hat funktioniert und er hat den Wesenstest bestanden, d.h. er blieb vom Maulkorb verschont.
    Geändert von Alpenmohn (19.03.2017 um 10:25 Uhr) Grund: ergänzt, Begrifflichkeit war verwirrend

  3. VIP

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    AW: Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    Ich bin auch mit einer Ms. Hyde gesegnet.
    Bewegt sich irgendwo etwas, dann ist sie nicht mehr ansprechbar und wie ein Blitz weg. Sie ist ein Windhundmischling, was die Sache nicht einfacher macht, da sie extrem visuell orientiert ist. Sobald die potentielle Beute aus dem Blickfeld ist, ist das Interesse futsch.
    Ihr Beuteschema sind Hasen und Kaninchen, dazu kleine Hunde und Katzen. Alle nur, wenn sie rennen - und wenn sie sieht, dass es sich um Hund oder Katze handelt, bremst sie und kehrt um. Rehe, Pferde etc. sind ihr zu groß und bei Vögeln und Eichhörnchen hat sie schnell kapiert, dass sie selbst nicht auf den Baum kommt.

    Mit Jagdersatztraining habe ich wirklich gute Erfolge gesehen - bei Fremdhunden.
    Bei meiner funktioniert nichts, da sie ein typischer Angsthund mit einem Dachschaden ist, den nichts interessiert. Ich habe nichts anzubieten, das wichtiger ist: Spielen & Spielzeug = Fehlanzeige, Leckereien sind unter jeder Form von Stress vollkommen uninteressant. Der gefriergetrocknete Hase am Gummiseil entlockt ihr nicht mal ein Blinzeln, da bleibt sie sitzen. Reizangel? Pffft! Laaangweilig.

    Natürlich übe ich jeden Tag mit ihr Abruf, Abbruchsignale etc. (mit und ohne Trainer), aber im Ernstfall funktioniert nichts, das ist schon so, wenn 20 Meter weiter eine Maus im Gras läuft. Das kleine Biest hört auch extrem gut - meine andere Hündin kriegt Mäuserascheln gar nicht mit, weil sie auch schnüffelt und spielt und zum Spaß buddelt. Sie lässt sich mit spannenden Sachen aus der Situation holen. Die Jägerin nicht.

    Wenn Deine Hündin (Labbi-Staff ist ja eine Traummischung!) andere Interessen neben der Jagd hat, dann hast Du Chancen. Such Dir einen guten Trainer, der sich mit Jagdersatztraining auskennt.
    Viel Erfolg!


    Jagdverhalten ist selbstbelohnend, es erzeugt eine Art Suchtverhalten, das Denkhirn ist erst einmal ausgeschaltet. Insofern hast Du vollkommen recht mit "Schalter umgelegt".


    Übrigens gibt es hier einen Artikel, der gut beschreibt, was beim Jagen im Hundehirn vorgeht: www. jagdhundeschule-sh.de/dies-und-das/43-auf-der-jagd-nach-dem-grossen-gefuehl (Leerzeichen nach www. raus)
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  4. User Info Menu

    AW: Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    Vielen Dank für die Antworten! Der Artikel / Link ist auch interessant, Dopaminausschüttung durch Jagen...war mir ganz neu. Aber es stimmt, je häufiger sie 'Jagderfolge' hat, desto mehr Spaß scheint es ihr zu machen. Das erklärt auch, warum es immer stärker wird. Sie hat ja nun schon ein paar Vögel erwischt. Katzen sind Gott sei dank zu schnell 😰. Das einzige, was sie evtl ablenken könnte, wäre Leckerli oder Quietschball. Aber wenn sie die Wahl hat, siegt wohl der Jagdtrieb. Dann werde ich wohl nochmal die Trainerin kontaktieren bzw. einen 'Spezialisten' suchen....LG

  5. Inaktiver User

    AW: Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen
    Jagdverhalten ist selbstbelohnend, es erzeugt eine Art Suchtverhalten, das Denkhirn ist erst einmal ausgeschaltet.
    Genau deshalb kann Jagdverhalten auch ein Teil einer Angstsymptomatik sein und ein Kompensationsmechanismus für den Hund sein. Ich habe ganz frisch ein Seminar zu dem Thema gehört, in dem der Satz fiel, dass bei Hunden, die mit extremer Jagdproblematik in einer Hundeschule vorgestellt werden, dieser Aspekt immer mit abgeklopft werden sollte.
    Mich macht es hellhörig, dass das Verhalten plötzlich und stark aufgetreten ist. Was hat sich in dieser Zeit für den Hund verändert?

  6. VIP

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    AW: Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Genau deshalb kann Jagdverhalten auch ein Teil einer Angstsymptomatik sein und ein Kompensationsmechanismus für den Hund sein. Ich habe ganz frisch ein Seminar zu dem Thema gehört, in dem der Satz fiel, dass bei Hunden, die mit extremer Jagdproblematik in einer Hundeschule vorgestellt werden, dieser Aspekt immer mit abgeklopft werden sollte.
    Mich macht es hellhörig, dass das Verhalten plötzlich und stark aufgetreten ist. Was hat sich in dieser Zeit für den Hund verändert?
    Ganz genau.
    Bei Angststörungen, vor allem biographisch sehr früh begründeten, funktionieren die Belohnungssysteme in den (ich glaube alten) Hirnanteilen nicht richtig. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass die Dinge, die dem normalen Kind oder dem normalen Hund Freude machen, beim Angstpatienten nicht greifen. Spielen, Leckereien, im extremen Fall sogar Körperkontakt wie Knuddeln. So ähnlich hat es mir ein Kinderpsychologe, der mit traumatiserten Kindern arbeitet, erklärt.

    Die Verhaltensfachfrau sagte bezüglich meiner Angsthündin, dass diese zum Dealer an der Ecke gehen würde, wenn sie ein Menschlein wäre. Da sie das nicht kann, würde sie jagen.

    Solche Individuen haben auch schwere Reifungsdefizite.
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    sonst normale Userin

  7. Inaktiver User

    AW: Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen
    Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass die Dinge, die dem normalen Kind oder dem normalen Hund Freude machen, beim Angstpatienten nicht greifen. Spielen, Leckereien, im extremen Fall sogar Körperkontakt wie Knuddeln.
    Wobei das in Einzelfällen niederschwellig auftrainiert werden kann.
    Wir haben gerade mit einem Hund aus dem Auslandstierschutz gearbeitet, der u.a. Angst vor Knistergeräuschen hat und völlig panisch wird. In der Kombination aus extrem niedrigem Reiz und extrem hoher Belohnung hat er sich tatsächlich aus der Situation rausholen lassen. Ich bin sehr gespannt, wie das weitere Training mit ihm verläuft.

  8. VIP

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    AW: Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    In der Kombination aus extrem niedrigem Reiz und extrem hoher Belohnung hat er sich tatsächlich aus der Situation rausholen lassen.
    Wie sieht die Belohnung aus? Interessiert mich, da ich meine Hündin nur außerhalb von Stresssituationen überhaupt belohnen kann.
    Thank you for observing all safety precautions.

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  9. Inaktiver User

    AW: Dr. Jekyll and Mr. Hyde ;-)

    PN

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