Hallo Dorothea,
ich bin halbwegs vom Fach, gelernte Tierärztin und habe zusätzlich jobbedingt Ahnung von Traumatherapie beim Menschen.
Ängstlichkeit und Deprivationsschaden sind 2 Paar Schuhe. Leider. Ängstlichkeit ist Ängstlichkeit, aber Dauerstress ist lebensbedrohlich, weil er zu hormonellen und Neurotransmitter-Imbalancen führt.
Cesar-Millan-Methoden möchte ich nicht anwenden. Würde ich meine Hündin an der kurzen Leine an etwas vorbeischleifen, dann hätte ich ihr Vertrauen verspielt. Was eher ging: Ich konnte sie mal an etwas, wovor sie Angst hatte, hintragen und das Objekt anfassen. Dafür ist sie aber als erwachsener Hund zu schwer.
Mit der "Da-muss-er/sie-durch-Methode" meiner letzten Trainer (vom Junghundalter an) wurde alles nur immer schlimmer. Die Theorie der repetitiven Konfrontation läuft bei diesen Tieren bestenfalls ins Leere. Leider wusste ich das anfangs auch nicht, da diese Hündin mein erster "gestörter" Hund in fast 50 Jahren Leben mit Hunden ist.
Seit ich mit einer Kollegin, die sich ausschließlich mit Verhaltenstherapie befasst, arbeite, wird es besser. Sie hat mir beigebracht, dass dieser Hund ein absolut überschauberes Leben braucht, immer dieselben Abläufe, alles berechenbar.
Seit ich so handle, kann sie sich zuhause richtig entspannen. Der Muskeltonus geht runter, sie wird lang und weich und "lässt sich in die Unterlage sinken" (wie beim Yoga). Sie ist weniger erschöpft, weil sie entspannter schläft. Sie lernt auch besser, weil ein angstgestresstes Hirn schnell wieder vergisst. Wegen der Neurotransmitterproblematik bekommt sie auch (noch) ein Medikament, das die Transmitterflows ins Gleichgewicht bringt. Seither hat sich das Lernverhalten nochmal verbessert und sie friert in den meisten Situationen nicht mehr für lang ein, sondern lässt sich schneller wieder rausholen.
Sie darf vermeiden, d.h. ausweichen oder stehen bleiben und sich auch mal hinter mir verstecken, wenn Radler, mehrere Menschen oder Kinder auf sie zukommen. Auch wildlebende Caniden vermeiden. Sie gehen nicht frontal auf etwas zu, das ihnen suspekt erscheint.
Meine Hündin muss auch keine langen Spaziergänge in für sie stressigem Gelände mitmachen. Wenns mir zuwenig ist, gehe ich alleine oder jetzt mit der stabilen Zweiithündin noch eine Runde. Sie muss nicht mit ins Lokal, es ist Stress für sie. Wie so viele Tierschutzhunde ist sie am liebsten zuhause und hier meist ein normaler Hund.
Ein traumatisiertes oder depriviertes Individuum, das in der Prägungsphase negative oder gar keine Reize erlebt hat, wird immer anders sein (speziesunabhängig). Was in den - grob gesagt - ersten 16 Wochen beim Hund (beiom Menschen ist der Zeitraum länger) passiert ist, kann man kaum noch deprogrammieren bzw. nachholen. Dazu kommt, dass ein Traumapatient durch alles mögliche retraumatisierbar ist.
Meine früheren Hunde waren bis auf eine Second-hand-Hündin (die aber auch Urvertrauen mitbekommen hatte), von sehr verantwortungsvollen Züchtern, die den Welpen nahezu vom ersten Tag an dopsiert alle möglichen Reize geboten hatte. Die waren in jeder Hinsicht cool, entspannt und auich immer freundlich neugierig.
Aber Urvertrauen kann man nicht später implementieren.
edit: Der Trainer, den ich inzwischen gefunden habe, bricht auch sofort ab, wenn sie Stress zeigt. Oder er wählt Trainingsgebiete, die den Hund nicht überfordern.
Antworten
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Thema: Ansichten zur Hundehaltung
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01.08.2015, 17:16
AW: Wahre Liebe - Hund entlaufen, Paar harrt am Autobahnrastplatz aus
Geändert von katelbach (01.08.2015 um 17:31 Uhr)
Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin
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01.08.2015, 20:27
AW: Wahre Liebe - Hund entlaufen, Paar harrt am Autobahnrastplatz aus
Das du vom Fach bist, sagt aber nichts über deinen Instinkt oder deinem Gefühl einem Hund Sicherheit zu vermitteln.
Und ich bin gar nicht vom Fach. Habe mich weder mit Tierpsychologie noch mit Hundeschule und niemals nie ein Fachbuch gelesen. Reinste Zeitverschwendung.
Was ich aber besitze ist meine Ureigene Fähigkeit auf Tiere zuzugehen und ihnen Vertrauen zu vermitteln.
Mir wurde schon oft gesagt, ich solle meine Fähigkeit als Beruf ausüben. Aber nein, das käme für mich gar nicht in die Tüte, weil ich viel zu große Angst hätte, durch fachliche "Kompetenz" meine instiktive Fähigkeit einzubußen.
Cäsar Millan, den habe ich mal im Fernsehen gesehen. Den fand ich gut.
Einen Hund an einem Objekt vorbei schleifen, vor dem er sich fürchtet wäre das Letzte. Damit nimmt man ihm doch nicht die Angst. Das wäre Misshandlung und Missachtung.
Aber kurz gehalten und erhobenen Hauptes, selbst natürlich völlig überzeugt davon, das es nichts gefährliches ist, lässt einen Hund spüren--dass "er" sich jetzt nicht fürchten muss und spätestens dann wenn man es richtig macht, vertraut er und läuft bereitwillig mit.
Meine Mutter z.B. ihr Hund traute sich auf einem Mal nicht mehr über eine bestimmte Fussgänger Brücke. Diese Brücke musste meine Mutter aber oft überqueren. Sie bestellten eine Tierpsychologen--es half nichts.
Dann, als ich davon erfuhr, nahm ich ihn an die Leine, steckte ein paar Leckerli ein. Ich nahm ihn kurz, ging los und ohne das Tempo zu mindern über die Brücke. Die ersten Schritte. Ich blieb stehen, gab ihm ein Leckerli und weiter ging es. Ich wiederholte es und wieder zurück. Noch einmal und noch einmal.
Ich hätte auch diesen entlaufenden Hund um den es hier ging zurückgeholt.
Unser Kater, Freigänger und 12 Jahre alt hatte Panik vor Hunden. Unser Hund hat Jagdinstinkt. Du kannst dir vorstellen, was vor 4 Jahren los war als wir unseren aus dem Heim holten. Es dauerte kein halbes Jahr, da waren beiden Freude. Es brauchte einen Monat, da wussten sie Leckerli gibt es nur im Team.
Und nochmal, niemals einen Hund hinterher schleifen. Das war nicht meine Aussage. Und obgleich ich Cäsar-Millan gut fand, würde ich seine Methoden nicht anwenden. Warum auch? Ich hab ja meine.
Ich bin der Meinung, ein Hund benötigt weder Therapie, noch Hundeschule. Ich bin der Meinung, den Menschen ist die eigene Ursprünglichkeit abhanden gekommen. Deshalb traut er sich selbst ohne Therapie nichts mehr zu. Weder sich selbst, und seinen Tieren leider auch nicht. Aber das ist nicht Thema.
Übrigens, kenne ich jemanden, der genauso tickt wie ich, nur das er mit seinem Können Geld verdient. Zur Zeit holt er jeden Tag den Hund einer Tierärztin zu sich. Der Mann der Tierärztin ist Menschenarzt. Dennoch konnten beide dem Hund nicht das Vertrauen geben das ihm fehlte. Bei dem Bekannten, fürchtet er sich vor nichts.
Also, Fachkompetenz ist Fachkompetenz. Das bedeutet doch lediglich, das man in der Lage ist, schlimme Wunden zu verarzten und Krankheiten zu heilen. Aber um die Seele eines Tieres zu spüren, bedarf es viel mehr. Das kann dir kein Buch geben.
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01.08.2015, 21:20Inaktiver User
AW: Wahre Liebe - Hund entlaufen, Paar harrt am Autobahnrastplatz aus
Ganz schön von dir eingenommen.
Aber: Wer Cesar Milan gut findet, diskreditiert sich schon selbst.
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01.08.2015, 21:28
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01.08.2015, 21:31Inaktiver User
AW: Wahre Liebe - Hund entlaufen, Paar harrt am Autobahnrastplatz aus
Menschen, die Hunde führen, ohne sie in Angst und Schrecken zu versetzen, wie Milan das tut. Der arbeitet mit körperlicher und psychologischer Gewalt - das ist geradezu abartig.
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01.08.2015, 21:34
AW: Wahre Liebe - Hund entlaufen, Paar harrt am Autobahnrastplatz aus
Geändert von FrauDorothea (01.08.2015 um 21:40 Uhr)
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01.08.2015, 21:39Inaktiver User
AW: Wahre Liebe - Hund entlaufen, Paar harrt am Autobahnrastplatz aus
Das Thema wurde in diesem Unterforum schon mehrfach behandelt.
Wenn ich mir die Methoden ansehe, mit denen CM arbeitet, wage ich zu bezweifeln, dass die Hunde ihn "gut fanden". Es gibt dazu auch Videos im Internet, in denen die Körpersprache der Hunde analysiert wird. Nicht intuitiv, sondern wissenschaftlich.
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01.08.2015, 21:44
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01.08.2015, 21:46Inaktiver User
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01.08.2015, 21:47


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