Meine Süße wäre 100-pro ein Wanderpokal. Ich kenne ein Geschwister gut, die ist insgesamt sehr viel robuster - auch körperlich, hat aber auch einen massiven Schatten und spielt quasi das andere Flötenende des nicht adäquat Agierens/Reagierens: Wo meine sofort auf Rückzug ist und sich zaghaft gegen weitere "Belästigungen" wehrt , möglichst schon präventiv, ist dieser Hund völlig ohne Distanz. Nach Aussagen der Verhaltensprofis spricht das dafür, dass sie ab ca. Woche 5/6 keine erwachsenen Tiere um sich hatten, von denen sie Sozialvverhalten lernen konnten.
Und ein anderes Geschwistertier wurde bald zurückgegeben wegen Angstaggression. Es hat wohl mehrfach gebissen und seit Jahren keinen neuen Platz gefunden.
Diese Hunde kamen übrigens nicht mal von einer Vermittlung.
Ich lebte/lebe in 58 Jahren mit jetzt dem 6. und 7. Hund. Eigentlich waren es 8, aber an den ersten kann ich mich kaum erinnern. Insgesamt 7 Jahre waren hundefrei.
4 davon kamen aus sehr engagierten Zuchten und waren neugierig, vertrauensvoll, lernfähig, sozial ... vor allem die beiden Golden-Rüden (mein Oller und sein toller Vorgänger).
Zwei Hündinnen, zufällig auch Goldens, wurden abgegeben, weil einmal unerzogen und die Leute waren dann überfordert (das war meine Olle) und einmal meine "Neue", eine Scheidungswaise (verzogen, stürmisch, aber gut sozialisiert).
Dazu kam die AUslandshündin als jämmerliches Bündel, das zwar zuhause zu den beiden anderen Hunden schnell frech wurde aber z. B. nur fraß, wenn keiner in der Nähe war (schwierig mit 2 Goldens im selben Haushalt ...), draußen panikte, bei polkaartiger Blechbläsermusik und allen möglichen geräuschen flüchten wollte und heute noch flüchtet, wenn sie Kinder schreien oder lachen hört oder Männer in einem osteuropäischen Sprachduktus sprechen. Angst vor Türen, engen Gängen, Hunderudeln, Radfahrern (neueres Trauma), Menschenmengen (mehr als 3) und und und ... Ich bin fasziniert, dass die neue Hündin sie manchmal zum Balgen animieren kann.
Ich finde, es spricht nichts dagegen, aber viel dafür, einen Rassehund zu suchen, wenn man bestimmte Wünsche hat. Ich habe mich in den frühen 80ern in Goldens verschaut, weil ich immer einen Hund wollte, der mit mir schwimmt. Außerdem wollte ich nix Draht-/Rau-/Bürstenhaariges, keinen territorialen Hund und keinen mit Schutztrieb. Und keinen kleinen hibbeligen.
Die Züchter-Goldens waren gesund, die Elterntiere gut ausgewählt (mit Wesenstest und der Verpaarung sich ergänzender Eigenschaften). Auch die Familienboxer waren ziemlich fit und wurden für damalige Zeiten anständig alt.
Die jagende, territoriale Angsthündin - Windhund-Schäfer-molossoid-irgendwas - ist eine täglich neue Aufgabe. Die Scheidungswaise - Züchterhund und gerade mal 2 Wochen da - ist unerschütterlich. Sie hat Urvertrauen mitbekommen.
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04.05.2015, 17:05
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
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04.05.2015, 17:13
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
Natürlich nicht!
Aber es gibt ganz interessante Aussagen von den Verhaltensfachleuten. Südosteuropäische Herkunft ist schon fast ein Garant für schwerer wiegende Beeinträchtigungen. Spanische und griechische Hunde scheinen weniger schlimme Störungen mitzubringen. Spanier sind zum Teil eher Misshandlung durch Einzelpersonen (das Jagdhund-Drama!) ausgesetzt. Es heißt, dass solche Hunde eher umzuprogrammieren sind, weil die Erfahrungen nur mit einzelnen Menschen verknüpft sind. Ich weiß nicht, inwieweit das zutrifft.
in Griechenland werden sie eher nur verjagt.
In Südosteuropa werden die Hunde zum Teil generell verfolgt, gejagt und verletzt. Diese Ängste nd daraus resultierende Verhaltensweisen werden epigenetisch über Generationen weitergegeben.Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
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04.05.2015, 17:15
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
Leicht ot.t.: @katelbach: deine Beschreibung der Fragen zu deprivierten/traumatisierten Hunden ähnelt frappant den Fragen, die ich zu deprivierten/traumatisierten Kleinkindern stelle.
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04.05.2015, 17:58
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
Es gibt auch Störungen, die fallen bei den einen Aufnehmerfamilien vielleicht auf, bei den anderen fallen die überhaupt nicht ins Gewicht.
Ein Freund von mir, auch lebenslange Hundeerfahrung, hat aus dem spanischen Tierschutz vor zwei Jahren eine bereits erwachsene, mittelgroße Hündin übernommen. Die ist ein verschmitztes, allezeit und zu jedem Hund und Mensch freundliches, lebendiges, weitgehend folgsames, ultraverschmustes Engelchen. Selten einen Hund mit so einer freudig positiven Ausstrahlung gesehen.
Sie hat nur eine Macke, und genau zu dieser Macke passt ihre neue Familie: Sie kann nicht alleine sein.
Dieser Freund hat sie in seinem Ladengeschäft eh den ganzen Tag dabei. Da liegt sie entspannt rum und pennt meist. Muss er in der Mittagspause kurz weg, kommt sie mit. Muss er länger weg, oder darf er sie nicht mit reinnehmen, wo er hinfährt (z.B. Supermarkt), nehmen sie die Rentner-Eltern ein Grundstück weiter (die haben auch einen Hund). Und zu vielen Tag- und allen Nachtstunden sind eh die Frau und die Kinder da, so dass der Hund es sowieso im Wohnhaus/Garten interessanter findet als im Laden.
Sogar Fernreisen-Urlaub ist möglich, da kann der Hund ja zu den Eltern.
Nur eines ist nicht möglich: die Hündin kann echt keine Minute ganz alleine sein.
Ich hab das mal erlebt, als wir zwei Autos überführt haben und dieser Freund tanken musste. Solange sie ihn durch die Scheibe sah an der Zapfsäule, winselte sie nur. Als er zum bezahlen in die Tankstelle ging, drehte der Hund komplett hysterisch durch, bis ich die Autotür öffnete und mich zu ihr reinsetzte, bis er wieder kam. Da wurde sie sofort ruhig und leise und wollte gestreichelt werden.
Jetzt wird jeder sagen: Ein Hund, der nicht so lange alleine im Auto sein kann, bis Herrchen die Tankrechnung bezahlt hat, ist doch komplett jenseitig? Ist vielleicht auch so. Nur, in genau dieser Familie fällt das überhaupt nicht auf, da der Hund für gewöhnlich wirklich nie alleine ist.
Für 99% aller Hundebesitzer wäre ein Hund, der keine Minute alleine bleiben kann, untragbar.
Genau dieser Hund aus spanischem Tierschutz hat mit genau dieser (vorher bekannten) Macke genau die richtige Großfamilie getroffen. Für die ist das organisatorisch kein Problem und die trauten sich das zu.
So kann der Hund alle seine wirklich liebenswürdigen Eigenschaften voll ausspielen. Wäre der bei 'normalen' Leuten gelandet, die ihn auch mal eine Stunde alleine zu Hause lassen wollen, dann gäbe es hier einen Thread: "Hund der Nachbarn bellt und winselt um sein Leben!"
Und solche Dinge, die diese Familie zufällig komplett abfedern kann, sind mit 'normal sozialisierten' Hunden oftmals berechenbarer bzw. treten erst gar nicht auf.
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04.05.2015, 19:45
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz

Ich habe mich soviel mit dem Thema beschäftigt, seit ich diesen Hund habe, und festegestellt, dass die Unterschiede nicht so groß sind. Ein Bekannter ist Kinderpsychologe und hat in seinen Klinikzeiten mit traumatisierten Kindern gearbeitet. Seine Erklärungen haben mich hie und da ein Stück weitergebracht.
Auch die Tierärzte für Verhalten befassen sich viel mit Hirnforschung, Plastizität des Gehirns und Synapsenschaltung, Lernverhalten, Transmitterflüssen bzw. den Einflüssen darauf - und was sonst noch wichtig ist.Thank you for observing all safety precautions.
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04.05.2015, 19:54
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
So ähnlich ist es mit meiner Hündin auch. "Normale" Menschen würden verzweifeln.
Ich führe ein eher zurückgezogenes Leben mit wenig Besuch etc. Da kann sich der Hund relativ gut an seinen sicheren Platz zurückziehen oder eigentlich ist das ganze Haus der sichere Platz (sie mag ja nicht mal gern in den Garten - obwohl das jetzt mit der Scheidungswaise besser werden könnte). Außerdem biete ich ihr Beständigkeit im Alltag. Ist mir zwar öfter langweilig, aber dem Hund tut es gut. Ich nehme sie - im Gegensatz zu den früheren Hunden - nicht mit, wenn ich Freunde besuche, oder ins Lokal. Außerdem reise ich aus bestimmten Gründen nicht mehr.
Gerade eben hatten wir eine Trainerstunde (Antijagd) in unbekanntem Gelände, weil da die Karnickel wohnen. Hätte ich mir sparen können. Sie war so unter Stress wegen der Radler und Jogger, dass sie keine Leckerchen genommen hat und sich auch kaum für die Karnickel interessiert hat.Thank you for observing all safety precautions.
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04.05.2015, 20:01
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
Ich weiß, eine Katze ist kein Hund.
Aber meine neue kleine Mieze ist aus dem Auslandstierschutz. Sie hat eine weite Reise hinter sich. Die verantwortliche Dame hat sich zunächst meine Wohnung angeschaut und sich mit meinem Kater angefreundet. Erst als sie gesehen hat, dass alles in Ordnung ist, hat sie den Transport in die Wege geleitet. Miez brauchte ja einen Flugpaten, das hat 4 Wochen gedauert.
Sie war dann zunächst "auf Probe" bei uns. Heißt, wenn wir nicht miteinander klar gekommen wären, nimmt sie sie zurück. Keinesfalls durfte ich sie einfach weitergeben oder ins Tierheim bringen, dafür hab ich unterschrieben. (hätte sich sowieso niemals getan).
Man verpflichtet sich, sich rundrum zu kümmern, die Impfungen aufzufrischen und Kontakt zum Vermittler zu halten. Innerhalb von 4 Wochen "muss" man Bilder liefern
. Hab ich nach 3 Tagen getan, die Kleine ist sooo süß und so dankbar.
Von dieser Stelle werden auch Hunde vermittelt. Und auf der Homepage kann man lesen, wie es ihnen heute geht. Darf ich die Seite nennen? Wenn nicht, bitte löschen. Russische-Tiere-in-Not punkt de.
Und es geht den Tieren dort nicht gut, gerade freilaufende Hunde werden oft misshandelt, mit dem Auto an- oder überfahren, in den Tierheimen droht der Kältetod oder auch verhungern.
Sicher gibt es auch negative Beispiele, das gilt aber nicht immer und überall.Eigentlich bin ich ganz anders, nur komm ich so selten dazu! (frei nach Harald Juhnke)
Nehmen Sie die Menschen so wie sind - es gibt keine anderen!
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04.05.2015, 20:34
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
übrigens, @ Katelbach:
Ich bin zu selten hier, um es vielleicht aus anderen Threads schon mitbekommen zu haben, dass Du eine neue Goldene als Zweithündin hast: Alles Gute für Dich, die geliebte und beschützte Gehuchte und die Neue!
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04.05.2015, 23:57
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
Ich danke Dir!

Sie ist wirklich eine Liebe und sie tut der Prinzessin gut. Sie scheint auch gesundheitlich ok, wir hatten heute einen Kliniktermin wegen der vorberichtlichen Epilepsie. Sie hat dort alle um die Finger/Pfoten gewickelt.
Aber: she´s a hunting bitch! Die Nachbarn haben heute ihren Kaninchenauslauf relativ nah an den Zaun gestellt. Mein Beet ist perdu. Morgen wird ein Bauzaun aufgestellt ...
Sieist SÜÜÜß! Trotzdem!Geändert von katelbach (05.05.2015 um 10:11 Uhr) Grund: Notiz: bei Licht und mit Brille tippen!
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05.05.2015, 01:24
AW: Ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Auslandstierschutz
Das stimmt. Ein Freund von mir übernahm vor ca. 10 Jahren einen Hund aus dem Auslandstierschutz, den ich immer als anstregend empfand. Aber: es stört die Familie nicht. Im Gegenteil, sie sind sehr glücklich mit ihrem Hund und würden ihn nicht tauschen, obwohl sie zuvor 16 Jahre lang einen Hund mit ganz anderem (unkomplizierten) Charakter hatten. Bei denen passt es einfach. Für den Hund, die Situation und die Familie.
Ich bin ja auch schon sehr lange im Tierschutz aktiv und war auch selbst einige Jahre Pflegestelle und bin es teilweise heute noch. Natürlich könnte ich einige Horrostories erzählen, z.B. auch von Hunden, die als wesentlich jünger und gesünder vermittelt wurden, als sie eigentlich waren (deutsches Tierheim, keine Auslandstiere). Auch umgekehrt, dass bei der Vermittlung zu vorsichtig vorgegangen wurde, so dass manche Tiere kaum eine Chance auf ein Zuhause hatten, nur weil die Vermittler zu ängstlich waren.
Die meisten Geschichten sind aber positiv. In meiner Familie stammten fast alle Tiere aus dem Tierschutz und wir haben es nie bereut. Auch in meinem restlichen Umfeld ist das der Fall. Da gibt es niemanden, der einen Tierschutzhund übernommen hat und es später bereute. Auch mit dem Auslandtierschutz habe ich eher positive Erfahrungen gemacht. Dass da grundsätzlich blind vermittelt wird um Tiere 'loszuwerden', kann ich nicht bestätigen. Ich kenne es so, dass es auch dort vorher Kontakt gibt, Beratung, Gespräche, vorab Besuche im neuen Zuhause usw. und auch nach der Vermittlung noch Betreuung, falls nötig. Man versucht in der Regel schon gut zu vermitteln. Es ist ja auch im Sinne des Tieres, dass es für den Menschen passt. Das soll natürlich nicht heißen, dass es nicht auch schwarze Schafe gibt. Die gibt es überall. Und leider auch unerfahrene Menschen, die sich vorher nicht bewusst machen was es bedeutet, einen Hund aufzunehmen. Das passiert aber auch Menschen, die von Züchtern kaufen.



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