Ich sehe das anders und weiß, dass das einigen nicht gefallen wird. Das funktioniert bei Hunden, die man von Anfang an hat und die keine schlechten Erfahrungen gemacht haben. Hat man einen misshandelten Hund, 40 Kilo und ein Angstbeißer, kommt man damit in aller Regel nicht weiter. Auch bei einem, der austestet, kann das in die Hose gehen. Wenn er allerdings nicht beißt o. ä., sind die Konsequenzen nicht ganz so schlimm.
Mein erster Hund hat sehr viel Geduld erfahren, aber auch eine harte Hand (nein, ich habe ihn selbstverständlich nicht geschlagen, aber dass ich am anderen Ende der Leine bin und dass ich auch lauter sprechen kann, habe ich deutlich gemacht). Hätte ich das nicht, hätte er noch mehrfach gebissen und wäre irgendwann eingeschläfert worden. Ich hatte es monatelang nur mit Liebe versucht, hatte schon zwei Anzeigen am Hals (der Hund war an der Leine und hat gebissen), stand kurz vor dem Nervenzusammenbruch und ging nur noch nachts raus. Erst als mir eine andere 40-Kilo-Problemhund-Besitzerin den Rat gab, deutlich deutlicher zu werden, war innerhalb von Wochen eine signifikante Besserung zu spüren. Nach zwei Monaten traute ich mich langsam auch tagsüber wieder raus. Nach 6 Monaten starteten die Nachbarn wieder zaghafte Kontaktversuche - zumindest über die sichere Straße hinweg. Insgesamt dauerte es 1,5 Jahre, bis das Ergebnis zufriedenstellend war, alle Nachbarn wieder mit mir redeten und keiner mehr in den Graben sprang.
Es gibt nicht das Patentrezept für den Hund. Es hängt von seinen Erfahrungen und Verhalten ab. Und einem 40 Kilo schweren Hund verzeiht die Umwelt nichts. Da helfen Tätscheln und tiefenpsychologische Gespräche so gar nichts, wenn die Behörde eingeschaltet wird.
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Thema: Immer neue Hunde-Fragen
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05.08.2013, 21:15
AW: Immer neue Hunde-Fragen
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05.08.2013, 21:26
AW: Immer neue Hunde-Fragen
Und gerade aufgrund meiner Erfahrungen stimme ich dem nicht zu. Das kann gewaltig nach hinten losgehen. Eine falsche Handbewegung und bei meinem kamen nach Jahren noch Erinnerungen hoch und er schnappte noch einmal. Daher war ich bis zum Ende immer in einer gewissen Anspannung. So konnte ich aber auch mehrfach Schlimmeres verhindern.
Ich stimme da eher der Einschätzung zu, dass eine solche Erfahrung so prägend ist, und auch immer wieder hochkommen kann, dass man sie nicht ad acta legen kann.
Sicherheit kann man trotzdem vermitteln, aufpassen heißt nicht, unsicher zu sein, sondern achtsam.
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05.08.2013, 21:33
AW: Immer neue Hunde-Fragen
Wieso sollte Hund nicht müssen?
Ein gehorsamer Hund hat viel mehr Freiheiten und ist sicher für seine Umwelt.
Nehmen wir mein "Tönnchen", der hat aktuell 45kg und ist 72cm hoch. Er hasst sozusagen alles, was nicht zufällig zu seiner Familie gehört, ein Wild- oder Nutztier ist. Seine natürliche Individualdistanz ist riesig und liegt bei etwa 70 Metern oder bei klar sichtbaren Grenzen.
Er theoretisch ein sehr sozialer Hund. Er betritt fremde Häuser und Reviere nur sehr ungern, zurückhaltend und unterwürfig. Meckern andere Hunde am Zaun, hält er vollkommen freiwillig den Ball flach und möchte den fremden Bereich verlassen.
Draußen im Niemandsland dagegen zeigt er aus seiner Sicht deutlich, dass er keinen Kontakt wünscht. Versteht der andere das nicht und unterschreitet die Distanz, bzw. gehen die Menschen mit ihrem Hund einfach ihren Weg, dann beschädigt er sofort.
Auch bei Menschen ist er mit extremer Vorsicht zu genießen. Ansprechen, Anfassen und Anstarren werden mit einem Angriff quittiert, wenn man ihn einfach machen lässt.
So war er mit 7 Wochen und so ist er geblieben. Seine Geschwister sind alle genauso gelagert. Ihn stresst das nicht, der ruht in sich. Für mich und die Umwelt sieht die Sache anders aus.
Er MUSS hören, sonst verbringt er sein Leben an einer einen Meter langen Leine und trägt dauerhaft einen Korb.
Trotzdem wurde er weder niedergebrüllt noch geschlagen. Er hat auch nie ein scharfes Halsband getragen oder gar ein ERG.
Aber klar definiert und für den Hund sicher abschätz- und beeinflussbar ist ein MUSS kein großes Problem. Meine Hunde sagen sich untereinander deutlich, was darf und was nicht. Das verunsichert keinen und zieht auch kein generelles Meiden nach sich. Warum sollte das zwischen Mensch und Hund sauber ausgearbeitet nicht gelten. Ihn trifft nichts aus heiterem Himmel und er kann das ganze locker umgehen.
Generell steht natürlich die rein positive Arbeit im Vordergrund, aber manche Grenze ist und bleibt eben eine Grenze.
@4hand
Eine entsprechend gelagerten Hund wird man nie einfach so machen lassen können. Man kann eben nicht alles mal eben hin- und wegsozialisieren. Aber Anspannung ist nun auch nicht nötig, sondern eine vorausschauende Führung.Geändert von Zoetje (05.08.2013 um 21:37 Uhr)
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05.08.2013, 21:36Inaktiver User
AW: Immer neue Hunde-Fragen
Ich habe nie behauptet, dass Hundeerziehung eine gewisse Strenge oder Maßregelung ausschließt. Hundeerziehung und Hundetherapie sind 2 verschiedene Ansätze. Aber auch bei einem misshandelten Hund ist Verständnis, Geduld und Umkonditionierung angebracht; nicht Härte oder Strafe. Der Hund, egal wie schwer er wiegt, ist nicht freiwillig zum Angstbeißer geworden. Eine Erziehung auf der 'Nein'-Ebene lehne ich ab; sinnvoller sind wie gesagt Umkonditionierung und positive Erfahrungen/Konfrontation mit dem Problem.
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05.08.2013, 21:37
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05.08.2013, 21:51
AW: Immer neue Hunde-Fragen
Es ist mehrfach das Wort Angstbeißer aufgetaucht.
Beißen tut er nicht, ausser die Familienmitglieder zwicken. Fremde bellt er nur an. Allerdings ist das halt auch schon lästig.Ich wäre gerne da, wo meine Gedanken sind!



Bleibt gesund und passt auf euch auf!!!
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05.08.2013, 21:52
AW: Immer neue Hunde-Fragen
Violine, wer spricht von Härte oder Strafe?
Eine durchaus klare Ansage muss weder hart noch als Strafe ausgelegt sein.
Wenn das, was ich gerade verhindern möchte, für den Hund einen viel höheren Reiz ausübt als alles, was ich ihm anbieten kann, dann fällt das Belohnen aus.
Und bei manchem Hund verschärft der Versuch der Gewöhnung das Problem.
Das Premack-Prinzip funktioniert ja noch am Helfer, wo ich das Warten oder Bannen mit einem Anbiss belohnen kann. Bei Fußgängern ist das nun aber kaum der richtige Weg.
Ein klares Abbruchsignal und ein Alternativverhalten dagegen bieten dem Hund eine stressfreie Lösung und sicheren Schutz an.
LG
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05.08.2013, 22:02Inaktiver User
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05.08.2013, 22:08
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05.08.2013, 22:09Inaktiver User
AW: Immer neue Hunde-Fragen
In diesem Fall wäre die Schlepp verfrüht, respektive je nach Ausdruck der "Gefährlichkeit" nur in Ergänzung mit einem Maulkorb sinnvoll.
Ist die Abrufbarkeit sicher gefestigt, braucht man keine Schlepp mehr. Wie weit sich der Hund dann entfernen darf, legt derjenige fest, der verantwortlich ist. Bei einem Lauf- und Jagdhund wie dem RR, der sich im Wald bewegt, ist es jedoch sinnvoll, eine Maximaldistanz fest zu legen, die in Sichtweite ist - zum einen sind RR erheblich autonomer als beispielsweise Schäfer oder Malinois, und treffen dann eben eigene Entscheidungen, wenn sie sich nicht über Blickkontakt rückversichern können, zum anderen besteht immer die Gefahr, dass Jäger zur Flinte greifen, wenn sie einen unbemannten Hund im Wald antreffen. Das kann im übrigen jedem Hund passieren, der ohne seinen Menschen im Wald angetroffen wird. Ich kann gut verstehen, dass Menschen, egal ob nun Jäger oder einfache Passanten, es überhaupt nicht toll finden, wenn sie einen Hund im Gelände antreffen, dessen Mensch 150 oder mehr Meter entfernt irgendwo in der Gemarkung herum wackelt, seinerseits auf diese Distanz überhaupt nicht wahrnimmt, dass da gerade ein Mensch auf seinen Hund trifft, und wie diese Begegnung abläuft, ergo auch nicht steuern kann.Zumindest am Anfang des Trainings. Mir liegt es trotzdem nicht und ich empfinde es für meine weitere Arbeit mit dem Hund als Störfaktor.
Ich bin darauf angewiesen, dass sich meine Hunde ohne Probleme bis zu 150m von mir lösen und auch ohne Sichtkontakt sicher arbeiten.
Mit einem RR undenkbar, und überdies brandgefährlich. Man darf diese Rasse nicht einer Schutzhundausbildung unterziehen. Sie sind dazu zu autonom, zu sensibel, und zu konfliktfreudig.Orts- und situationsbzogenes Lernen findet schließlich immer statt. Man kann das also durchaus nutzen und später ausbauen. Mein Ton durfte am Wochenende zum ersten Mal zivil beißen. Er kennt zwar die Arbeit in Gebäuden und so ziemlich überall draußen, aber der Biergarten war neu. Dazu ein völlig fremder Helfer und kein Vollschutz, das kannte er auch gar nicht. Trotzdem hat er im ersten Anlauf nur sehr kurz gezögert und dann sein gewohntes Programm abgespult.
Arbeit auf dem Platz langweilt RR schnell, und Kadavergehorsam ist ihnen fremd. Das erfordert einfach eine andere Herangehensweise im Training.



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