Hallo, ich hab vor ein paar Wochen ueber die Eingliederungsprobleme mit unserem juengsten Familienmitglied geschrieben. Wir haben mit diesem 3 Katzen: Tristan, ca. 9 Jahre, Nellie, 7 Jahre, und Louie, ca. 9 Monate.
Alles Findelkatzen. Mich fasziniert immer, wie unterschiedlich die Persoenlichkeiten der Viecher sind.
Tristan wurde von meiner Tochter gefunden und zog mit ihr in unser Haus, als er etwas ueber ein Jahr alt war. Er ist oft krank und auf meine Tochter fixiert. Sie kann ihn zu allem ueberreden, und er scheint auch den groessten passiven Wortschatz von allen zu haben.
Nellie hat vermutlich einen sehr traumatischen Start ins Leben gehabt, sie quatscht alle zu, ist anspruchsvoll und hat im Gegensatz zu den Jungs keinerlei Sinn fuer Humor.
Louie ist ein Lebenskuenstler. Er quatscht nicht, wieviel er versteht kann ich auch nicht sagen, aber er scheint einfach Spass am Leben zu haben. Er schnurrt andauernd - fast als wuerde er nur Positives erwarten.
Als wir Louie nach Hause brachten, waren die Altkatzen alles andere als begeistert. Die beiden haben sich schon nicht leiden koennen, und noch einen dazu hielten sie fuer eine voellig abartige Idee. Beide fingen an, heftig zu markieren. Bei Tristan gab es sich bald wieder, bei Nellie dauerte es Monate. Sie war auch sonst recht biestig zu dem Kleenen.
Doch der kommt aus einer richtig netten Katzenfamilie, die allerdings halbwild in ziemlich miesen Verhaeltnissen lebt. Er wollte Katzenfreunde und hat immer versucht, sich mit den Alten zu verstaendigen. Die ersten Monate ist er abgeblitzt, doch dann bemerkten wir, dass Tristan aufhoerte zu fauchen und anfing, ihn zu dulden. Inzwischen gehen die beiden zusammen auf Tour, schlafen nebeneindander, wenn auch nicht zusammengekuschelt, und suchen sich sogar, wenn einer laengere Zeit nicht aufkreuzt.
Auch bei Nellie haben wir Veraenderungen in ihrem Verhalten feststellen koennen: sie legte zwar immer Wert auf unsere Anwesenheit, aber mehr so um sicher sein zu koennen, dass der Service gewaehrleistet ist. Seit ein paar Wochen hat sie angefangen, sich auf meinen Schoss zu kuscheln und scheint allgemein sanfter geworden zu sein.
Louie hat das geschafft. Haetten wir gewusst, was fuer einer das ist, haetten wir ihn Gandhi getauft. Er ist frei von Aggressionen. Wenn immer die Alten ihn angefaucht oder nach ihm gehauen haben - er hat nie in gleicher Weise reagiert. Er blieb einfach sitzen oder trottete in schlimmen Faellen enttaeuscht davon (was bei uns jedesmal Schuldgefuehle ausloeste). Er lernte, dass Tristan nichts schlimmer findet, als ausm Schlaf gerissen zu werden, also setzt er sich daneben und wartet, bis der wach wird. Er scheint zu verstehen, dass Nellie keine Interaktionen will, doch er laesst sich von ihr nicht mehr einschuechtern. Manchmal kann er nicht anders und muss sie veralbern, indem er spielerisch auf sie zuspringt (aufrecht, Vorderpfoten hoch in der Luft) oder ganz nah vor ihrer Nase vorbeistreicht - doch sie faucht nur noch halbherzig - man kann ihm einfach nicht boese sein.
Er weiss, wo Leckerlis sind genauso gut wie die beiden anderen, doch wo Tristan seiner Menschin um die Beine geht und das ganze Bettelrepertoire abspult, Nellie uns unmissverstaendlich auffordert, Leckerlis rauszuruecken, sitzt er nur da und macht Kulleraugen, so dass wir foermlich dahinschmelzen. Genauso mit den morgendlichen Weckritualen: Tristan maut klaeglich, Nellie maut fordernd, Louie setzt sich vor mein Gesicht und schnurrt. Er schafft einfach alles nur mit nett sein - ich wuenschte ich haette das Talent.
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Ergebnis 1 bis 10 von 10
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28.05.2012, 09:46
Kein Problem, nur 'ne Geschichte
le gach beannacht
Trautchen
Das mit der Leiche ist zwar weniger schoen, doch muss das Leben ja weitergehen... (mehr oder weniger Hannes Wader)
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28.05.2012, 11:43
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
Trautchen, soooo süß!
Das ist das, was mich an den Katzen auch so fasziniert, dass jede ihren eigenen Charakter und ihr eigenes Wesen hat, einfach nur lieb wie Louie oder schwieriger wie Nellie. Ich finde, eines haben sie gemeinsam: Jede ist auf ihre Art liebenswert.
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28.05.2012, 21:05
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
Himmel Trautchen!
Ich erinnere mich siedendheiß an Deinen Strang!
Du hattest noch so ein süßes Post geschrieben, ich war krank, und ich glaube, ich hab gar nicht mehr geantwortet?!
Nun lese ich hier mit großer Freude, wie es sich weiterentwickelt hat!
Sehr schön!
Vielen Dank, dass Du berichtest und so liebevoll liest es sich!
Wenn Du noch Klärungsbedarf hast, dann schicke ich Dir gerne noch Links zu Büchern nach, ich hatte sie schon rausgesucht und es dann verschwitzt.
Wir haben hier auch so einen (gewichtigen) Pazifisten (und eine zierliche Räubertochter).
Man lebt halt im Sozialverband - Mensch und Katz.
Das färbt ab, das kommuniziert, auch unterschwellig, das beeinflusst, das muss so.
Schön, wenn es so positiv wirkt.
Diese Wirkung zu entfalten braucht Zeit und Geduld und Beobachtung.
Ich habe noch gr nicht soo lange Katzen.
Diese Persönlichkeiten, diese Kommunikation, dieses Streben nach Ausgleich und Gefüge, das fasziniert mich sehr.
Da schneide ich mir auch mal gerne eine Scheibe ab bei den Katzen.Now, bring me that horizon.
Mein Avatar zeigt Euch Smashie. - Sie wurde nur 3 Jahre alt.
Sie kam als Streuner mit einem Trichter um die Beine, den sie sich dann selbständig ausgezogen hat.
NYC's ACC platzierte sie auf der berüchtigten **Kill List**
Kein Foster - keine Rettung.
Smashie starb am 17.09.2016.
Ihre grünen Funkelaugen gibt's nicht mehr.
Sie war eine sehr liebe, menschenliebende zarte Fee.
Es ist ein Privileg die tägliche **Kill List** zu bekommen.
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28.05.2012, 21:24
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
Wie süß, ein "Ghandi"! Danke für die schöne Geschichte.
Zu unserer Katze Pübbi kommt immer ein kleiner Kater aus der Nachbarschaft. Er ist auch ein ganz sanfter. Sie möchte nicht mit ihm spielen, das macht ihn oft so traurig. Er ruft sie, sie kommt nicht raus, und dann nach einer Weile hört man ihn weinend weggehen. Zum Steinerweichen!
Könnt´ich unsere wirklich schütteln. Aber nein, ihr Revier... da will sie ihn nicht wirklich. Manchmal duldet sie ihn ein wenig. Aber nicht immer. Frauen!
The original Karla
est. 2006











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28.05.2012, 21:35Inaktiver User
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
Trautchen, eine wunderschöne Geschichte, man merkt sofort, daß Du viel von Katzen verstehst und daß es die Katzen bei Dir gut haben.
Auch ich habe schon eine ganz lange Zeit Katzen. Es waren immer Tierheimkatzen, ausgesetzte Katzen, kleine mutterlose Katzenbabys, es war nicht immer einfach. Aber die ganze Mühe hat sich gelohnt, weil aus den Katzen glückliche Tiere geworden sind. Und das ist die schönste Belohnung für mich.
Jede Katze ist anders in ihrem Wesen, unser Giovanni frisst für sein Leben gern und ist ziemlich faul.
Unsere Mietze ist sehr gutmütig, sie ist immer gut gelaunt und immer noch sehr lebhaft, obwohl sie schon 15 Jahre ist. Was ich so bewundere bei allen unseren Katzen, daß sie wieder Vertrauen zu Menschen haben, obwohl sie schon so schlechte Erfahrungen hinter sich haben.
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28.05.2012, 21:58
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
Ach, wer weiß, Karla - so ein Katerchen kann ganz schön hartnäckig sein, vielleicht findet er irgendwann tatsächlich 'Gnade' bei Pübbi.
Unser Mieselpiepschen ist da auch eher 'komm mir nicht zu Nahe - was willst Du nur von mir'...dann hielt Katerpo Einzug...und hat alles in Beschlag genommen...boah, lustig Spielkram...geil...dann mal los *rumkick*...wenn Katze in der Nähe, dann zur Seite gefaucht...Katze war nur am Staunen und hat Bescheid gegeben, Pazifist guckt völligst irritiert aus der Wäsche...dann am dritten Tag...er ist ihr einfach um den Hals gefallen...ganz im Ernst, auf sie zugestürmt, beide Pfoten um den Hals gehängt und hat sie abgeschlabbert...sie 'konnte' sich dem gar nicht so schnell entziehen...gut er war auch noch so lütt...doof hat sie aus der Wäsche geguckt, aber sie ist ja nicht doof...2 ruhige Nächte hatten wir und dann ging es ab, jeder Winkel wurde gezeigt, jeder Weg wurde begangen...Katze vorneweg Kater hinterher.
Er durfte alles...sprang sogar auf ihren Lieblingsplatz...sie guckte, wägte ab *ratterratterratter*...sie hat ihn gelassen, legte sich nicht gleich dazu...aber er durfte.
Mittlerweile scheint es manchmal, als ob sie sogar mehr seine Gegenwart sucht als er.
Kleine behaarte Wundertüten!
Meist mögen sie ja Gesellschaft, sie geben es halt nicht immer gleich zu.Now, bring me that horizon.
Mein Avatar zeigt Euch Smashie. - Sie wurde nur 3 Jahre alt.
Sie kam als Streuner mit einem Trichter um die Beine, den sie sich dann selbständig ausgezogen hat.
NYC's ACC platzierte sie auf der berüchtigten **Kill List**
Kein Foster - keine Rettung.
Smashie starb am 17.09.2016.
Ihre grünen Funkelaugen gibt's nicht mehr.
Sie war eine sehr liebe, menschenliebende zarte Fee.
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29.05.2012, 06:47
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
Welch schöner Ausdruck und wahres Wort.
Als der Mitkater unserer Altkatze Zantie gestorben war, haben wir aus dem Tierschutz Sara dazugeholt. Man hat sich gegenseitig respektiert, das war es aber auch schon.
Sara war damals ca. 2 Jahre alt und wir hatten das Gefühl sie langweilt sich. Also haben wir den damals 6 Monate alten Wirbelwind Jessi dazugeholt. Falsche Entscheidung, zumindest aus Saras Sicht. Sie mochte Jessi vom ersten Moment an nicht und hat sie die ersten Tag nur verhauen, was hat uns das leid getan. Wir hatten schon überlegt, sie wieder abzugeben. Allerdings ist Jessi ein selbstbewusstes kleines Energiebündel und irgendwann hat sie gemerkt "ich bin schneller". Aber wirklich toll war die Situation nicht, denn die Kleine wollte auch viel Bespaßung und an ein Spielen der Katzen miteinander war nicht zu denken.
Die Situation war also suboptimal. Dann erhielten wir einen Anruf; "Notfall bla bla bla, ganz liebe und sozial eingestellte Katze, die merken Sie gar nicht." Hm, überlegt. Beschlossen, sie erstmal in Pflege zu nehmen und bei dem kleinsten Anzeichen von andauernden Aggressionen untereinander wieder abgeben. Also, dann kam die knapp einjährige Jane. Jane ist die allerliebste und friedlichste Katze, die man sich vorstellen kann, sowohl zu Menschen als auch zu ihren Mitkatzen. Sie wurde sofort von Jessi adoptiert - "das ist jetzt meine" hat Jessi sehr deutlich signalisiert, ihr liebster Schlafplatz war am Anfang, als sie noch kleiner war als jetzt AUF Jane und ansonsten ist sie ihre liebste Spielkameraden.
Und unsere zickige Sara kam über ein anfängliches kurzes Fauchen nicht hinaus, weil Jane einfach entwaffnend lieb ist. Auch unsere Altkatze Zantie, die nicht so gerne die NÄhe der anderen hatte, hat Jane akzeptiert und ihr viel mehr Dinge erlaubt als je einer anderen Katze.
Jedenfalls hat Jane die ganze Situation so entspannt, dass es ein sehr viel friedlicheres Miteinander gibt also ohne sie. Sara und Jessi werden nie gute Freundinnen und ab und an gibt es gegenseitiges Gezicke, aber das hält sich in Grenzen.
Es gibt sie wirklich, die Gandhis unter den Katzen!
Islabonita
Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin
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29.05.2012, 14:24
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
@ Matratze
Tut mir leid, dass Du krank warst, ich hab' mich ein bisschen gewundert, dass Du so in Versenkung verschwunden warst.
An alle Katzenliebhaber und -kenner - bei uns ist was Merkwuerdiges passiert:
Tristan ist wie gesagt unheimlich auf meine Tochter fixiert (und sie auf ihn, da Aspie). Er weiss die Zeit, wann sie von der Arbeit nach Hause kommt genau und ist dann immer in der Naehe. Ist ueberhaupt ein ganz zuverlaessiger.
Vor ein paar Tagen - der erste warme Tag seit Monaten - war er um Stunden zu spaet dran. Meine Tochter schon am kollabieren sagt zu Louie: "Geh, finde Trissie!"
Um uns rum gibt es Wildnis und Felder, so dass wir Menschen nicht viel Aussicht haben, eine katzengrosse Kreatur zu finden. Louie stiefelte auch wirklich los und kommt etwa 'ne Viertelstunde spaeter mit Tristan im Schlepptau zurueck. Der war voellig geschafft und hat nach einem kurzen Snack die ganze Nacht und fast den ganzen folgenden Tag durchgepennt.
Jetzt wundern wir uns, ob Louie wirklich verstanden hat, was wir wollten. Die Stimme meiner Tochter triefte vor Panik, das hat er sicher wahrgenommen. Glaubt ihr, dass Katzen zu sowas faehig sind?le gach beannacht
Trautchen
Das mit der Leiche ist zwar weniger schoen, doch muss das Leben ja weitergehen... (mehr oder weniger Hannes Wader)
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29.05.2012, 14:31
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
Doch, so etwas halte ich für möglich.
Lies doch mal das Buch "Der 7. Sinn der Tiere". Phantastisch!
Und gerade "besondere" Menschen, die haben doch Fähigkeiten, davon können wir nur träumen.
Matratze, dein Wort in Gottes Ohr. Vielleicht darf der Kleine eines Tages mit Pübbis Gnade rechnen. Wir überlegen schon, ob wir noch eine "Kleine" dazunehmen. Aber ich habe nicht die Nerven für irgendwelche Probleme hier. Es reicht ja schon eine Minikatze allein, die hält einen ja schon ganz schön auf Trab.
War ich froh, als unsere aufgehört hatte, nachts auf und unter den Betten herumzutollen.
Mit den Worten "Man unterhalte mich!!".
The original Karla
est. 2006











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29.05.2012, 14:46
AW: Kein Problem, nur 'ne Geschichte
Ich bin mir sicher, dass unsere Huendin das konnte. Die wusste immer, wo ihr leicht vertrottelter Bruder war und konnte uns auch zu ihm fuehren, wenn er gar nicht mehr wusste wo und wer er war.

Ich druecke fuer den kleinen Kater die Daumen, bricht einem doch immer das Herz, wenn ein Lieber so abblitzt - und irgendwie unfair isses auch, oder?le gach beannacht
Trautchen
Das mit der Leiche ist zwar weniger schoen, doch muss das Leben ja weitergehen... (mehr oder weniger Hannes Wader)


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