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  1. Inaktiver User

    Gehen lassen müssen

    Liebe Tierfreunde,

    was habt ihr gefühlt, als ihr euer Tier habt gehen lassen müssen?

    Seit Pauls Tod quält bzw. beschäftigt mich immer wieder der Gedanke, ob ich alles richtig gemacht habe. Ich frage mich, was Paul empfunden hat; was er erwartet hat. Hat er etwas erwartet? Was hat er gedacht? Was wusste er?

    Bei unserem letzten TA-Besuch erklärte mir die Ärztin, dass jeder weitere Tag eine Qual für Paul wäre. (wer es noch nicht weiß: er hatte FIP) Ich glaube, ich stand unter Schock, als sie mir das sagte. Ich habe gar nicht begriffen, was das bedeutet. Ihn dort zu lassen; ihn nie wieder bei mir zu haben. Mich für immer von ihm zu verabschieden. Ich habe reagiert als wäre ich fremdgesteuert. Warum habe ich nicht geschrien? Warum bin ich nicht durchgedreht? Warum habe ich das einfach so hingenommen?

    Ich habe Paul in sein Körbchen gesetzt, nachdem er untersucht wurde. Er war ganz lieb und ruhig. Ich habe ihn an seiner Stirn gestreichelt und er stupste mit seinem Köpfchen gegen meine Hand. So wie 'Give me 5'. Ich sagte ihm, er solle jetzt schön schlafen, woraufhin er die Augen zu machte. Wenige Minuten später habe ich die Praxis verlassen. Wie in Trance.

    Bis heute geht mir dieser Moment nicht aus dem Kopf! Weil ich nicht sicher bin, ob ich hätte länger bei ihm bleiben sollen. Oder ob ich bis zu seinem Tod hätte bei ihm bleiben sollen.

    Kennt ihr solche Situationen?


    Vio

  2. Inaktiver User

    AW: Gehen lassen müssen

    ja, solche Situationen kenne ich.

    unsere beiden Hundis mussten leider eingeschläfert werden - die erste war so alt, dass sie einfach nicht mehr konnte - sie konnte nicht mehr fressen, sich nicht mehr zum sich entleeren selbstständig in den Garten begeben ... nichts ging mehr. die zweite hatte inoperablen Krebs.

    Bei beiden war es schlimm, die Entscheidung des Einschläferernlassen überhaupt zu treffen, und es war ganz schlimm zu spüren, wie die Hundis ihren Frauchen währenddessen vertrauten, wie sicher sich sich gefühlt hatten, obwohl wir ihren Tod verursachten ...

    es war schlimm, und lange, lange, lange waren immer die Fragen da, ob die getroffene Entscheidung die richtige war...

  3. User Info Menu

    AW: Gehen lassen müssen

    Liebe Vio,
    erstmal ...ich wußte gar nichts von Pauls Schicksal. Schlimm!

    Ich denke, Tiere ziehen sich häufig zurück, wenn sie ihre letzte Stunde haben. Sie halten keinen Kontakt mehr zu den anderen im Rudel. Außer Elefanten und vielleicht noch einigen anderen Ausnahmen.

    Will sagen: Paul hat nichts besonderes erwartet von dir, denke ich. Er war ganz ruhig, hat dann eine Schlafspritze bekommen und ist hinübergeglitten.

    Du hast bestimmt keinen Grund, dir Vorwürfe zu machen! Na klar steht man völlig neben sich, wenn man sowas gesagt bekommt! Und dann soll man noch gründlich durchdenken...wie das denn ??

    Pauls Seele ist ja noch da, du kannst ihn in Gedanken immer wieder streicheln und liebhaben. Ich glaube fest daran, dass er das merkt.

    Mensch Vio, mir tut das so leid für dich...
    mach dich nicht verrückt...
    und lass bald ein neues Tier in dein Leben, das hilft, nach meiner Erfahrung.

    Ein eigenes Tier einschläfern lassen habe ich auch schon, kleine Hamster, damals, und zuletzt den mir sehr vertrauten und geliebten Hund einer Freundin. Ich weiß auch nicht, was schlimmer ist - dabei zu sein, oder nicht...es ist in jedem Fall ganz furchtbar.

    Liebe Grüße
    Karla
    The original Karla
    est. 2006


  4. Inaktiver User

    AW: Gehen lassen müssen

    Zitat Zitat von Karla48 Beitrag anzeigen
    und lass bald ein neues Tier in dein Leben,
    Ich habe ja noch meine kleine Jule!

  5. User Info Menu

    AW: Gehen lassen müssen

    Ah, verstehe. Wie schön! Vermißt sie ihren Kumpel?
    The original Karla
    est. 2006


  6. Inaktiver User

    AW: Gehen lassen müssen

    Wenn ich jetzt auf Jule zu sprechen komme, lenkt das zu sehr von meiner Eingangsfrage ab.

  7. User Info Menu

    AW: Gehen lassen müssen

    Hallo Vio,
    es tut mir leid, dass Du Deine Katze an die Krankheit verloren hast. Es ist ganz entsetzlich, sich dem Schicksal beugen zu müssen.

    Deine Beschreibung des letzten Gangs mit Deiner Katze kommt für mich so rüber, als habe Dich die Aussage des TA völlig überrascht, dass Du Dein Tier erlösen solltest. Hattest Du Dich mit diesem Gedanken während seiner Krankheit nicht vertraut gemacht? Irgendwie scheint mir Deine Situation ... kopflos? Was hat Dich so überfordert, dass Du nicht warten konntest, bis Dein Tier wirklich über die RBB gegangen ist?

    Insofern: Nein, ich kenne eine solche Situation nicht, dass man sein Tier in den letzten Minuten alleine lässt. Für mich käme es auch nicht in Frage.

    Einen Schock hatte mir seinerzeit "nur" die Diagnose für meinen Hund versetzt – es wurde ein Osteosarkom festgestellt. Die TÄ in der Uniklinik gaben mir nach der Bekanntgabe der Röntgen- und Biopsieergebnisse Bedenkzeit, um eine gute Entscheidung zu treffen: Gleich einschläfern (wozu zum Zeitpunkt der Diagnosestellung kein medizinischer oder moralischer Grund bestand) oder palliativ behandeln und die letzte Zeit bewusst genießen in der Gewissheit, dass wir uns bald verabschieden müssen.

    Ich habe mich für zweites entschieden und eine sehr intensive Zeit mit vielen Erkenntnissen über Leben(squalität) und Tod erlebt. Ich konnte wirklich ganz bewusst Abschied nehmen und mich an den Gedanken gewöhnen, dass ich sie hergeben muss.

    Am liebsten wäre mir gewesen, ich hätte meinen Hund morgens kalt im Körbchen gefunden, um den Zeitpunkt des Abschieds nicht festlegen zu müssen. Aber sie genoss ihr Leben – mit den Einschränkungen eines wachsenden und schmerzenden Tumors. Der TA hat mir gezeigt, wie man Schmerzmittel spritzt, damit ich nicht jeden Tag zu ihm fahren musste.

    Ich hatte fürchterliche Angst, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, sie gehen zu lassen. Ich bin nachts schon gar nicht mehr in mein Bett gegangen, sondern habe mich wochenlang neben sie auf den Boden gelegt. Eines Nachts robbte sie an meinen Schlafsack und schaute mich an. Ich schaute sie an und wusste es: Sie mag nicht mehr.

    Ich hab am Morgen alle meine und ihre Freunde mit dem Auto abgeklappert, alle haben sich von ihr verabschiedet, dann bin ich in zum TA gefahren.

    Der Abschied war sehr ruhig, sehr intim, sehr intensiv. Der TA hat an ihr gehorcht, bis die Herztöne aufhörten. Sie hat in der Narkose noch fürchterlich viel Pipi gemacht, das haben wir zusammen aufgetupft, damit sie nicht in ihrer Pisse sterben muss.
    Ich hab sie noch lange gestreichelt, ihr das Halsband abgenommen und sie dagelassen. Hätte ich damals schon einen eigenen Garten gehabt, hätte ich sie mitgenommen.

    Als ich die Praxis verließ, läuteten die Kirchenglocken – für sie?

    Abends haben sich alle Freunde getroffen und ordentlich Schnaps auf sie getrunken. Die Nacht und viele, viele folgende allerdings waren ganz, ganz grauenhaft – trotz meiner wohlvorbereiteten Sterbebegleitung und der Gewissheit, das Richtige getan zu haben.

    Mir ging es so Scheiße, dass ich an einem Trauerbewältigungs-Seminar des Hospizvereins teilgenommen habe. Trotzdem dauerte es lange, bis ich den Verlust überwunden hatte.

    Das alles ist weit über 10 Jahre her. Heute bin ich mir gar nicht mehr so sicher, alles richtig gemacht zu haben. Ich hätte ihr nicht so viel Leid zumuten sollen und eher die Kraft haben, sie gehen zu lassen.

    Wir führen im Moment zwei Hunde – sollte einer aussichtslos krank werden, werden wir ihn früher gehen lassen. Aber auf jeden Fall begleiten und für sie da sein bis zum allerletzten Atemzug.
    Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt – und nicht, was wir ersehnt haben. Arthur Schnitzler

  8. Moderation

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    AW: Gehen lassen müssen

    Es gibt wohl keine schlimmere Entscheidung als die, sein Tier einschläfern zu lassen. Es war für mich die furchtbarste Entscheidung, die ich je treffen musste. Ich kann dich so gut verstehen.

    Meine Katze konnte auch nichts mehr bei sich behalten, ich habe tagelang noch gehofft, war beim Tierarzt. Ich weiß noch wie heute, wie sie sich in meine Hand gekuschelt und geschnurrt hat, als wir den letzten Weg zum Tierarzt gefahren sind. Obwohl das schon viele Jahre her ist, muss ich auch jetzt noch mit den Tränen kämpfen.

    Ich hatte meinen Vater mitgenommen. Er ist bei ihr geblieben. Ich habe mich verabschiedet und bin gegangen. Ich hätte es nicht ausgehalten zuzusehen, wie sie stirbt.

    Ich weiß, dass die Entscheidung richtig war. Aber nur, weil eine Entscheidung richtig ist, muss sie nicht leicht sein. Ich wünsche dir viel Kraft.
    Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
    Christian Morgenstern
    In einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
    - Ich habe meinen Sport gefunden.


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  9. User Info Menu

    AW: Gehen lassen müssen

    Liebe Vio,

    ich selber war bei den Hunden die wir gehen lassen mussten noch zu klein um es bewusst zu erleben.

    Ich gehe aber davon aus, dass man instinktiv das richtige für den Moment macht und sich in einer Situation instiktiv richtig entscheidet und immer wieder so entscheiden würde.

    Im Nachhinein zu grübeln ist denke ich normal, sollte man aber nicht tun. Denn in dem Moment ist es richtig für dich gewesen. Und Tierliebe sollte eben auch bedeuten sein Tier nicht länger dem Schmerz auszusetzten, wenn man es eigentlich erlösen kann.

    Und kein Tierarzt würde dir raten dein Tier gehen zu lassen, wenn es nicht richtig wäre.

    Sicherlich gibt man sein Tier nicht gerne her und ich hoffe, dass mir sowas erspart bleibt, aber loslassen gehört zum Leben dazu.

    Behalte deinen Kleinen in guter liebevoller Erinnerung.

    LG
    Meine große Maus und mein kleiner Mann. Die wertvollsten Geschenke!

  10. Inaktiver User

    AW: Gehen lassen müssen

    Seit Pauls Tod quält bzw. beschäftigt mich immer wieder der Gedanke, ob ich alles richtig gemacht habe.


    Ich glaube, diese Frage beschäftigt uns hinterher einfach immer, egal wie es gelaufen ist.
    Geändert von Inaktiver User (30.12.2009 um 14:30 Uhr)

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