'Als meine Bobtailhündin vor vielen Jahren eingeschläfert werden mußte - sie hatte schwere HD - war ich bis zum Schluß bei ihr.
Das ist sicher schon 15 Jahre her, aber wenn ich daran denke muß ich heute noch heulen. Sie war dankbar, dass ich sie erlöst habe, dass konnte ich spüren (sie wurde 13 Jahre) aber Abschiednehmen ist noch nie meine Stärke gewesen.
Ich habe drei Monate eigentlich nur geheult. Mein damaliger Mann (heute Exmann) wollte mich schon einliefern lassen.
Aber ich würde es wieder so machen. Mein Tier hat es verdient, dass ich auch den letzten Weg mit ihm bis zum Ende gehe.
Unser Hund ist jetzt auch 13 - aber er ist ein Malteser und wird hoffentlich noch einige Jahre mit uns verbringen.
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Thema: Gehen lassen müssen
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29.12.2009, 08:53Inaktiver User
AW: Gehen lassen müssen
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29.12.2009, 11:31
AW: Gehen lassen müssen
Liebe Vio,
zunächst muss ich Dir sagen, dass ich ganz erschüttert bin über Paulchens Tod. Ich wußte da gar nichts von.... Laß Dich ganz doll drücken. Es tut mir wahnsinnig leid..
Ich kann Deine Gedanken sehr gut nachempfinden.
Ich mache mir wegen Kater Joschi (gestorben 2004) heute noch allerschlimmste Vorwürfe.
Keiner von uns beiden war bei seinem Einschläfern dabei. Wir haben ihn erst am nächsten Tag (im Karton) wieder abgeholt, da wir ihn bei uns beerdigen wollten.
Bevor er zum TA kam, machte er bereits tagelang einen nicht so fitten Eindruck, aber ich habe niemals daran gedacht, dass er so krank sein würde, dass er eingeschläfert werden müsste. Er war ja noch nicht einmal 5 Jahre alt...
Mit diesem Gedanken habe ich mich absolut nicht beschäftigt. Das hat mit „kopflos-sein“, so wie Etain meint, nichts zu tun. Das Thema ist komplett ausgeblendet.
Ich habe ihn, als ich in der Mittagspause zuhause war, (unbewusst) zuletzt gestreichelt und als ich nachmittags nachhause kam, war mein Mann mit ihm bereits beim TA. Ich habe ihm sein Futter bereitgestellt, da er ja sicherlich gleich wiederkommen würde.
Er kam aber nicht. Mein Mann kam mit der Auskunft zurück, dass Joschi in der Praxis bleiben sollte, da die Ärztin einen kleinen operativen Eingriff nach der Sprechzeit vornehmen wollte.
Die Zeit verging und als das Telefon läutete habe ich meinen Mann ans Telefon geschickt, da ich ja gerade am Fernsehen war und für die Nachricht, dass wir ihn wieder holen könnten, nicht aufstehen wollte. Wie widerlich im Nachhinein.
Die TA hatte bei der OP die Ursache für Joschis Schmerzen und Unwohlsein gefunden.
Einen faustgroßen Tumor, der im Bauchraum bereits die Organe angriff.
Sie meinte, es sei das Beste, ihn zu erlösen. Er wäre ja bereits narkotisiert....
Sie wartete nun auf ein OK von uns. Es war schrecklich. Ich konnte keine Entscheidung treffen, mein Mann musste es tun.
Das Schlimme heute für mich ist: Wir sind NICHT umgehend zur Praxis gefahren!!! Das kann ich mir bis heute nie verzeihen! Die TA sagte, er wäre ja noch „offen“ und er war ja bereits am Schlafen durch die Narkose. Alles muß steril bleiben und so....
Wie grausam von mir, ihn nicht noch einmal sehen zu wollen!
Am nächsten Tag holten wir ihn wie gesagt im Karton wieder ab. Eingewickelt in den blutigen OP-Tüchern. (aber er war wieder „geschlossen“ muss ich dazu sagen.)
Noch nicht mal da habe ich ihn angesehen, habe von meinem Mann verlangt, dass er ihn nochmal „auspackt“ und ihn mir dann genauestens beschreiben lassen....
Ich kann mein Verhalten bis heute nicht begreifen. Ich fühle Joschi gegenüber eine tiefe Scham. So sehr wie ich ihn geliebt habe und noch immer liebe. Aber DAS geht gar nicht....
Ich rede heute immer noch mit ihm, er ist ständig präsent für mich.
...
Bei unserem Kaninchen war ich auch nicht zuhause als es starb, obwohl ich ahnte, dass es nur noch ein paar Stunden zu leben hatte.
Die Selbstvorwürfe hören auch hier nicht auf.
Hätte ich bloß... warum habe ich nicht... liebe Vio, diese Gedanken werden sich so leicht nicht abstellen lassen. Vielleicht niemals wieder. Ich weiß ja, wie sehr Du Paul geliebt hast und alles für ihn getan hättest. Ich weiß es ist kein Trost, aber vielleicht hilft Dir meine Antwort auf Deine Frage etwas.
Du bist nicht alleine.
Deine Mou
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29.12.2009, 13:05Inaktiver User
AW: Gehen lassen müssen
Es war so: Paul war sein Leben lang ein robuster und gesunder Kater. Und für mich sowieso unsterblich. Er war erst 10. Anfang Oktober zeigte er die ersten Krankheitssymptome; die darauf folgenden 3 Wochen bin ich fast täglich mit ihm zum TA. Ich beobachtete ihn Tag und Nacht, registrierte jede noch so kleine Regung von ihm. Sein Zustand variierte; was natürlich mit der Medikation zu tun hatte. Die eine Seite in mir ahnte, dass er vielleicht sterben muss. Die andere Seite aber, die Wunschseite, glaubte an Pauls Genesung. Wenn du Paul gekannt hättest, würdest du auch sagen 'der Kerl stirbt nie'!
Die behandelnde TÄ stellte immer mal wieder Verbesserungen fest und war so optimistisch wie ich. Von daher kam die Entscheidung sehr überraschend für mich, ja.
Die Frage verstehe ich nicht.
Ich habe Paul nicht alleine gelassen. Ich bin kurz vor der Narkose gegangen. Ich wollte ihn nicht schlafend sehen, d.h. ich konnte nicht. Ich war alleine und ohnehin kurz vorm Zusammenbruch.
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29.12.2009, 13:07Inaktiver User
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29.12.2009, 13:56
AW: Gehen lassen müssen
Ich glaube, man macht sich irgendwie immer Vorwürfe.
Ich hatte Bienie im Arm als sie starb (eingeschläfert), alles war ganz friedlich. Den Schmerz, den kann man nicht vergessen und immer wieder habe ich mich gefragt, ob das richtig war, der richtige Zeitpunkt etc. - die Entscheidung, die ist so schwer, auch wenn ich fühlte, dass sie nicht mehr kann und will. Die Verantwortung aber, die tragen wir und das ist es, womit man nicht so einfach fertig wird.
In diesem Augenblick reagiert man nur noch, ich musste sie reintragen und dann...ja dann stand ich dabei, meine Mutter noch neben mir, und alles war wie im Trance.
Gruß Bienie
Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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29.12.2009, 15:48Inaktiver User
AW: Gehen lassen müssen
Ja, das glaube ich auch.
Ich war bisher immer bis zum Schluss dabei, bei fünf eigenen Tieren (drei Hunde und zwei Katzen) und bei vielen Tierschutztieren. In erster Linie um die Tiere bis zum Schluss zu beruhigen und ihnen Sicherheit und Vertrauen zu geben, manche haben ja auch Angst beim Tierarzt. Für mich war es jedesmal sehr schwer, die Tiere sind so vertrauensvoll zu mir, lehnen sich an mich und fühlen sich sicher bei mir - und dann veranlasse ich ihren Tod. Bei diesem Urvertrauen kam ich mir schon vor wie ein Verräter (obwohl ich weiß, dass das eigentlich nicht stimmt und ich einen solchen Entschluss natürlich nur treffe, wenn wirklich gar nichts mehr geht und sehr deutlich ist, dass ein Tier nicht mehr kann und nicht mehr will und die Einschläferung nur dazu dient, das Leiden etwas zu verkürzen). Während des Einschläferns versuche ich mich zusammen zu reißen, während das Tier stirbt, spreche ich also beruhigend mit ihm und streichle es. Danach muss ich jedesmal heulen und sitze dann da, mit dem toten Tier im Arm. Manchmal haben mein Tierarzt und ich sogar schon zusammen über einem Tier geweint. Wenn ein Tier z.B. zu spät gefunden wurde, so dass wir ihm nicht mehr helfen konnten und offensichtlich war, dass dieses Tier es wahrscheinlich niemals schön hatte in seinem Leben und wir nichts tun konnten, außer es "umzubringen" und sein Leiden zu beenden. Das ist dann so sinnlos, ungerecht und traurig.
Bei meinen eigenen Tieren war es mir ein kleiner Trost, dass sie es, so lange sie bei mir waren, so gut hatten, wie es mir nur möglich war, und dass ich mir ziemlich sicher sein konnte, diese letzte Entscheidung in ihrem Sinne zu treffen.
Eigentlich ging es fast jedesmal gut und es sah tatsächlich fast immer so aus, als würden die Tiere einfach nur einschlafen. Ich hoffe, es war auch immer wirklich so und die Narkosen waren tatsächlich gut überdosiert. Einmal musste ich es anders erleben. Das war bei einem Notdienst-Tierarzt und anscheinend hielt der meinen damaligen Hund schon für so sehr weggetreten, dass er nicht mehr stark genug überdosierte bevor die letzte Spritze kam. Jedenfalls wurde mein Hund plötzlich wieder mobil, er war panisch, versuchte sich zu wehren und hatte anscheinend starke Schmerzen. Der Tierarzt musste mehrfach nachspritzen. Am liebsten hätte ich alles rückgängig gemacht, aber das ging ja leider nicht mehr. Das war schrecklich. Ich träume heute noch manchmal davon und es tut mir wahnsinnig leid, dass mein Hund mit so viel Angst sterben musste.
Naja, für mich ist das Thema immer schwierig. Es ist komisch quasi "Gott zu spielen" und über Leben und Tod zu entscheiden. Manchmal denke ich mir, dass man Menschen ja auch nicht einfach so einschläfert lässt, dann denke ich wieder, dass bei mir selbst vielleicht einmal der Tag kommen wird, an dem ich mir wünschen könnte, dass es anders wäre. Ich weiß es nicht.
Ich bin der Meinung, oft wird zu schnell eingeschläfert. Es gibt Tierärzte mit sehr schneller Spritze. Meinem Haupttierarzt und meiner eigenen Intuition vertraue ich inzwischen aber eigentlich schon. Manchmal bleiben dennoch Zweifel und Fragen. Gerade in diesem Jahr hatte ich wieder drei hoffnungslose Fälle. Mehere Tierärzte sagten, dass es keine Heilungschancen gäbe und ich einschläfern lassen müsse. Einige verweigerten mir sogar die Behandlung dieser Tiere und ich habe mich teilweise sehr mit den Tierärzten gestritten. Ich habe es dann dennoch versucht, mit vielen Zweifeln und der Angst, die Tiere nur unnötig zu quälen. Zum Glück war es nicht so. Es war schwer und anstrengend, aber alle drei haben überlebt und genießen heute glücklich ihr Leben. Diese Erfahrungen lassen mich aber auch wieder zweifeln, ob meine anderen Entscheidungen wirklich richtig waren. Vielleicht hätte man beispielsweise ja auch meinem Hund, der damals diesen schlimmen Todeskampf hatte, doch noch irgendwie helfen können. Obwohl ich das eigentlich nicht glaube, er hatte einen schweren Schlaganfall und war schon sehr alt und zuvor schon lange krank gewesen. Trotzdem bleiben Fragen.
@Vio
Es tut mir sehr leid, dass Paul gestorben ist, und dass du diese traurige Erfahrung gemacht hast. Das wichtigste sind aber die positiven Dinge, dass er es gut bei dir hatte, das wichtigste ist das Leben und nicht das Ende.
Liebe Grüße
Romy
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29.12.2009, 16:56
AW: Gehen lassen müssen
Gestern ist unsere Katze Tessie eingeschläfert worden. Sie war sehr krank und 16 Jahre alt. Sie starb auf dem Metalltisch in der TA-Praxis, den Kopf in meinen Händen, ganz leicht und friedlich. Die Tierärztin war sehr lieb und es war das Beste für unsere Kleine - aber ich bin unendlich traurig. Sicher, wir sind dankbar für 16 wunderbare Jahre, aber die Trauer der letzten Tage... ich will das nicht nochmal erleben müssen.
Leben und leben lassen
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29.12.2009, 20:49Inaktiver User
AW: Gehen lassen müssen
@Tessie
Ich weiß, wie es dir geht. Es tut unbeschreiblich weh! Denke an eure schönen gemeinsamen Jahre.
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29.12.2009, 21:03Inaktiver User
AW: Gehen lassen müssen
Wenige Minuten vor Pauls Abschied sagte die TÄ: 'Die Veterinärmedizin hätte der Humanmedizin gegenüber einen Vorteil; man kann das Tier auf ganz legalem Weg von seinem Leid befreien!' Die 3 Worte 'vom Leid befreien' ließen mich dem Entschluss zustimmen. Irgend eine Stimme in mir sagte 'okay'.
Die Tragweite, die Konsequenzen, die Zeit danach......all das habe ich nicht begriffen. Bis heute nicht.
Bis ich ohne Schmerz und vor allem ohne Tränen an die schöne Zeit denken kann, vergehen noch mehrere Wochen.
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29.12.2009, 21:34Inaktiver User


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