Ich kenne einige Leute, die mit ihren Hunden nicht in einer Hundeschule waren und die es allein hinbekommen haben, ihren Hund zu einem freundlichen, zuverlässigen Partner zu erziehen. Das sind aber in der Regel Leute, die vorher schon mit Hunden lebten und im Umgang mit ihnen sicher sind. Bei uns (mittelgroße Stadt, ich lebe in einem Vorort, Randlage) sehe ich momentan sowas wie einen "Trend zum Hund". Was wir hier in der Nachbarschaft mittlerweile an Vierbeinerzuwachs zu verzeichnen haben, ist beträchtlich. Und leider sind einige Hundehalter dabei, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, den Sinn und Zweck eines angeleiteten Hundetrainings aber nicht sehen. Oder sie gehen 3 x hin, stellen fest "bringt nix, der Hund funktioniert immer noch nicht" (sie üben aber auch nicht regelmäßig und kapieren auch nicht, dass sie diejenigen sind, die nicht "funktionieren") und schmeißen die Sache dann. Entsprechend anstrengend sind deren Hunde mitunter auch.
Violine, hier auch ein paar Erfahrungen von mir zum Thema Hundetrainer - Menschentrainer.
Ich war, als wir vor 5,5 Jahren unsere Hündin bekamen, ein Hundeanfänger. Hatte den Wunsch schon lange, hatte im Vorfeld einige Bücher über Erziehung und Verhalten gelesen und irgendwann passte es dann. Tja, und dann merkte ich schnell, dass zwischen grauer, hübsch beschriebener Theorie in Büchern und der Praxis in manchen Dingen doch Welten lagen.
Ich hatte 2 Trainer, der erste machte eine Art Welpentraining, in dem schon mit den Kleinen gearbeitet wurde, aber auf ganz spielerische und rassebezogene Art. Ich habe eine Labradorhündin, die hatte das Apportieren mit der Muttermilch aufgesaugt. Spielen mit anderen Hunden war aber nicht, wir gingen immer nacheinander auf den Platz. Er legte großen Wert darauf, möglichst früh viel dafür zu tun, die Bindung zwischen Welpen und Halter aufzubauen, ohne dass der Hund durch andere Spielgefährten und Menschen auf dem Platz abgelenkt wurde. Labbis sind neugierige Zeitgenossen, meine schloss (und schließt immer noch) sofort jeden Zweibeiner, der sie nur freundlich anschaut, sofort in ihr Hundeherz. Alles potentielle Lieblingsmenschen. Ich stand dieser Art von Welpenschule etwas zwiespältig gegenüber, ich hatte mir das einfach anders vorgestellt, aber dieser Trainer war so überzeugt von seinem Konzept, dass ich es im Rahmen der Welpenstunden akzeptierte. Privat sorgte ich dann aber für Ausgleich. Nach einigen Wochen erkrankte er schwer und die STunden fanden nicht mehr statt, was ich nicht vermisste.
Der zweite Trainer, den ich hatte, arbeitet seit über 25 Jahren mit Retrievern, hält selber welche, bei ihm landeten wir mit 2/3 der Wurfgeschwister meiner Hündin. Er arbeitet nur mit kleinen Gruppen (wir waren zu sechst), als wir zu ihm kamen, waren die Hunde 5 Monate alt und wuchsen in die richtig spannende Zeit rein. Ungehorsam, Flegelzeit, mental ausgefahrene Mittelkralle à la "Frauchen, du kannst mich jetzt mal" - alles das durchlebte ich mit meiner Hündin bei diesem Trainer. Er brachte mich zwei- dreimal sogar dazu, dass ich mich wie der letzte Schwachmat auf dem Hundeplatz fühlte und mit den Tränen kämpfte, weil ich einfach das Gefühl hatte, nichts richtig zu machen. Kommando - Hund tat so, als wäre ich nicht da und solche Dinge halt. Bei ihm lernte ich, was schnelles und direktes Reagieren wirklich ist, dass ich meinen Hintern auch mal energisch in Bewegung setzen musste, statt darauf zu warten, dass der Hund sich endlich mal bequemte.![]()
Wir bekamen einen Anschiss, wenn wir ein Kommando nicht eindeutig setzten. "Himmelherrgott, du dusselige Nuss, SITZ endlich!!!" - und zack kam von F.: "Zuza, was für ein Kommando hast du deinem Hund jetzt eigentlich gegeben?" Ich: "Ähm .. "sitz"! Er: "Weißt du, was dein Hund verstanden hat?" Ich: "Sitz?" Er: "Nein, der hat verstanden blubbbrabbelblubbbrabbelsitzblubbbrabbel. Glaubst du, dein Hund hat verstanden, was er tun soll?" Ich: "Nein." Er: "Dann hör auf damit, deinen Hund volllabern, quatsch nicht so viel mit ihm, setz eindeutige Kommandos und sorg dafür, dass er sie sofort ausführt und nicht nach dem 10. Mal erst."
Er brachte uns dazu, uns zu bewegen, uns auch in unserer körperlichen Reaktion auf den Hund einzustellen, schnell zu werden, direkt. Einen ganz lieben, aber sehr gemütlichen Mann in unserer Gruppe, Marke Bärchen (der sich instinktiv den gemütlichsten Labradorrüden des Wurfes ausgesucht hatte *gg*), brachte er gern so auf Trab: "A., jetzt beweg endlich deinen Arsch. Mensch, du hast einen LABRADOR, die sind schnell! Das ist keine Schnecke!"![]()
Wir lernten bei ihm sehr gut, wo unsere Fehler lagen, wo wir z. B. nicht eindeutig reagierten, die Hunde dadurch verunsicherten. Es war nicht immer leicht, es gab Momente, da hätte ich ihn am liebsten gebissen - deshalb, weil er mir (uns) deutlich vor Augen führte, was ich falsch machte. Aber er war trotz seiner sehr männlich-robust-direkten Art, mit der man halt können musste (sonst war man bei ihm falsch), ein fairer und guter Trainer, sowohl für uns als auch für die Tiere. Die beteten ihn an.
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31.05.2009, 22:29Inaktiver User
AW: Hundetrainer oder Menschentrainer?
Geändert von Inaktiver User (31.05.2009 um 22:33 Uhr)
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31.05.2009, 22:38Inaktiver User
AW: Hundetrainer oder Menschentrainer?
hallo Zuza,
das heisst, du warst mit der Art des Trainers einverstanden? Das einzige, was du dir anders gewünscht hättest, war sein Tonfall. Richtig?
Er hätte sensibler mit euch Haltern umgehen sollen, oder?
Hat er euch erklärt, warum der Hund auf bestimmte Signale reagiert und auf andere gar nicht?
Ist er auf euch eingegangen? Auf eure Schwachstellen, eure Reizschwelle usw.?
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31.05.2009, 22:50Inaktiver User
AW: Hundetrainer oder Menschentrainer?
Er war nicht unsensibel, er merkte, wenn jemand von uns mal hart schluckte und nicht gut drauf war und nahm einen dann nach der Stunde auch beiseite, um die Wogen wieder zu glätten. Aber auf dem Platz wurde auf sein Kommando gehört, er war streng. Er hatte generell eine sehr direkte, unverblümte, aber nicht unfreundliche Art. Für zartbesaitete Menschen wäre er nichts gewesen. Ich weiß nicht, ob er sich auf dem Platz ändern könnte, ich empfand ihn als sehr gradlinig. War manchmal eben anstrengend.
Ja, er hat uns erklärt, warum die Hunde so oder so reagierten, warum und wie das in unserem Verhalten, manchmal auch nur in unserer unbewusst eingenommenen Körperhaltung begründet lag. Wenn beim Training etwas auffälliges geschah (sowohl negative als auch positive Verhaltensweisen), wurde das diskutiert. Er ließ uns die Antworten selbst erarbeiten, indem er uns durch Fragen zur Antwort lenkte.
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31.05.2009, 23:00Inaktiver User
AW: Hundetrainer oder Menschentrainer?
Der Typ scheint seinen Job gut zu machen!
Danke für deinen Beitrag.
Es ist ja mein Interesse, wie die Trainer mit den Menschen umgehen und das beschreibst du sehr gut.
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31.05.2009, 23:06Inaktiver User
AW: Hundetrainer oder Menschentrainer?
Gern geschehen, Violine.
Ich denke, ich würde die Fahrerei bei einem weiteren Hund auch gern wieder auf mich nehmen, um bei ihm zu trainieren (waren leider 80 km, da war ein halber Tag futsch.)
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31.05.2009, 23:14Inaktiver User
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31.05.2009, 23:25Inaktiver User
AW: Hundetrainer oder Menschentrainer?
Stimmt auch wieder. ;-)
Gute Nacht!
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31.05.2009, 23:29Inaktiver User
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01.06.2009, 21:39
AW: Hundetrainer oder Menschentrainer?
sie war wesentlich gradliniger und konsequenter, aber nie genervt. ich neige auch zum schwafeln ( so wei zuza das beschrieb)

teilweise hatte ich auch eine ungünstige körperhaltung (nach vorne beugen), die wurde korrigiert. sowas wie oben beschrieben wurde, also die reflektion: was lief gut, was nicht? haben wir auch gemacht.
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01.06.2009, 21:58


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