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    Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    Ich habe Stress mit meinem Bruder über den Wert des Reihenhauses im Großraum Hannover (unser ehemaliger Familiensitz), das wir im Oktober gemeinsam erbten. Zunächst war unser Plan, es zu veräußern. Jetzt aber will mein Bruder es selber erwerben - aus emotionalen Gründen, wie er sagt (denn unser Vater hatte in senem letzten Willen geäußert, er würde es bevorzugen, dass es einer von uns dereinst bewohne oder wir es gemeinsam vermieten). Ich verbinde jedoch keine guten Erinnerungen mit dem Haus und hänge nicht daran. Mein Bruder möchte mich auszahlen und natürlich zu seinem Vorteil möglichst günstig (zumal er selber noch sein Eigenheim abbezahlt). Er möchte jedoch selber - solange seine Tochter klein ist - nicht in das geerbte Haus einziehen, sondern es vermieten. Auch möchte er sein eigenes Haus nicht verkaufen.
    Er hat von einem Bekannten ein Baugutachten erstellen lassen (nur anhand Fotos und Eckdaten des Hauses) und bezieht sich in unserer Auseinandersetzung auf den vom Gutachter ermittelten Bauwert (der mir sehr niedrig vorkommt und meines Erachtens nicht den Verkehrswert einer Immobilie in ruhiger Lage mit guter Verkehrsanbindung innerhalb Hannovers berücksichtigt).
    Das Thema verursacht mir viel Stress, denn weder möchte ich mich übervorteilen lassen noch meinen Bruder 'ausbluten' lassen (sein stiller Vorwurf an mich, da ich den reinen Bauwert des Erbstücks nicht als Basis akzeptiere).
    Ich schließe nicht aus, dass er mithilfe eines befreundeten Bauunternehmers das geerbte Haus renovieren und dann mit großem Gewinn verkaufen würde. Dieses weist er jedoch von sich.
    Fragen an Euch:
    Sollte man sich in dieser Situation aus moralischen Gründen von Bruder/Schwester niedrig auszahlen lassen (Bruder will Haus aus emotionalen Gründen behalten, aber bis auf weiteres nicht dort einziehen)?
    Wie ermittelt man eigentlich einen realistischen Verkaufspreis ohne verbindlich einen Makler zu beauftragen - oder Zwangsversteigerung zu beantragen? (Vergleichswerte verkaufter Häuser in der Umgebung habe ich nicht - und auf Immoscout findet man ja nur die angebotenen Preise (nicht, was schließlich wirklich als Verkaufspreis erzielt wird).

    Vielen Dank für Eure Gedanken dazu...

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    Zitat Zitat von Rotebete Beitrag anzeigen
    Sollte man sich in dieser Situation aus moralischen Gründen von Bruder/Schwester niedrig auszahlen lassen (Bruder will Haus aus emotionalen Gründen behalten, aber bis auf weiteres nicht dort einziehen)?
    Ganz klares Nein. Dass Dein Bruder "alles" will - aktuelles Eigenheim und Elternhaus - ist nicht Dein Problem. Kann er ja wollen und das ist auch OK, aber er muss es sich halt auch leisten können. Wenn er das nicht kann, musst du das nicht ausbaden.


    Wie ermittelt man eigentlich einen realistischen Verkaufspreis ohne verbindlich einen Makler zu beauftragen - oder Zwangsversteigerung zu beantragen? (Vergleichswerte verkaufter Häuser in der Umgebung habe ich nicht - und auf Immoscout findet man ja nur die angebotenen Preise (nicht, was schließlich wirklich als Verkaufspreis erzielt wird).
    Man lässt ein Verkehrswertgutachten erstellen. Dafür gibt es Sachverständige.


    I am the master of my fate: I am the captain of my soul.

    William E. Henley

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    Wie nahe stehst du deinem Bruder?
    Leider bin ich da skeptisch. Ein Bekannter hat den Marktwert ermittelt, emotionale Gründe werden genannt? Dann lass uns Tacheles reden, welche Summe ich dir "aus moralischen Gründen" durch den niedrigen Verkaufspreis erlassen soll. Ich meine, die Post und die Sparkasse haben immer Aufsteller, mit denen sie für unverbindliche Schätzungen von Immobilien werben.
    Möglich wäre ja auch eine Vermietung, bei der ihr zu gleichen Teilen vom Gewinn profitiert. Das Geld kann ja auf ein Sonderkonto gezahlt und später geteilt werden, nach Abzug der Ausgaben.
    carpe diem.

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    [QUOTE=Rotebete;3512521
    Er hat von einem Bekannten ein Baugutachten erstellen lassen (nur anhand Fotos und Eckdaten des Hauses) und bezieht sich in unserer Auseinandersetzung auf den vom Gutachter ermittelten Bauwert (der mir sehr niedrig vorkommt und meines Erachtens nicht den Verkehrswert einer Immobilie in ruhiger Lage mit guter Verkehrsanbindung innerhalb Hannovers berücksichtigt).
    Das Thema verursacht mir viel Stress, denn weder möchte ich mich übervorteilen lassen noch meinen Bruder 'ausbluten' lassen (sein stiller Vorwurf an mich, da ich den reinen Bauwert des Erbstücks nicht als Basis akzeptiere).
    Ich schließe nicht aus, dass er mithilfe eines befreundeten Bauunternehmers das geerbte Haus renovieren und dann mit großem Gewinn verkaufen würde. Dieses weist er jedoch von sich.
    Fragen an Euch:
    Sollte man sich in dieser Situation aus moralischen Gründen von Bruder/Schwester niedrig auszahlen lassen (Bruder will Haus aus emotionalen Gründen behalten, aber bis auf weiteres nicht dort einziehen)?
    Wie ermittelt man eigentlich einen realistischen Verkaufspreis ohne verbindlich einen Makler zu beauftragen - oder Zwangsversteigerung zu beantragen? (Vergleichswerte verkaufter Häuser in der Umgebung habe ich nicht - und auf Immoscout findet man ja nur die angebotenen Preise (nicht, was schließlich wirklich als Verkaufspreis erzielt wird).
    ..[/QUOTE]

    Hallo Rotebete!
    Dieses Problem hatte ich auch vor einigen Jahren mit meinem Elternhaus. Meine Mutter lebte noch in dem Haus. Es war ein altes, für sie viel zu großes Bauernhaus mit viel Renovierungsstau. Meine Schwester wollte es trotzdem haben. Um allen gerecht gerecht zu werden haben wir(3 Geschwister und die Mutter) uns einvernehmlich dazu entschlossen, es ihr zu verkaufen.
    Damit nahm das Drama seinen Lauf. Aus der Verwandtschaft des Mannes meiner Schwester gab es einen Bauingenieur. Der wurde beauftragt ein Gutachten zu erstellen. Er hatte leider keine Ahnung. Dass das Haus nicht viel wert war, war uns klar. Aber das Grundstück hat er nur als landwirtschaftliche Nutzfläche berechnet. Die Fläche, auf der das Haus stand, hätte aber anders bewertet werden müssen. Es kam also nur eine lächerliche Summe heraus. Von der hätte meine Mutter sich noch nicht einmal eine anständige Mietwohnung leisten können.

    Es gab natürlich großen Ärger, als wir den Verkauf unter diesen Umständen ablehnten. Es blieb also alles beim Alten. Das Haus verfiel immer mehr, da meine Mutter es alleine gar nicht bewältigen konnte. Jahre später mussten wir dann verkaufen, da meine Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dort wohnen konnte.

    Ich habe darauf bestanden bei diesem Verkauf einen öffentlich bestellten, vereidigten Gutachter zu beauftragen um das Haus zu bewerten. Es gab eine detaillierte Aufstellung über Haus, Grundstücksfläche Haus und landwirtschaftliche Fläche. Da kam eine ganz andere Summe zusammen. Mit der konnten wir gut leben. Das Geld für das Gutachten war gut angelegt.

    Nach diesen Erfahrungen würde ich kein Haus ohne Gutachter verkaufen. Egal, ob Verwandschaft oder andere Käufer.

    Mit meiner Schwester haben wir uns übrigens wieder vertragen.

    Ich wünsche dir, dass du eine für dich richtige Entscheidung treffen kannst.

    Herzliche Grüße
    Klarinette
    Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.
    Gustav Heinemann

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    Zitat Zitat von Klarinette Beitrag anzeigen
    Nach diesen Erfahrungen würde ich kein Haus ohne Gutachter verkaufen. Egal, ob Verwandschaft oder andere Käufer.
    Das würde ich so unterschreiben. In meinem Fall war zwar keine Verwandtschaft im Spiel, aber auch bei der Bemessung der Erbschaftssteuer kann sich ein Verkehrswertgutachten sehr bezahlt machen. Das Geld ist gut investiert. Der Gutachterausschuss macht sich auch viel Mühe, vorab mit der Sichtung aller relevanten Unterlagen, dann auch bei der Besichtigung. In meinem Falle waren vier Leute dabei, die das aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet haben, u.a. ein Makler und ein Bausachverständiger.
    "Never take things personally. [...] Always give the benefit of doubt, until evidence to the contrary. Never assume malice. We are all going through things and you never know the inner battles some of us fight, so it‘s best to check your ego at the door.“

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    Meines Wissens begutachtet auch das örtliche Amtsgericht in solchen Fällen, und zwar recht günstig.
    Wenn du wenig Zeit hast, nimm dir am Anfang viel davon (R. Cohn )

  7. gesperrt

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    Eventuell einfach auf die "Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses" vor Ort zurückgreifen (diese Kaufpreissammlungen sind seriös und valide, da diese auf Basis tatsächlicher Verkäufe - sprich notariell beurkundeter Kaufverträge - beruhen und erstellt werden und nicht auf reinen "Angeboten zum Verkauf" etwa im Internet von Privaten, Maklern usw.). Zudem sehr kostengünstig. Gut möglich, daß da "passende Vergleichsobjekte" enthalten sind - solche Reihenhäuser stehen ja nicht selten in Reihenhaus-Siedlungen.

    Die ganz individuelle Lösung: Ein eigenes objektspezifisches Wert-Gutachten erstellen lassen (etwa von einem öffentlich bestellten und vereidigten Gutachter). Ein Tipp in dem Kontext könnte auch sein, sich mal einige Gerichtsgutachten für Zwangsversteigerungen in der Region anzusehen (Gutachten sind oftmals im Internet eingestellt) und auf diesem Weg einige Gutachter zu finden, die auch von Gerichten mit der Begutachtung betraut werden. Ein solches individuelles Gutachten kostet in aller Regel aber schnell einige Tausend Euro (je nach Immobilie).

    Ultima ratio, wenn (wie leider nicht selten in solchen Konstellationen) keine konsensuale Lösung gelingt: Die Zwangsversteigerung (dann wird übrigens ein Gutachter vom Gericht beauftragt) hier in Form der sog. Teilungsversteigerung (zur Aufhebung der Gemeinschaft; hier: Erbengemeinschaft). Dabei werden in aller Regel heutzutage (Dauer-Nullzinspolitik mit entsprechend historisch einmal niedrigen Hypothekenzinsen und damit logischerweise verbundenen sehr hohen Immobilienpreisen) in einer solchen öffentlichen Versteigerung sehr "sportliche" Preise erzielt (je nach Gebiet - in meiner Gegend nicht selten das 30-, 40- oder noch Mehrfache der Jahres-Netto-Kaltmiete). Gut (aus rein finanzieller Sicht), für den Mit-Erben, der das Objekt eh loswerden will bzw. nicht groß "dran hängt" - tendenziell eher schlecht für den Mit-Erben, der das Objekt (be)halten will und sich daher dann in die Bieterschlacht bei der Zwangsversteigerung begeben müßte.

    Eventuell ein Argument, um Deinen Bruder für eine konsensuale Lösung zu "begeistern" bevor es zur Ultima-Ratio-Lösung kommt ...


    Nur meine bescheidene Meinung und persönliche Sicht.
    Geändert von kurant (27.03.2021 um 12:34 Uhr)

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    Du solltest schon 50% vom reellen Wert bekommen...und nicht von etwas, das ein Bekannter deines Bruders (!) aufgrund von Fotos und Eckdaten geschätzt hat.

    Ich würde einen unabhängigen Gutachter mit der Wertermittlung beauftragen...wenn das deinem Bruder letztendlich zu viel Kohle ist, muss das Haus halt an jemand anderen verkauft und der Erlös geteilt werden.

    Lass dich nicht über den Tisch ziehen.

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    sehe ich auch so!

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    AW: Erbengemeinschaft Haus mit Bruder / Konflikt Auszahlung Anteil

    Den Wert vernünftig schätzen zu lassen - dafür wäre ich auch.

    Ansonsten kenne ich es aber so, dass innerhalb der Familie schon niedrigere Preise gezahlt werden als wenn nach außen verkauft wird. Ich würde vom Wertgutachten 20% abziehen - zumal es dem Wunsch des Erblassers entspricht, dass das Haus in der Familie bleibt. Das sollte einem als Miterben schon etwas Wert sein, wenn der Bruder bereit ist, das Haus zu nehmen.

    Und dagegen, dass er in einigen Jahren das Haus verkauft und den großen Reibach macht, kann man sich im Kaufvertrag absichern. Wenn innerhalb von 10 Jahren verkauft wird, wird der Gewinn geteilt (oder so ähnlich, das sind übliche Klauseln, das müsste man mit dem Notar besprechen können).

    Alternativ könntet ihr das Haus gemeinsam behalten und vermieten.

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