Liebe Forianer,
ich habe mir schon überlegt, das Thema ins Beziehungsforum zu stellen, aber versuche es doch erst mal hier, da es mir wirklich eher um die praktischen/sachlichen Aspekte geht als um die emotionalen.
Also:
Ich (40) wohne mit meinem Partner seit 4 Jahren in seinem Haus. Dabei handelt es sich um ein früheres landwirtschaftliches Anwesen, auf dem er aufgewachsen ist und das er vor einigen Jahren von seinen Eltern übergeben bekommen hat. Seine Eltern wohnen separat in einem anderen Hausteil. Wir arbeiten beide Vollzeit (er angestellt, ich freiberuflich) und haben/wollen keine Kinder. Ich zahle ihm Miete + Nebenkosten (allerdings ca. 100€ weniger, als ich für eine vergleichbare Wohnung sonst zahlen würde).
Nun bauen wir seit 1 Jahr zusammen ein Wirtschaftsgebäude am Hof um, es soll unser neues Zuhause werden und ist sogar schon bald einzugsfertig. Mein Partner hatte dies immer schon vage geplant, da er diese Gebäude nicht alle ungenutzt "herumstehen" lassen wollte. Hinzu kam, dass ich in unserer jetzigen Wohnung ziemlich unzufrieden bin (Nordseite, dunkel, laut wg. Straße direkt vor unseren Schlafräumen, Eltern beobachten jeden unserer Schritte - es ist einfach so gar nicht meins), was diese Pläne sicherlich beschleunigt hat. Unsere jetzige Wohnung soll vermietet werden, wenn wir umgezogen sind.
Finanziell trägt mein Partner zu 100 % den Umbau, er hatte das Geld großteils zur Verfügung und bekam leicht einen günstigen Kredit für den Rest. Ich habe wenig Erspartes und hätte auch keine Sicherheiten (arbeite freiberuflich).
Im letzten Jahr habe ich so gut wie jeden Samstag 7-10 Std. + insgesamt 2,5 Wochen "Urlaub" (der für mich als Freiberuflerin ja unbezahlte Zeit ist) + ab und zu Abende in den Umbau gesteckt.
Und so langsam komme ich nicht mehr damit klar, dass die Regelung zwischen uns weiterhin so völlig unverbindlich ist.
D. h. ich habe keinerlei Rechte oder Sicherheiten. Sollten wir uns irgendwann trennen, ist meine Arbeitszeit am Umbau (die ja für mit z. T. auch Umsatzeinbußen bedeutete) zusammen mit meiner Miete in sein Eigentum geflossen und ich habe nichts. Zudem zahle in weiterhin Miete, obwohl ich so viel Zeit in seinen Hof stecke.
Ich habe mit ihm natürlich darüber gesprochen, habe auch relativ klare Vorstellungen davon, was ich will (z. B. eine Vereinbarung, dass er mir meine Arbeitsstunden im Trennungsfall auszahlt, und irgendwann vielleicht auch ein Testament, das mir im Falle seines Todes bestimmte Rechte gewährt). Er ist einverstanden, unternimmt aber von sich aus nichts und sagt auch wenig dazu, ich habe das Gefühl, ich muss mir alles erkämpfen. Er sagt mir auch, dass wir den Umbau ja auch wegen mir machen - wobei ich lieber weggezogen wäre, was aber von ihm aus nicht geht.
Ich hätte gerne eure Einschätzungen, was ihr hier für gerecht haltet oder ob ihr meine Forderungen für angemessen haltet.
Danke und viele Grüße
Schnurrhaar
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21.09.2012, 11:16Inaktiver User
Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
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21.09.2012, 11:25
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Hmmmm..ganz spontan....ich würde an Deiner Stelle weiterhin Miete zahlen.
Müßtest du ja auch wenn du eine eigene Wohnung hättest und auch da bekommst du nichts "raus"
Und die Arbeitsstunden.....Wenn er keine Anstalten macht, das schriftlich zu fixieren, würde ich sie mir jetzt ausbezahlen lassen, WENN du meinst, dass du dafür Geld möchtest.
Im Falle einer Trennung seid ihr dann quitt und müßt nichts aufrechnen, was ich schwer fänd.
Du kannst dir alleine kein eigenes Haus leisten, deshalb find ich es etwas irritierend warum du von seinem etwas haben möchtest!?
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21.09.2012, 11:38Inaktiver User
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Ja, aber da müsste ich doch auch nicht erst ca. 500 Stunden dafür arbeiten, dass das Haus gebaut wird...
Also irgendwie hast du mich falsch verstanden. Ich habe nirgends geschrieben, dass ich von seinem Haus etwas möchte und auch nirgends, dass ich jetzt irgendwelche Summen ausbezahlt möchte.
Wie gesagt, ich möchte nur irgendeine Sicherheit, damit ich, falls mit uns etwas schiefgeht oder ihm etwas passiert, nicht wieder bei 0 anfange, nach allem, was ich hier investiert habe - vielleicht nicht an Geld, aber an Zeit und Arbeit.
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21.09.2012, 11:51
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Wie ist es denn generell, wenn ihm etwas zustößt?
Hat er gar keine Kinder?
Wer wären seine Erben?
Ich kann schon verstehen, dass du abgesichert sein möchtest.
Aber das geht wohl nur, wenn er mitzieht.
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21.09.2012, 11:57Inaktiver User
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Ich bin da ganz schlicht gestrickt: entweder ich möchte eine gemeinsame Zukunft mit jemandem und kein mein und dein mehr, sondern auch ein "unser" - dann heirate ich, oder wenn nicht, wenn alles unverbindlich bleiben soll und wir offiziell fremde Leute bleiben wollen, dann investier ich auch nichts in dessen Eigentum. Wieso sollte ich denn??
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21.09.2012, 12:16
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Schwierig.
Zum einen trägt er ja alle Kosten des Umbaus - ich nehme an, er investiert auch entsprechend Zeit und eigene Arbeit.
Du wirst mit darin wohnen und vermutlich (korrigiere mich falls es anders ist) wird der Umbau und Ausbau jetzt auch so gemacht, wie du es gerne hättest - du hast da vermutlich ein Mitspracherecht.
Und ich nehme an, dass du auch dann wieder Miete zahlen wirst. Wird die Miete dann erhöht, weil der Wohnwert höher ist als in der bisherigen Wohnung ?
Ich sehe es so, dass du jetzt investierst, um anschließend besser zu wohnen, deswegen fände ich es richtig, wenn deine Miete, die du dann im "neuen" Haus zahlst nicht wesentlich erhöht wird. Wenn ihr euch direkt nach dem Umbau trennt, hast du mit Zitronen gehandelt. Wenn du noch fünf Jahre dort mit wohnst, hast du deinen Arbeitsanteil vermutlich abgewohnt.
Ob ich mir dafür einen Ausgleich zahlen lassen würde, kann ich ehrlich nicht beantworten. Zumindest würde ich aus der Perspektive deines Freundes diesen Ausgleich nur zahlen, wenn anschließend auch deine Miete entsprechend dem höheren Wohnwert erhöht würde.
Ich kenne das aus anderer Perspektive, wenn Mieter viel an der Wohnung machen, die sie bewohnen und dafür weniger Miete zahlen. Wenn sie dann früher raus müssen, haben sie Pech gehabt, wenn sie länger bleiben als gedacht, profitieren sie länger von der Eigenleistung.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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21.09.2012, 12:22
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Hallo Zusammen,
tut zwar nix zur Sache - aber da hab ich doch grad tatsächlich als Thema gelesen "Komplettumbau am eigenen Partner..." - na, das nenn ich doch mal ein mutiges Projekt
Nix für Ungut und viel Erfolg beim eigentlichen Thema
tagauch
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21.09.2012, 12:31Inaktiver User
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Wir haben vor einigen Jahren in einer Grossstadt das unausgebaute OG eines Hauses entdeckt, Vorschläge und Entwürfe für dessen Umbau gemacht, als wir uns mit dem Vermieter hinsichtlich des Um/Ausbaus einig waren, einen Mietvertrag geschlossen, und den Umbau nach unseren Vorstellungen weitgehend organisatorisch abgewickelt. Heisst also konkret: Die Umbaumassnahme bezahlte der Vermieter. Pläne, Ideen, Umsetzung, Aussuchen der Baumaterialien und Ausstattungen oblag uns. Wir haben eine Menge Zeit investiert, hatten dafür aber auch eine wirklich aussergewöhnliche, traumhafte Wohnung mit einer für Mietwohnungen sehr unüblichen Ausstattung zu einem vergleichsweise günstigen Mietzins.
Sicherheiten, Garantien oder irgendeine andere "Gegenleistung" für unsere Leistung hatten wir keine. Unser Status war der eines Mieters. Und nach unserem Auszug blieben unsere Ideen, unsere Entwürfe, und der Benefit, den der Vermieter daraus schlagen konnte, natürlich auch "seine" Vorteile.
Ich finde diese Situation mit Deiner rein sachlich betrachtet absolut vergleichbar, und frage mich daher, woraus Du Ansprüche auf Sicherheiten ableiten möchtest?
Ich denke, das, worum es eigentlich geht, ist nicht die Wohnsituation, sondern die Unverbindlichkeit in Eurer Beziehung. Wenn Du diese ändern möchtest, solltest Du dafür keinen Stellvertreterkonflikt eröffnen.
LG
c_f
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21.09.2012, 12:32Inaktiver User
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Hallo Schnurrhaar,
wir hatten eine ähnliche Situation hier, und so hundertpro zufriedenstellend lässt sich das schwer lösen. Ein erster Schritt ist, hochzurechnen, wieviel Wertschöpfung durch deine Eigenleistung erwirtschaftet wurde. Wir hatten für fast alle Gewerke Kostenvoranschläge, so dass wir ungefähr sagen konnten: Fußboden selber verlegt, Ersparnis 6.000 Euro (oder was auch immer). Davon erbracht durch dich die Hälfte, investiert hast du also den Gegenwert von 3.000 Euro. Diese Summe würde ich erstmal schriftlich festhalten.
Da du ja Miete zahlst, würde ich es auch so sehen, dass dir diese Summe im Trennungs- oder Todesfall zusteht. Die Frage ist, ob sie auch noch verzinst werden soll, ob du ihm einen "Freundschaftspreis" gibst usw. Da gibt es keinen korrekten Weg. Wichtig finde ich auch festzuhalten, ob du noch Ausgaben hattest (ein paarmal kurz Baumarkt läppern sich schnell zusammen). Redet darüber! Ggf leg du ihm schriftlich deinen Vorschlag vor und lass ihn unterschreiben, wenn ihm das zuviel Mühe ist.
Grüße, Cariad
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21.09.2012, 13:08Inaktiver User
AW: Komplettumbau am Eigentum des Partners - wie gerecht regeln?
Hallo,
wow, gleich so viele Antworten, damit hätte ich gar nicht gerechnet hier. Danke für eure Einschätzungen, da scheint es ja ganz verschiedene Perspektiven zu geben. Ich will mal auf eure Fragen eingehen:
Er hat keine eigenen Kinder. Falls ihm etwas zustößt, würde der Hof wieder an seine Eltern zurückfallen, wenn diese noch leben, andernfalls an seinen Bruder.
Naja, wenn der Umbau jetzt seine alleinige Entscheidung gewesen wäre, würde ich das auch eher so sehen, aber so war es ja nicht, deswegen ist es für mich schon irgendwie klar, dass ich da auch mitwirke. Aber wie du sagst, wir bauen uns hier gemeinsam was auf, das sollte sich meiner Meinung nach auch in verbindlicheren Vereinbarungen zwischen uns widerspiegeln (wobei ich eben noch nicht weiß, wie die aussehen sollen).
Danke Promethea, diese Sichtweise gefällt mir gut. Wir haben noch gar nichts Endgültiges vereinbart, was die Miete in der neuen Wohnung anbelangt. Es muss dann auch die vermietete alte Wohnung noch renoviert bzw. dann betreut werden, wenn sie vermietet ist.
Nein, das ist mir zu einseitig bzw. wie willst du das trennen? Abgesehen von den materiellen Dingen ist in unserer Beziehung nichts unverbindlich, wir leben seit Jahren zusammen, bekennen uns zueinander, tragen (Partner-)Ringe, planen unsere Zukunft zusammen, nach außen hin sprechen wir beide von "unserem" Umbau usw. Aber für mich ist da jetzt einfach eine Schieflage entstanden. 2 gute Bekannte von mir haben das erlebt, das sie viel Arbeit in eine Haus gesteckt haben, das nicht ihres war, und am (Beziehungs-)Ende nichts dafür bekommen haben, gerecht fand es keine. Warum dann nicht gleich eine Regelung treffen?
Danke für deine Einschätzung, ich stelle auch fest, dass es da keine allgemeingültige Regel gibt, jeder sieht es aus einem anderen Blickwinkel.
Verzinsen würde ich nicht, das wäre mir wiederum zu viel Rosinenpickerei, und finanziell habe ich auch nichts ausgegeben, was ich nicht für eine Mietwohnung auch bezahlen würde, mal Wandfarbe oder so. Das würde ich in keinem Fall aufrechnen.
Gruß
Schnurrhaar


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