Liebe Community,
ich hätte gerne euren Rat zu meiner Situation.
Ich bin zur Zeit auf arbeitssuche; mein befristeter Vertrag läuft in Kürze aus. Potenziellen Arbeitgebern gegenüber habe ich also eine einfache offizielle Erklärung dafür, dass ich meinen jetzigen Job verlasse: Befristung des Vertrags gepaart mit nicht mehr so rosiger Auftragslage.
Das Ganze ist aber nur die halbe Wahrheit. In der letzten Zeit haben sich größere Differenzen zwischen meinem Chef und mir ergeben, die letztlich dazu geführt haben, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Ich war in strategische Entscheidungen eingebunden, mein Chef hat in Bezug auf diese vor einiger Zeit seine Strategie geändert. Diese neue Haltung habe ich nicht geteilt; es gab also kontroverse Diskussionen, am Ende dann auch ziemlich böses Blut, sodass ich vor allem aufgrund dieser Differenzen gehen muss.
Eigentlich habe ich vor, dies bei meinen Bewerbungen nicht zu erwähnen, sondern nur von der Befristung und ansonsten nur gut über meinen Chef zu sprechen (was zugegebenermaßen meiner echten Meinung nicht entspricht). Nun habe ich Sorge, dass potenzielle neue AGs meinen Chef anrufen und sich nach mir erkundigen könnten. Und dass dieser dann vom Leder ziehen könnte über unsere Differenzen und ich als Vertuscherin dastehe, unglaubwürdig wirke und als Bewerberin aus dem Rennen bin.
Wie seht ihr das; wie sollte ich damit umgehen? Wäre es sinnvoll, offen zu sagen, dass mein Chef und ich in letzter Zeit sehr uneins waren über die strategische Ausrichtung und wir uns (auch) deshalb trennen? Oder sollte ich bei der harmlosen Variante des befristeten Vertrages bleiben?
Vielen Dank im Voraus für eure Hilfe.
LG, Inma
Antworten
Ergebnis 1 bis 6 von 6
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10.04.2008, 11:48
Differenzen mit Vorgesetztem - ansprechen?
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10.04.2008, 11:54Inaktiver User
AW: Differenzen mit Vorgesetztem - ansprechen?
In Bewerbungen/Gesprächen nie schlecht über alte oder gegenwärtige Arbeitgeber reden!
Eigentlich gilt für Personaler die Regel: es werden nur die Referenzen angerufen, die der Bewerber ausdrücklich angibt und erlaubt. Ein Telefonanruf bei deinem jetzigen Chef ist also ohne deine Einwilligung nicht drin. Denn ein guter AG hält sich an die Regel, dass das Referenzeneinholen einem Bewerber nicht nachträglich Probleme bereiten darf.
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10.04.2008, 12:20
AW: Differenzen mit Vorgesetztem - ansprechen?
Hallo Inma
auf keinen Fall schlecht über den Vorgesetzten reden. Und in diesem Fall erst recht nicht. Letztlich gilt, dass Dein Chef weisungsbefugt ist, d.h. auch über die strategische Ausrichtung bestimmt. Wenn Du seine Meinung nicht teilst, kannst Du das sagen, aber am Ende wird er bestimmen und Du kannst das akzeptieren oder gehen.
Wenn ich im Vorstellungsgespräch was von derartigen Differenzen hören würde, gingen bei mir alle Warnlampen an, und ich würde gleich denke: schwierige Mitarbeiterin, nicht anpassungsfähig, nicht in der Lage, Entscheidungen, die nicht in ihrem Sinne sind, einfach umzusetzen. Das wäre für mich schon ein k.o.-Kriterium, auch wenn es bei näherer Kenntnis der Umstände vielleicht ungerecht wäre.
Ich denke auch, dass Du Dir wegen der Referenzen keine Sorgen machen musst. Es ist in der Tat nicht üblich, solche ohne Deine Zustimmung einzuholen, es sei denn, jemand kennt Deinen Chef gut und tut es einfach. Aber dann könntest Du eh nix machen, denn egal, was Du im Gespräch sagst, Dein Chef würde vermutlich eine andere Version präsentieren.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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10.04.2008, 13:14
AW: Differenzen mit Vorgesetztem - ansprechen?
Hallo Imma,
"People join companies and leave managers".
Zitat von Inma
Das wissen auch Arbeitgeber. Es ist aber ein völliges NoGo, über den alten Chef schlecht zu reden.
"Don't make me think"
Mit der Befristung hast Du eine gute Begründung, die ich als Teilbegründung auch genutzt habe
Allerdings aufpassen, in einem Fall hat man mit daraus die Begründung für den Strick gedreht: "Sie müssen ja wechseln und ihnen ist egal wohin".
Die Gefahr von Anrufen beim alten Arbeitgeber stufe ich als gering ein, sofern nicht erhebliche Zweifel an der Begründung entstehen und mehr auf dem Spiel steht. Und wenn der neue AG anruft, dann ruft er an - auch wenn Du von den Meinungsverschiedenheiten erzählst. Und vielleicht wertet er es dann als positiven, wenn Du Dich an die goldene Regel der Verschwiegenheit gehalten hast... Denn Tratschtanten, die alles nach außen tragen, hat kein Arbeitgeber gerne....
Gruß, fclGeändert von Fcl (10.04.2008 um 15:49 Uhr)
What happens in Vegas, stays on Facebook!
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10.04.2008, 15:13
AW: Differenzen mit Vorgesetztem - ansprechen?
Ganz vielen Dank an euch, Horus, Malina und Fcl!
Also ist doch die Vorgehensweise, nur von der Befristung zu reden, die richtige - ich möchte ja auf keinen Fall als Querulantin wahrgenommen werden.
Natürlich halte ich mich an die Etikette und werde nichts Schlechtes über meinen jetzigen Chef sagen. Und kann eben nur hoffen, dass das im Zweifelsfall umgekehrt auch so ist.
Eure Einschätzung, dass es unwahrscheinlich ist, dass man sich bei ihm über mich erkundigt, beruhigt mich. Allerdings: Selbst wenn man mich vorher fragt, ob ich damit einverstanden bin.... da bleibt mir dann doch auch nichts anderes übrig als ein "selbstverständlich" zu antworten, oder? Alles andere würde doch wieder zu blinkenken Warnlampen führen.
Danke und Grüße, Inma
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10.04.2008, 15:59
AW: Differenzen mit Vorgesetztem - ansprechen?
Selbst wenn die Frage kommen sollte (was ich wie gesagt kaum glaube), würde ich wetten, dass in den meisten Fällen nicht angerufen wird.
Zitat von Inma
Wenn Du partout nicht möchtest, dass man anruft, kannst Du ggf. die aktiviere Rolle übernehmen, so der Form:
"Sie können meinen Vorgesetzten anrufen, er würde meine Aussagen bestätigen. Allerdings haben Sie sicher Verständnis, dass ich die Bewerbung vertraulich behandeln möchte. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen gerne Referenzen bei den vorherigen Firmen nennen".
Gruß, fclWhat happens in Vegas, stays on Facebook!


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