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  1. Registriert seit
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    Problematisch wenn zu "gut"?

    Nach 5 Jahren wurde mir betriebsbedingt gekündigt und ich bin zur Zeit auf der Suche nach einem neuem Job.

    Ich habe in meinem letzten Job die Möglichkeit gehabt, viele verschiedene, sehr interessante und verantwortungsvolle Dinge zu machen und mir ist bewusst, wie viel Glück ich hatte, in dieser Firma zu landen. Ich gehe (hoffentlich zu Unrecht) nicht davon aus, noch einmal etwas zu finden, bei dem ich so frei bin, tolle Dinge zu machen und von vielen Privilegien zu profitieren. Wird sich zeigen.

    Nun bin ich also auf der Suche. Meine Quote verschickte Bewerbungen/ Vorstellungsgespräche ist recht gut, das ermutigt mich zunächst mal. Mein Hauptproblem ist, dass es nicht viele Stellen gibt, auf die ich mich bewerben kann. In den allermeisten Fällen erfülle ich die Anforderungen teilweise einfach nicht - wenn ich etwas finde, ist es immer eine Spur "kleiner", nicht grundsätzlich uninteressant oder öde aber einfach kleiner. Ich habe schon Rückmeldung bekommen, dass ich für die Jobs eigentlich zu weit bin, mich nach kurzer Zeit wohl wieder umschauen würde und man sich einen Kandidaten wünscht, für den Stelle ein kleiner Step up wäre.

    Es kann doch nicht hilfreich sein, sich und die eigenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen nicht vollständig (natürlich immer nur zur jeweiligen Stelle passend) zu beschreiben, um eine Chance zu haben, oder? Die Möglichkeit, einfach auf die perfekte Stelle zu warten habe ich nicht, da ich aus der Arbeitslosigkeit raus muss.

    Ich hatte vor drei Tagen wieder ein Vorstellungsgespräch, das grundsätzlich sehr gut gelaufen ist: Ich habe in der selben Branche gearbeitet, musste mich mit den selben Fragen und Herausforderungen auseinandersetzen, die hier auf mich zukommen würden, habe alle Anforderungen erfüllt und es schien, auch zwischenmenschlich gut zu passen. Nur habe ich in der Vergangenheit noch weitere Dinge gemacht, die hier mindestens eine Etage höher verantwortet werden. Ist das problematisch oder mache ich mich nur verrückt?

    Wäre prima, wenn mir jemand mit HR-Erfahrung sagen könnte, wie grundsätzlich in solchen Fällen umgegangen wird. Freue mich von Euch zu hören

  2. Avatar von Mediterraneee
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    AW: Problematisch wenn zu "gut"?

    Ich hab zwar keine HR- aber persönliche Erfahrung. Ich habe mich in der Vergangenheit mal auf mehrere Jobs beworben, für die ich "überqualifiziert" war. Man hat mir das beim Vorstellungsgespräch (das in zwei Fällen trotzdem zustande kam) auch klar gesagt. Aber man hat auch durchblicken lassen, dass man das schwierig findet. Eine Personalerin sagte ganz direkt: "Wir befürchten, dass es Ihnen bei uns schnell langweilig werden könnte."

    Ich habe ihnen (offenbar glaubwürdig) versichert und erklärt, dass das aus verschiedenen Gründen nicht der Fall wäre (weil mich die Branche/die neue Aufgabe/die Themenschwerpunkte wirklich interessieren, weil mir die Inhalte wichtiger sind als die Position innerhalb der Hierarchie etc.). Hat geklappt, ich habe einen dieser Jobs bekommen.

    Ich finde auch nichts dabei, beim CV ein bisschen tief zu stapeln, um eine Stelle zu bekommen. Musste ich seinerzeit nicht, hätte ich aber gemacht. Du musst ja nichts komplett weglassen, aber ggf. etwas abspecken.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.



    Mein Avatar zeigt ein Gemälde von Ramón Lombarte.

  3. Avatar von Kitty_Snicket
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    AW: Problematisch wenn zu "gut"?

    Wie meinst du, zu gut? Du bist ueberqualifiziert fuer die Stellen, auf die du dich bewirbst?
    Bist du an denen interessiert bzw. koenntest du dich fuer sie begeistern?
    Ich denke, wenn du einem Personaler _das_ glaubhaft vermitteln kannst, sollte es kein Problem sein. ("Ja, ich weiss, mein LL ist super aber ich will jetzt einfach kleinere Broetchen backen" - noch besser mit einer einleuchtenden Begruendung: "Ich hab bis jetzt immer 200% gegeben, ab jetzt reichen mir auch 100%, ich will zweimal pro Woche Blinden vorlesen/meine Bienenstoecke betreuen/regelmaessig fuer Marathons trainieren").

    Ansonsten: ja, der Lebenslauf wird durchaus an die Stellenbeschreibung angepasst. Ich habe z.B. Erfahrung in drei bis vier Branchen, die sich aber teilweise ueberschneiden, und kann dadurch die Jobs herausstreichen, die am besten in die Bewerbung passen. Wobei im Grunde bzw. bei Leuten in meinem fortgeschrittenen Alter eh hauptsaechlich die letzten 10-15 Jahre zaehlen.
    Jedenfalls aber kannst/sollst du bereits im Anschreiben die staerksten Argumente vorbringen; der Lebenslauf untermauert sie lediglich. Also: was ist jeweils deine Motivation, dich zu bewerben? 'Have time, need money' guelt nicht, bzw. im Prinzip fuer alle, damit ist kein Staat bzw. Auslesen zu machen (und zwar auf beiden Seiten)
    Whatever happened until now only served to deliver this moment.

  4. Avatar von BlueVelvet06
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    AW: Problematisch wenn zu "gut"?

    Zitat Zitat von Rumpf Beitrag anzeigen
    Ich habe schon Rückmeldung bekommen, dass ich für die Jobs eigentlich zu weit bin, mich nach kurzer Zeit wohl wieder umschauen würde und man sich einen Kandidaten wünscht, für den Stelle ein kleiner Step up wäre.
    Nachvollziehbar, oder? Du möchtest am liebsten die perfekte Stelle, die möchten am liebsten den perfekten Kandidaten. Jemand, der nach einem Jahr wieder aufhört, weil er mit dem Job nicht zufrieden ist und sich die ganze Zeit weiter beworben hat, bis es endlich klappte, ist für das Unternehmen ein Reinfall. Da hätte man besser jemand anderen genommen.

    Es kann doch nicht hilfreich sein, sich und die eigenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen nicht vollständig (natürlich immer nur zur jeweiligen Stelle passend) zu beschreiben, um eine Chance zu haben, oder? Die Möglichkeit, einfach auf die perfekte Stelle zu warten habe ich nicht, da ich aus der Arbeitslosigkeit raus muss.
    Warum nicht? Ich seh das wie meine Vorschreiberin, du musst ja nicht auslassen, aber etwas anpassen kannst du deinen früheren Verantwortungsbereich schon.
    Klima? Läuft bei uns. Schließlich haben wir den ersten CO2 neutralen Flughafen der Welt gebaut.


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    AW: Problematisch wenn zu "gut"?

    @Rumpf: was spricht denn dagegen, sich auf die Stellen zu bewerben, bei denen du nicht alle Anforderungen erfüllst? Probieren geht über studieren. Hast du denn einen Headhunter deines Vertrauens, der dich an den richtigen Stellen platziert?
    "Battlestar Galactica: The Eye of Jupiter (#3.11)" (2006)
    __________________________________________________ ______________
    Captain Kara 'Starbuck' Thrace: Can I make a suggestion that you won't like?
    Major Lee 'Apollo' Adama: Do you make any other kind?

    Life should not be a journey to the grave with the intention of arriving safely in a well preserved body, but rather to skid in broadside, totally worn out, and loudly proclaiming "Wow!" (Hunter S. Thompson)


  6. Registriert seit
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    AW: Problematisch wenn zu "gut"?

    Zitat Zitat von Rumpf Beitrag anzeigen
    Es kann doch nicht hilfreich sein, sich und die eigenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen nicht vollständig (natürlich immer nur zur jeweiligen Stelle passend) zu beschreiben, um eine Chance zu haben, oder?
    Doch doch, ich würde Dinge weglassen, wenn sie mir "zu viel" scheinen für eine bestimmte Stelle. Ich wüsste ja nicht, wieso ich irgendwelchen fremden Leuten, die vielleicht mal Arbeitskollegen werden oder vielleicht auch nicht, absolute und komplette Ehrlichkeit schulde.

    Ich will den Job, ich habe plausible Gründe anzunehmen, dass ich ihn gut machen kann, dann schreibe ich meine Unterlagen so, dass meine Chancen möglichst hoch sind, ihn auch zu kriegen.

    HR-Leute sind happy, wenn Profil und Lebenslauf möglichst gut übereinstimmen, und nicht später irgendwer kommen wird aus der Chefetage und sagt "wie konnten Sie nur diese Person vorschlagen!" HR-Leute denken oft mehr an die Sicherheit der eigenen Stelle als daran, ob sie wirklich die allerbeste Person für eine Stelle gefunden haben. Es ist ja nicht immer die Person mit den besten (passendsten) formalen Qualifikationen, die dann auch die Arbeit am besten machen wird.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

  7. Avatar von Sneek
    Registriert seit
    24.02.2019
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    AW: Problematisch wenn zu "gut"?

    Zitat Zitat von Rumpf Beitrag anzeigen
    In den allermeisten Fällen erfülle ich die Anforderungen teilweise einfach nicht
    Was bedeutet denn "teilweise"? Wenn man 80% der aufgelisteten Anforderungen erfüllt, reicht es doch.

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