Hallo liebe BriCom,
ich bin neu hier, lese aber schon eine Weile mit. Nun habe ich mich hier angemeldet, da mir ein Problem akut unter den Nägeln brennt. Da sich hier auch einige AG und Personaler „rumtreiben“ hoffe ich, meine Thematik von anderer Seite beleuchtet zu bekommen.
Zur Situation: Ich bin Ü35 aber U40 (keine Kinder, auch nicht geplant) und werde in einem Jahr meinen jetzigen Job verlieren. Bei meinem aktuellen AG (Großkonzern) bin ich seit 20 Jahren (inkl. Ausbildung). Um die Anonymität zu wahren möchte ich ungern auf die Gründe detailliert eingehen.
Sofort als fest stand, dass es so kommen wird, habe ich ein Zwischenzeugnis angefordert und angefangen, mich zu bewerben. Dass ich nicht innerhalb von drei Tagen eine neue Anstellung finden würde war mir klar. Aber soooo hatte ich mir das nicht vorgestellt. Meine Quote ist momentan bei 40 Bewerbungen, davon 7 Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, davon in zwei versch. Unternehmen Probe gearbeitet. Über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten. Leider erfolgen Absagen meistens ohne wirkliche Begründung. Dennoch habe ich drei konkrete Beispiele: Einmal konnte die Stelle (angeblich) doch intern besetzt werden, AG hat aber von sich aus angefragt, ob er meine Unterlagen behalten dürfe. Zweimal musste der AG sich zwischen mir und einem anderen Bewerber mit gleichwertiger Qualifikation entscheiden und beide Male hat der Andere eben gewonnen.
Die Zeit läuft weiter und ich werde langsam innerlich panisch. Ich dachte immer, ich bin „Eine von den Guten“? Meine kfm. Ausbildung habe ich-nicht sehr gut, aber gut- abgeschlossen. Ich bin zwar seit 20 Jahren beim selben AG, habe aber intern dreimal die Abteilung gewechselt, jedes Mal in ein komplett neues Aufgabengebiet. In den jew. Abteilungen war ich auch über mehrere Jahre. Dadurch habe ich Erfahrungen in allen Arbeitsbereichen, die für potenzielle neue AG relevant sein könnten. Mein Lebenslauf liest sich quasi wie das „who is who“ meiner Berufssparte. Betriebswirtschaftl. Weiterbildung mit 1-er Abschluss (Fernlehrgang). Englisch fließend in Wort und Schrift (mit Nachweis). Meine Arbeitszeugnisse sind alle top, meine Bewerbungsunterlagen sind geprüft und für exzellent befunden worden. Ich bewerbe mich nur auf Stellen, die zu meinem Profil passen.
Jetzt bin ich ratlos und ich habe keine Ahnung, wo ich ansetzen soll. Ist das Angebot an Bewerbern einfach zu hoch? Hatte ich bisher immer nur einfach Pech? Zu alt, zu jung, zu teuer? Vielleicht übersehe ich irgendetwas total Wichtiges, was mir fehlt? Im Moment bin ich froh um Denkanstöße in jede Richtung.
Vorab schon mal danke und liebe Grüße,
Shushan
![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 70
Thema: Bin ich doch keine Gute?
-
17.02.2015, 12:30
Bin ich doch keine Gute?
-
17.02.2015, 13:37
AW: Bin ich doch keine Gute?
Liebe Shushan,
ich habe Deinen Beitrag sehr interessiert gelesen, da ich mich in einer ähnlichen Situation befinde (hatte hier auch schon mal einen Thread dazu erstellt)
Ich habe zwar eine ungekündigte Stelle aber meinem (ebenfalls sehr renommierten) Unternehmen/Konzern bzw. der Tochterfirma, in der ich arbeite, geht es seit einiger Zeit wirtschaftlich nicht gerade gut und ich bin am "Umschauen".
Ich habe ebenfalls nur in sehr bekannten Unternehmen mit gutem Ruf gearbeitet, habe gute Zeugnisse etc. etc. Vor ein paar Jahren (als ich mich das letzte Mal beworben habe), hatte ich innerhalb weniger Wochen eine gute neue Stelle gefunden.
Mit diesen Erfahrungen bin ich auch sehr gelassen mit "Ach, da wird sich schnell was finden" an die Sache herangegangen, suche mittlerweile aber auch schon fast ein Jahr aktiv, ohne, dass sich etwas kokretes ergeben hat. Achja, Ich bin Mitte 30, ohne Kinder, verdiene auch ganz gut
...
Woran es liegt - hm, da kann ich leider auch nur rätseln. Bei einer Stelle (die ich wirklich gerne gehabt hätte) hat eine Mitbewerberin das Rennen gemacht, die noch bessere Kenntnisse in genau dem gesuchten Fachbereich hatte (ich war unter den letzen drei Bewerbern). Bei einer anderen Stelle wurde die Firma während des Bewerbungsprozesses verkauft und die Stelle gestrichen. Zwei andere Gespräche (bei der gleichen Firma aber für unterschiedliche Stellen) waren ein totales Desaster - ich wurde von A-Z versucht über meine jetzige Firma auszufragen und als ich das nicht mitmachen wollte, war ich wohl schon "unten durch"
Und eine weitere Stelle habe ich einfach nicht bekommen, ohne, dass ich da jetzt einen konkreten Grund benennen könnte (Gespräch war "ok", mein Gefühl nicht super-gut aber auch nicht schlecht).
Und das waren nur die Bewerbungen, bei denen ich es ins Vorstellungsgespräch geschafft habe. Ich habe auch schon sehr viele Bewerbungen verschickt, ohne, dass ich überhaupt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen habe (geschätzt würde ich sagen auch so ca. 30 - 40 Bewerbungen).
Ich vermute bei mir eine Mischung aus "bin zu teuer" (nach einigen u. a. auch sehr guten Jahren mit Gehaltserhöhungen im Konzern ist mein Gehalt schon recht ordentlich), schwieriges Alter (35 und (noch?) keine Kinder)) und meiner recht langen Kündigungsfrist (6 Monate, im "Ernstfall" wären aber sicher 3 bis 4 Monate realistisch, was ich in den Bewerbungen auch schon so benenne).
Ich zweifle mittlerweile auch schon an mir weil ich - genau wie Du - auch immer von mir dachte (und - zum Glück
- auch immer noch ein bißchen denke), dass ich eine "Gute" bin. Ich habe von diversen Chefs immer viel positive Rückmeldung und sehr gute Bewertungen bekommen, das kann doch nicht alles "weg" sein??
Liebe Grüße vom
Wassernixlein
-
17.02.2015, 13:44
AW: Bin ich doch keine Gute?
Als Personaler würde ich mich fragen warum geht jemand nach über 20 Jahren aus einem Großkonzern weg, wenn der nicht so massiv Stellen abbaut, dass nach Sozialplan auch eine Kündigung nach über 20 Jahren gerechtfertigt ist.
-
17.02.2015, 13:53
AW: Bin ich doch keine Gute?
taggecko,
der Gedanke vonwegen "nach 20 Jahren in ein und demselben Konzern wird man für unflexibel gehalten" kam mir auch vorhin..
Dagegen spricht m. E. dass Shushan mehrmals intern den Bereich gewechselt hat. Und ich bin das lebende Beispiel, dass auch mehrere Unternehmenswechsel nicht davor schützen, dasselbe Problem zu haben
-
17.02.2015, 14:37Inaktiver User
AW: Bin ich doch keine Gute?
Ich habe in den vergangenen Jahren im Kollegen- und Bekanntenkreis diverse Leute erlebt, die aufgrund von Umstrukturierungen mit (großzügigen) Aufhebungsverträgen gegangen sind. Dabei fand ich es ziemlich erschreckend, wieviele Leute sich vorher nie mit dem Thema Arbeitslosigkeit beschäftigt hatten und wieviele ihren Marktwert leider fundamental falsch eingeschätzt haben. Anscheinend will man sich nicht damit beschäftigen, solange man "im Warmen" sitzt.
Ich finde sieben Gesprächseinladungen bei 40 Bewerbungen gar nicht so schlecht, allerdings sind wiederum 40 Bewerbungen in sechs Monaten nicht viel. Bist Du denn so stark spezialisiert? Vielleicht solltest Du da mal ein bisschen von Deinem Profil abweichen.
Was mich beim Lesen gewundert hat, ist das Probearbeiten. Ich dachte bisher, das ist eher im gewerblichen Bereich üblich, zieht das jetzt schon weitere Kreise?
-
17.02.2015, 14:45Inaktiver User
AW: Bin ich doch keine Gute?
Das war auch mein Gedanke. Kein vernünftiger Mensch gibt heute so eine Position freiwillig auf - das klingt eher danach, dass jemand gehen muss. Und wenn jemand nach zwanzig Jahren aus einem Konzern mit Betriebsrat etc gehen muss, dann meist aus einem nicht so positiven Grund.
Außer die Öffentlichkeit ist über massiven Stellenabbau informiert natürlich. Aber im Einzelfall spricht das eben nicht für einen.
-
17.02.2015, 15:07
AW: Bin ich doch keine Gute?
Hm, findet Ihr es tatsächlich so vermessen wenn jemand, der sagen wir mal mit 18 seine Ausbildung bei einem Konzern begonnen hat und dort geblieben ist, mit Ende 30 dann doch noch mal etwas anderes kennen lernen möchte?
Ok, die TN scheint ja keine andere Wahl zu haben, wenn in einem Jahr ihr Arbeitsplatz wegfällt aber ich habe z. B. einen Kollegen, auf den die Beschreibung ziemlich genau zutrifft: nach Ausbildung im Konzern geblieben, dort 15 Jahre gearbeitet, jetzt möchte er aber doch noch mal etwas anderes kennenlernen (mit Mitte 30).
Soweit ich weiß, hatte er keine großen Probleme "außerhalb" etwas zu finden.
-
17.02.2015, 15:09
AW: Bin ich doch keine Gute?
Ich muss vielleicht noch ergänzen, dass ich (und damit auch besagter Kollege) in einer wirtschaftlich sehr starken Region arbeiten. In einer Region, in ders nicht ganz so rosig aussieht kann ich sicher verstehen, wenn man eine 20-jährige Konzern-Zugehörigkeit nicht mal einfach so aufgibt ...
-
17.02.2015, 15:10Inaktiver User
-
17.02.2015, 15:11Inaktiver User
AW: Bin ich doch keine Gute?
Vielleicht geh ich zu sehr von meinem AG aus - aber hier geht keiner, der seine fünf Sinne beieinander hat - ausser er will richtiggehend aussteigen. Das ist einfach wirtschaftlich ein großer Verlust, wenn man alle Sonderzahlungen und Sozialleistungen und Betriebsrente etc berücksichtigt. Von der Absicherung ganz zu schweigen, hier wäre man nach zwanzig Jahren quasi unkündbar.
Wenn, dann wird man abgeworben. Aber aktiv gehen - tut keiner.


Zitieren

