Hallo,
ich habe sehr wenig Erfahrung mit Bewerbungen und Arbeitsverträgen und brauche mal eure Hilfe.
Vor einiger Zeit signalisierte der Kunde, bei dem ich seit Mitte des Jahres als Beraterin tätig bin, dass er mich als Mitarbeiterin übernehmen möchte. Ich war zunächst nicht abgeneigt, teilte aber mit, dass ich nur bei besseren oder maximal gleichbleibenden Konditionen zum Wechsel bereit bin.
Ich lieferte immer wieder PowerPoint slides mit meinen Fähigkeiten und Alleinstellungsmerkmalen. Auch andere Kollegen sollten auflisten, warum ich die Richtige für die Position wäre. Gleiches machte man für einen Kollegen, mit dem ich direkt zusammen arbeite. Wir lieferten auch mehrmals unser gewünschtes Zieleinkommen ab.
Nach monatelangem Warten kam es dann zum ersten Gespräch. Vorher lief die Kommunikation immer über Dritte. Das Gespräch war online und begrenzt. Mir wurde der Vertrag kurz erklärt und man nannte die Tarifgruppe. Innerhalb der Tarifgruppe wurde ein Jahresgehalt vorgeschlagen, das erheblich unter meinen Vorstellungen lag.
Und jetzt kommt der gravierende Fehler: Ich weiß nicht warum, aber ich teilte den beiden die Untergrenze dessen mit, was ich noch tolerieren könne, merkte aber erst nach dem Gespräch, dass ich eine zu niedrige Zahl genannt hatte. Ich Depp! Und dieser Betrag steht jetzt im Vertrag.
Mein Kollege war schlauer, er wollte nach seinem Gespräch eine Bedenkzeit, fragte mich, was ich "ausgehandelt" hatte und nannte einen höhreren Betrag. Seiner Forderung wurde auch entsprochen.
Jetzt liegen wir bei gleicher Tätigkeit beim Jahreseinkommen eine größere Summe auseinander und ich ärgere mich schwarz. Dumme Bemerkungen, wie "Frauen verdienen doch eh weniger" und "Es sind doch nur ... Eur" habe ich leider schon gehört. Zwar im Scherz, aber es nagt an mir und ich weiß, dass ich das nicht gut verdrängen kann.
Ich schwanke zwischen Nachverhandeln und Ablehnen des Vertrages. Wenn ich ablehne, muss ich mein Wissen transferieren und kann dann gehen. Aber irgendwie hänge ich an meinem Job.
Wie kann ich es anstellen, ohne den Kollegen da reinzuziehen, eine Vertragsänderung bzgl des Jahreseinkommens auszuhandeln?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 41
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14.12.2013, 14:53
Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Geändert von Annthippa (17.12.2013 um 17:54 Uhr) Grund: Details gelöscht
Sei realistisch: Plane für ein Wunder.
In three words I can sum up everything I've learned about life: It goes on
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14.12.2013, 15:18Inaktiver User
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14.12.2013, 15:50
AW: Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Ja, kann man so sehen. Aber ich ärgere mich trotzdem.
Ich habe immer gute Arbeit geleistet und Aufgaben angenommen, die der Kollege ablehnte. Wenn er im Urlaub ist, vertrete ich ihn und mache seine Aufgaben mit. Gehe ich in den Urlaub, kann er mich nicht wirklich vertreten.
Schon alleine deshalb will ich zumindest das gleiche verdienen.
Im Grunde würde ich mit dem neuen Vertrag eine Menge mehr aufgeben als die paar Hunderter.
Im Vertrag steht z.B. 6 Monate Probezeit. Ich habe schon mehr als 6 Monate bei der Firma gearbeitet. Wozu dann noch die Probezeit.
Einsätze an anderen Standorten im In- und Ausland, Schichtarbeit, Reisetätigkeit. Das alles kommt auch dazu. Wahrscheinlich steht das standardmäßig in solchen Verträgen. Mein Alter hat das nicht.
Dafür fehlen Angaben zu Urlaubstagen und Kündigungszeiten. Die muss man sich wahrscheinlich aus dem IG Metall Vertrag heraussuchen.
Nee, ich weiß auch nicht.Sei realistisch: Plane für ein Wunder.
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14.12.2013, 16:24Inaktiver User
AW: Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Neuer Arbeitgeber, neue Probezeit. Sechs Monate sind normal, es kommt aber schon mal vor, dass die Probezeit bei bereits bekannten Mitarbeitern dann vorzeitig als beendet erklärt wird.
Ist denn mit Dir besprochen worden, dass Du das alles (in Deiner konkreten Tätigkeit) machen musst?Einsätze an anderen Standorten im In- und Ausland, Schichtarbeit, Reisetätigkeit. Das alles kommt auch dazu. Wahrscheinlich steht das standardmäßig in solchen Verträgen. Mein Alter hat das nicht.
Exakt, das steht im Tarifvertrag.Dafür fehlen Angaben zu Urlaubstagen und Kündigungszeiten. Die muss man sich wahrscheinlich aus dem IG Metall Vertrag heraussuchen.
Dann lass es halt bleiben. Ich denke, es gibt hier Leute, die würden für einen tarifgebundenen Vertrag vor Dankbarkeit auf die Knie sinken, dann auch noch Metall...Nee, ich weiß auch nicht.
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14.12.2013, 17:00
AW: Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Ich habe von Arbeitsverträgen wirklich keine Ahnung. Den ersten Vertrag unterschrieb ich vor rd 21 Jahren ohne mal vorher groß hineingesehen zu haben. Damals war ich zu euphorisch, um mir Gedanken zu machen. Und der zweite war der oben erwähnte aus dem Schreibwarenladen.
Momentan bin ich sauer und suhle mich in meinem Unglück. Hätte ich nichts von der ungleichen Bezahlung gewußt, hätte ich auch meinen Fehler besser ausgehalten und einfach unterschrieben.
Ich versuche mich jetzt einfach mal zu entspannen und werde am Montag mit dem verantwortlichen Abteilungsleiter die Punkte durchgehen, die mir nicht klar sind. Vielleicht läßt sich die Probezeit ja streichen oder reduzieren.
Ein Einsatz an anderen Standorten wurde nicht besprochen. Ich denke aber, wenn das explizit im Vertrag steht, kann ich das nach Unterschrift nicht ablehnen, sollte es zu einer Versetzung kommen.
Den Tarifvertrag habe ich eben auch angesehen. Das ist eindeutig ein Pluspunkt bei der Geschichte.
Über das "Bleibenlassen" denke ich nach. Nachverhandeln wäre aber die erste Option.Sei realistisch: Plane für ein Wunder.
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14.12.2013, 17:14
AW: Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Also bisher hast du den Vertrag noch nicht unterschrieben.
Und sie wollen dich für diese Stelle haben.
Ergo würde ich nach verhandeln, wie das im konkreten Fall aussehen kann, kannst nur du wissen.
Hast du den Betrag mündlich genannt oder schriflich ?
Ich würde darauf hinweisen, dass du dich geirrt hast. Kommt zwar ggfl. komisch an, aber probieren würde ich es auf jeden Fall.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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14.12.2013, 17:34
AW: Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Ich habe die Zahl mündlich genannt. Mir ist das alles so peinlich, aber ich muss da wohl durch.
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14.12.2013, 21:20Inaktiver User
AW: Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Ich weiß jetzt nicht, um welche Gehaltsklasse es so ungefähr geht, aber wegen 1.000 Euro im Jahr würde ich jetzt auch kein Fass aufmachen.
Viel wichtiger wäre mir, das Gesamtpaket noch einmal anzuschauen, und da kann keiner erwarten, dass Du das in einem 10-minütigen Gespräch durchblickst.
Du solltest Dich fragen, was Deine Vorteile an der neuen Stelle sind. Wenn ich Dich richtig verstehe, verdienst Du künftig weniger als bisher und musst noch einmal eine Probezeit durchlaufen?
Oder verdienst Du zumindest beim Fixum weniger und der Rest ist erfolgsabhängig (was bisher nicht so war)? Da fände ich nichts dabei, dies noch einmal zur Sprache zu bringen. Evtl. kannst Du ja bei der Aufteilung Festgehalt / Prämie etwas verschieben, so dass DU ein bißchen sicherer bist. Immerhin ist das Festgehalt ja auch die relevante Größe, wenn es ggfs. mal um Arbeitslosengeld o.ä. geht, evtl. auch bei betrieblicher Altersvorsorge etc. (wenn ich richtig informiert bin - bitte korrigiert mich, wenn nicht).
Ich würde auf jeden Fall versuchen, die Probezeit zu umgehen, denn das ist ein echtes Risiko für Dich, das viel schwerer wiegt als 1000 Euro mehr oder weniger. Wenn Du das nachbehandeln könntest, würdest Du Dich auch auf jeden Fall besser stellen als Dein Kollege, falls Dir das wichtig ist. Immerhin kennt man Dich ja schon eine Weile. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, die Probezeit zwar zu vereinbaren, aber eine Beendigung nicht ohne Angabe von Gründen zuzulassen, sondern nur aus wichtigem Grund oder so. Das müsste aber ein Jurist wissen.
Vielleicht kannst Du auch noch bei freiwilligen Leistungen etwas rausholen, das ungefähr den Wert von den 1000 Euro hat, zum Beispiel ein Fahrtkostenzuschuss, Zuschuss zur Altersvorsorge etc.
Zum Thema "Versetzung etc" muss ich leider sagen, dass ich so etwas auch schon mal unterschrieben habe, als ich noch jünger und naiver war;-), weil man mir auch versicherte, das sei eine Standardformulierung, die nie in Kraft treten würde, aber dann kann man's auch streichen. Darauf würde ich mich heute nicht mehr einlassen, zumindest nicht, wenn es um einen Ortswechsel geht.
Viel Glück am Montag!
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14.12.2013, 21:57
AW: Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Ich habe nochmal alles durchgerechnet und stellte dabei fest, dass die 1000 Eur tatsächlich nur rd 50 Eur Netto ausmachen.
Diese Probezeit finde ich vollkommen daneben, da man mich ja kennt und einige Personen im Leitungskreis mich unbedingt weiterbeschäftigen wollen. Ich erinnere mich dunkel an eine Formulierung bei dem Kurzgespräch, dass man sich ja kenne und deshalb zu besseren Konditionen einstellen würde.
Wäre man ganz böse, könnte man die Probezeit als billige Alternative zur temporären Weiterbeschäftigung als Externe sehen. Eventuell in der Zeit mir den einen oder anderen Inder neben den Schreibtisch setzen und nach einer gewissen Zeit auf mich verzichten wollen... Ich schreibe das aus Erfahrung. Es werden gerade alle mögliche Tätigkeiten in Länder wie Indien oder Rumänien ausgelagert.
Ich hatte bisher keinen erfolgsabhängigen Anteil in meinem Gehalt.Oder verdienst Du zumindest beim Fixum weniger und der Rest ist erfolgsabhängig (was bisher nicht so war)? Da fände ich nichts dabei, dies noch einmal zur Sprache zu bringen. Evtl. kannst Du ja bei der Aufteilung Festgehalt / Prämie etwas verschieben, so dass DU ein bißchen sicherer bist. Immerhin ist das Festgehalt ja auch die relevante Größe, wenn es ggfs. mal um Arbeitslosengeld o.ä. geht, evtl. auch bei betrieblicher Altersvorsorge etc. (wenn ich richtig informiert bin - bitte korrigiert mich, wenn nicht).
Festgehalt / Prämie läßt sich nur in gewissen Prozentsätzen festlegen. Geht bei 8% los.
Was ich nicht weiß, weil das nicht angesprochen wurde ist, ob nur das Fixum zur Berechnung des Arbeitslosengeldes genommen wird. In dem Fall gäbe es für mich keine weiteren Überlegungen.
Betriebliche Altersvorsorge? Davon steht nichts im Vertrag, wurde auch nicht angesprochen.
Probezeit nochmal.
Für meinen Kollegen ist das kein Problem. Er ist Freiberufler und hatte immer ein hohes Risiko. Ich habe das schon mit ihm diskutiert. Er will sich auch um ein Streichen der Probezeit bemühen.
kein Wort von freiwilligen Leistungen im ganzen Vertrag - nix! Schulungen wären nicht schlecht. Darum muss man wohl auch kämpfen.Vielleicht kannst Du auch noch bei freiwilligen Leistungen etwas rausholen, das ungefähr den Wert von den 1000 Euro hat, zum Beispiel ein Fahrtkostenzuschuss, Zuschuss zur Altersvorsorge etc.
Es geht im Vertrag eigentlich nur um die Arbeitszeit, die Beendigung des Arbeitsverhältnisses, Freistellung (das erleben gerade mehrere Kollegen), meine Verpflichtungen, Bezüge, Probezeitregelung, Versetzungsmöglichkeiten. In den Anlagen auch nur meine Pflichten.
Im Vergleich dazu steht im alten Vertrag eher nichts.Geändert von Annthippa (17.12.2013 um 17:57 Uhr)
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14.12.2013, 23:18Inaktiver User
AW: Arbeitsvertrag verbockt - kann man nachverhandeln
Wie ist denn die Situation bei Deinem eigentlichen Arbeitgeber? Sieht es so aus, als könntest Du von denen nicht mehr vermittelt werden, wenn dieser Auftrag ausläuft? Geht's der Firma nicht gut? Oder warum überlegst Du überhaupt zu wechseln? Wenn alles schlechter bzw. unsicherer ist, gibt es dafür ja keinen Grund. 17 Jahre Betriebszugehörigkeit sind schon ordentlich, zum Beispiel wenn es mal um eine Abfindung gehen sollte. Außerdem gelten in diesem Fall für Deinen Arbeitgeber ja längere Kündigungsfristen als im Vertrag vereinbart (für Dich meines Wissens nicht).
Ich würde auch nochmal prüfen, wie lange der aktuelle Tarifvertrag läuft und wann ggfs. mit der nächsten Anpassung zu rechnen ist. Wenn das noch lange dauert, kannst Du ja auch damit argumentieren, dass Du das jetzt erst recherchiert hast, dass das Gehalt nun noch soundso lang festgeschrieben ist und Du deshalb gerne von Anfang an mehr hättest.
Aber der Knackpunkt ist für mich echt die Probezeit - wie Du schon schreibst, da braucht man gar nicht so viel böse Phantasien, um auf den Trichter zu kommen, dass man Dich vielleicht nur für sechs Monate noch günstig beschäftigen will und Dich dann an die Luft setzt (auch wenn man sich soviel Boshaftigkeit kaum ausmalen will, aber in Konzernen gibt es ja oft plötzlich Sparpläne / Personalwechsel etc, wo das Einzelschicksal dann nicht mehr viel zählt.
Also - das würde ich mir alles noch einmal sehr gut überlegen... und evtl. auch einen Anwalt befragen. Evtl. ist ein Ausschluss der Probezeit auch gar nicht zulässig oder nur unter bestimmten Bedingungen. Ich denke, die 200 Euro für so eine Beratung sind gut investiert.


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