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    Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Hallo in die Runde,

    ich hatte letzte Woche ein Vorstellungsgespräch und habe seitdem ständig darüber nachgedacht und mich gefragt, was ich tun soll, falls sich das Unternehmen wie vereinbart diese Woche meldet und mir Bescheid gibt, ob ich den Job habe oder nicht.

    Der Job, um den ich mich beworben habe, wäre von den Aufgaben her sehr interessant und für mich eine Weiterentwicklung. Er kann mir in Zukunft als Sprungbrett dienen, wenn ich mich wieder bewerbe, auch weil es sich um ein international bekanntes Unternehmen handelt.

    Allerdings gibt es einige Dinge, die man auf einschlägigen Ratgeberseiten im Netz zum Thema "Verhalten der Unternehmensvertreter im Vorstellungsgespräch" lesen kann, und anhand derer man im Nachhinein das Gespräch für sich rekapituliert. Konkret sind mir bei meinem Gespräch folgende Dinge etwas komisch vorgekommen:

    1. Zwischen Eingang der Bewerbung und der Einladung zum Vorstellungsgespräch lagen vier Tage. Die Stelle war bereits seit zwei Monaten ausgeschrieben. Hatte man keine anderen Bewerber?

    2. Das Gespräch fand wiederum vier Tage später statt. Es nahmen meine künftige Chefin sowie die Mitarbeiterin der Personalabteilung, an die ich meine Bewerbung gerichtet hatte, daran teil. Die Mitarbeiterin aus der Perso war sehr professionell, genau wie man sich das vorstellt. Dabei aber freundlich, offen und nicht auf einen Fehltritt meinerseits aus. Soweit ich das auch im Nachhinein noch einschätze, war ihr Verhalten insgesamt sehr korrekt.

    3. Aber: Man bot mir nichts zu trinken an, den Platz am Tisch, der groß genug für sechs Personen war, musste ich mir selbst aussuchen. Kein "Bitte setzen Sie sich".

    4. Zu meiner potenziellen Chefin: Ich hatte mich gekleidet, wie es sich gehört für jemanden in einem Vorstellungsgespräch für einen gut dotierten Job, der Hochschulstudium und mehrere Jahre Berufserfahrung im internationalen Umfeld voraussetzt. Hosenanzug im Tweed-Muster, dezent geschminkt. Sie dagegen trug ein Kleid, dessen Herkunft ich irgendwo zwischen H & M und Kik einordne, war blaß wie die Wand, nicht geschminkt, fast ungekämmt und machte auf mich den Eindruck, dass sie total gestresst, fix und fertig und überhaupt nicht bei der Sache bzw. am Gespräch interessiert ist. Sie antwortete zwar auf meine Fragen, sagte darüber hinaus aber fast kaum was. Ich musste das Gespräch durch meine Fragen am Laufen halten. Zum Glück hatte ich viele vorbereitet. Ab und zu versuchte die Personalerin, etwas beizusteuern, aber auch auf ihre Intervention war wenig aus der potenziellen Chefin heraus zu bekommen.

    5. Meine Fragen zu den Inhalten meiner neuen Tätigkeit schienen meiner potenziellen Chefin irgendwie nicht so gut zu gefallen. Sie antwortete recht einsilbig darauf und mit einem wenig motiviert klingenden Tonfall. Die Stelle werde "neu geschaffen", ich wäre "komplett frei" in meiner Art, die Stelle auszufüllen.

    6. Nach ungefähr 60-70 min. waren wir durch. Ich konnte alle Fragen gut beantworten, habe wie gesagt selbst viele Fragen gestellt und auch mein Englisch ging als sehr gut durch. Und was ich auch bemerkenswert fand: Man stellte mir keine fiesen Fangfragen oder fragte mich klassisch nach meinen Stärken und Schwächen. Nur, warum ich gerne den Job hätte. Außerdem hatte ich in meinen Unterlagen nichts zu SAP gesagt. Gute Kenntnisse mit SAP waren Voraussetzung. Die habe ich aber nicht. Das wurde seitens meiner beiden Gesprächspartnerinnen gar nicht thematisiert.

    7. Die Personalerin sagte, dass meine potenzielle Chefin dringend jemanden bräuchte, da sie im Moment den Job für zwei macht und ich einen Teil ihrer Aufgaben übernehmen würde. Genau so sah sie auch aus, völlig überarbeitet, fast krank. Kann das wirklich der Grund sein? Warum aber dann das von mir wahrgenommene Desinteresse an meiner Person und eine fast schon Unlust, etwas über ihren Job zu erzählen?

    Ich frage mich jetzt: Was sagt mir die Haltung der potenziellen Chefin? War ihr alles egal? Ist die Stelle längst besetzt? Oder hat man keine anderen Kandidaten und nimmt den erst besten (das mit den anderen Kandidaten kann ja durchaus auch vorgeschoben sein, wenn man sonst keine anderen Bewerber hat - weil genau das vielleicht peinlich ist)? Oder hatte sie so viel im die Ohren, dass sie eigentlich keine Zeit für das Gespräch hatte?

    Fragen über Fragen. Ich weiß einfach nicht, ob ich den Job annehmen soll, wenn die sich melden und ich die Stelle haben kann. Ich muss mich diese Woche entscheiden. Vielleicht noch was zu meinen Beweggründen für die Bewerbung:

    Ich will meinen Job wechseln, weil ich in meinem alten Job Däumchen drehe ohne Aussicht, neue Aufgaben zu übernehmen. Meine jetzige Chefin ist fachlich und sozial eine Katastrophe. Vielleicht wird sie zum Jahresende entlassen, vielleicht auch nicht. Darauf möchte ich nicht zählen. Ich arbeite seit 6 Jahren in meiner Firma und muss jetzt mal wechseln. Wenn das in unserer Abteilung noch ein Jahr so weiter geht (schwindende Aufträge) werden wir dicht gemacht.

    Für den neuen Job spricht, dass es spannende Aufgaben sind (zumindest stelle ich mir das so vor), meine leicht erhöhte Gehaltsvorstellung ohne Diskussion angenommen wurde, ich einen unbefristeten Vertrag auf Basis eines Tarifvertrags bekomme und bei einem namhaften Markenhersteller arbeite (der sich momentan aber in einer schwierigen Marktposition befindet und teilweise an einen Investor verkauft wurde, muss ich auch bedenken!). Aber gerade der Name des Unternehmens kann später trotzdem ein Sprungbrett sein. Ich würde außerdem auf "Auftraggeberseite" wechseln. Bisher arbeite ich bei einem Dienstleister. Ich wäre in meiner alten Heimat bei meiner Family und meinem Partner. Auf einen anderen Job warten? Dort, in dieser eher ländlichen Gegend, nochmal so ein Jobangebot zu finden, wird sehr schwierig...

    Sorry für den langen Text! Letztendlich steht am Schluss die Frage, die mich seit Tagen umtreibt: Was würdet ihr tun?

    Vielen Dank für eure hilfreichen (!) Antworten! :-)

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    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Ich frage mich jetzt: Was sagt mir die Haltung der potenziellen Chefin? War ihr alles egal? Ist die Stelle längst besetzt? Oder hat man keine anderen Kandidaten und nimmt den erst besten (das mit den anderen Kandidaten kann ja durchaus auch vorgeschoben sein, wenn man sonst keine anderen Bewerber hat - weil genau das vielleicht peinlich ist)? Oder hatte sie so viel im die Ohren, dass sie eigentlich keine Zeit für das Gespräch hatte?
    Wer weiß, wieviele Gespräche sie schon geführt hat, aber sie darf eh nicht entscheiden. Das machen andere. Dabei sitzen und wissen, das man ihren Wunschkandidaten sowieso nicht nimmt. Weshalb sollte sie mehr Engagement in ein Gespräch einfließen lassen.

    Ich würde abwarten, bis die Personalabteilung Dir Nachricht gibt.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Naja, sie ist die Leiterin des gesamten Bereichs. Ich wäre ihr unterstellt. Sie hätte zumindest ein Mitspracherecht, wenn es um die Wahl des geeigneten Kandidaten geht. Außerdem sitzt sie im Aufsichtsrat des Unternehmens...

    Abgesehen davon möchte ich für mich vorher einen Entschluss fassen, bevor die Personalerin anruft. Ich habe dann unter Umständen nur noch einen Tag Zeit für meine Kündigung beim jetzigen Arbeitgeber, da ich eine Kündigungsfrist einhalten muss. Daher möchte ich mir meine Entscheidung im Vorfeld gut überlegt haben.
    Geändert von Ginger74 (08.11.2011 um 16:51 Uhr)

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    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    [QUOTE Ginger74] Aber: Man bot mir nichts zu trinken an, den Platz am Tisch, der groß genug für sechs Personen war, musste ich mir selbst aussuchen. Kein "Bitte setzen Sie sich".
    [/QUOTE]
    Ich habe in der letzten Zeit einige Vorstellungsgespräche gehabt - auch bei größeren Unternehmen- und kann nur sagen, dass mir meistens nicht gesagt wurde "Bitte setzen Sie sich", auch wenn es sich um einen größeren Tisch gehandelt hat. Ich habe meistens von mir aus die Initiative ergriffen und gefragt, wo ich mich hinsetzen darf. Daraus würde ich noch nichts ableiten, oft geht es halt nicht so super formell zu.
    Dass Dir nichts zu trinken angeboten wurde, finde ich dagegen schon eher unhöflich. Mir ist das bisher zweimal passiert -einmal wurde das Gespräch vom Chef eines Forschungsinstituts geführt, der - so mein Eindruck in Personalgesprächen wohl noch nicht so routiniert war und wohl einfach nicht dran gedacht hatte etwas vorzubereiten, beim zweiten Mal mussten wir kurzfristig auf einen anderen Raum ausweichen und auch dort waren keine Getränke vorbereitet wofür sich aber alle entschuldigt haben.

    Ich würde mich auch ein bisschen auf mein Bauchgefühl verlassen - wenn Du das Gefühl hast, Du kannst mit Deiner zukünftigen Chefin einfach nicht und die Chemie stimmt einfach nicht (aus dem was Du wegen der Kleidung schreibst, klingt das so ein bisschen heraus), dann schaue Dich nach Alternativen um. Markenhersteller hin oder her, wenn Du Dich dort schon jetzt nicht wohlfühlst hat es meiner Meinung nach keinen Sinn.
    Oder aber Du kannst Dich damit anfreunden, dass die Dame vlt. wirklich einfach einen total schlechten Tag hatte, vlt. auch noch private Sorgen gerade und es nur besser werden kann.
    Du kannst ja -wenn es dann doch kurzfristig ist mit dem Stellenwechsel werden sollte -mit Deinem jetztigen Arbeitgeber vlt. auch mal über einen Aufhebungsvertrag sprechen um von der Kündigungsfrist unabhängig zu werden.

    Viele Grüße Ninette

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    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Hallo!

    Die Äußerlichkeiten (Getränk, Platzwahl) finde ich zwar unangenehm, aber nicht weiter tragisch. Damit kann man leben. Schwieriger finde ich die beschriebene Gesprächssituation.

    Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass das für mich nach internen Konflikten aussieht. Vor allem die Kombination "überarbeitete Führungskraft - Entlastung - SAP-Kenntnisse als Bedingung" und dann im Gespräch an dieser Stelle nicht nachzufragen, das finde ich sehr merkwürdig.

    Ich würde gerne noch mal etwas darüber lesen, wie denn die inhaltlichen Anteile im Gespräch verteilt waren. Was kam von der Personaldame, was von der Vorgesetzten? Wie waren diese Anteile im Gespräch verteilt? Und gab es Hinweise, wie das Verhältnis zwischen den beiden Damen ist?

    Sabine Kanzler
    "So ist es besser, Genossenes zu bereuen als zu bereuen, dass man nicht genossen habe." (Casanova)

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    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Zitat Zitat von Ginger74 Beitrag anzeigen
    Was würdet ihr tun?
    Wechseln.

    Die Umfeld-Geschichte klingt gut. Also Deine privaten Gründe.

    Das andere würde ich als Herausforderung betrachten.

    Zum Beispiel das Getränke-Ding: Die Leute trinken ja sowieso nichts.
    Wir stellen da immer was hin, aber da in fast jedem Bewerbungstrainings-Ratgeber steht, dass man Gläser und Tassen nicht anfassen soll, weil man - wenn man etwas aufgeregt ist und zittert - die evtl. nur umstößt, ist das Hingestellte eh nur Deko... Kann man also auch lassen.
    Frauen sind nicht kompliziert. Sie wollen einfach nur geliebt werden.
    Und tolle Überraschungen. Und Schuhe. Und Schmuck.
    Und andere Dinge, die man erraten muss.

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    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Ginger,

    du hast zwar die Hauptargumente "fast" unter den Tisch fallen lassen...., aber dann am Ende doch genannt.

    Wenn du seit einiger Zeit in deiner Heimat nach Stellen suchst, und mit deinem Partner zusammensein möchtest, dann würde ich wechseln. Zumal dein bisheriger Arbeitgeber weder eine nette Chefin noch rosige Zukunftsaussichten zu bieten hat.

    Ich denke, dass deine neue Chefin eben total überarbeitet ist, und SAP-Kenntnisse, die kann man sich ja erarbeiten.

    Und falls sich die Stelle als ungeeignet herausstellen sollte, kannst du ja - aus gesicherter Position heraus - immer noch was neues suchen.

    Chennai

  8. Inaktiver User

    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Zitat Zitat von Ginger74 Beitrag anzeigen
    1. Zwischen Eingang der Bewerbung und der Einladung zum Vorstellungsgespräch lagen vier Tage. Die Stelle war bereits seit zwei Monaten ausgeschrieben. Hatte man keine anderen Bewerber?
    Nach meiner Erfahrung heißt das, daß man Dich für die Super-Duper-Kandidatin hält.
    Dann gehts oft ganz fix, auch bei trägen Großunternehmen.

    Zur möglichen Chefin: Sie scheint nicht so die dynamische Führungskraft zu sein ?!
    Vermutlich hat sie auch keine Personalverantwortung bisher ?

    Da mußt Du für Dich entscheiden, ob Du mit ihr klarkommen könntest.

    Wenn Du Dein eigenes Aufgabengebiet hast und darin selbstständig arbeitest, sollte das eigentlich gehen.

    Ich saß auch mal so nem Mäuschen gegenüber und habe mir diese Frage gestellt .... Aber da wäre das der Fall gewesen, zudem fieldbased, also hätte ich den genommen, wenn sie mich gewollt hätten.

    Summasumarum würde ich nach Deiner Beschreibung sagen: Nimm' den Job, wenn sie ihn Dir anbieten.

  9. Inaktiver User

    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Den BRÜLLER habe ich bei einem führenden Unternehmen meiner Branche für einen ziemlich hohen Führungsjob (als Abteilungsleiterin, 20 akademische Untergebene) erlebt:

    Meine potentielle Chefin kam mit 2 Bechern Kaffee rein .... Und die waren BEIDE für sie, hat sie während des Gesprächs hintereinander weg geschlürft.

    Manchmal wundert man sich wirklich über die "Professionalität", die manche Leute an den Tag legen.

  10. Moderation

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    AW: Unschlüssig, was ich von diesem Vorstellungsgespräch halten soll bzw. was tun?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Manchmal wundert man sich wirklich über die "Professionalität", die manche Leute an den Tag legen.
    Klingt eher nach "Professoralität". Wie in, "Rest der Welt existiert, falls überhaupt, unterhalb meines Horizontes".

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