Liebe Bricom,
nach circa einjähriger Arbeitstätigkeit begebe ich mich nun wieder auf Arbeitssuche. Zum Glück nicht, weil ich muss, sondern, weil ich will... zum einen beruflich etwas weiter kommen, aber vor allem in die Stadt meines Freundes ziehen.
Allerdings sieht mein Lebenslauf schon am Anfang meiner Karriere aus wie ein Flickenteppich und ich weiß – trotz Bewerbungsratgeber, Internetrecherche usw. – nicht, wie ich mich trotzdem so gut rüberbringen kann, damit ich mit meinen Bewerbungen erfolgreich bin. Ich mag dieses Selbstmarketing ohnehin nicht und würde am liebsten einfach die ungeschminkte Wahrheit schreiben, aber die wollen Personaler wohl am wenigsten hören, oder?
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir mit eurer Lebens- und Bewerbungserfahrung vielleicht ein paar gute Tipps geben könntet.
Für einen besseren Einblick hier ein grober Abriss meines Lebenslaufs seit dem Uniabschluss:
Als mich meine Professorin nach dem Abschluss fragte, ob ich nicht promovieren möchte, habe ich freudig zugesagt, weil ich mich geschmeichelt fühlte, dass sie mir das zutraute, und mir ohnehin seit dem Hauptstudium eine wissenschaftliche Karriere vorschwebte. Finanziell über Wasser gehalten habe ich mich zunächst mit einem Anschubstipendium und diversen Hiwi-Anstellungen. Für die Zukunft wurde mir eine projektbezogene Stelle am Lehrstuhl versprochen. Mit dem Projekt ging es aber nie so richtig vorwärts. Auch menschlich entwickelte sich am Lehrstuhl einiges zum Negativen und mit meiner Promotion kam ich auch nicht so zurecht, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Also habe ich mich nach einem guten Jahr entschlossen, das Unternehmen Promotion aufzugeben und mir einen „Brotjob“ zu suchen. Da ich aber nicht so richtig wusste, wohin ich beruflich nun wollte (eigentlich wollte ich vordringlich einfach Geld verdienen), habe ich mich relativ wahllos beworben und so dauerte es ein halbes Jahr, bis ich endlich eine Stelle fand. Diese habe ich bis heute. Drei Monate bevor ich diese Vollzeitstelle bekommen habe, habe ich noch für ein anderes Unternehmen auf 400-Euro-Basis gearbeitet, weil mir das lieber war, als gar nichts zu tun.
Die Probleme, die ich vor allem sehe, sind eben der Abbruch der Promotion („kann ein Vorhaben nicht durchziehen“) und dass ich für so kurze Zeit den 400-Euro-Job gemacht habe. Was meint ihr, wie sollte ich das am besten im Lebenslauf formulieren?
Ich bedanke mich bei allen, die sich das alles bis hierhin überhaupt durchgelesen haben und bin für Ratschläge wirklich sehr dankbar.
Antworten
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30.01.2011, 21:15
Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
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31.01.2011, 09:04
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Hallo Myrina,
na da hast du ja einiges hinter dir. Ärgerlich, so ein Abbruch, und das muss wirklich gut begründet werden. Oder umformuliert oder ähnlich.
Ich würde dir empfehlen, einen Coach zu Rate zu ziehen. Erstens optimiert er deine Papiere, und zweitens scheint mir sowieso ein gründliches "was will ich und wie komme ich da hin?"-Coaching angeraten. Das Geld ist gut angelegt, denn es geht um deine komplette berufliche Zukunft.
Wo man einen Coach findet in deiner Nähe, kann ich jetzt auch nicht sagen, aber z.B. Frauennetzwerke (EWMD oder sonstwas) können dir sicherlich weiterhelfen. Und frag deine Suchmaschine. Vielleicht kann auch ein Verband deiner Fachrichtung sagen, wie man einen Coach finden kann.
My 2 cents.
LG
KarlaThe original Karla
est. 2006











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31.01.2011, 09:14Inaktiver User
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Was hast du denn studiert? Wozu wolltest du promovieren? In welcher Branche war der 400 € Job und womit hast du das vergangene Jahr dein Geld verdient. In welcher Branche für welchen Job willst du dich bewerben? Und - wie alt bis du?
Man kann zu allem eine Story finden, aber mit den Informationen, die du hier geschrieben hast, lieferst du nur die Argumente, warum du nicht durchhältst, warum man dich besser nicht einstellen sollte (falls ein besserer Kandidat da sein sollte).
Wenn du das hier nicht beantworten kannst oder willst, solltest du dir in der Tat jemanden im realen Leben suchen. Wie gesagt - begründen kann man alles und auch die bösen Personaler haben ein Herz für junge Menschen, die erstmal ausprobieren und nicht nur geradeaus durchs Leben marschieren.
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31.01.2011, 10:37Inaktiver User
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Die abgebrochene Promotion würde ich nicht als solche kennzeichnen, sondern als 1 Jahr "Wissenschaftliche Hilfskrafttätigkeit" o.Ä.
Abbruch innerhalb eines Jahres finde ich übrigens ok.
Problematischer finde ich, wenn jemand das durchzieht, aber dann nicht auf die Reihe kriegt, die Diss zusammen zu schreiben.
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31.01.2011, 22:55
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Vielen Dank für eure Antworten und verzeiht, dass ich erst jetzt darauf reagiere: Ich musste heute nach der Arbeit zunächst einmal meine frischgeborene Nichte in Augenschein nehmen.

Diese Möglichkeit hatte ich zumindest auch schon im Hinterkopf. Vielleicht sollte ich das wirklich machen, denn gerade mit dem Thema "Was will ich eigentlich?" triffst du einen wunden Punkt. Ich habe mich fast mein ganzes Studium lang als die Forscherin gesehen, die im Bestfall mal Professorin wird. Mein Studienfach war meine große Leidenschaft und ich habe seit dem Hauptstudium immer am Lehrstuhl gearbeitet und war da voll integriert. Aber die Blase ist leider geplatzt und nun frage ich mich schon, welche Arbeit sonst das Richtige für mich sein könnte.
Zum Coach trotzdem noch eine Frage: Gibt es einen Anhaltspunkt, woran ich einen seriösen und guten Berater erkennen kann? Soviel ich weiß, ist das ja keine geschützte Bezeichnung und im Prinzip kann sich jeder "Coach" nennen, oder?
Ich gebe natürlich gerne noch nähere Informationen, ich wollte nur nicht gleich mein Eingangspost überfrachten. Also, ich habe Germanistik studiert. Die Frage nach der Promotion habe ich, glaube ich, im oberen Absatz schon beantwortet... eine wissenschaftliche Karriere schien mir einfach das Ideale für mich zu sein. Bei dem 400-Euro-Job hatte ich eine redaktionelle Tätigkeit, das heißt, ich habe hauptsächlich Informationen recherchiert und Texte verfasst. Gelandet bin ich letztendlich im Bildungssektor und organisiere nun vorwiegend Weiterbildungskurse. Eine meiner Überlegungen fürs Bewerben war, in diesem Bereich zu bleiben, aber eine Stelle mit mehr Verantwortung zu suchen, da ich die Arbeit an sich ganz interessant finde, mich in der momentanen Position aber nicht sehr gefordert fühle. Ein anderer Punkt wäre, wieder einen Weg in den Bereich Kulturmanagement zu finden. Dort habe ich schon Praktika gemacht und es würde mehr meinen persönlichen Interessen und meinem Studium entsprechen. Zu guter Letzt: Ich bin mittlerweile 28 Jahre alt.
Ich hoffe, dass sind nicht noch mehr Dinge, die nur gegen mich sprechen.
Vielen Dank für den Hinweis. So kann ich das vielleicht zumindest vorläufig formulieren, ich hatte ja tatsächlich eine Anstellung am Lehrstuhl. Es bleibt allerdings immer noch die Lücke von mehreren Monaten, in denen ich arbeitslos war.
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31.01.2011, 23:29Inaktiver User
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Also - ehrlich gesagt - ich finde die Story dahinter relativ einfach. Für mich liest sich das, wie eine Wechselspiel von Geben und Nehmen:
Informationen erfassen/nehmen und als Bildung weitergeben, Sprache erfassen/nehmen und in Texten weitergeben, aufgestellt auf der Basis eigenes Lernen (Studium) = Nehmen, Forschen und Lehren (wissenschaftliche Hikfskraft) = Schnittstelle Geben-Nehmen, Weitergeben und veröffentlichen = Geben.
Aus meiner Sicht kannst du etwas deutlicher gut darstellen, dass sich dieses Wechselspiel als roter Faden durch deine universitäre und berufliche Bahn gezogen hat. Ich bin sicher, dass die Lücke von 4 Monaten sich gut durch ähnliche Argumentation einbauen läßt.
Ich denke, dass du so oder ähnlich deine Kontinuität und Zielstrebigekeit verargumentieren kannst.
Meine Erfahrung: die meisten Leben sind nur auf den ersten Blick "chaotisch", auf den 2. Blick zeigt sich oft der rote Faden und die Begründung, warum eines auf dem anderen aufbaut.
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01.02.2011, 12:03
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Hallo "Tante"
Myrina,
so abstrakt kann ich das jetzt auch nicht definieren. Wenn du einen hast oder mehrere dann kann man nochmals konkret schauen, gerne auch per PN.
"Arbeitslos" ist man nie
. Man bildet sich immer fort. Sei es im Inland oder im Ausland oder bei Privatforschungen. 
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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01.02.2011, 12:35
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Je nach Arbeitgeber kann man die abgebrochene Promotion sicher auch so darstellen, dass du irgendwann gemerkt hast, dass du nicht weiter an der Uni theoretisieren willst, sondern endlich im richtigen Leben arbeiten.
Im Lebenslauf würde ich allerdings auch den Promotionsversuch weglassen und die Lehrstuhlarbeit angeben.
Liebe Grüße
prometheaFreiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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Moderation: "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"
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01.02.2011, 20:03
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Wow, das ist wirklich mal eine ganz andere Sichtweise, so habe ich das noch nie betrachtet. Vielen Dank! Oft sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht - nicht zuletzt aufgrund mangelnden Selbstbewusstseins. Aber das ist eine sehr gute Anregung, die ich mal noch weiterdenken werde.
Danke, auf das Angebot würde ich gerne zurückkommen, sobald ich etwas aufgetan habe.
Ok, kapiert. Schreibe ich dann in meinen Lebenslauf "4 Monate Weiterbildung im Kunstbügeln"?
Vielen Dank für den Hinweis. Also die Promotion habe ich jetzt schonmal komplett aus meinem Lebenslauf getilgt und erwähne nur noch meine Hiwi-Tätigkeit. Sollte ich in einem Vorstellungsgespräch darauf angesprochen werden, habe ich auf jeden Fall deine Argumentation im Hinterkopf.
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01.02.2011, 20:44
AW: Wie verkaufe ich meine Lücke im Lebenslauf?
Hallo Myrina,
ich finde die abgebrochene Promotion auch nicht tragisch würde sie aber auch eher weglassen im Lebenslauf.
Unter einem Flickenteppich hatte ich mir doch was ganz anderes vorgestellt. Für mich liest sich Dein Lebenslauf noch einigermaßen stringent. Und es ist nun keine Seltenheit, dass der Einstieg ins Berufsleben nicht ganz nahtlos und ohne Umweg klappt. Dass sich die erste Stelle nach dem Studium als Fehlgriff entpuppt oder man erst mal einen reinen Broterwerbsjob annimmt, wird einem in aller Regel problemlos nachgesehen. Und Du willst Dich ja nun in dem Bereich weiterentwickeln, in dem Du jetzt auch arbeitest. Da seh ich keine großen Probleme.
Man muss auch nicht jedem 400-Euro-Job noch wertvolle Berufserfahrung entringen, zumal wenn man schon länger eine gut qualifizierte Stelle hat. Ich finde, man muss die Suche nach dem roten Faden auch nicht übertreiben, das wirkt schnell krampfig.
Einen Coach würde ich nur zu Rate ziehen, wenn Du merkst, dass Deine Bewerbungen gar nicht von Erfolg gekrönt sind. So problematisch finde ich Deinen Werdegang jetzt nicht, dass ich das für nötig hielte.
Viel Erfolg,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)


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