Hallo liebe Mitglieder,
ich habe eine dringende Formulierungsfrage für eine Bewerbung:
Also vor 1,5 Jahren habe ich nach dem Studium eine Stelle bekommen, die nach einem 3/4 Jahr ausgelaufen ist.
Danach habe ich eine neue Stelle angenommen, in der ich jetzt 8 Monate beschäftigt bin. Was damals im Gespräch gesagt wurde hat sich bisher nicht bewahrheitet. Die Abteilung wurde neu gegründet, der eingestellte Chef ist jedoch vom Vertrag zurückgetreten. Seit dem haben wir also keinen Chef und auch keine Arbeit und das wird auch vorerst so bleiben, da sich keiner kümmert. Ich habe den ganzen Tag über keine Arbeit trotz mehrmaligem Nachfragen beim Vorstand & Kollegen. Die Arbeit hält nichts von dem was versprochen wurde, ich lerne nichts und es ist auch keine Besserung in Sicht. Zudem werden Besprechungstermine vom Geschäftsführer ständig verschoben und auch meine Kollegen sind unzufrieden. Mittlerweile weiß ich nicht mal mehr, wie man richtig arbeitet...
Jetzt habe ich eine neue interessante Stelle gefunden, bei der ich mich bewerben möchte. Ich weiß nun nicht, was ich als Begründung für den Jobwechsel schreiben soll. Ich dachte an sowas wie: "Ich sehe keine Entwicklungsmöglichkeiten..." etc. Aber das klingt so auswendig gelernt oder wie aus einem Ratgeber. Kann man denn schreiben, dass der derzeitige Arbeitgeber nicht zu einem passt? Oder das ganze lieber erst im Gespräch sagen (falls es klappt)?
Vielen Dank für Eure Hilfe!![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 21
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04.03.2009, 14:22
Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
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04.03.2009, 14:53
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
Hallo bionade,
ganz ehrlich gesagt, ich würde nicht wechseln! Du hast dann zwei sehr kurze Beschäftigungsverhältnisse im Lebenslauf, was heißt, dass Du bei der nächsten Stelle unbedingt länger bleiben solltest, weil sonst der Job-Hopper-Verdacht entsteht. Und wer gibt Dir die Garantie, dass Dir bei der nächsten Stellen nicht etwas Ähnliches passiert.
Ich habe in den achten Jahren, die ich jetzt auf meiner Stelle bin, auch so manches mitgemacht, u.a. auch eine lange Phase des mehr oder weniger Nichtstuns. Ich hab mich damals auch - allerdings vergeblich - wegbeworben. Heute bin ich froh, dass ich geblieben bin. Die Dinge haben sich wieder geändert, heute habe ich einen tollen Job in einem - zumindest im Moment - recht krisenfesten Unternehmen, tolle Kollegen, ein gutes Gehalt. Ob ich das woanders heute auch hätte - wer weiß...
Ich glaube, ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen gehört auch zu einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn dazu. Klar, Du musst und solltest nicht zehn Jahre auf so einer Stelle bleiben. Aber nach acht Monaten schon genug zu haben, finde ich zu wenig.
Wenn Du Dich tatsächlich bewirbst würde ich mit aufgrund von Umstrukturierungen nicht mehr vorhandenen Entwicklungsperspektiven argumentieren.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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04.03.2009, 15:50
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
Hallo Malina,
danke für Deine Antwort. Ich habe natürlich auch schon viel über das frühe Wechseln nachgedacht. Aber für das 1. Mal wechseln kann ich nichts, da die Stelle ja ausgelaufen ist.
Es ist einfach nur so frustrierend, mehr als ein halbes Jahr lang wirklich nur Däumchen zu drehen und um Arbeit betteln zu müssen. Wenn es mal 2 Monate so gewesen wäre, hätte ich mir auch keine Gedanken gemacht. Aber es ist ein Dauerzustand.
Zudem kann ich mich mit dem Arbeitgeber nicht richtig identifizieren und denke es war wohl einfach ein Fehlgriff von Anfang an. Zudem soll ich Sachen machen, für die ich vollkommen überqualifiziert bin.
Ich sehe dort einfach keine Zukunft für mich.
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04.03.2009, 17:23
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
Hallo,
o.t., sorry. Mal ganz konkret: Was habt ihr denn gemacht, wenn ihr wirklich nichts zu tun hattet? Bin nämlich manchmal in ähnlicher Situation, verkrümel mich dann ins Archiv, da kann man inzwischen aber auch nicht mehr viel machen
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LG
Bredouille
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04.03.2009, 19:07
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
Ehrlich gesagt nichts! Es gab einfach nix. Internet war noch eine Alternative, aber acht Stunden lang kann das auch ganz schön langweilig werden.
Ich kann mir heute kaum noch vorstellen, wie das war. Aber seither weiß ich, dass man sein Geld am schwersten durch Nichtstun verdient.
Von daher kann ich schon verstehen, dass man in so einer Situation frustriert ist und weg will. Aber woanders lauern eben auch Stolperfallen. Vielleicht ist man dann völlig überlastet, wird vom Chef schikaniert, von den Kollegen links liegen gelassen, etc. Gut, es muss nicht immer gleich das Horrorszenario eintreten, und es kann durchaus auch sein, dass der nächste Job tatsächlich der Traumjob ist. Aber das Risiko, dass dem nicht so ist, ist eben da. Und von daher würde ich das schon gut abwägen.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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05.03.2009, 08:49Inaktiver User
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
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Hallo bionade
Falls du dich auf die neue Stelle bewerben möchtest, solltest du das positiv begründen, nicht negativ. Also: sagen, weshalb du die neue Stelle unbedingt haben willst und du die Richtige dafür bist. Und nicht etwa sagen, weshalb du von der alten Stelle weg willst.
Die Frage, weshalb du (schon wieder) die alte Stelle verlassen willst, die wird bei einem eventuellen Vorstellungsgespräch ganz sicher kommen. Dann kannst du sie ehrlich beantworten. (Nämlich: dass du motiviert zum Arbeiten und Lernen bist, dass dies aber an der jetzigen Stelle nur sehr beschränkt möglich sei und du deine Arbeitskraft deshalb lieber anderweitig zur Verfügung stellst)
Aber diese Begründung solltest du nicht schon im Bewerbungsschreiben vorwegnehmen. Dort solltest du nur die neue Stelle thematisieren und nicht die alte.
Grundsetzlich gebe ich aber Malina Recht. Bei einem Wechsel hättest du direkt zu Beginn deines Arbeitslebens zwei sehr kurze Stellenbesetzungen im CV und könntest dir deshalb unfreiwillig das Jop-Hopper-Image erwerben.
Deshalb würde ich mir wohl eher - oder auch - überlegen, ob es wirklich nichts mehr gibt, was du an deiner jetzigen Situation ändern kannst. Schreck auch vor "verrückten" Ideen nicht zurück.
- Schreib einen Brief an die Geschäftsleitung und lass alle Kollegen mit unterschreiben.
- bewirb dich selbst auf die vakante Stelle des Chefs.
Was kannst du tun, um die Zeit im Büro ohne Arbeit herumzubringen?
- Sprachen lernen (Bücher ganz offen mitnehmen und während der Arbeitszeit lernen)
- Ein Zweitstudium oder Nachdiplomstudium als Fernstudium angehen und während der Arbeitszeit absolvieren
...
Sollte jemand sich über diese arbeitsfremde Tätigkeit während der Arbeitszeit beschweren, kannst du cool antworten, dass du damit sofort wieder aufhören werdest, sobald du wieder Arbeit und Aufträge habest.
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05.03.2009, 11:07
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
Hallo,
Ich würde mich erstmal bewerben und dann sehen, was passiert.
Es ist ja auch noch gar nicht gesagt, dass Du die Stelle dann auch bekommen würdest.
Ich habe selber oft gewechselt in meinem Berufsleben und es hat mir nicht geschadet.
Klar kam die Frage, warum ich gewechselt habe, aber ich hatte immer plausible Gründe und einige der jetzt geforderten Kompetenzen habe ich nur bekommen und weiterentwickelt, weil ich eben in verschieden Firmen gearbeitet habe (und auch in verschiedenen Branchen).
Manchmal muss man auch mal was wagen. Ich hatte mal eine Zeitarbeistsstelle für 2 Monate (Vertretung) und einen davon habe ich mit Briefeschreiben verbracht ... Das war langweilig - obwohl sich meine Freunde und Verwandten sehr gefreut hatten !
Ich kann aber auch das Argument mit Job Hopping verstehen. Jeder sagt, man soll flexibel sein, dann ist man es und dann wird einem mangelndes Durchhaltevermögen vorgeworfen.
Wie man's macht - es ist verkehrt !
Dir alles Gute für Deinen beruflichen Werdegang.
Marseille
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05.03.2009, 11:33
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
Der Gedanke kam mir auch schon
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Ich glaube auch, dass es sinnvoll sein kann, auf die Ist-Situation hinzuweisen. Allerdings muss man natürlich auch aufpassen, dass dann nicht auf einmal festgestellt wird, dass man die ganze Abteilung eigentlich gar nicht braucht
.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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05.03.2009, 14:45
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
Hallo Bionade,
diesen Rat würde ich auf jeden Fall beherzigen, wenn Du Dich dazu entschließt zu gehen.
Niemand will in einer Bewerbung etwas Negatives lesen. Im Vorstellungsgespräch kann man da tatsächlich etwas offener sein, allerdings sollte man sich darum bemühen, die Botschaft nett zu verpacken. Über den alten Arbeitgeber zu schimpfen geht absolut nicht. Egal was war.
Auch ich war im meinem Job am Anfang SEHR unzufrieden, hatte wenig zu tun, blöde Dinge zu machen und kam mir vor wie lebendig begraben. Nach über einem Jahr hat sich die Situation dann aber doch gebessert. Ich konnte viel mitgestalten und arbeite jetzt sehr gerne hier. Noch dazu habe ich einen neuen Kollegen bekommen, mit dem ich sehr gut auskomme und der der ganzen Abteilung gut tut.
Auch bei uns war die Abteilung neu und der Anfang war wirklich sehr holprig. Aber das Durchhalten hat sich gelohnt.
Garantien gibts es dafür natürlich nicht. Wenn Du Dich neu bewerben willst, dann mach das. Dass Du Dich bewirbst heißt ja noch nicht, dass Du auch tatsächlich wechselst.
So lange Du noch nichts neues hast, bleib dran und versuch in der Firma Deine Stellung zu verbessern. Vielleicht lohnt es sich ja.„Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.“
Nicolas Chamfort
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06.03.2009, 12:06
AW: Wie vorzeitigen Jobwechsel begründen?
Danke für Eure Antworten,

auf die Stelle des Chefs kann ich mich definitiv nicht bewerben, da mir dafür die Qualifikation fehlt.
Ich habe mir jetzt auch überlegt, einfach erst mal zu schauen, was bei der Bewerbung rauskommt. Vielleicht ist es ja gar nicht so toll, dann bleibe ich lieber und friste hier weiter mein Dasein. Ich werde den Zustand hier auch nicht erwähnen sondern mich auf die Erfolge konzentrieren (obwohl ich hier noch nichts leisten durfte).
Ansonsten bin ich dabei, mir andere Aufgabengebiete zu erschließen, die mich wenigstens etwas voranbringen. Die darf ich aber auch nur machen, weil ansonsten ja keine Arbeit da ist.
Mich (und auch Kollegen) ärgert einfach nur die Unfähigkeit des AG, sich seit bald 1 Jahr um einen Chef und konkrete Projekte für unsere Abteilung zu kümmern. Muss man sich so was denn gefallen lassen, ohne Aussicht auf Änderung im Job und nur mit billigen Praktikantenarbeiten ausharren, bis es im Lebenslauf gut aussieht?
Das sehe ich irgendwie nicht ein...


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