Hallo,
vielleicht teilt hier die ein oder andere dieses "Schicksal", in einem befristeten Arbeitsverhältnis zu stehen?
Wie seht ihr das hinsichtlich des Selbstverständnisses im Betrieb und der Eigenmotivation?
Ich bin in der Situation, daß ich seit knapp 3 Jahren in einem befristeten Arbeitsverhältnis stehe. Der aktuelle Vertrag läuft sogar noch bis Ende nächsten Jahres. Da ich im Öffentlichen Dienst arbeite und hier auch politische Gründe die Personalpolitik beeinflussen, ist dies leider problemlos möglich. Eine konkrete Info bezüglich Entfristung gibt es leider nicht. Das Thema wird zwar immer wieder angeschnitten, ist aber es passiert absolut nichts.
Ich denke mittlerweile, daß sich diese Befristung doch mit den Jahren ganz konkret auf das Selbstverständnis auswirkt. Ich bin eine engagierte Mitarbeiterin und leiste gerne gute Arbeit über die allgemeinen Vorgaben hinaus.
Lange habe ich geglaubt, daß dies zu einem bestimmten Zeitpunkt zu mehr sozialer Sicherheit in Form eines festen Vertrags führt. Dies ist jedoch weiterhin nicht absehbar. Ich habe erst vor kurzem das Gespräch gesucht und wurde wieder "wohlwollend vertröstet". Meinen Kollegen geht es allerdings genauso... es ist nichts daran zu ändern.
Wie geht ihr - sofern ihr in der gleichen Situation seid- damit um, in einem befristeten Arbeitsverhältnis zu stehen?
Schließlich wirkt sich das auch unmittlbar auf die allgemeine Lebensplanung aus..
Bewerbt ihr euch konstant auf andere Stellen? Oder reicht euch das Arbeitsverhältnis "auf Zeit"?
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Ergebnis 1 bis 8 von 8
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26.10.2008, 13:37
Befristete Verträge mit langer Laufzeit-Auswirkungen?
Geändert von Opossum (26.10.2008 um 16:59 Uhr)
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26.10.2008, 13:44
AW: Befristete Verträge mit langer Laufzeit-Auswirkungen?
Ich habe bisher erst einmal einen unbefristeten Arbeitsvertrag gehabt. Das war in der Zeitarbeit. Ansonsten hatte ich Projektverträge (noch unkalkulierbarer als zeitlich befristet) und eben Zeitverträge.
Wenn du etwas besseres findest, wechsel den Arbeitgeber. Wenn nicht, bleib wo du bist.




Wenn du denkst, du denkst,
dann denkst du nur, du denkst,
denn das Denken der Gedanken
ist gedankenloses Denken.





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26.10.2008, 13:57
AW: Befristete Verträge mit langer Laufzeit-Auswirkungen?
Ich hatte keine befristeten Arbeitsverträge, als ich noch nicht selbständig war, aber ich wusste, dass ich, würde ich einmal einen befristeten Vertrag haben, auf jeden Fall nach Alternativen Ausschau halten würde. Zumal wenn dir keiner sagen kann, ob du unbefristet bleiben könntest ab Ende nächsten Jahres ... Rücksicht auf Arbeitgeber wrüde ich per se nicht nehmen, da könnte kommen, was wollte. Fang an, dich umzusehen und sobald du die Möglichkeit hast: wechsel! Auf dich nimmt der Arbeitgeber auch keine Rücksicht, du kriegst irgendwann womöglich zu hören "war ja gute Arbeit Ihrerseits, aber Sie wussten ja, dass die Stellle befristet war" - das würde ich mir nicht antun.
Wer dir die Flügel stutzt, der hat das Fliegen nie gelernt. Blieb immer nur am Boden und wäre doch so gern geflogen.
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26.10.2008, 14:07
AW: Befristete Verträge mit langer Laufzeit-Auswirkungen?
Genau das ist das Problem, und das kann man vielleicht eine Weile ausblenden, aber nach mehreren Jahren wird´s schwierig, da noch irgendwas Positives zu sehen.
Zitat von akademikerin
Zumal ich auch einen Uni-Abschluss habe und nun im Anschluss 6 Jahre Berufserfahrung- da wird man einfach unruhig, wenn sich nichts mehr tut. Auch wenn die Arbeit per se in Ordnung ist.
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26.10.2008, 15:27
AW: Befristete Verträge mit langer Laufzeit-Auswirkungen?
Hallo,
ich war nach meinem Studium fast zehn Jahre in befristeten Verträgen beschäftigt, die meisten davon bei einem Arbeitgeber. Da es sich immer um projektbezogene Befristungen handelte, war dies ohne weiteres möglich. Mein ehemaliger Arbeitgeber hat zwar versucht, eine zeitweilig nicht wiederbesetzte Stelle für mich neu finanziert zu bekommen (ebenfalls ÖD), das gelang ihm aber nicht, als Gründe sehe ich ebenfalls eine Mischung aus politischen Entscheidungen und letztlich mangelndem Einsatz.
Während der Zeit war ich mit den befristeten Stellen nicht unzufrieden. Ich konnte mich alle 1-2 Jahre in neue Dinge einarbeiten und war nebenbei in die Tagesarbeit eingebunden. Beworben habe ich mich in diesen Jahren nur wenig, da die anderen Stellen in meinem Bereich i. d. R. ebenfalls befristet waren oder weit entfernt und/oder stundenreduziert. Eine halbe Stelle z. B. 500 km entfernt hätte mir aber keinen Vorteil gebracht. Groß eingeschränkt in meinem Lebensplan habe ich mich nicht gefühlt. Kinder waren für uns kein Thema (mehr), und einen Hauskredit haben wir trotzdem bekommen.
Als problematisch sah ich es eher an, dass ich mich als "befristete" nie recht integriert fühlte. Im engeren Kollegenkreis ging das noch, aber ansonsten hatte ich das Gefühl, dass ich als Befristete ebenso austauschbar war wie z. B. die Azubis - das lang aber auch am allgemein seltsamen Klima in dieser Institution. Und ich habe mich zunehmend fremdbestimmt gefühlt. Wenn mich eine Aufgabe interessierte, hatte ich nie die Zeit dazu, mich fachlich darauf zu konzentrieren, denn ich musste ja zu allererst das Projekt abwickeln. Auch war es schwierig, Fortbildungen bewilligt zu bekommen.
Anfang des Jahres habe ich dann den Arbeitgeber gewechselt und bin jetzt in der "freien Wirtschaft". Ausschlaggebend für diesen Wechsel waren, dass eine Entfristung mal wieder nicht abzusehen war, das nächste "drohende" Projekt meinen Fähigkeiten gar nicht entsprach und nach zehn Jahren einfach etwas anderes dran war. Ich habe die Entscheidung nicht bereut. Der Aufgabenbereich ist zwar ganz anders, aber ich kann auf bestimmte fachliche Dinge zurückgreifen und denke, dass ich für diese Bereiche auch als kompetent gelte. Und es beruhigt mich schon, einen festen Arbeitsvertrag zu haben und im Betrieb langfristig etwas entwickeln zu können.
LG
ViolettaWer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.
(Bertolt Brecht)
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26.10.2008, 17:17
AW: Befristete Verträge mit langer Laufzeit-Auswirkungen?
Ich habe vor meinem Einstieg in den ÖD 3 Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet. Könnte also auch bei Bewerbungen noch auf diese Ressourcen zurückgreifen. Ich weiß auch bestens, wie ich mich korrekt bewerbe und kann einigermaßen professionell auftreten.
Was mich bisher immer gehemmt hat, neue AG anzusprechen, war eine gewisse Loyalität, da mein jetziger AG an sich absolut ok war (Stimmung im Haus, Zusammenarbeit im team).
Er engagiert sich aber ebenfalls nicht für die Befristeten, das zeigt nun mehr und mehr, zB sich darin, daß man wenig gefördert wird. Nun kippt auch noch allmählich die Stimmung im Team, ich habe dafür vielleicht etwas sensiblere Antennen als andere und mache mir jetzt ernsthafte Gedanken.
Und: bei mir werden evtl. sowohl Kinder als auch Hausfinanzierung in den nächsten 5 Jahren ein Thema, daher fühle ich eine "doppelte" Uhr ticken. Ich habe zwar einen Partner, der mich unterstützt, aber ich möchte trotzdem nicht als Mutti ohne Job enden, die auf nichts Anspruch hat, wenn sie schwanger wird.
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27.10.2008, 13:17
AW: Befristete Verträge mit langer Laufzeit-Auswirkungen?
Hab jetzt mal einen Schritt weiter gedacht, also an die aktualisierte Bewerbung für einen neuen Job:
würdet ihr in so einer Sitution ein Zwischenzeugnis anfordern?
Immerhin macht die Zeit beim jetzigen AG die Hälfte meines Werdegangs nach dem Studium aus.
Oder wäre das zu riskant?
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27.10.2008, 22:01
AW: Befristete Verträge mit langer Laufzeit-Auswirkungen?
Das kommt darauf an, wie gut Deine Chancen stehen, innerhalb der kommenden Monaten eine neue Stelle zu bekommen. Wenn sie gut sind, solltest du ein Zwischenzeugnis einfordern. Für deinen Chef ist es ein ernsthaftes Signal, dass er etwas tun muss, wenn er dich behalten will. Ich denke, er wird dann auch fragen, warum du das Zeugnis haben möchtest und dann kannst du ihm sagen, dass du eine gute Mitarbeiterin bist, aber auch eine unbefristete Stelle haben möchtest. Sofern es euer politisch festgelegter Stellenhaushalt zulässt, sollte er sich dann mit mehr Engagement als bisher darum zu kümmern, dass du eine feste Stelle bekommst. Vor allem wenn du dann eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommst, ist das ein weiteres sanftes Druckmittel.
Stehen deine Chancen schlecht, in absehbarer Zeit eine Stelle zu finden, soltest du es M.E. es eher lassen, ein Zwischenzeugnis zu fordern, auch wenn du ein Recht darauf hast. Die Drohung, dass du gehen könntest, zieht dann je länger die Jobsuche dauert immer weniger, besonders wenn es dem Ende der Befristung entgegen geht. Im ungünstigen Fall könnte es dann auch mit der Anschlussbefristung kritisch werden.
Ich war übrigens 7 Jahre befristet beschäftigt und bin mittlerweile zweimal quer durch die Republik umgezogen um eine neue und zuletzt auch unbefristete Stelle zu bekommen. Für mich war nur umziehen eine Alternative, um da herauszukommen.Geändert von Filetstueck (27.10.2008 um 22:05 Uhr)


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