Hallo liebe Bricom,
ich arbeite seit 3 Jahren Vollzeit als Chefsekretärin. Eine Kollegin von mir arbeitet Teilzeit. Sie ist die einzige Teilzeitkraft im Haus. Alle anderen die z. B. nach dem Mutterschutz in Teilzeit arbeiten wollten, durften dies nicht. Aber bei ihr ist es "schon immer" so, ich glaube seit 11 Jahren. (Ihre Tochter ist jetzt 13, kommt also ungefähr hin.)
Diese Kollegin vertritt mich immer wenn ich im Urlaub bin, und ich sie. Das heißt, an jedem Tag den ich nicht da bin, macht sie einen ganzen Tag Überstunden.
Der Chef will Überstunden nicht ausbezahlen (zu hohe Personalkosten), daher feiert sie sie ab. Diesen Sommer sah das so aus: Sie hatte zwei Wochen Urlaub, war eine Woche arbeiten, hat dann drei Wochen abgefeiert, kam wieder eine Woche arbeiten, und danach hatte sie drei Wochen Urlaub. Und direkt im Anschluss war sie eine Woche krank geschrieben. Nicht weil sie krank war, sondern weil sie private Probleme hatte. Der Chef wusste das auch, fand es aber Okay dass sie sich krank schreiben lässt. Obwohl sie ja noch ungefähr 100 Überstunden hat, aber bitteschön...
Die Sache ist, dass ich diese Situation blöde finde. Ich arbeite doppelt so viel, sie hat aber doppelt so viel Urlaub. (Habe das nachgeschaut: Dieses Jahr hatte ich 24 Tage frei, sie 48.) Und in der Zeit mache ich dann eben ihre Arbeit. Aber wehe, ICH mache deshalb Überstunden; nee, das muss ich schon in meiner normalen Arbeitszeit schaffen. (Ist auch meistens kein Problem, stimmt schon.)
Jetzt habe ich versucht, mal mit dem Chef zu reden. Ich habe ihm direkt gesagt, dass ich ihm keine Vorwürfe mache und auch keinen Lösungsvorschlag erwarte, sondern dass ich ihm einfach sagen möchte, dass es eine Situation gibt mit der ich nicht glücklich bin. Wir sollen ja schließlich "den selben" Job machen, aber zu so unterschiedlichen Bedingungen. Klar, sie verdient weniger. Aber für so ´nen "lauen Job" würde ich auch auf ein paar Euro verzichten.
Der Chef allerdings will mich nicht verstehen. Seine Aussage ist "sie arbeitet nur halb und verdient nur halb". Aber es geht mir ja nicht ums Geld. Er fing dann an mir zu erklären wie die vielen Überstunden der Kollegin zustande kommen. Mann, das weiß ich... Er hat mich gar nicht richtig zu Wort kommen lassen. Und meinte dann am Ende er verstehe nicht wo das Problem sei.
Naja, ganz einfach: Ich hätte den Sommer auch gern zu Hause verbracht! Nicht dass ich ihr das missgönne, ist ja schön für sie. Aber ich find´s ungerecht.
Und dann geht der Chef hin und sagt er hat zwei Sekretärinnen.
Was meint ihr? Ist das so schwer zu verstehen, dass die Situation für mich doof ist? Müsste dem Chef doch klar sein, wenn eine Mitarbeiterin so viele Vorteile hat, dass dann Neid entsteht, oder?
Wie gesagt, ich erwarte ja keine Lösung (obwohl mir schon eine einfiele, aber das ist ein anderes Thema), sondern einfach nur ein "Ich verstehe dass das für sie doof ist" oder so. Einfach die Sicherheit, dass der Chef wahrnimmt dass es einen Missstand gibt und mich versteht.
Oder seht ihr das ähnlich wie er? Vielleicht bin ich ja "verblendet" von meinem Wunsch, auch gaaaanz viel frei zu haben und sehe das ganz unrealistisch?!
Meine Arbeitsbedingungen sind nicht schlecht, und ich weiß, dass ich keinen Anspruch auf mehr habe, aber es wurmt mich doch, zu sehen wie die Kollegin immer etwas "geschenkt" bekommt. Ist das kindisch?
Ich habe mit Freunden darüber gesprochen; die verstehen mich alle. Aber vielleicht nur weil sie parteiisch sind?!
Würde mich freuen wenn ihr mir eure Meinung schreibt!
Sorry, ganz schön viel geschrieben für so ´ne Lappalie... Aber es wurmt mich und ich wollte das loswerden.
Alanis
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 33
Thema: Problem Teilzeit-Kollegin
-
21.08.2008, 09:23
Problem Teilzeit-Kollegin
Nichts ist wahrem Glück so sehr im Wege wie die
Gewohnheit, etwas von der Zukunft zu erwarten.
-
21.08.2008, 09:35
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Ihr habt beide 24 Tage Urlaub pro Jahr.
Deine Kollegin arbeitet halbe Tage.
Wenn sie Dich vertritt arbeitet sie ganze Tage, also doppelt so lange wie sonst = 24 halbe Tage über ihre eigentliche Arbeitszeit hinaus.
Die feiert sie dann ab: 24 halbe Tage abfeiern (was bei ihr bedeutet, dass sie als Halbtagskraft dann ja gar nicht kommt) + ihre regulären 24 Tage.
Bis dahin finde ich das völlig korrekt.
Sie hat zwar - bedingt durch ihre Teilzeit - mehr Freizeit, aber auch weniger Geld. Geschenkt bekommt sie also gar nichts.
Nicht korrekt finde ich, dass Du im Gegenzug ihre Vertretung in der normalen Arbeitszeit schaffen sollst und dafür keine Überstunden machen darfst.
Das ließe für mich den Schluß zu, dass Du die Arbeit auch sonst komplett übernehmen könntest und diese Kollegin ganz eingespart werden könnte.
Bleiben Sie gesund und bleiben Sie bei Trost. (Lisa Feller)
-
21.08.2008, 09:46
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Hallo Alanis,
ich seh das genau wie Rotfuchs
und gebe Dir folgendes zu bedenken...
es handelt sich um ein Gefühl
Du " fühlst " Dich ungerecht behandelt,
dem ist aber nicht so !
Rein rechtlich ist das alles so in Ordnung
und mit Gefühlen ist das ja immer so eine Sache...
bei mir in der Firma ist es z.B. so - ich arbeite nur mit Männern / Handwerker zusammen - die rechnen jede angefangene Überstunde beim Chef ab,
bei mir fragt kein Mensch danach
dafür bekomme ich auch ein festes Gehalt !
Auch ich wünsche mir einfach hin und wieder nur ...
dass mein Chef mir mal " über´s Köpfchen streicheltes "
( natürlich sinnbildlich gemeint )
bekomme es leider auch fast nie
ärger Dich nicht, freue Dich, dass Du in heutigen Zeiten einen festen Job hast und Dein Chef offensichtlich mit Dir und Deiner Leistung glücklich ist
herzlichst Kroko
Wenn Du glaubst, dass sich kein Mensch um dich kümmert, dann versuche einmal,
samstagsnachmittags ein Nickerchen zu machen
Jeden Tag steht ein Idiot auf...
mit viel Pech trifft man genau DEN
Copyright by KROKO !
-
21.08.2008, 10:43
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Hallo alanis,
ich sehe das auch wie Rotfuchs. Es ist in meinen Augen ein Wahrnehmungsproblem. Ich habe auch eine Kollegin, die nur Teilzeit arbeitet und dadurch ratzfatz sehr viele Plussstunden aufbaut, wenn sie mal ein paar Tage vollzeit arbeitet. Klar, es wirkt, als hätte sie, ohne viel dafür zu tun, immer ein volles Zeitkonto. Aber sie verdient eben auch nur die Hälfte.
Würdest Du denn auch gerne Teilzeit arbeiten wollen und bist frustriert, weil man es Dir nicht gestattet? Ist das das eigentliche Problem?
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
-
21.08.2008, 11:22
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Ich habe noch nie so genau darüber nachgedacht, ob ich gern Teilzeit arbeiten würde... Das steht hier im Betrieb auch gar nicht zur Debatte, da es wie gesagt nur dieser einen Kollegin gestattet wurde. Viele andere haben bereits gekündigt, da sie nach dem Mutterschutz wieder in Vollzeit arbeiten mussten.
Ich habe aber auch keine Kinder, also keinen triftigen Grund, Teilzeit zu beantragen.
Das ist vielleicht das Problem - dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Auf einer Seite besagte Kollegin, auf der anderen Seite der Rest der Belegschaft.
Ich habe auch schon von einigen anderen Kollegen gehört, dass sie das seltsam finden. Aber die müssen eben nicht direkt mit ihr zusammen arbeiten, das muss nur ich.
Aber diese "Vorzugsbehandlung" ist offensichtlich auch anderen aufgefallen...Nichts ist wahrem Glück so sehr im Wege wie die
Gewohnheit, etwas von der Zukunft zu erwarten.
-
21.08.2008, 11:35Inaktiver User
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Liebe alanis,
es wird Dir leider nichts bringen, Dich darüber zu ärgern. Du musst es so nehmen wie es ist. Das hört sich vielleicht etwas krass für Dich an, aber es ist so. Du hast einen Vertrag über eine Vollzeittätigkeit, Du hast ein bestimmtes Gehalt und Punkt! Was mit anderen vor 11 Jahren ausgehandelt wurde oder morgen ausgehandelt wird, hat Dich eigentlich nicht zu interessieren. Du hast Dich für eine Vollzeittätigkeit entschieden, man sagte Dir, dass Teilzeit nicht in Frage kommt und so ist es nun. Wenn Du oder die Kolleginnen sich weiter in diese Sache reinsteigern, würde das irgendwann zu Ungerechtigkeiten der Kollegin mit der Teilzeitstelle gegenüber ausarten. Und das sollte nicht sein, denn sie verhält sich doch genau so, wie es von ihr verlangt wird. Was soll sie denn tun? Vielleicht wäre ihr ein monetärer Ausgleich viel lieber als der Freizeitausgleich? Es geht aber nicht, weil sie nur in Freizeit ausgleichen darf.
Andererseits kann ich Dich sehr gut verstehen. Auch in meiner Firma gibt es eine Dame, die nur halbtags arbeitet. Und auch wir bekommen keine Vergütung für Überstunden und auch für uns ist es blöd, wenn sie ihre Stunden gerade mal wieder abbummelt (und 5 Stunden hat man schnell zusammen, für sie ist es dann schon ein ganzer freier Tag) und wir mehr Arbeit dafür haben. Aber es ist nunmal so.
LG Raphaela
-
21.08.2008, 12:10
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Hallo Raphaela,
danke für Deine Worte!
Schön zu lesen dass Du verstehst dass diese Situation einfach "blöd" ist!
Natürlich ist niemand von uns unfair zu der Kollegin! Ist ja nicht ihre Schuld, sondern die komische Handhabe vom Chef.
Früher ist das gar kein Thema gewesen, da sie bis vor eineinhalb Jahren etwa immer ihre Überstunden ausgezahlt bekommen hat. Und was auf ihrer Abrechnung steht, das sieht nunmal keiner; aber wenn sie fast 2 Monte nicht im Betrieb erscheint, das fällt allen auf.
Ich verlange auch nicht, gleich behandelt zu werden, sondern nur, dass der Chef mal sagt dass er SIEHT dass ein Ungleichgewicht herrscht. Aber mir scheint, das WILL er nicht sehen...
Die Patentlösung wäre natürlich, dass eine andere Kollegin mich vertritt. Darüber habe ich (mit der Kollegin zusammen!) auch schon oft mit dem Chef zu sprechen versucht. Aber da stoße ich auf taube Ohren, aus welchem Grund auch immer.
Ich hatte vor einiger Zeit mal ein großes Motivations-Problem, weil hier einiges in der Abteilung "schief gelaufen" ist und ich damit sehr unzufrieden war und keinen rechten Spaß mehr an der Arbeit hatte. Das ist geklärt, und damals habe ich mit dem Chef vereinbart, dass ich künftig alles direkt anspreche was mir "quer sitzt"; nicht dass er es nicht merkt und nachher ein großes Problem draus wird.
Naja, genau das habe ich eben jetzt versucht, aber seine einzige Reaktion ist Unverständnis.
Der ganze rechtliche Hintergrund ist mir ja bewusst, und da will ich auch gar nicht dran drehen.
@ Krokofant: Jaaaa, richtig... "nur" ein Gefühl. Aber eben ein doofes, und ich denke, dass man auch sowas auf der Arbeit haben darf. Hier verbringe ich eben die meiste Zeit des Tages.Nichts ist wahrem Glück so sehr im Wege wie die
Gewohnheit, etwas von der Zukunft zu erwarten.
-
21.08.2008, 12:13
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Oh, ich merke gerade selber was: Der Titel ist falsch!
Das Problem ist nicht die Teilzeit der Kollegin, sondern das Verhalten des Chefs!!!
Die Teilzeit ist nur der Auslöser...Nichts ist wahrem Glück so sehr im Wege wie die
Gewohnheit, etwas von der Zukunft zu erwarten.
-
21.08.2008, 12:15
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Zitat von alanis
Würde dir das halbe Gehalt reichen? Dann mach eben auch Teilzeit. Auf diese Kollegin sauer zu sein bringt dir doch nix.
-
21.08.2008, 12:22
AW: Problem Teilzeit-Kollegin
Ich bin nicht auf die Kollegin sauer!!!
Zitat von LorenzM
Ja, das halbe Gehalt würde mir reichen. Aber mit "eben auch Teilzeit" machen ist´s halt bei uns im Betrieb nicht. Das wird niemandem sonst zugestanden.Nichts ist wahrem Glück so sehr im Wege wie die
Gewohnheit, etwas von der Zukunft zu erwarten.


Zitieren
