Hallo,
ich habe ein Problem. Ein recht großes (wie ich finde).
Ich bin 29 und Dipl.-Wirtschaftsing. mit der Spezialisierung Energie- und Umweltmanagement. Seit 4 Jahren arbeite ich in Hamburg in einer Position, die ungefähr etwas mit meinem Studium zu tun hat. Ich bin anerkannt, mein Chef hält etwas von mir, es könnte voran gehen.
So weit so gut.
Nun das Problem. Ich bin tot-unglücklich. Ich mag meinen Job nicht, ich mag die Atmosphäre / den Stil / die Art / die Kultur (was auch immer) unseres Unternehmens nicht. Ich interessiere mich nicht für meinen Job (trotzdem mache ich ihn recht gut, hoffe ich). Ich gehe morgens unglücklich zur Arbeit, ich habe kein Spaß an der Arbeit, ich fühle mich fehl am Platze. Das Unternehmen an sich (öffentlicher Dienst) ist schon okay, die Kollegen sind nett. Aber ich fühle, dass ich nicht reinpasse in das Unternehmen. Schlimmer aber wird es noch dadurch, dass ich mich für das was ich mal studiert habe und für Tätigkeiten in dem Bereich überhaupt nicht mehr interessiere.
Klingt jetzt erstmal einfach. Sich woanders hin bewerben. Logisch. Weiß ich auch. Aber wie, und wohin. Das Problem ist, dass ich momentan sowas von mit Selbstzweifeln durchsetzt bin. Ich glaube, ich kann nichts. Ich weiß nicht, was meine Stärken sind, was ich gerne machen möchte, was mir Spaß bringt. Ich weiß halt leider nur, dass es irgendwas absolut anderes sein muss. Etwas, dass nichts mit meinem Studium etc. zu tun hat. Ich habe nur leider große Zweifel (Angst), dass ich es nicht packe, etwas zu finden, wo ich mich wohl fühle. Wie könnte ich mich auf irgendwas bewerben, wenn ich die fachlichen Voraussetzung nicht mitbringe (da ich ja ganz was anderes machen will, als ich studiert habe)? Wie stelle ich das an? Wie bekomme ich heraus, was ich machen könnte, was mir Spaß machen könnte? Wie gehe ich da vor, wie schafft man einen Quereinstieg nur mit Fähigkeiten wie "kommunikativ, flexibel, bla bla bla" ohne den fachlichen Hintergrund mit zu bringen?
Ich bin momentan wirklich unglücklich. Verzweifelt. Was kann ich eigentlich? Was liegt mir?
Ich hoffe, ihr versteht, was ich sagen will - ich weiß nur leider nicht weiter. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr Tipps, Anregungen, Hilfe oder so etwas für mich habt. Gerne auch konkret auf Hamburg bezogen - falls jemand weiß, wo man vielleicht gute professionelle Hilfe bekommt. Oder falls jemand vielleicht mal in der gleichen Situation war.
Dazu kommt noch, dass ich in drei Tagen ein Feedbackgespräch mit meinem Chef habe, der schon mal angedeutet hat, dass er der Meinung ist, ich habe viel Potential, und der gucken will, wie ich mich weiterentwickeln kann. Problem ist nur, dass ich weiß, dass es in seinem Bereich nichts gibt, was ich machen möchte, was mich ausfüllen würde. Im ganzen Unternehmen nicht. Wie gehe ich damit um? Spiele ich das Spiel mit? Oder äußere ich, was mich bedrückt? Wenn ja, was folgt danach? Wenn ich äußere, dass ich mich fehl am Platze fühle und am liebsten lieber heute als morgen weg will - wie würde dann wohl die nächste Zeit werden im Job? Und das vielleicht ohne Aussicht auf einen neuen Job woanders?
Viele Fragen. Zugegeben. Aber jede Antwort hilft!!!
Danke!!!!!!!!!!
Antworten
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25.01.2008, 17:22
Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
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25.01.2008, 18:30
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
Hallo zwen,
erst mal ganz ruhig und tief durchatmen!!! Und jetzt bloß keinen Schnellschuss in irgendeine Richtung. Auch dem Chef gegenüber solltest Du Dich bedeckt halten und Dir erst mal neutral anhören, was er Dir zu sagen hat, denn in drei Tagen wirst Du noch nicht viel weiter sein als heute.
Bevor Du das Handtuch wirfst und in Neuseeland Schafe züchten gehst, würde ich mir erst mal in aller Ruhe überlegen, was genau es ist, das Dich an Deinem Job stört. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es restlos alles ist. Meistens gibt es eine ganze Menge Dinge, die man eigentlich gut findet, die man aber verdrängt, weil man sie für selbstverständlich hält.
Geh Deinen Job doch mal ganz detailliert durch und lasse nichts aus: den Ort an dem Du arbeitest (von der Stadt über das Gebäude, Größe des Unternehmens, Dein Büro, etc), die Umstände (Arbeitszeiten, Sozialleistungen, Sicherheit) bis hin zu den Inhalten (welche Aufgaben hast Du im Einzelnen, welche machen Dir Spaß, welche sind Dir verhasst). Versuch mal, für Dich herauszufinden (vielleicht auch mit Hilfe eines Jobtagebuchs) in welchen Momenten, und seien es nur Sekundenbruchteile, Du so etwas wie Zufriedenheit empfindest: wenn Du jemandem weitergeholfen hast, wenn Du Dich in eine Aufgabe vertieft und still vor Dich hin gearbeitet hast, wenn Du mit Zahlen oder Worten zu tun hast, wenn Du was Praktisches machen kannst (und sei es neue Aktenordner beschriften), wenn Du was ordnen oder sortieren kannst (z.B. neue Dateiverzeichnisse auf einem Laufwerk), wenn Du etwas organisieren musst (z.B. eine Besprechung mit meheren Personen), wenn Du mit anderen zusammen etwas erarbeitest. Usw. usf. Ich glaube, es gibt in jedem Job Dinge, die man gerne tut. Und darauf solltet Du aufsetzen. Finde diese Dinge heraus. Und wenn Du alles, was Du an Deinem Job gut findest, mal zusammengeschrieben hast, kannst Du noch die Dinge aufschreiben, die Dich extrem stören und was Du statt dessen lieber hättest.
Ich bin sichera, aus so einer Liste ergeben sich schon eine Menge Ansatzpunkte, aus denen Du erkennen kannst, wohin die Reise gehen könnte. Z.B. könntest Du feststellen, dass Du gerne mit Menschen umgehst und Dir eine beratende Tätigkeit vorstellen kannst. Oder Du bist eher der einsame Tüftler und Bastler und würdest viel lieber in der Flrschung arbeiten. Oder Du bist eher der Theoretiker, der Konzepte entwickelt und Pläne erstellt.
Und wenn Du eine solche Richtung für Dich gefunden hast, kannst Du schauen, wo im Ingenieurbereich es Jobs in diese Richtung gibt.
Ich bin kein Freund von totaler Umorientierung, weil ich denke, dass es fast immer einen Weg gibt, die bisherigen Kenntnisse und Fähigkeiten an die eigenen Neigungen und Wünsche anzupassen und eine hinreichend große Schnittmenge zu finden. Zudem kostet ein totaler Umstieg viel Zeit, Energie und u.U. auch Geld, ohne dass sicher ist, dass sich das auch so sehr lohnt.
Als weiterführende Lektüre empfehle ich von Richard N. Bolles "Durchstarten zum Traumjob". Darin wirst Du mit Hilfe vieler Checklisten und Übungen Schritt für Schritt zu Deinem Traumjob geführt.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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26.01.2008, 07:42Inaktiver User
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
Guten Morgen
Malinas Anregungen sind schon klasse. Wenn du dir das "alleine denken" nicht zutraust oder dabei ein Gegenüber haben möchtest, der Rückmeldungen gibt und (vielleicht) schlaue, weiterführende Fragen stellt, könntest du für ein paar Stunden genau zu diesem Thema ein Coaching buchen.
Ich möchte hier noch ergänzen: Ich habe mit 27 die Richtung komplett (und abrupt) gewechselt. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Der nächste Wechsel ging dann peu á peu.
Es kann also gut sein für beide Richtungen offen zu sein.
Gruß Keela
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27.01.2008, 13:23
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
Hallo,
besten Dank für die Tipps schon mal.
Das Buch, dass Malina70 empfohlen hat, habe ich mir prompt besorgt - nachdem ich auch in einem Zeit-Artikel und anderen Websites gelesen habe, dass das wirklich lohnenswert ist. Werde ich gleich mal den weiteren Sonntag mit verbringen.
Prinzipiell sehe ich die Sinnhaftigkeit, nicht gleich komplett etwas anderes zu machen auf jeden Fall, aber ich bin mir einfach mehr und mehr bewusst geworden, dass der Bereich, in dem ich arbeite, sprich also das Themengebiet, die Schnittstelle aus Wirtschaft und Technik, die Verwaltung etc. so absolut nichts für mich ist.
Ich habe nach der Schule den Studiengang einerseits aus Bequemlichkeit (und privaten Gründen) und andererseits wegen meiner guten naturwissenschaftlichen Noten in der Schule gewählt. Dummerweise lief es dann in der Uni schnell ohne Aufwand extrem gut, so dass ich irgendwie nie dazu gekommen bin, weiter zu reflektieren, ob ich eigentlich wirklich Interesse in dem Bereich habe. Wenn ich jetzt zurück blicke war das ein elementarer Fehler. Deswegen auch der innige Wunsch nach kompletter Neuorientierung. Ich habe mir ziemlich lange selber etwas vorgemacht, was meine berufliche Ausbldung und das Themengebiet anbelangt. Ich glaube nicht, dass ich etwas wirklich abgefahrenes (Schafzüchter in Neuseeland) machen will, aber es MUSS etwas anderes sein. Das Problem ist wie gesagt die Unwissenheit, was genau anderes es sein muss, und was ich für Fähigkeiten mitbringe, die entsprechend die Berufswahl in eine gewisse Richtung lenken. Orientierungslosigkeit ist also das Wort.
Über meinen Arbeitsplatz und mein Unternehmen habe in der Tat schon nachgedacht. Mir fallen da durchaus viele Vorteile ein - wie Arbeitsplatzsicherheit, Gleitzeit, soziale Leistungen etc. Auf diese rationellen Ebene somit eigentlich alles wunderbar. Ich fühle mich nur einfach komplett falsch aufgehoben in dem Unternehmen. Und das nicht, weil ich mit irgendwelchen Kollegen oder meinem Vorgesetzten nicht klar komme - alles gut soweit. Es ist einfach ein Gefühl. Das immer immer stärker wird. Ich habe nach der Schule durchaus recht zielorientiert weiter gemacht. Zivi, Studium in der Regelzeit inkl, Auslandssemester. Die dritte Bewerbung danach führte zum aktuellen Job. Sicherer Arbeitsplatz, vernünftige Bezahlung, Perspektive im Unternehmen. Der Weg wurde insgesamt vom Kopf vorgezeigt und gegangen. Trotzdem bin ich unglücklich. Jetzt sagen mein Bauch und mein Herz, dass sich was ändern muss (Herrgott wie pathetisch...). Und zwar extrem. Sowohl was das Unternehmen als auch den Job anbelangt. Ich will mich einfach mal wieder gut fühlen während eines Arbeitstages oder nach einem Arbeitstag. Ich weiß nur leider absolut nicht, wie ich das anstelle. Ich bekomm es irgendwie noch nicht auf die Reihe....
@Keela. "die Richtung komplett (und abrupt) gewechselt" - wie hast du das geschafft? Wie bist du vorgegangen? Was waren deiner Erfahrungen?
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27.01.2008, 14:44
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
Ich wuerde dir raten mir professionelle
hilfe zu holen.Mach dich doch aml schlau wer einen guten Ruf bei Coachings hat in deiner Umgebung!Vergleiche Preise, es gibt auch gute die nicht so irre teuer sind! Hast du eine Familie zu versorgen??
duduk
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27.01.2008, 15:12
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
Wie zufrieden bist Du eigentlich sonst so mit Dir und Deinem Leben?
Prijon
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27.01.2008, 19:44
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
Nein, eine Familie habe ich nicht zu versorgen.
Über die professionelle Hilfe habe ich auch schon nachgedacht. Ich denke, das werde ich auch machen - habe mich zumindest schon mal ein bißchen erkundigt. Muss nur hier in Hamburg wirklich die Karriereberatung finden, die zu mir passt. Geld wäre dann auch nur untergeordnet von Interesse.
Ansonsten bin ich übrigens in der Tat sehr glücklich mit meinem Leben. Ich bin gerade mit meiner Freundin zusammen gezogen - die Beziehung ist fantastisch. Ich liebe die Stadt in der ich lebe. Ich mache wieder eine Sportart, die ich noch während der Schulzeit aufgegeben hatte und das ist großartig. Sonst alles tutti, also.
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27.01.2008, 22:53
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
Ansonsten bin ich übrigens in der Tat sehr glücklich mit meinem Leben. Ich bin gerade mit meiner Freundin zusammen gezogen - die Beziehung ist fantastisch. Ich liebe die Stadt in der ich lebe. Ich mache wieder eine Sportart, die ich noch während der Schulzeit aufgegeben hatte und das ist großartig. Sonst alles tutti, also.
Das kriege ich nicht deckungsgleich. Wenn in Deinem Leben alles so rund läuft, wieso kann Dein Job Dich dann so runterziehen? Und umgekehrt: Wenn er Dich so runterzieht - das müsste doch eigentlich auch Auswirkungen auf Dein übriges Leben haben?
Wie gesagt: Ich kapiere das nicht.
Prijon
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28.01.2008, 06:22Inaktiver User
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
@prijon
ich kapier das gut.
@zwen
hab grad keine Zeit, antworte dir aber heute nachmittag oder morgen nochauf deine Frage. Sorry.
Einen guten Start in die Woche
Keela
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28.01.2008, 07:56
AW: Neuorientierung - aber verzweifelt über meine Fähigkeiten und Wünsche
@prijon:
Ich kann mir das schon vorstellen das Beruf und Privatleben zwar irgendwie zusammengehören aber man in einem kreuzunglücklich ist und das andere sehr gut läuft. Ich hatte beides schon zu unterschiedlichen Zeiten.
Ich hatte mal einen Job über einige Jahre da war ich gegen Ende hin (die letzten 2 Jahre) tod unglücklich und trotzdem eine Super laufende Beziehung. Ich konnte das trennen - zumindest über 2 Jahre lang - und das eine hat das andere nicht oder kaum beeinflusst.
ich denke das ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Wesentlich schlimmer war mal eine Phase wo ich eine Beziehung hatte die ganz schlecht lief und der Job super war. DAS möchte ich nicht mehr haben. Da war meine Arbeit sehr wohl davon beeinflusst, umgekehrt wie geschrieben nicht.
lg smuek


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