Hallo,
ich werde im Juli mein Diplompraktikum in einer grossen Firma machen. Leider ist diese Firma gut 90km von meinem Wohnort entfernt und mit Oeffis waehre ich jeden Tag 2x2 Stunden lang unterwegs, mit dem Auto, welches mein Freund oefters noetig hat noch laenger.
Habt ihr auch solch lange Reisezeiten und wie wirken die sich auf eure Konzentration/Ausgeruhtheit aus? Was macht ihr um nicht zu muede zu sein?
Eine Alternative waehre wohl ein moebliertes Zimmer zumindest unter der Woche vor Ort zu nehmen. Allerdings kostet solch ein Zimmer um die 500 Euro, ohne Gas/Elektrizitaet/Wasser natuerlich. Von der Firma wuerde ich einen Mietzuschuss von 350 Euro bekommen. Natuerlich muessen wir auch weiterhin die Miete fuer unsere momentane Wohnung bezahlen.
Fuer 6 Monate komplett umzuziehen koennen wir uns nicht leisten. Ausserdem ist es schwierig so kurzfristig eine bezahlbare Mietwohnung zu bekommen und wir muessten hoechstwarscheinlich fuer 1 Jahr mieten, Business-Internet und Telefonvertraege, die mein Freund fuer seinen Job noetig hat sind auch nicht unter einem Jahr Laufzeit zu bekommen. Wir hoffen, dass ich nach dem Praktikum schnell einen Job im Ausland finden kann, wir wollen hier nicht noch laenger bleiben. Oh, "hier" ist uebringens Holland.
Was wuerdet ihr uns raten?
Carolly
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17.05.2007, 18:06
lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
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17.05.2007, 18:26
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Hallo Carolly,
ich habe während meines Studiums ein recht langes Praktikum in einer anderen Stadt gemacht (habe gerade mal bei einem Routenplaner geschaut, es waren 200 km). Geplant waren eigentlich nur die Semesterferien, aber dann habe ich noch ca. ein halbes Jahr länger dort gearbeitet.
Für die Semesterferien habe ich bei Bekannten meines Opas in einer kleinen Dachgeschosswohnung gewohnt (*örks*) und musste dafür 100 DM bezahlen. Dann hatte ich das Glück, dass mir eine Arbeitskollegin, die in der Nähe der Arbeitsstelle wohnte, anbot, für 200 DM in ihrer Souterrain-Wohnung zu wohnen (Es war ein Mehrfamilienhaus, sie wohnte im 2. Stock). Das alles war sehr provisorisch, beide Male gab es kein fließend warmes Wasser, nur einen Warmwasserboiler. Duschen hätte ich jeweils bei den "Vermietern" gekonnt, aber ich habe mich (inkl. Haare) dann am Waschbecken gewaschen. Am Wochenende bin ich dann heimgefahren in mein Studentenappartement und habe das Duschen erstmal ausgiebig nachgeholt.
Ewig hätte ich das nicht machen wollen, aber für eine überschaubare Zeit war es auszuhalten.
Wie lange würde denn dein Diplompraktikum dauern? 3 Monate? 6 Monate? 3 Monate könnte man, glaube ich, in einem möblierten Zimmer gerade noch verkraften.
Bei 350 EUR Mietzuschuss würdest du dann effektiv wie viel aus eigener Tasche bezahlen müssen? 200 EUR? Vielleicht kann die Firma sich ja noch mal nach einem Zimmer umhören? Die haben ja vielleicht öfter Praktikanten, die irgendwo wohnen mussten? Oder bist du die erste von "außerhalb"?
Einen richtig guten Rat kann ich dir leider nicht geben. Ich hatte auch mal ein Praktikum gemacht, das war ca. 80 km von meinem Wohnort entfernt, das Pendeln (Entweder Zug+S-Bahn+Bus oder Auto war die reinste Hölle. Entweder kam der Zug zu spät, oder es hatte sich jemand auf die Gleise geworfen, oder der Bus hatte wegen Glatteis Verspätung, oder die Autobahn war total verstopft, etc. Wenn ich abends heimkam, war ich total fertig. Zum Glück war das ganze Unterfangen nach 10 Tagen aus diversen Gründen beendet, aber länger hätte ich das auch gar nicht durchgehalten.
Ich würde also auf jeden Fall versuchen, ein Zimmerchen vor Ort zu finden! Und mich damit trösten, dass das Ende in Sicht ist.
Viele Grüße
historiaGeändert von Historia02 (17.05.2007 um 18:30 Uhr)
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17.05.2007, 18:27Inaktiver User
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Musst Du denn unbedingt mit dem Auto fahren? Vielleicht tut's ja auch die Bahn. Dann kann man die Zeit prima nutzen, um zu lesen oder Tagebuch zu schreiben, oder Konzepte zu erstellen.
Wegen des Zimmers: Vielleicht reicht ja erst auch einmal ein WG-Zimmer. Und möbliert kann auch relativ sein, ich habe schon in längere Zeit in einem Zimmer gelebt, wo nur eine Matratze lag. Außerdem gibts doch bei Ikea so seltsame Wäscheschränke, die mit Stoff verkleidet und recht billig sind. Da muss man doch nicht den gesamten Krempel mitnehmen, wenn man am Wochenende vermutlich sowieso nach Hause fährt.
2x2 Stunden sind wirklich viel. Ich würde mir für das halbe Jahr dann wohl wirklich letztere Variante ernsthaft überlegen. Du solltest vielleicht auch einmal die anfallenden Fahrtkosten mit den möglichen Mietkosten gegenrechnen.
lg, Ehrenpreis
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17.05.2007, 18:56
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Danke fuer eure ersten Antworten. Nochmal ein paar Facts
- Das Praktikum dauert 6 Monate.
- Die Firma hat mir eine Liste mit Vermietern und Zimmervermittlern gegeben, deshalb weiss ich die ungefaehren Mietpreise. Ich bin nicht sicher wieviel Nebenkosten in einem Zimmer anfallen, aber diese und noch ungefaehr 150 Euro muesste ich monatlich zahlen
- Ich habe eine Studentenkarte mit der ich an Wochentagen im ganzen Land gratis alle Oeffis benutzen kann, es waehre also dumm mit dem Auto zu fahren
- gesammte Reisezeit mit Oeffis ist 2 Stunden in eine Richtung
- meine Arbeitszeit ist flexibel solange ich 8.5 Stunden am Tag in der Firma bin
- moebliert bedeutet hier auch eine brauchbare Kueche. Anders muesste ich noch eine Kochplatte, Fachmann der diese ans Gasnetzt anschliesst (ist zwar einfach, aber falls auch nur irgendwas passiert waehre es meine Schuld) und Kuehlschrank. Ausser in Studentenstaedten in der Naehe, aber dort ist es eh fast unmoeglich ein Zimmer ohne jahrelange Wartezeit zu bekommen.
- WGs gibt es hier so gut wie garnicht. Es ist eher warscheinlich dass jemand ein Zimmer in seiner Wohnung untervermietet weil er anders selber die Miete/Hypothek nicht aufbringen kann.
Carolly
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17.05.2007, 22:06
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Fahr mit den öffentlichen Verkehrsmittel und nutz die Zeit entweder zum Schlafen, zum Lesen oder zum Arbeiten. Ich habe einen ähnlich weiten Weg im Moment, mit zweimal umsteigen, aber ich habe eine Strecke von knapp einer Stunde in einem Zug. Da schlaf ich. Den Rest der Zeit lese oder arbeite ich.
Und dann frag die Firma, ob sie dir die 350 Euro als Zuschuss auch für die Wohnung jetzt geben. Oder 300 Euro - wäre für sie günstiger und du hast 300 Euro extra. Die Zeit des Fahrens kannst du sinnvoll nutzen. Zumal, wenn es für deine Diplomarbeit ist.
Für 6 Monate ist das machbar. Ich mache das seit fast 6 Jahren.Wer dir die Flügel stutzt, der hat das Fliegen nie gelernt. Blieb immer nur am Boden und wäre doch so gern geflogen.
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18.05.2007, 10:24
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Hallo Carolly,
da ich seit fast 9 Monaten jeden Tag 50 km einfach zur Arbeit fahre, werde ich hier auch mal meinen Kommentar abgeben.
Ich fahre jeden Tag ca. 1,5 Stunden (einfach ca. 45 Minuten) mit dem Auto (Zug ginge auch, ist aber etwas umständlich und teuer).
Und ich kann ganz klar sagen, länger wollte ich nicht fahren. Es geht jeden Tag sehr viel Zeit drauf, Du hast neben der Arbeit dann ja fast kein Leben mehr. Bei jedem Tag 8,5 Stunden arbeiten, eine halbe Stunde Pause und insgesamt 4 Stunden Fahrt sind ja schon 13 Stunden des Tages rum. Da bleibt fast keine Zeit mehr für irgend etwas.
Wenn es irgendwie möglich ist, würde ich mir an Deiner Stelle ein möbliertes Zimmer nehmen. Dann kannst Du Abends in Ruhe arbeiten und hast mehr Zeit für Dich. Außerdem kannst bist Du flexibler bei Deinen Arbeitszeiten und kannst auch mal länger bleiben. Zu guter Letzt kannst Du auch mal mit Deinen Kollegen Abends weggehen, was sicher auch ganz gut ankommt.
Wenn Du während dieser Zeit noch Deine Diplomarbeit schreiben musst, dann könnte ich es mir noch weniger vorstellen jeden Tag so lange zu fahren.
Es ist ja nur für 6 Monate.
Viele Grüße und viel Glück
FelinaMan sieht und hört nur mit dem Herzen gut.
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18.05.2007, 13:58Inaktiver User
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Also, ich musste damals auch abwechselnd (je nach Niederlassung) eine Distanz von je 80 und 130 km von daheim bis dorthin pendeln. Das war Stress pur. Wenn du die Möglichkeit hast, dann nimm vor Ort ein Zimmer, dann hast du deine ganze Energie und Kraft für die Diplomarbeit einsatzbereit.
Zitat von Carolly
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18.05.2007, 15:44
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Vielen Dank fuer eure Antworten. Die allgemeine Aussage scheint zu sein dass ich mir besser ein Zimmer suchen sollte, und Akademikerin meint dass es schon geht wenn man moechte.
Nicht Umziehen haette fuer mich den Vorteil, dass ich mich weiter um nichts kuemmern brauche, also mein Freund geht dann mit Diabetikerkaterchen zum Tierarzt, kauft ein, kocht fuer mich und kuemmert sich um Abwasch, Waesche, was sonst noch so anfaellt.
Ich habe fuer mein Studium schon oefters max. 5 Wochen alleine im Ausland verbracht und muss sagen, dass meine Kleidung davon nie besser aussah und ich oft nur einen grossen Topf Currie mit Huenchen und viel Gemuese oder Obst gekocht hatte und 3-5 Tage lang davon mit frischgekochtem Reis dazu gegessen habe weil mir abends einfach die Energie fehlte um etwas Anstaendiges zu kochen. Und ohne Fernsehen und Internet habe ich nur noch kurz ein Buch gelesen und bin dann schlafen gegangen.
Akademikerin: wie kann man sicher sein dass man, sollte man im Zug schlafen auch rechtzeitig wieder wach wird? Ich muesste auch 2x umsteigen und die laengste Strecke ist auch knapp 1 Stunde lang.
Im Moment tendiere ich noch leicht zum Pendeln, einfach weil es so langweilig ist alleine in einem Zimmer ohne i-net und TV zu hocken. Vielleicht sollte ich es erstmal so probieren und falls ich doch zu muede bin kann ich immernoch ein Zimmer suchen. Im Moment bin ich eh ganztagig an der Uni und komme nicht mal in die Naehe der Praktikumsstadt um Zimmer zu besichtigen.
Carolly
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18.05.2007, 15:55
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Wenn du das eine Weile (ca. 10 Tage) gemacht hast, dann merkst du das von alleine. Ich habe mir anfangs per Handy den Wecker gestellt an der vorletzten Station, von dort waren es noch 5 Min bis zu meiner.
Wer dir die Flügel stutzt, der hat das Fliegen nie gelernt. Blieb immer nur am Boden und wäre doch so gern geflogen.
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18.05.2007, 17:13
AW: lange Pendelzeiten: Suche Rat und Erfahrungen
Hallo,
ich rate auch zum Pendeln. Der Aufwand für das Zimmer lohnt nicht, du musst ja dort auch Kleidung hinschleppen, Kochgeschirr, Bettwäsche, Fernseher, Computer usw. Abends wird dir die Decke auf den Kopf fallen.
Im Zug kannst du schlafen, lesen, entspannen. Wenn du schläfst, keine Sorge, du wirst schon rechtzeitig aufwachen, ausserdem ist es ja mehr ein Dösen und kein Tiefschlaf, vor allem in Regionalzügen. (laut, unbequem)


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