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    Arbeiten oder Aussteigen?

    Hallo,

    wenn ich mir dieses Forum zu Gemüte führe oder mich im Freundeskreis umsehe, stelle ich fest, dass eine große Anzahl an Menschen einen stressigen Job zu haben scheint, der teilweise auch noch schlecht bezahlt wird.

    Da ist die Rede von befristeten Stellen, unbezahlten Überstunden, mobbenden Kollegen und nervenden Chefs.

    Gleichzeitig gibt es viele Arbeitslose Menschen, die mit ihrer Situation nicht glücklich sind, weil sie finanziell nicht mithalten können und "wie alle anderen" zur Arbeit gehen möchten.

    Was ich bei der ganzen Thematik vermisse, ist das Aufzeigen einer ernstzunehmenden Alternative zu der "Knochenmühle" bzw. dem Versuch wieder in diese hineinzukommen.

    Habt ihr euch, wenn ihr um acht Uhr abends noch schnell zum Einkaufen gerast sein, wohl wissend, dass der Haushalt noch wartet, noch nie gefragt, ob es eine Alternative zu dem Hamsterrad gibt?

    Diese ist, soviel ist klar, mit finanziellen Einbußen verbunden.

    Aber durch den Job fallen auch viele Kollateralkosten an, die wegfallen würden. Teure Wohnung in Ballungsräumen (wo die Jobs sind), Fahrtkosten, (Zweit-)PKW, Businesskleidung, Kantine, Essengehen. Nicht zu vergessen ist, dass man wenn man arbeitet, aus Zeitgründen eher mal sagt: "Komm gehen wir heut ins Restaurant, hab keine Lust zu kochen"

    Kennt ihr Leute die wirklich aus diesem "materialistischen" Leben ausgestiegen sind? Oder seid ihr selbst ausgestiegen?

    Damit meine ich nicht unbedingt die Öko-Kommune, aber z.B. Leben in einem kleinem Häuschen auf dem Land, eigener Garten, ein paar Hühner, ein bisschen malen, schreiben, muszieren, oder sonstwie kreativ sein. Kein Urlaub im Ausland sondern Fahrradtour in die Umgebung mit Picknickkorb. Kein Auto, oder nur eine alte Kiste die noch fährt. Kein HiFi-Park, sondern selber musizieren, Freunde zum selbst gekochten Essen einladen. Soweit wie möglich Selbstversorgung, Pullis selber stricken, Marmelade einkochen, Tauschhandel, Nachbarschaftshilfe...

    Habt ihr über sowas schonmal ernsthaft nachgedacht?

    Chennai

  2. Inaktiver User

    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    hm, ich denke da schon irgendwie drüber nach. allerdings nicht über das komplett-aussteigen, sondern eher darüber, die karriere-planung, absicherungs-bedürfnisse, vollzeitjob-vorstellungen etc. lockerer zu sehen. bei mir ist es so, dass ich aus der arbeitslosigkeit heraus in die freiberuflichkeit gegangen bin, damit irgendwie über die runden komme und eigentlich weiterhin nach einem festen job suche. aber ich stelle erstaunt fest, dass mir dieses unsichere leben mit wenig geld, aber dafür mehr freiheit und abwechslung sogar gefällt.. und kann mir zum teil gar nicht mehr vorstellen, 10 stunden pro tag in einem stickigen büro zu sitzen.

    aber ich bin halt hin- und hergerissen... man hat halt von anfang an von sich selbst und der gesellschaft eingeredet bekommen, dass nur der unbefristete vollzeitjob DAS modell ist. vielleicht wäre es anders, wenn ich mehr selbständige / freiberufler um mich hätte, aber ich kenne fast nur angestellte / beamte.

    aber einen kenne ich, dessen lebens/arbeitsmodel ich wirklich bewundere. er wohnt in einer haus-wg mit großem garten, arbeitet auf projektbasis als sozialarbeiter und am WE als DJ - habe aber nicht den eindruck, dass er sich überarbeitet, denn er verbringt sehr viel zeit im garten, auf touren etc. er fährt ein uraltes auto, wird wahrscheinlich nie eine eigentumswohnung haben (er ist 46), aber wenn ich mich so umschaue, dann ist er einer der wenigen, die ich kenne, der wirklich mit seiner arbeits/lebenssituation zufrieden zu sein scheint.

    ich finde dein posting interessant, denn es beinhaltet viel von dem, worüber ich mir gerade selbst gedanken mache (obwohl ich eigentlich kein typischer aussteiger /öko/ hippie-typ bin). bin gespannt auf weitere gedanken!
    Lillan

    PS. ich lese gerade das buch "die kunst des stilvollen verarmens".. passend zum thema!

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    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    Sagen wir mal so - ich würde schon gerne aussteigen. In Sinne von: Ich brauch keinen Job zur Selbstverwirklichung, ich hab genug Ideen für einen sinnvollen Zeitvertreib, auch ganz ohne Arbeitgeber. Außerdem neige ich zur Faulheit
    Leider bin ich a) ziemlich sicherheitsbedürftig und b) schon recht materiell eingestellt - also selbstgemachte Klamotten und immer nur kochen statt der neuesten Mode und schick essen gehen ist nicht so wirklich mein Ding...

    Von daher wird das mit dem Aussteigen ohne den Lottogewinn wohl nix werden
    Geändert von Rowellan (05.05.2007 um 08:34 Uhr)
    *lost in the woods*

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    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    Oh,

    nach genau dieser Frage habe ich gesucht. Ich will auch nicht nur für einen Job leben, ich brauche Zeit zum einfach nichts tun. Und mir kommt das alles im Moment so sinnlos vor. Ich mach mein Studium thematisch wirklich gern, aber ich habe ne menge Schulden dafür gemacht bzw. werde sie noch machen, bin tortzdem knapp dran und werde das wohl auch immer sein dank der Schulden. Und das bei ultra-miesen Jobaussichten.

    Ich überlege, ob ich nicht einfach abhaue, Schafe züchten in Neuseeland oder was weiß ich.
    Ich bin einfach zu faul für dieses Land, mag es aber auch nicht, wenn mir jemand reinredet (was bei Hartz 4 schnell passieren dürfte). Ich bin es leid, bevor ich richtig angefangen habe. Ok, ich hab diesbezüglich auch echt ne Psycho-Macke, aber trotzdem kann ich ja mal mit dem Gedanken spielen, oder?

    LG
    Ahava

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    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    Zitat Zitat von Ahava
    nach genau dieser Frage habe ich gesucht. Ich will auch nicht nur für einen Job leben, ich brauche Zeit zum einfach nichts tun. Und mir kommt das alles im Moment so sinnlos vor. Ich mach mein Studium thematisch wirklich gern, aber ich habe ne menge Schulden dafür gemacht bzw. werde sie noch machen, bin tortzdem knapp dran und werde das wohl auch immer sein dank der Schulden. Und das bei ultra-miesen Jobaussichten.
    D.h. du hast viele tausend Euro rausgeschmissen für ein Studium ohne Zukunft?

    Ich überlege, ob ich nicht einfach abhaue, Schafe züchten in Neuseeland oder was weiß ich.
    Schafe züchten ist ein anstrengender Job.

    Ich bin einfach zu faul für dieses Land, mag es aber auch nicht, wenn mir jemand reinredet (was bei Hartz 4 schnell passieren dürfte).
    Komisch. Einen Haufen Geld von anderen Leuten verbrauchen für dein Studium erscheint dir aber legitim?

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    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    Zitat Zitat von BlauerHimmel
    D.h. du hast viele tausend Euro rausgeschmissen für ein Studium ohne Zukunft?
    Gute Antwort! Ich glaube das sagt genau das aus worum es hier geht. Man könnte auch anders formulieren: Du traust dich etwas studieren was dir Spaß macht obwohl du später damit keinen Job bekommst???
    Zitat Zitat von BlauerHimmel
    Komisch. Einen Haufen Geld von anderen Leuten verbrauchen für dein Studium erscheint dir aber legitim?
    Ähm, naja, Banken vergeben Kredite ja nicht aus Gutherzigkeit und ohne jeglichen Erwartungen an den Kreditnehmer... also lassen wir doch mal die Kirche im Dorf.

    Bei mir ist leider das Sicherheitsbedürfnis und auch der Wunsch nach Materiellem viel zu hoch, als dass ich mich einem relaxten Leben hingeben könnte... Vielleicht bin ich dazu auch einfach noch zu jung. Wenn man gewisse Erfahrungen gemacht hat, dann hat man möglicherweise auch nicht mehr so sehr das Bedürfnis teure Urlaube zu machen oder exklusive Freizeitbeschäftigungen zu betreiben.

    Insgesamt hat dieses "Alternative" jedoch etwas für sich. Nur soviel Geld zu verdienen wie man unbedingt benötigt, sich nicht ständig stressen ob man denn in einem halben Jahr nicht vielleicht arbeitslos ist - seien wir ehrlich, der meiste Stress ist hausgemacht und unnötig.

    Ich kenne einige, die Laissez faire betreiben, nicht alles Jahre im Voraus planen und glücklicher sind als die "Streber".

    Aber irgendwie gibt es so eine Art "Mitnahmementalität": warum sollte ich wenig und für wenig Geld arbeiten, wenn ich auch viel arbeiten kann in einem besserbezahlten Job? Wieso sich was rausgehen lassen? Man hält sich lieber alle Optionen offen, legt ein Polster an für schlechte Zeiten die vielleicht nie kommen...
    Geändert von Over_board (04.05.2007 um 19:35 Uhr)

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    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    Zitat Zitat von Over_board
    Gute Antwort! Ich glaube das sagt genau das aus worum es hier geht. Man könnte auch anders formulieren: Du traust dich etwas studieren was dir Spaß macht obwohl du später damit keinen Job bekommst???
    Das ist doch nix besonderes. Es studieren viele Leute irgendwas Brotloses nach Interesse (vor allem Geisteswissenschaften), und haben danach schlechte Jobaussichten. Da braucht man sich nicht viel trauen. Es ist oft der Weg des geringsten Widerstands (wie es hier im konkreten Fall ist: k.A., sie hat ihr Studienfach ja nicht genannt)

    Ähm, naja, Banken vergeben Kredite ja nicht aus Gutherzigkeit und ohne jeglichen Erwartungen an den Kreditnehmer... also lassen wir doch mal die Kirche im Dorf.
    So wie Ahava klingt, will sie sich vor der Verpflichtung, die der Kredit bringt, ins Ausland flüchten oder anderweitig "faul sein" (also unter der Pfändungsgrenze bleiben) Aber vielleicht meint sie es ja auch anders.

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    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    Na,

    ob ich hier mit einem regulären Job über die Pfändungsgrenze komme, muss sich auch noch zeigen.
    Allerdings habe ich nicht vor, mich dem Zurückzahlen zu entziehen. Ich stehe auch weiterhin zu meiner Entscheidung, den Kredit aufgenommen zu haben für das Studium.
    Trotzdem würde ich gern z.B. nur Teilzeit arbeiten und das in einem Job, der in etwa meinem Studium entspricht.
    Und da sind wir dann bei der Utopie... Und das macht mich momentan so lustlos. Zumal der Kredit auch viel Erfolgsdruck reinbringt.
    Ich müsste also eine Variante des Aussteigens finden, die sich noch halbwegs mit dem Zurückzahlen verbinden lässt.
    Also wieder Utopie...

    Allerdings tut mir die Bank nun wirklich nicht leid, wenn sie nicht alles zurück bekommt, die Zinsen sind doppelt so hoch wie z.B. bei Baukrediten, das lohnt sich schon noch. Und komm mir nicht mit den armen Steuerzahlern, die ich ausnehme, frag da lieber mal, warum so Kredite nötig sind, warum eine staatliche Bank Gewinne machen muss und warum ich kein Bafög kriege, weil ich krankheitsbedingt keine aalglatte Studienlaufbahn hingelegt habe.

    Und bevor irgendein Besserwisser jetzt protestiert: Ja, das gibt es. Bafög ist an strenge Regeln gebunden.

    Aber ich mach mir mein Leben ja eh nur auf Kosten anderer schön, schließlich studiere ich ein völlig unnnützes Fach, diese Leier kenne ich zur Genüge.
    Über Sinn und Unsinn der Geisteswissenschaften diskutiere ich inzwischen nicht mehr.

    Was das Studium meines Interesses jetzt mit dem Weg des geringeren Widerstandes zu tun hat, verstehe ich allerdings nicht.

    LG
    Ahava

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    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    Zitat Zitat von BlauerHimmel
    Das ist doch nix besonderes. Es studieren viele Leute irgendwas Brotloses nach Interesse (vor allem Geisteswissenschaften), und haben danach schlechte Jobaussichten. Da braucht man sich nicht viel trauen. Es ist oft der Weg des geringsten Widerstands.
    Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich habe mich zum Beispiel nicht "getraut" gleich das brotlose Fach zu studieren, von dem ich immer geträumt habe. Stattdessen habe ich erst Mal was "zünftiges" gewählt.
    Unterschätze nicht, welchem gesellschaftlichen Druck Schulabgänger ausgetzt sind wenn sie sich trauen irgendein Orchideenfach zu wählen. Da gehört schon Mut dazu das tatsächlich durchzuziehen.

    Und Ahava hat Recht, die Diskussion über Sinn und Unsinn von Geisteswissenschaften gehört nicht hier hin. Mich würde eher interessieren wer den in einem funktionierenden "alternativen" Modell lebt bzw. wie eure Modelle aussehen!

    LG Overboard

  10. Inaktiver User

    AW: Arbeiten oder Aussteigen?

    Ich bin eine der vielen, die von ihrem Job massiv genervt ist. Zwar momentan nicht mit ausufernd vielen Überstunden, aber aufgerieben zwischen den einzelnen Abteilungen (wir sind die Abteilung, die für alles verantwortlich ist, was schief läuft (auch wenn das Problem woanders lag) und sich rechtfertigen muß).
    Aus dieser Tretmühle würde ich gerne aussteigen, und da es in einem anderen Unternehmen wahrscheinlich auch nicht besser ist (ich habe ein ausnehmend glückliches Händchen beim Aussuchen des falschen Arbeitgebers ), denke ich an Selbständigkeit/eine freiberufliche Tätigkeit. Mit dem Hintergedanken, dann bin ich für meine Fehler verantwortlich, aber nur für die.
    Das einzig positive, was ich an meinem Job sehe, ist ein regelmäßiges Gehalt, von dem ich gut leben kann.
    Ganz aussteigen mit Schafe züchten etc. wäre nichts für mich, ich bin allergisch gegen Schafwolle und harte körperliche Arbeit

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