Hallo zusammen,
ein Plauderthema kurz vor Weihnachten
Ich lese hier immer wieder Sätze wie: "In der Arbeit bin ich ausschließlich zum Arbeiten, soziale Kontakte im Büro / in der Werkstatt / im Laden etc. lehne ich ab." Und zwar sehr dezidiert.
Im Gegensatz dazu lese ich zum Glück - dann aber eher beiläufig - von Freundschaften unter Kolleg*innen, gemeinsame Mittagessen und Freizeitaktivitäten. Spannend finde ich, dass letztere Situationen selten oder gar nicht so explizit formuliert werden.
Ein Sonderfall sind natürlich Beziehungen am Arbeitsplatz, aber um die soll es hier nicht gehen.
Für mich ist es eine Horrorvorstellung, ausschließlich zum Arbeiten am Arbeitsplatz zu sein. Ich bin gern im Austausch mit Menschen, und mit meinen Kolleg*innen verbringe ich den größten Teil meiner wachen Zeit! Wie kann man da nicht mal über Persönliches reden? Nicht mit allen gleich viel, aber ich denke, es gibt immer Kollegen, die einem sympathisch sind, wo die Chemie gut ist, mit denen man in's Gespräch kommt.
In einem meiner Jobs war ich in einem außergewöhnlich guten Team; unser Teamleiter stellte neue Mitarbeiter grundsätzlich auch nach "Nasenfakor" zusätzlich zur fachlichen Kompetenz ein. Und er war immer, wirklich jedes einzelne Mal erfolgreich damit. Wir hatten einen sensationellen Zusammenhalt, auch wenn natürlich jeder und jede mal eine schlechte Phase hatte. In dieser Firma gab es einmal pro Jahr auch Geld für Team-Events (Bowlen gehen, Stadtführung, Wies'n). Wir haben immer für ein Geburtstagsgeschenk zusammengelegt etc.
Immer gemeinsam in die Kantine, und da, wo am häufigsten und am lautesten gelacht wurde - das war unser Tisch.
In meiner jetzigen Firma ist es ein bisschen reservierter, aber auch irgendwie freundschaftlich. Es gibt ganz oft Gelegenheit für einen Plausch. Weihnachtsfeier gab es heuer natürlich keine. Übrigens auch etwas, das ich ganz wichtig finde zum Kennenlernen: Firmenfeiern.
So. Wie ist es bei euch?
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22.12.2020, 15:05
"Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
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22.12.2020, 15:17
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
Ich sehe das genauso wie Du, Arbeit hat auch einen nicht unwesentlichen sozialen Faktor für mich, und egal, in welchem Bereich meines Unternehmens ich war, es gab auch fast immer nette Sozialkontakte. Intrigen und Boshaftigkeiten, denen angeblich zu viel Privates am Arbeitsplatz Vorschub leisten, habe ich übrigens nie erlebt.
Eine einzige Abteilung, in der man mit sehr wenigen Ausnahmen sehr verschlossen war, habe ich demzufolge auch in schlechtester Erinnerung. In den anderen Bereichen habe ich sehr viele sehr nette Kontakte geknüpft, viel gelacht, viel Spaß gehabt und auch ein paar bleibende Freundschaften und Bekanntschaften geschlossen.
Und auch durch schlechte Zeiten, beruflich wie privat, haben mich liebe Kollegen schon getragen. Meine Tätigkeiten sind nicht immer hyperspannend, ich hatte schon richtig doofe Chefs oder Aufgabengebiete, die mir nicht 100% lagen - aber jedesmal, wenn sich der Gedanke an Kündigung einschlich, hat mich das wirklich phantastische Netzwerk bei der Stange gehalten, und ich täte mich ordentlich schwer, in einer Firma zu arbeiten, wo so etwas nicht möglich oder erwünscht ist.
Ich bin also definitiv "Fraktion Familie".May you be surrounded by friends and family,
and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.
Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner
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22.12.2020, 15:43Inaktiver User
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
Ich bin dann die Fraktion „zum Arbeiten“.
Allerdings arbeite ich mittlerweile (nur) in Teilzeit, da muß ich zusehen, daß ich meinen Kram in den paar Stunden zügig vom Tisch geschafft bekomme. In meinem Job kommt nämlich jeden Tag neuer Kram nach...
Da ist zum einen keine Zeit für großartigen Austausch, zum anderen habe ich auch keine Gelegenheit dazu: ich bin meistens allein im Büro und sehe die Kollegen nur aus der Ferne (von vielen kenne ich bis heute nicht den Namen bzw. weiß nicht, welches Gesicht zu welchem Namen gehört).
Mir ist das ganz recht: Familie hab ich daheim genug.
Früher war das anders, da bin ich öfter mal mit ein paar Arbeitskolleginnen/Freundinnen um die Häuser gezogen.
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22.12.2020, 16:15Inaktiver User
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
Familie und Freunde sind Familie und Freunde. Kollegen sind Kollegen. Das heißt nicht, dass man sich nie unterhält! Von Kollegen weiß ich, ob sie verheiratet sind, wie alt ungefähr ihre Kinder sind und welche Hobbys sie haben. Auch über Urlaube tauscht man sich mal aus. Und selbstverständlich nimmt man auch Rücksicht, wenn irgendwas ist (Krankheit, Scheidung...).
Trotzdem bin ich in erster Linie zum Arbeiten da. Persönliche Ansprache habe ich privat genug.
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22.12.2020, 16:17
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
Ich bin ganz klar Team Familie, wenn man es so nennen mag. Bei mir muss es menscheln, damit ich mich wohl fühle in einem Team. Bisher bin ich aber auch bis auf eine Ausnahme immer in Teams gelandet, die es ähnlich handhabten. Natürlich sind manche Kollegen offener als andere und das ist vollkommen in Ordnung. Aber ich könnte tatsächlich nicht dauerhaft eng mit Menschen zusammenarbeiten, die eben Team Arbeit sind. Das passt auf Dauer einfach nicht.
Ich muss mich mal auskotzen dürfen, ich brauch den kleinen Schnack abseits der täglichen Arbeit, um zwischendrin mal den Kopf frei zu bekommen. Und es schweißt aus meiner Sicht Teams besser zusammen, sofern man zumindest ein wenig übereinander weiß und nicht nur auf die Arbeitsaufgabe fokussiert ist .
Meine liebsten Kolleginnen und Kollegen haben mich zB durch eine schwere Zeit begleitet. Ich musste mein privates Problem nicht ausbreiten, aber das Verhältnis war so Hutband vertraut, dass sie mir eine Stütze waren
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22.12.2020, 17:03
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
Ich bin beides. Ich habe mit beiden Fraktionen entsprechend schlechte Erfahrungen gemacht und suche mir die Leute jetzt ein bisschen aus. Bei der Fraktion von "wir sind doch eine Familie" war irgendwann die Tendenz zu stark, dass ich mich ausnutzen lassen sollte, weil wir uns doch alle so gern haben. Und wenn ich was nicht wollte, kam gleich der Vorwurf, das sei "unkollegial".
Ich habe ehemalige Arbeitskolleginnen, mit denen ich heute gut befreundet bin, wobei die Freundschaft dann erst richtig angefangen hat, als wir beide nicht mehr bei dem ursprünglich gemeinsamen Arbeitgeber gearbeitet haben.
Ich habe zu einem Teil meiner Kolleginnen ein Verhältnis, was mehr als "nur" Arbeit ist. Allerdings achte ich da sehr auf die Hierarchie. Mein Chef ist kein Typ für Smalltalk, bei ihm bin ich z.B. sehr froh, dass er mich wenig bis gar nichts privates fragt. Er selbst erzählt auch kaum was.
Oft finde ich es z.B. hilfreich, wenn ich die Info bekomme, das jemand privat gerade Schwierigkeiten hat, dann kann ich die Launen besser einordnen.
Ich kann aber beide Seiten verstehen. Also wenn Leute sagen, Dienst ist Dienst und Kollegen sind nur Kollegen und keine Freunde und dann die anderen, die sagen, ich verbringe soviel Zeit am Arbeitsplatz, da finde ich es schön und hilfreich, wenn das rein kollegiale Verhältnis positiv ausgebaut wird.
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22.12.2020, 17:07
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
Das ist ein interessantes Thema. Ich habe immer sehr viel Glück mit den Kollegen gehabt und hatte teilweise enge persönliche Bindungen am Arbeitsplatz.
Übrigens bin ich auch der Meinung, dass Arbeit und persönlicher Austausch miteinander verzahnt sind. In der Kaffeeküche bekomme ich die eine oder andere persönliche Geschichte mit, erfahre aber auf der informellen Ebene auch vieles, was das Unternehmen betrifft. Diese Art von Informationsfluss ist nicht zu unterschätzen.
Ein kleiner Wermutstropfen: Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie geschwätzig und tratschsüchtig Männer sein können.
Manchmal wäre mir ein bisschen weniger Gesabbel schon lieber.
Aber mein dauersabbelnder Zimmernachbar ist fachlich ausgesprochen kompetent. Da habe ich eine ganz steile Lernkurve und erfahre obendrein die Highlights aus den Firmenfeiern der letzten dreißig Jahre. Insgesamt profitiere ich sehr von seinem Mitteilungsbedürfnis.
Erstaunlich aber wahr, Kollegen, die private Kontakte am Arbeitsplatz rundweg ablehnen, habe ich noch nie gehabt.
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22.12.2020, 17:18Inaktiver User
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
Solange niemand eine Führungsposition hat, kann man sich auch privat anfreunden..
Sobald es aber um unterschiedliche Ebenen geht, sollte strikt getrennt werden.
Alles sind Menschen und wenn man zuviel vom anderen privat weiß, dann wird es oft unfair und führt zu Verstrickungen die auf der Arbeit nichts zu suchen haben.
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22.12.2020, 17:21
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
Da gebe ich Dir komplett recht. Meinen Vorgesetzten nehme ich von meiner Aussage oben aus. Da ist Dienst wirklich Dienst, hier erwarte und fordere / fördere ich keine freundschaftliche Ebene. Er erfährt nur das Notwendige.
Ok, beim aktuellen Chef kommt noch hinzu, dass er zwischenmenschlich minder talentiert ist und daher das Vertrauen spärlich ist - da erzählt man von Natur aus so wenig wie nötig.
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22.12.2020, 17:30Inaktiver User
AW: "Am Arbeitsplatz bin ich nur zum Arbeiten" vs. "auch ein bisschen Familie"
bei der familien-nummer, als berufsanfängerin, konfessioneller träger- habe ich die miesesten erfahrungen gemacht. blauäugig bis zum anschlag.
als ich gewechselt habe- war mein vorsatz: nie wieder arbeitskollegen so nah an mich ran zu lassen.
halte ich auch mittlerweile sehr gut durch. zumal die lernerfahrungen auch beim jetztigen arbeitsgeber durch mein privatleben: trennung, scheidung und co- dazu geführt haben- mich zurückzuziehen.
es gibt einzelne kollegen, beiderlei geschlechts, mit denen ich auch privat rede. sehr viele sind es nicht.



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