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    Mitarbeitergespräch

    Ich arbeite seit 13 Jahren in einem Wohnheim als Sozialarbeiterin. Wir haben einen eher distanzierten Chef, der sich weitestgehend aus unserer Arbeit raushält. Er ist oben in seinem Büro, verlässt oft ohne Abschied das Haus (so dass wir oft nur anhand des Autos wissen, ob er da ist) und bekommt wenig von unserer Arbeit mit.

    Dazu gibt es noch einen stellvertretenden Chef, der mit ihm im Büro sitzt, aber wenigstens ab und zu Kontakt zu uns hat.
    Allerdings pickt der unverfängliche Sätze raus und gibt diese ohne Kontext an den Chef oben weiter. Das wird dann gerne im Mitarbeitergespräch (MAG) ohne Kontext verdreht und dem Mitarbeiter vorgeworfen.. Ich selbst hatte das bisher nicht erlebt, aber eine Kollegin berichtete, dass sie zu einer anderen Kollegin sagte, sie hätte Heimweh. Der stellvert. Chef schnappte das auf und im MAG wurde ihr gesagt: „wir dachten, sie kündigen dieses Jahr, sie haben doch Heimweh“.

    Wir sind ein tolles Team von 20 Leuten - mit vielen Kollegen habe ich auch privat Kontakt. Da die Chefs nicht so präsent sind, haben wir viele Freiheiten. Manchmal würde aber auch mal jemand gut tun, der das Team steuert oder Feedback zu unserer Arbeit gibt.

    Alle zwei Jahre haben wir MAGs, das ist die einzige Gelegenheit für Feedback. Bisher liefen meine Gespräche unspektakulär ab. U.a. wurde meine organisierte und zuverlässige Art zu arbeiten positiv gesehen.

    Ich wusste aber von Kollegen (wir reden sehr offen darüber), dass sie zum Teil im MAG sehr respektlos behandelt wurden. Meistens traf es Frauen. Das und einige ungünstige Arbeitsbedingungen führten auch zu einer hohen Fluktuation in den letzten 15 Jahren (70 Mitarbeiter in dieser Zeit).
    Einer Kollegin, die lange dabei war und in meinem Alter ist, wurde im MAG gesagt, dass sie so negativ rüber komme. Sie hat gekündigt.

    Anfang des Jahres traf es mich nun auch. Eigentlich völlig unvorbereitet, da ich gerade 2019 viel Einsatz zeigte und selbst finanzierte Fortbildungen absolvierte. Sie kritisierten aber nicht meine Arbeit selbst, es gab auch keine Beschwerden von Klienten, sondern meine Persönlichkeit (die sich seit 13 Jahren nach meiner Einschätzung nicht veränderte).

    Das MAG fing schon anders als sonst an. Normalerweise lassen der Chef und der Co-Chef den Mitarbeiter erstmal reden. Diesmal fingen sie sofort an, unfreundlich auf mich einzureden. Ich hätte einen „negativen Habitus“ und verbreite eine „negative Atmosphäre“. Ich bat um Beispiele und es wurden „Beschwerden“ von mir an die Chefs genannt. Z.B. dass ich um eine Toilette nur für Mitarbeiter bat, die nicht für Bewohner zugänglich ist. Ich empfand diese genannte Situation eigentlich als sachliches Gespräch mit den beiden , aber scheinbar wurde das von beiden anders wahrgenommen.

    Sie interpretierten im MAG viel: Ich würde nicht mehr mit meiner Arbeit zufrieden sein und sie wissen nicht, ob dieser Standpunkt noch der richtige sei (das folgerten sie aus der Klo Geschichte).

    Ich reagierte leider in diesem MAG unprofessionell, indem ich die ganze Zeit weinte. Ich weinte und schrieb mit, während die beiden auf mich einredeten. Ich bat um Unterbrechung des Gespräches und dem wurde erst nach mehrmaligen Bitten statt gegeben. Nach einer halben Stunde wurde das Gespräch (was ja eigentlich nur aus Monologen bestand) fortgeführt. Leider musste ich weiter weinen.

    Ich bin jetzt nicht bekannt dafür, auf der Arbeit zu weinen, wahrscheinlich war ich einfach sehr verletzt. Meine Entfernung des Eierstocks war auch noch nicht lange her, da war ich ohnehin sehr empfindlich.

    Meine Kollegen, die mich nicht als negativ empfinden, haben mich nach diesem Gespräch zum Glück wieder aufgebaut.

    Ich erhielt nie ein Protokoll über dieses Gespräch und fragte nach über einem halben Jahr selbst nach. Sie wollen das erste Gespräch vergessen und ein neues terminieren. Diesmal mache ich es wie einige meiner Kollegen (die auch schlechte Erfahrungen im MAG machten) und nehme einen Vertreter des Betriebsrates mit in das Gespräch.


    Meine Frage nun:
    Ist es sinnvoll dieses erste Gespräch anzusprechen? Soll ich offen sagen, wie sehr mich diese Kritik an meiner Persönlichkeit verletzt hat?
    Oder soll ich lieber schweigen und so tun, als hätte es das erste Gespräch nicht gegeben?

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    AW: Mitarbeitergespräch

    Zitat Zitat von Blumenfrau11 Beitrag anzeigen
    Meine Frage nun:
    Ist es sinnvoll dieses erste Gespräch anzusprechen? Soll ich offen sagen, wie sehr mich diese Kritik an meiner Persönlichkeit verletzt hat?
    Oder soll ich lieber schweigen und so tun, als hätte es das erste Gespräch nicht gegeben?
    Eins vorweg:

    Ich habe keine Ahnung von so etwas, aber ja, ich finde, dieses erste Gespräch sollte unbedingt angesprochen werden. Jemanden so zu behandeln ist einfach unterirdisch, Chef hin oder her. Das macht man nicht und das darf und sollte in Gegenwart des Betriebsrates durchaus mal in aller Deutlichkeit gesagt werden.

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    AW: Mitarbeitergespräch

    Wenn du eigentlich nie Kontakt zu diesen "Chefs" hast, hat so ein Gespräch Auswirkungen auf deine Arbeitssituation? Wenn nein, kann es doch auf die Arbeit bezogen egal sein, was diese Idioten so von sich geben. Aus Mangel an Bezug zu den Mitarbeitern, aus Mangel an Kompetenz und Empathie.

    Auf dich persönlich, ja. Weil du ungerecht und nicht korrekt behandelt wirst. Die Idee mit dem Betriebsrat ist eine gute.
    "...es gibt höchstens hoffnungslose Menschen, aber nie hoffnungslose Situationen..."
    Sprichwort auf Oxtorne


    Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähle ihm von deinen Plänen.

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    AW: Mitarbeitergespräch

    Und nein, ich würde sicher nicht sagen, wie sehr das erste Gespräch verletzt hat. Gesehen haben sie es ohnehin. Für das zweite Gespräch die dicke Haut anziehen und die beiden innerlich belächeln und bemitleiden. Sachlich bleiben, die können dir ja nichts.
    "...es gibt höchstens hoffnungslose Menschen, aber nie hoffnungslose Situationen..."
    Sprichwort auf Oxtorne


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    AW: Mitarbeitergespräch

    Müssen Mitarbeitergespräche nicht allgemein positiv sein? Oder zumindest mit etwas positivem enden?
    Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin... und ich bin verdammt reiselustig





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    AW: Mitarbeitergespräch

    Sie sollten es. Aber vorgeschrieben ist das nicht.

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    AW: Mitarbeitergespräch

    Auf meine Arbeit hat es keine Auswirkungen. Ich habe zum Glück einen unbefristeten Vertrag, zudem eine Schwerbehinderung von 50.

    Natürlich wäre es schöner, von seinen Vorgesetzten positiv wahrgenommen zu werden.

    Ich weiß ja nicht, was hinter dem Verhalten steckt. Hoffen sie, dass ältere bzw. langjährigere und damit teurere Mitarbeiter von selbst gehen.
    Oder kommen sie nur nicht mit bestimmten Persönlichkeiten klar.

    Kritische Mitarbeiter sind unbeliebt, das ist mir klar. Vor 13 Jahren, als ich dort anfing und noch voller Enthusiasmus war, habe ich viele Vorschläge gemacht, was man ändern könnte. Trotzdem haben sie mich nach zwei Jahren entfristet. Mittlerweile bin ich viel zurückhaltender, weil ich weiß, dass sie berufliche Verbesserungsvorschläge gerne persönlich nehmen.

    Deshalb überrascht mich dieses Gespräch nach den vielen Jahren doch sehr.

    Auch wenn Kollegen schon von schrägen Gesprächen berichtet haben, dachte ich, dass es mich nicht treffen wird.

    Wenn ich das erste Gespräch anspreche, könnte das das Verhältnis verschlechtern. Ich weiß, dass mein Chef auch gerne mal sagt „hab ich nie gesagt“.
    Im laufe der Jahre und dadurch, dass wir uns unter Kollegen austauschen, kenne ich schon einige Standardsätze meines Chefs.

    Vor einigen Jahren habe ich vorübergehend mein Recht wahrgenommen, keine Nachtdienste mehr zu machen (als es mir gesundheitlich besser ging, übernahm ich natürlich wieder welche).
    Da fragte mein Chef, was ich denn überhaupt noch könne und ob ich hier noch richtig sei.

    Da er genau die selben Floskeln schon bei Kollegen nutzte, die wegen gesundheitlicher Einschränkungen irgendetwas eine Zeit nicht machen konnten (zb Auto fahren oder längerer Ausfall überhaupt), war ich vorbereitet.
    Nach dieser Situation hatte ich aber keine negativen Erfahrungen mehr mit ihm gemacht; er hat sich dann auf andere Kollegen eingeschossen und ich lief zum Glück unter dem Radar.

  8. Moderation

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    AW: Mitarbeitergespräch

    Ich finde das extrem schräg und eigentlich unglaublich - nicht in dem Sinne, das sich es dir nicht glaube, sondern dass ich es unfassbar finde, wie die beiden agieren. So völlig ohne Sinn und Verstand.

    Daher würde ich mit dem Betriebsrat und ansonsten völlig cool in das Gespräch gehen und im Grunde alles an mir abprallen lassen.


    Die eigentliche Frage ist tatsächlich, was tun die eigentlich?
    Hat das Auswirkungen auf deine reale Arbeit? Oder erfüllen sie eher eine rein dekorative Funktion?
    Lassen Sie mich niemals in den gewöhnlichen Fehler verfallen, zu meinen, dass ich verfolgt werde, wann immer mir widersprochen wird. Ralph Waldo Emerson

    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

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    AW: Mitarbeitergespräch

    Ich finde das allein schon merkwürdig, dass es nur alle zwei Jahre ist. Mich würde auch interessieren, welche Bedeutung das Gespräch hat, geht es da auch um Höherstufungen oder sowas?

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    AW: Mitarbeitergespräch

    Mit meinem Begleiter vom Betriebsrat werde ich natürlich auch noch besprechen, welche Vorgehensweise die beste wäre.

    Ich selbst bereite mich auch schon mal darauf vor. Aber das tue ich vor jedem Mitarbeitergespräch. Nur letztes Mal lief es völlig anders und mittlerweile gehe ich halt mit Bauchschmerzen dort hin, weil ich nicht weiß, welchen Kurs sie fahren.

    Vielleicht bereuen sie ja ihr Vorgehen selbst, sind nur übers Ziel hinaus geschossen. Vielleicht wäre es ein Zeichen gewesen, von vorne anzufangen, wenn ich ohne Betriebsrat kommen würde. Andererseits ist mir das Risiko zu groß.
    Ich kann nur ahnen, dass das nächste Gespräch harmlos sein wird, weil es diesmal nur mit einem Chef statt gefunden hätte. Als ich ankündigte, den Betriebsrat mitzubringen, wollten sie doch beide dabei sein.

    Was die Chefs täglich in ihrem Büro im einzelnen machen, weiß ich nicht. Sie sind aber auf jeden Fall dafür zuständig, dass das Wohnheim immer belegt ist. Sie schauen sich neue Bewohner an, entscheiden über den Einzug, verhandeln mit Jugendämtern, schauen, ob die Gelder reinkommen. Ebenso sind sie für das Einstellen neuer Mitarbeiter zuständig, sie kümmern sich um Handwerker, schreiben Konzepte, sind für die Aussendarstellung zuständig. Und sie sind bei den supervisionen dabei.

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