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    Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    Liebe Community,

    ich brauche bitte mal euren Rat.

    Ich arbeite als Alltagsbegleiterin in einer Pflegeeinrichtung.
    Seit April betreue ich u.a. einen 90-jährigen Mann der anfangs mit seiner Frau dort lebte. Doch leider ist sie im Juni verstorben.

    Nach dem Tod seiner Frau habe ich ihn natürlich desöfteren getröstet, habe ihn auch zum Friedhof begleitet und ihr Grab besucht. Ich habe ihm noch ein paar weitere Gefälligkeiten erwiesen, die eigentlich nicht meine Aufgabe sind. Habe mit ihm seine Unterlagen geordnet, habe alle Umschläge mit den Trauerkarten geschrieben und einige Besorgungen für ihn gemacht.
    Dann traf ihn vor kurzem ein weiterer Schicksalsschlag. Sein Sohn von Anfang 50 wurde tot im Bett aufgefunden - ein völlig unerwarteter Verlust. Er ist seitdem ziemlich auf mich fixiert.

    Heute weinte er wieder kurz und ich habe ihm über die Schulter gestreichelt. Er griff nach meiner Hand und hat vorgeschlagen das wir uns doch duzen können. Ich habe ihm gesagt das er mich gern beim Vornamen anreden kann, ich ihn aber siezen muss. Er meinte, das wäre aber ein komisches Gefühl für ihn und es muss ja niemand mitbekommen. Er wäre froh mich zu haben und mein Mann brauche sich auch nichts dabei zu denken.
    Nun ja, einen Mann gibt es schon längere Zeit in meinem Leben nicht.

    Ich habe mich von ihm verabschiedet und ihm gesagt das wir uns erst übernächste Woche wiedersehen, da ich Urlaub habe. Er sagte das er jetzt seinen Mittagsschlaf mache. Er wünsche sich aber das ich noch mal zu ihm komme um tschüss zu sagen. Auch wenn er schlafe, ich könnte ihn ruhig wecken.
    Ich bin natürlich nicht mehr in sein Zimmer gegangen um mich noch mal zu verabschieden.

    Wie kann ich mich da abgrenzen, ohne ihm vor den Kopf zu stoßen?
    Das möchte ich auf keinen Fall, denn er tut mir total leid!

    Ich glaube das er niemanden hat, mit dem er über seinen Schmerz sprechen kann und mal getröstet wird. Er hat noch einen Bruder hier vor Ort. Doch er scheint da keinen engen Kontakt zu haben. Außerdem hat er noch eine Tochter, die aber einige 100 Kilometer entfernt wohnt und mit der er regelmäßig telefoniert. Laut seinen Worten kann sie ihm aber auch nicht viel geben.

    Wahrscheinlich sieht er eine Tochter in mir, er sucht irgendwo Halt.

    Es ist mir schon immer schwer gefallen, anderen Grenzen aufzuzeigen aus Angst, deren Zuneigung zu verlieren oder in Konflikte mit ihnen zu geraten. Doch ich kann nicht ewig so weitermachen.

    Habe ich bei dem alten Herrn vielleicht einen Fehler gemacht?
    Habe ich mich da zu viel engagiert?

    Liebe Grüße,
    Corry

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    nun, ich finde, zu dem Thema wie fasst du deinen Beruf auf ist in den vorherigen Thread alles gesagt worden.

    Du hast nicht davon profitieren können?

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    Nein, davon habe ich nicht profitieren können, was den jetzigen Thread betrifft.
    DAS hier ist doch eine ganz andere Situation.

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    Zitat Zitat von Corry79 Beitrag anzeigen
    (...)
    DAS hier ist doch eine ganz andere Situation.
    Finde ich nicht.
    Es war immer ein großes Thema, dass du in deinem Pflegeberuf umprofessionell und bisweilen grenzüberschreitend agierst bzw. deine Grenzen überschreiten lässt.

  5. gesperrt

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    .... die aber immer wieder aufs Gleiche hinausläuft. Wie aus all' den zahlreichen Antworten in Deinen anderen Threads wirst Du auch hier wieder nichts mitnehmen und nichts ändern.

    Was also bewegt Dich, immer wieder solche Situationen hier zur Diskussion zu stellen? Das bringt Dir doch nichts!

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    rede mit deiner chefin wie du dich verhalten kannst/sollst.

    habt ihr eine regelmässige mediation wo du arbeitest?


    was steht in deiner arbeitsplatzbeschreibung? was wird von seiten der heimleitung vorgegeben?
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    Zitat Zitat von Corry79 Beitrag anzeigen
    ... und mein Mann brauche sich auch nichts dabei zu denken.
    In Anbetracht dessen, dass dieser Mann 50 (!) Jahre älter ist als Du, finde ich das fast schon lustig.


    Habe ich bei dem alten Herrn vielleicht einen Fehler gemacht?
    Habe ich mich da zu viel engagiert?
    Nein, bis jetzt hast Du keinen Fehler gemacht. Aber die Gefahr besteht natürlich, dass Du Dich nach und nach mehr vereinnahmen lässt, sowohl rein zeitlich gesehen als auch die emotionale Anteilnahme betreffend.

    Gibt es in diesem Heim einen Psychologen für die Heimbewohner? Vielleicht kannst Du ja die Heimleitung fragen, ob sich jemand (zB ein Trauerbegleiter) organisieren ließe? Das wäre dan eine professionelle Vorgehensweise.

    Oder aber Du siehst Dich selbst gerne in der Rolle derjenigen Person, auf die man sich gerne fixiert.

    .

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    Zitat Zitat von Corry79 Beitrag anzeigen
    Nach dem Tod seiner Frau habe ich ihn natürlich desöfteren getröstet, habe ihn auch zum Friedhof begleitet und ihr Grab besucht. Ich habe ihm noch ein paar weitere Gefälligkeiten erwiesen, die eigentlich nicht meine Aufgabe sind. Habe mit ihm seine Unterlagen geordnet, habe alle Umschläge mit den Trauerkarten geschrieben und einige Besorgungen für ihn gemacht.
    [...]
    Wie kann ich mich da abgrenzen, ohne ihm vor den Kopf zu stoßen?
    Das möchte ich auf keinen Fall, denn er tut mir total leid!
    Was steht denn in deiner Stellenbeschreibung? Wer unterstützt Bewohner bei solchen Tätigkeiten wie die, die du bekennst, wenn sie keine Angehörigen? Eine ehemalige Projektteilnehmerin von mir arbeitet sich als Alltagsbegleiterin im Seniorenheim und hat genau solche Aufgaben.
    Was anderes als die Unterstützung als solches ist deine emotionale Einbindung. Dass einen die Schicksale einzelner Menschen nicht völlig kalt lassen, ist ja in Ordnung. Aber eine professionelle Abgrenzung ist trotzdem notwendig. Wenn du das „Du“ freundlich, aber konsequent ablehnst, dass du das gut und richtig („Danke für Ihr Vertrauen zu mir, aber ich möchte trotzdem beim Sie bleiben.“)

    Vielleicht hilft dir die Unterscheidung von emotionaler und kognitiver Empathie weiter („ich fühle, was du fühlst“ im Gegensatz zu „ich sehe, was du fühlst“). Letzteres ist in der Arbeit im sozialen Bereich im weitesten Sinne sehr hilfreich, aber zu sehr mitfühlen eben nicht. Aber das lässt sich lernen.

    Natürlich ist eine Anerkennung oder Wertschätzung der eigenen Arbeit schön, aber Zuneigung bekommen, gehört in den privaten Bereich.

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    Wie hier schon geschrieben wurde, wenn du in dieser Hinsicht nicht weiter weisst, würde ich mich an die Vorgesetzte wenden.
    Seid ihr nicht in diesem Bereich vorbereitet oder geschult wurden, wie ihr in so einer Situation am besten reagiert?
    --Manchmal gewinnst du und manchmal lernst du.--

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    AW: Hätte ich von Anfang an mehr Distanz wahren sollen?

    Danke für eure Antworten.

    @ brighid

    Ich werde mich wohl an meine Vorgesetzte wenden müssen, wie ich mich weiterhin verhalten soll. Leider hat sich nicht oft ein offenes Ohr für uns. Sie steht halt auch ständig unter Zeitdruck.
    Da wäre es vielleicht besser, das Thema bei der nächsten Teamsitzung anzusprechen. Da sind auch die Mitarbeiter vom sozialen Dienst anwesend und können einen Rat geben.

    @ schafwolle

    Seine Bemerkung das mein Mann sich auch nichts dabei denken brauche, war sicherlich auch humorvoll gemeint. Auch wenn ich tatsächlich eine Bekannte habe die 48 ist und einen Partner hat, der jetzt 93 ist! Allerdings glaube ich nicht das da Liebe im Spiel ist. Es ist eher eine Zweckgemeinschaft weil beide sonst niemanden haben. Als sie sich kennengelernt haben, war er schon fast 80.

    Ich sehe auch die Gefahr das ich mich in Zukunft vielleicht zu sehr von ihm vereinnahmen lasse, vor allem emotional. Richtig ist das es mir schwer fällt angemessen Distanz zu halten, aber auch mich abzugrenzen.

    Leider gibt es in dieser Einrichtung keinen Psychologen für die Heimbewohner. Es gibt ein paar Ehrenamtler die für die Sterbegleitung ins Haus kommen, aber niemand für Trauerbegleitung. Dabei wäre das wirklich notwendig.
    Auch das könnte ich bei der nächsten Teamsitzung ansprechen.

    @ sunflower1976

    Laut Stellenbeschreibung sind wir mehr für die Bespaßung der Bewohner zuständig. Wir machen verschiedene Gruppenangebote wie Gymnastik, Kegeln, Gedächtnistraining, verschiedene Spiele. Wir kochen, backen und basteln mit ihnen. Auch unterstützen wir den sozialen Dienst bei der Organisation und Durchführung von Festen und Ausflügen.

    Ich denke das die von mir genannten Tätigkeiten eher Aufgabe der gesetzlichen Betreuerin des alten Herrn ist. Zumindest wurde es mir jetzt so gesagt, als ich zum zweiten Mal zum Handyladen gehen wollte um seine Handykarte aufladen zu lassen.
    Auch wollte er mich zur Bank schicken um Kontoauszüge auszudrucken. Doch für solche Botengänge sind wir auch nicht zuständig.

    Was du über die Unterscheidung zwischen kognitiver und emotionaler Empathie geschrieben hast, finde ich sehr hilfreich!
    Ja, man muss sich auf das SEHEN was jemand fühlt beschränken, denn wenn man ständig MITFÜHLT zerbricht man an dem Job.

    Ich stimme dir auch in dem Punkt zu das es schön ist, wenn die eigene Arbeit wertgeschätzt wird. Sich aber von einer hilfsbedürftigen Person Zuneigung zu erhoffen ist der falsche Weg.

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