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  1. Inaktiver User

    Erkrankung und jetzt?

    Guten Morgen!

    Ich befinde mich derzeit in einer ziemlich extremen Situation, Zwickmühle, die sich in den nächsten Wochen und Monaten wohl noch verschärfen wird. - Daher hätte ich gerne eure Beratung, wenn möglich ohne Schläge und Vorwürfe, ich muss mich selber noch zurecht finden und weiß selber noch nicht, wie es weiter gehen soll - oder kann.

    Bin in den 30ern (also noch nicht sooo alt) und habe meinen Beruf seit 10 Jahren immer gerne ausgeübt.

    Vor etwa zwei Monaten bin ich psychisch erkrankt und seitdem krank geschrieben. Mittlerweile habe ich eine Diagnose und werde medikamentös behandelt. Mir geht es besser, = stabiler. - Die Erkrankung hat übrigens in erster Linie manische Komponenten, mir ging es also fast die ganze Zeit über "gut", teilweise zu gut, habe hier und da über die Strenge geschlagen, mich weitaus offener verhalten, als ich das "normalerweise" tun würde, Geld verschenkt, leicht bekleidet getanzt ... alles zum Glück irgendwie noch im Rahmen. (Klopft auf Holz.)

    Mein Beruf ist emotional sehr anspruchsvoll, ich liebe das, was ich tu ... das große PROBLEM ist jedoch, dass meine Erkrankung EINDEUTIG beruflich bedingt ausgelöst wurde.
    Ich habe schon vor Monaten um Entlastung gebeten, was von meinen Chefs mit "Stellen Sie sich nicht so an" und anderen "Nettigkeiten" abgetan wurde.
    Schließlich kam es dann zum Eklat (u.a. lag das an einem Projekt, das mir zugetragen wurde, das einfach menschlich und inhaltlich kaum zu bewältigen ist) und bei mir ist sprichwörtlich "eine Sicherung durchgebrannt".

    Wie gesagt, meinen Beruf mag liebe ich, ich muss natürlich noch ein wenig warten, Medikamente und Wirkung abwarten, aber ich kann schon jetzt sagen, dass sich in mir ALLES sträubt, wieder zurück in den Laden zu gehen, der das in mir ausgelöst hat.
    Rein theorerisch dürfte und müsste ich aber in ein paar Wochen - Medikamente sei Dank - auch wieder "hergestellt" und entsprechend "belastbar" sein.

    Es bestünde aber - juristisch zwar anspruchsvoll, aber Rechtsschutz sei Dank - auch die Möglichkeit, ggf. in eine Art Frührente zu gehen.
    Aber will ich das?
    Mit paar und 30?

    Ich wäre dann wirklich finanziell sehr, sehr gut abgesichert (Details gibt es hier nur so viel: sehr gute Berufsunfähigkeitsversicherung) ... aber ich wäre eben auch "Rentnerin".

    Für den ein oder anderen mag das vielleicht sogar als Lottogewinn anmuten, das weiß ich nicht, aber ich habe durch die Erkrankung - und vor allem die Problematik, dass weder mir noch den Menschen in meinem Umfeld bewusst war, was eigentlich mit mir los ist, auch sehr, sehr viel Leid und sogar physische Gewalt erfahren. (Polizei, Fixierung, Zwangsmedikation). Letzteres leider nicht nur ein Mal.

    Also nix, was ich jemandem wünschen würde.

    Vielleicht kann mir von euch jemand ein paar Gedanken dazu aufschreiben, ich selber bin, wie gesagt, noch unsicher, in der Stabilisierungsphase ... und natürlich in der Verarbeitung ...

    Gerne auch Links zu anderen Foren, falls sich da jemand auskennt.

  2. Avatar von Loop1976
    Registriert seit
    20.02.2007
    Beiträge
    21.175

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Willkommen in der Bri

    Den "Laden" zu wechseln ist keine Option?
    Du hast ja nicht nur die Wahl zwischen dieser Arbeit und Frührente?
    Nein, mein Nickname hat nichts mit meinem Geburtsjahr zu tun

    Schade, dass man im Leben Menschen begegnet, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

    Es gibt immer 4 Versionen beim Zusammentreffen von Mann und Frau:
    Seine, ihre, die Wahrheit, und das, was wirklich passiert ist.


    Schokolade stellt keine blöden Fragen - Schokolade versteht

  3. Avatar von Sneek
    Registriert seit
    24.02.2019
    Beiträge
    1.886

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Es klingt für mich so, als wäre es nicht zwangsläufig der Beruf an sich, sondern eher dieser bestimmte Laden. Bevor Du in die Rente gehst, würde ich da erstmal noch andere Optionen checken - anderer Arbeitgeber, andere Richtung im bisherigen Beruf, Umschulung?

    Eine Bekannte von mir ist relativ jung in EU-Rente gegangen, ich habe nicht den Eindruck, dass es ihr damit wirklich gut geht. Bei ihr kommt allerdings noch hinzu, dass sie materiell nicht gut versorgt ist.


  4. Registriert seit
    25.09.2017
    Beiträge
    256

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Puh, das hört sich hart an!
    Da würde ich auch nicht mehr hin zurückwollen. Was ist denn das bitte für ein Chef?
    Es würde mir schon helfen, wenn ich die Art Deines Berufes ein bisschen einordnen könnte?
    Ich stelle mir das gerade so vor, Du seist z.B. Sozialarbeiter mit einem stressigen Projekt und das ist die Reaktion Deines Vorgesetzten...Komplett unprofessionell.
    Als jemand die selbst in jungen Jahren ein paar Psychosen hatte und dann nie mehr, kann ich Dir nur raten, das Geschehene versuchen gescheit therapeutisch aufzuarbeiten. Bei mir war da viel zu lange Scham, dass ich so von der Rolle war.
    Das braucht man nicht auch noch dazu als Last.
    Ich wünsche Dir Alles Gute, sei gedrückt!

  5. Inaktiver User

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Zitat Zitat von Loop1976 Beitrag anzeigen
    Willkommen in der Bri

    Den "Laden" zu wechseln ist keine Option?
    Du hast ja nicht nur die Wahl zwischen dieser Arbeit und Frührente?
    Leider sieht es, rein formal, tatsächlich erstmal so aus, als ob ich keine andere Option hätte. Ich kann hier aus datenschutzrechtlichen Gründen leider nicht näher darauf eingehen.

    Ein Wechsel wäre mir eigentlich auch am liebsten, dann aber nur zu den Bedingungen, dass ich mein derzeitiges Gehalt + Status mitnehmen kann UND dort bleiben kann, wo ich jetzt wohne. - Soziales Umfeld etc. pp.
    DAS allerdings wird wohl sehr schwierig werden. (Aus Gründen ... )

    Ich könnte selbstverständlich auch offiziell kündigen und woanders neu anfangen. Nur eben leider zu denkbar schlechteren Konditionen. - Und das inklusive Vor-Erkrankung, die vom Arbeitgeber hervorgerufen wurde?
    Ich würde mir damit ins eigene Fleisch schneiden. ...

    Deine Überlegung finde ich gut, hatte sie auch schon.

    Vielleicht gibt es ja diesen Weg auch doch, irgendwelche bürokratischen Lücken, wer weiß. Wird die Zeit zeigen.

  6. Inaktiver User

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Zitat Zitat von Sneek Beitrag anzeigen
    Es klingt für mich so, als wäre es nicht zwangsläufig der Beruf an sich, sondern eher dieser bestimmte Laden. Bevor Du in die Rente gehst, würde ich da erstmal noch andere Optionen checken - anderer Arbeitgeber, andere Richtung im bisherigen Beruf, Umschulung?

    Eine Bekannte von mir ist relativ jung in EU-Rente gegangen, ich habe nicht den Eindruck, dass es ihr damit wirklich gut geht. Bei ihr kommt allerdings noch hinzu, dass sie materiell nicht gut versorgt ist.
    Richtig. Mein Beruf ist toll, "der Laden" ... nun ja. Ich habe dort viele Jahre gearbeitet, eigentlich war ich immer sehr zufrieden und glücklich. In den letzten Jahren hat sich die Situation aber verschärft, beispielsweise wurde ich auch beordert mich um Menschen zu kümmern, die ... nicht wirklich arbeiten wollten, sondern gezwungen wurden, Dinge zu tun, die mein Arbeitgeber für sinnvoll hielt.
    Ich habe das gut hingekriegt, wir (also meine Untergebenen und ich) hatten ein sehr angenehmes persönliches Verhältnis, aber es ist natürlich schwierig - und auch ein Grund für meine Erkrankung, denke ich, - wenn man als Puffer zwischen allen Ecken (oben und unten) eingesetzt wird.

    Zu Deinen Vorschlägen habe ich oben schon was geschrieben. Wäre mir eigentlich auch die liebste Option, aber ich bin ja nicht ganz von gestern und kündige etwas auf, nur um mich dann - inklusive Vorerkrankung - finanziell und status-mäßig zu verschlechtern ...


  7. Registriert seit
    20.01.2019
    Beiträge
    505

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Ich bezweifle sehr, dass du in deinem Alter und nach "nur" zwei monatiger Erkrankung dauerhaft Rente beziehen kannst.

  8. Inaktiver User

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Zitat Zitat von Sturmfest Beitrag anzeigen
    Puh, das hört sich hart an!
    Da würde ich auch nicht mehr hin zurückwollen. Was ist denn das bitte für ein Chef?
    Es würde mir schon helfen, wenn ich die Art Deines Berufes ein bisschen einordnen könnte?
    Ich stelle mir das gerade so vor, Du seist z.B. Sozialarbeiter mit einem stressigen Projekt und das ist die Reaktion Deines Vorgesetzten...Komplett unprofessionell.
    Als jemand die selbst in jungen Jahren ein paar Psychosen hatte und dann nie mehr, kann ich Dir nur raten, das Geschehene versuchen gescheit therapeutisch aufzuarbeiten. Bei mir war da viel zu lange Scham, dass ich so von der Rolle war.
    Das braucht man nicht auch noch dazu als Last.
    Ich wünsche Dir Alles Gute, sei gedrückt!
    Sturmfest und Waldhexchen ... schöne Kombi! Jep, Psychose, Du hast es erfasst.

    Danke für den Einblick.

    Ich persönlich schäme mich gar nicht so sehr, abgesehen von diesen furchtbaren Erfahrungen, wie ich ein paar Mal zwangseingeliefert wurde, weil mein Umfeld überhaupt nicht mit meinem Verhalten klar kam (was übrigens gar nicht soo dramatisch war, aber eben anders als sonst), habe ich mir eigentlich nix schlimmes zu schulden kommen lassen.
    "Man" (also die anderen) waren teilweise der Auffassung, ich wolle mir etwas antun, - das war und ist aber nicht der Fall, ich war eigentlich immer ganz glücklich und hatte so die Vorstellung wirklich "frei" zu sein ...
    Hatte auch keinen Verfolgungswahn oder andere negative Begleiterscheinungen.

    Mein Psychater hat es so ausgedrückt:
    Bei emotionaler Überlastung gibt es für die Seele zwei Möglichkeiten zu reagieren. Die meisten Menschen bekommen Depressionen oder Burnout.
    Da ich schon seit Jahren in Behandlung war (wegen leichter Depressionen), hat sich meine Seele anscheinend unbewusst den Weg "nach oben" gesucht.

    Ich bin ein sehr kreativer Mensch und jetzt, nachdem die Hochphase abgeklungen ist, nutze ich die freie Zeit, um mich ganz ausgiebig mit verschiedenen Projekten zu beschäftigen. Wenn ich nicht so "pflichtbewusst" wäre, könnte ich mir eigentlich auch sagen: Hey, cool, jetzt kann ich endlich DAS machen, was ich schon immer wollte, ganz frei von irgendwelchen Verpflichtungen.
    Ich hatte auch schon überlegt, mich ggf. ehrenamtlich zu engagieren.

    Also kurzum: Ich kriege mich ganz sicher organisiert und "Manie sei Dank", bin dabei auch recht gut drauf.

    Dennoch ist es eben eine Gewissensfrage und letztendlich auch eine Frage von "Geschmäckle". Ich möchte nix und niemanden ausnutzen, mich auf Kosten der Allgemeinheit ausruhen und solcherlei. SO würde ich aber gewiss von vielen gesehen, sollte ich den Weg der Frührente wählen. DAS wiederum kann mir vielleicht auch egal sein ... ist es aber nicht. Noch nicht? Nie?

    Und wieder komme ich zu dem Punkt zurück, dass ich eigentlich schon vor Monaten sehr "weise" darauf hingewiesen habe, dass bei mir eine Grenze erreicht ist.
    Das, was dann passiert ist, verdanke ich meinen unsensiblen Chefs und meiner preußischen Arbeitsmoral.

    Sozialarbeit passt ganz gut, wenn auch nicht 100%. Geht schon um ein Unternehmen, Wirtschaft, viel Geld. ... Mag an dieser Stelle nicht mehr dazu schreiben, aber vielleicht per PN, wenn Du großes Interesse hast?

  9. Avatar von PinkPoodle
    Registriert seit
    20.07.2012
    Beiträge
    2.402

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Ich kann nur schreiben was ich in dieser Situation tun würde. Ich würde das "Rentner" wählen, falls es auf dauer finanziell machbar wäre. Dann würde ich mich um mich und meine Gesundheit kümmern. Man kann sich ja auch später ehrenamtlich engagieren, ohne einen empathielosen Chef im Nacken.

  10. Inaktiver User

    AW: Erkrankung und jetzt?

    Zitat Zitat von putulu Beitrag anzeigen
    Ich bezweifle sehr, dass du in deinem Alter und nach "nur" zwei monatiger Erkrankung dauerhaft Rente beziehen kannst.
    Das wird auch nicht von heute auf Morgen passieren. Erst einmal muss ich mir klar werden, was ich überhaupt will (will ... = kann. Ja, hier ist irgendwie "können" das bessere Wort.) . - Und wieder gesund werden. Mein Psychater hat mir Herbst, ggf. sogar erst Frühjahr in Aussicht gestellt.
    Geändert von Inaktiver User (10.08.2019 um 11:39 Uhr)

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