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  1. Registriert seit
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    Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Hallo liebe Community,

    ich habe am 1. Februar in meinem ersten Job als Altenpflegehelferin angefangen. Für mich ist es ein Job, den ich unbedingt machen wollte und wo ich echt geglaubt habe dort meine Erfüllung zu finden.
    In meiner Ausbildung zur Pflegehelferin bekam ich die Rückmeldung das ich mich für diesen Beruf eigne, nur ein bisschen schneller werden müsste. Doch ich sagte mir das ein höheres Arbeitstempo schon mit der Routine kommen würde.

    Leider hatte ich von Anfang an den Eindruck das eine Kollegin ein Problem mit meiner sensiblen und ruhigen Art hatte. Sie ist das genaue Gegenteil von mir und so kritisierte sie mich oft auf sehr abwertende Weise. Es hieß dann ich wäre zu verzagt und müsse die Bewohner bei der Pflege mal ein bisschen "antreiben".
    Ich vergaß in den ersten Wochen auch schon mal etwas z.B. in Bezug auf die Dokumentation oder welches Formular wofür verwendet wird.

    Vor einer Woche hatte ich ein unerfreuliches Gespräch mit der Pflegedienstleiterin. Sie wollte von mir wissen, was ich an meiner Arbeitsweise positiv sehe und was ich aus meiner Sicht verbessern könnte. Nachdem ich diese Angaben gemacht hatte, erfolgte ihre "Mängelliste". Sie sagte, ich wäre zu ruhig und könnte mich deshalb nicht genügend gegenüber den Bewohnern durchsetzen. Auch würde ich mit diesem Persönlichkeitsmerkmal im Team dauerhaft untergehen. Desweiteren warf sie mir vor, zu viel zu vergessen.
    Ich rechtfertigte mich das ich mir viele Notizen gemacht habe, aber erst noch mehr Routine bekommen müsste. Zu dem Zeitpunkt war ich schließlich erst 6 Wochen in dem neuen Job.

    Die Pflegedienstleiterin gab mir aber eindeutig zu verstehen das man das nicht mehr lange dulden würde. Bisher habe ich ihren Worten nach noch Welpenschutz gehabt. Doch wenn sich meine Leistungen bis zum 27. März nicht wesentlich verbessern, müssten wir leider ein sehr ernsthaftes Gespräch führen!
    Was eindeutig heißt das es dann auf eine Kündigung hinausläuft.

    Ich war echt verzweifelt, zwang mich aber, nicht in eine Schockstarre zu verfallen. Ich fasste den Vorsatz noch mal mein Bestes zu geben und sie davon zu überzeugen das ich eine fähige Mitarbeiterin bin.
    Ich setzte mich sehr unter Druck, weil die Leiterin sehr häufig dort auftauchte wo ich gerade war. Das verunsicherte mich und ich machte ein paar Fehler bei der Dokumentation die ich aber zum Glück noch rechtzeitig bemerkte und ausbessern konnte.

    Doch die Leiterin, die vorher noch halbwegs freundlich war, zeigte plötzlich ein ganz anderes Verhalten. Sie grüßte nur noch kurzangebunden und teilte mir nicht mehr wie vorher bei Dienstbeginn mit wer verstorben war.
    Was mir auch komisch vorkommt: ich bin letzten Samstag 40 geworden und schon 2 Wochen vorher lag im Büro der Pflegedienstleitung ein Umschlag mit meinem Namen, der eine Geburtstagskarte enthielt. Ich habe natürlich nicht reingeguckt, habe aber Karten für andere Kolleginnen unterschrieben. Außerdem stand dort eine Dose mit der Aufschrift von meinem Namen und der Zahl 40 so das man eine Münze für ein paar Blumen o.ä. einwerfen konnte.
    Bis jetzt habe ich weder die Karte noch ein kleines Geschenk bekommen. Nur gestern bei der Teambesprechung gratulierte mir eine Mitarbeiterin vom Pflegedienst während die anwesenden Kolleginnen erstaunt waren weil sie nichts von einem runden Geburtstag gewusst haben. Die Leiterin, die ich jeden Tag kurz im Büro sehe gratulierte mir nicht.

    Ich habe wirklich alles gemacht, um doch in dem Heim bleiben zu können und nicht gekündigt zu werden. Viele der Bewohner habe ich ins Herz geschlossen und sie akzeptieren mich auch.
    Ich habe sogar bei einer sehr lieben alten Dame Sterbebegleitung gemacht, obwohl ich mir das vorher niemals hätte vorstellen können. Ich bin auch länger geblieben, um mehr Zeit für sie zu haben. Als sie so röchelnd atmete, habe ich sie immer wieder beruhigt und ihren Arm und ihre Hand gestreichelt. Nie werde ich vergessen wie sie mich ein letztes Mal anlächelte. Sie ist gestern Abend verstorben und ich las es auf der Tafel im Büro. Niemand hatte mir etwas gesagt. Vor dem Mittagessen war eine Gedenkminute und ich weinte, als ich ihren leeren Platz mit einer Kerze und einem Foto von ihr sah. Kurze Zeit später musste ich eine Mitarbeiterin, rechte Hand von der Pflegedienstleiterin, nach einer Liste fragen. Obwohl sie bei der Gedenkminute auch anwesend war, schnauzte sie mich gleich an wofür ich die Liste brauche. Ob ich etwa wieder etwas vergessen habe. Die Leiterin hatte heute plötzlich ein Problem damit das ich meine Straßenschuhe in eine Ecke an der Garderobe abstelle, wie ich es schon seit Beginn an mache. Ich muss sie ab morgen in einem Raum im Keller hinstellen.

    Ja, zu guter Letzt muss ich wohl noch schreiben das ich gestern wirklich etwas wichtiges vergessen habe. Ich weiß es ist keine Entschuldigung, aber ich fühlte mich schon den ganzen Morgen komisch. Nachmittags habe ich noch Sterbebegleitung gemacht und war anschließend bei einer anderen Bewohnerin die alles mögliche benötigte. Darüber habe ich diese Sache, die ich erledigen sollte total vergessen! Als ich es feststellte, war ich geschockt. Nur war es zu spät und es kam eine Kollegin und meinte verärgert das sie das jetzt erledigt hätte.

    Ich habe ein sehr ungutes Gefühl wenn ich an das Gespräch mit der Pflegedienstleiterin denke.
    Das sie sich mir gegenüber plötzlich so kurzangebunden verhält kann nur bedeuten das man mir kündigen wird, oder?
    Meint ihr wenn ihr diesen Beitrag lest das ich für den Job nicht geeignet bin?

    Liebe Grüße
    Corry
    Geändert von Corry79 (21.03.2019 um 19:30 Uhr)

  2. Avatar von linsemo
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Ich denke, daß du geeignet bist, aber nicht für das System. Du bist einfach zu menschlich.
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


  3. Registriert seit
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Zitat Zitat von linsemo Beitrag anzeigen
    Ich denke, daß du geeignet bist, aber nicht für das System. Du bist einfach zu menschlich.
    Ja, irgendwie kam mir der Gedanke auch schon. Ich bin dafür vielleicht zu sensibel und weichherzig.

  4. Avatar von Pola
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Egal, ob Du geeignet bist: einem Mitarbeiter gratuliert man zum Geburtstag!

    Such Dir eine andere Stelle mit etwas empathischerem Führungspersonal, das gibt es bestimmt. Hast du schon mal an ein Hospiz gedacht? Dort ticken die Uhren etwas langsamer, denke ich.

  5. Avatar von fledervieh
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Liebe Corry,

    ich habe den Eindruck, dass du deinen Job gut machst
    Leider sind die meisten Pflegeeinrichtungen nicht mehr auf Menschlichkeit ausgelegt.

    Wie kommst du mit der Sterbebegleitung zurecht? Falls du dir zutraust, diesen Weg öfter zu gehen, schau doch mal, ob du in einem Hospiz oder ambulanten Hospizbetreuungsdienst unterkommst. Dort darfst du dir so viel Zeit für die Menschen nehmen, die nötig ist.

    Schau, dass du schnell woanders unterkommst, dann kannst du deiner Vorgesetzten zuvorkommen und ihr mit einem süffisanten Lächeln die Kündigung in die Hand drücken.

    LG,
    flederchen
    "Kacktusse."
    - "Das heißt 'Kakteen'."
    "Ne, ne. Ich mein schon dich."


  6. Registriert seit
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    corry - ich bin ehrlich froh, dass es menschen wie dich gibt. ich könnte das nie leisten.
    such dir einen anderen arbeitgeber, der beruf ist gefragt und dringend gesucht.
    du musst dich nicht so behandeln lassen, durch den druck entstehen sicherlich auch fehler.
    aus meiner sicht würdest du auch sehr gut in die palliativmedizin passen.
    lass dich nicht beirren, du passt gut in die pflege, such dir was anderes.
    es gibt so menschen, wenn du da mit kopfschütteln anfängst, endet das in einem schleudertrauma.

    alle elf minuten geht mir jemand tierisch auf den geist.
    ich backpfeife jetzt!


  7. Registriert seit
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Tja, das ist ja mal was. Als ich las, was du über dein Wesen von der Leiterin gesagt bekommen hast, war mein erster Gedanke, die muss da weg.

    Lass dich in so einen Dragonerladen nicht verheizen. Du hast definitiv eine bessere Stelle verdient, obwohl der Pflegebereich im Allgemeinen nicht gerade easy sein dürfte.

    Was waren das für Aufgaben, die du vergessen hast? So etwas wie Medikamente verabreichen? Das wäre gravierend. Mal den einen oder anderen Kaffee nicht bringen hingegen nicht.


  8. Registriert seit
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Ich glaube, menschlich wärst du im Hospizbereich tatsächlich gut aufgehoben.

    Das Problem ist - du bist Pflegehelferin. Das bedeutet, dein Job besteht quasi aus "Arbeit mit Händen und Füßen", Und auch wenn sich jeder Mensch im Alter eine sensible, einfühlsame Pflegekraft wünscht, dafür ist das System nicht ausgelegt. Die eigentlich wunschenswerten menschlichen Eigenschaften wie Sensibilität sind nicht vorgesehen.
    Da zählt nur Geschwindigkeit, Durchsetzungsvermögen und Genauigkeit.

    Wenn du dir nicht eine harte Haut zulegen willst, wechsel den Bereich.

    Eine meiner Töchter ist Gesundheits und Krankenpflegerin. Da hagelte es schon im ersten Jahr Rüffel und Gemecker, wenn etwas vergessen wurde oder falsch eingetragen wurde - das wichtigste ist die ordnungsgemäße Dokumentation, nicht der Patient.
    Sie hat sich durchs erste Jahr mit vielen Tränen gequält, danach sind ihr dann die nötigen Haare auf den Zähnen gewachsen.
    Nach ihrer Ausbildung war sie kurz in einem Altenheim-da war es eher noch schlimmer.
    Jetzt studiert sie. Sie wäre auch nicht der Mensch, der diesen Job auf Dauer durchgehalten hätte, denke ich.

    Mitarbeiter in der Pflege sind gesucht, aber wer den Anspruch hat, kranken oder alten Menschen Zuwendung zukommen zu lassen, über das notwendigste Maß hinaus, wird da nicht glücklich werden.
    Es sei denn, er beherrscht die Kunst, sehr schnell Routinen zu entwickeln und in Schallgeschwindigkeit herum zu sausen, ohne dass man ihm den Streß anmerkt.

  9. Avatar von Gedankentiefe
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Mein Eindruck ist auch, Du gibst der Pflege dort ein menschlicheres Antlitz...

    Wenn die vergessenen Dinge nur Bestandteile des überbordenden Bürokratie-Apparats waren...

    Könntest Du Dir vorstellen, jemanden privat zuhause zu pflegen?

    Ich habe solche Stelleninserate schon öfters in der Zeitung gesehen.

    Vielleicht wäre das vielmehr etwas für Dich: weniger Zeitdruck, weniger Hetze, weniger Bürokratie, mehr Zeit für das menschliche Miteinander und nicht nur "trocken & sauber & ruhig".

    Auf jeden Fall solltest DU diesen jetzigen Job hinter Dir lassen.


    Alles Gute!

  10. Avatar von Vienna__
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    AW: Täusche ich mich oder stehen die Zeichen auf Kündigung?

    Liebe TE,

    Dir rate ich auch, Dich so schnell wie möglich wo anders zu bewerben. Und vorrangig bei privaten Trägern. Anders und "lapidar" gesagt: "Wo das Geld ist". Du scheinst eine wunderbare Fachkraft zu sein und nur definitv am falschen Arbeitsort. Lass Dich bitte nicht verunsichern! Die zu pflegenden Menschen und deren Angehörigen werden mehr als glücklich sein, Dich zu haben.

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