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  1. Registriert seit
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    New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Hallo zusammen,
    mich würden Eure Meinungen bzw Gedanken zu folgendem Thema interessieren:

    Im Unternehmen experimentieren wir seit einer Weile mit unterschiedlichen Aspekten von dem, was ich als „New work“ bezeichnen würde: Großzügiger Gleitzeitkorridor von 4h morgens und abends, kleines Gleitzeitkonto (keine ganzen Gleitzeittage, aber Ausgleich von Mehrarbeit durch „kürzere“ Tage), Arbeiten aus dem Home Office oder von sonstwo, digitale Tools zur Unterstützung der Zusamnenarbeit in räumlich verteilten Teams etc.

    Nun hat sich im Rahmen von Workshops folgende Bedarfslage herauskristallisiert: auf der einen Seite möchten alle Mitarbeiter eine möglichst strukturierte Zusammenarbeit. Auf der anderen Seite ist eine komplett „freie“ Arbeitszeiteinteilung gewünscht. Gleichzeitig ist der Wunsch nach Selbstorganisation (dh kleine, informelle Teams, die sich eigene Regeln geben) eher schwach ausgeprägt, bzw das sehen die wenigsten als so wichtig an, und man sieht da eher einen „klassischen“ Chef, der die Dinge steuert.

    Aus meiner Sicht ist das ein gewisser Zielkonflikt - „strukturiertes Arbeiten im Team“ hat ja auch eine zeitliche Komponente, denn wenn jeder sich seine Zeit komplett frei einteilen kann, kann ich ja nie einen fixen Zeitpunkt für ein wöchentliches Abstimmungsmeeting oder ein Daily Huddle einplanen, sondern muss immer gucken, wer jetzt eigentlich wann da ist.

    Wie seht Ihr denn das Thema „(möglichst) freie Zeiteinteilung und strukturierte Arbeit in Teams“, auch vor dem Hintergrund, dass der Kunde ja auch mal mit seinem direkten Ansprechpartner telefonieren will? Bzw wie ist das bei Euch im Unternehmen umgesetzt? ZB: wie stellt ihr sicher, dass bei einer hypothetisch völlig frei einteilbaren Arbeitszeit auch wirklich jemand da ist, der ans Telefon geht, wenn ein Kunde einen neuen Auftrag platzieren will? Heißt das dann, dass freie Zeiteinteilung für alle außer das Sekretsriat gilt? Und ist sowas fair? Freue mich auf Eure Gedanken!
    Geändert von Kara_Thrace (27.02.2019 um 20:10 Uhr)

  2. Moderation
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    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Ich bin seit Kurzem in einem dieser jungen, selbstorganisierenden Unternehmen. Das Nette ist: selbstorganisierende Teams organisieren sich selbst. Zu den regelmäßigen Jour fixes ist man da oder klinkt sich per Chat und Video ein, ansonsten schreibt man in den Kalender, wann man da ist und wann erreichbar.
    Das Schlechte, nach meiner bisherigen Erfahrung: es ist nichts für Leute, die "gemicromanaged" werden wollen. (Ok, das war jetzt der Denglizismus des Tages.)

    Das Telefon wird, wenn der Empfang nicht besetzt ist, automatisch weitergeleitet, nach einem halbwegs intelligenten System (Kunden des Bereichs X landen irgendwo im Bereich X usw.).

    Dass man bei Bereitschaftsdiensten aller Art nicht spontan sagen kann, dass man mal zwei Stunden weg ist, liegt auf der Hand. Aber dank sinnvoller Organisation kann man schon ziemlich viel geregelt kriegen, auch zb einen zuverlässigen Support. Ein Krankenhaus muss das sicher anders regeln, aber verschiedene Berufe bringen eben verschiedene Anforderungen mit sich.


  3. Registriert seit
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    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen

    Dass man bei Bereitschaftsdiensten aller Art nicht spontan sagen kann, dass man mal zwei Stunden weg ist, liegt auf der Hand. Aber dank sinnvoller Organisation kann man schon ziemlich viel geregelt kriegen, auch zb einen zuverlässigen Support. Ein Krankenhaus muss das sicher anders regeln, aber verschiedene Berufe bringen eben verschiedene Anforderungen mit sich.
    Ok, aber heißt das, dass ihr Kollegen am Empfang habt, für welche die „maximale Flexibimisierung“ der Arbeitszeiten nicht gilt? Und - hypothetisches Beispiel - was würde passieren, wenn die Mitarbeiter bei maximaler Flexibilisierung ihrer Arbeitszeiten ihre Stunden so zusammenlegen würden, dass Freitags plötzlich gar keiner mehr im Büro ist? (Diese Diskussion habe ich im Team tatsächlich schon mal geführt, und die Antworten darauf waren unterirdisch...)
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  4. Inaktiver User

    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Wenn es erforderlich ist, dass mindestens einer im Team bis zu einer bestimmten Uhrzeit da ist, braucht man dafür eben einen Schichtplan.


  5. Registriert seit
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    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Mein Unternehmen ist nicht jung, und bei Nennung meines Arbeitgebers in Zusammenhang mit dem Schlagwort New Work würden die meisten vor Lachen zusammenbrechen. Trotzdem stelle ich im Austausch mit Freunden und Bekannten immer wieder fest, dass unser Arbeitszeitmodell relativ flexibel ist.

    Grds. 40 h Woche, 5 Tage-Woche, pro Tag müssen mindestens 4h eingebracht werden. Der Rahmen ist von 6:30 Uhr bis 20:00 Uhr, wobei drei der vier Stunden zwischen 8:30 Uhr und 11:30 Uhr oder 13:00 bis 16:00 Uhr eingebracht werden sollen (das sind bei uns auch die Zeiten mit dem meisten Kundenkontakt).

    Ausnahmen sind auch ohne Rücksprache mit dem Chef möglich, in jeder Einheit muss aber zu diesen Zeiten immer mindestens Eine(r) da sein. (Die Einheiten sind zwischen 4 und 7 Personen groß, Ausnahme Sekretariat, die sind nur zu zweit.)

    Das klappt erstaunlich gut.
    Besprechungstermine werden möglichst rechtzeitig angekündigt und nicht auf die Randzeiten gelegt. Die JF-Termine standen schon vor der Flexibilisierung. Wer da ist, ist da, wer nicht, muss sich selbst um die Infos kümmern.

    Überstunden können auch in ganzen Tagen abgefeiert werden, dann muss aber der Chef informiert werden.

    Nachtrag: bei uns hat es sich so eingebürgert, dass man am Tag vorher Bescheid gibt, wenn man völlig außerhalb seines üblichen Rahmens arbeiten will, der Frühaufsteher also z.B. nicht wie üblich um 7Uhr da ist, sondern erst mittags kommt.
    Geändert von Monzel (28.02.2019 um 08:22 Uhr) Grund: Ergänzung

  6. Inaktiver User

    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Kara, wenn Ihr einen Arbeitszeitrahmen ab 4h nachts habt, muss es dann keinen Nachtzuschlag geben?

  7. Moderation
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    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Natürlich gibt es Jobs, für die so etwas nicht gilt. Wie gesagt: jeder Job hat seine eigenen Anforderungen.

    Zur zweiten Frage: Wenn das so ist, ist es kein selbstorganisierendes System. Denn in einem solchen fühlt man sich auch dafür verantwortlich, dass es funktioniert, und sucht gemeinsam nach einer Lösung. Das ist ja dieses "Millenials"-Thema: die wollen die Welt verbessern, also brauchen sie Firmen mit Visionen, und dort zieht man dann auch an einem Strang und erwartet nicht, dass ein Vorgesetzter entscheidet. Bei uns heißt das auch: "Wir folgen dem gesunden Menschenverstand."

    Ist nicht für jeden was, glaube ich. Manche Menschen sind in einer klaren Hierarchie mit klaren Arbeitsanweisungen und klaren Regeln besser aufgehoben.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  8. Avatar von Rowellan
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    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Wir haben auch ein großzügiges Arbeitszeitmodell und sind ziemlich frei in unserer Zeiteinteilung. Aber natürlich ist es gewünscht, daß man an festen Terminen (Telefon- und Videokonferenzen) auch teilnimmt und das klappt gut.
    Und wir müssen natürlich auch darauf achten, daß immer mindestens eine Person im Team erreichbar ist - das klappt aber mit interner Abstimmung sehr gut. Wir haben aber auch hauptsächlich Leute da, die ihre Arbeitszeit auf die 5 Wochentage gleichmäßig verteilen und niemanden, der dann morgens um 5 anfängt, um mittags um 1 gehen zu können. Oder jeden Tag 10 Stunden ranklotzt, um dann am Freitag frei zu haben.
    Schwierig ist es höchstens dann, wenn eine ganze Abteilung nur aus Teilzeitkräften besteht und dann tatsächlich mal Freitag Nachmittag so gar keiner mehr erreichbar ist, aber selbst das "grooved sich ein" im Laufe der Zeit.

    Wir sind allerdings als Konzern auch groß genug, daß es immer eine Zentrale gibt, die erreichbar ist. Außerdem haben wir inzwischen alle Diensthandys, d.h. Leute, die remote arbeiten, sind trotzdem erreichbar.


    Persönlich bin ich sehr dankbar für das Modell - es hilft bei diesen ganzen "wir kommen morgen zwischen 8:00 und 16:00, um die Heizung abzulesen" Aktionen.
    *lost in the woods*


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    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Kara, ernstgemeinte Frage, ist es denn bei Euch nötig, dass Freitag nachmittags jemand da ist?



    Dass den ganzen Freitag niemand da ist funktioniert ja im Allgemeinen dann nicht, wenn die Gleitzeit immer noch vorschreibt, dass man täglich auftaucht.


  10. Registriert seit
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    AW: New Work: Wunsch nach Struktur und Wunsch nach freier Zeiteinteilung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Kara, wenn Ihr einen Arbeitszeitrahmen ab 4h nachts habt, muss es dann keinen Nachtzuschlag geben?
    Das war missverständlich ausgedrückt, sorry - bei uns kann man zwischen 6 Uhr morgens und 10 Uhr morgens anfangen, das ist ein Korridor von 4 Stunden.
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