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Thema: Die Lobfalle


  1. Registriert seit
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    Die Lobfalle

    Kennt ihr das? Wenn ihr neu seid, und denkt, keine Ahnung was ich da tue, ihr strengt euch an, arbeitet euch in neue Gebiete ein, in der Hoffnung nicht enttarnt zu werden oder gekündigt, und freut euch erstmal darüber, dass ihr gelobt werden, oder XY erzählt, ihr seid super in dem und dem Gebiet....

    Bis ihr es irgendwann nicht mehr toll findet, sondern eher als Gegenteil - irgendwie von oben herab.

    Irgendwie hab ich den Eindruck, dass es nichts Positives ist, im Job gelobt zu werden, sondern meistens eher manipulativ, weil man bekommt ja auch nichts dafür, außer mehr Aufgaben und den Ruf, frag XY.

    Ist das so eine Lobfalle und wie macht man sich das bewusst ohne Frustration zu entwickeln?

    Ich habe gerade den Artikel entdeckt und genauso fühlt sich sowas an:

    Lob im Buro: Matthias Nollke regt sich auf - SPIEGEL ONLINE
    Geändert von weristdennda (03.01.2019 um 23:12 Uhr)

  2. Moderation
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    AW: Die Lobfalle

    Ich fand es sehr angenehm, als ich in USA gearbeitet habe, und der Chef nicht nur mit einem sprach, wenn er was zu kritisieren hatte, sondern auch, wenn was gut gelaufen war.

    Wenn ich das Gefühl hätte, das Feedback ist nicht ehrlich, würde mich das allerdings irritieren. Ich würde es erst mal auf eine grundlegendes Charakter- oder Kommunikationsproblem des Chefs schieben, statt es zu meinem Problem zu machen. "Der ist halt so, der glaubt das muß so sein. Ich kann mir leisten, dieser Marotte gegenüber großzügig zu sein."

    Merke ich, daß er mich damit manipulieren will, z.B. für lau mehr zu arbeiten, dann bin ich eigentlich schon aus dem Schneider und kann mir überlegen, "will ich das? Nö." und entsprechend handeln. Merke ich, daß es sein Ziel ist, Unfrieden unter seinen Mitarbeitern zu stiften, ebenfalls.

    Den Ruf zu kriegen, in einem wichtigen Spezialthema eine Koryphäe zu sein, läßt sich je nach Firmenstruktur auch gewinnbringend einsetzen. Es erhöht die Sichtbarkeit beim Chefchef und bei den Kollegen des Chefs, und die sehen, worauf sie ausgerichtet wurden, zu sehen, "Mönsch, der ist ja der volle Experte für XY, den müssen wir halten!" Muß man beobachten und gucken, ob es nützt, oder ob man nur hochgelobter Sockensortierer ist.
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  3. Avatar von BlueVelvet06
    Registriert seit
    26.03.2017
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    5.061

    AW: Die Lobfalle

    Was ist denn das für eine Einstellung, zu jedem Lob auch noch eine materielle Belohnung obendrauf zu erwarten, sonst ist das Lob keine wirkliche Anerkennung? Kann ich nichts mit anfangen, mit dem Artikel auch nicht.
    Die zwei häufigsten Motive für Mord sind Liebe und Geld.
    Ich werde definitiv eines natürlichen Todes sterben.


  4. Registriert seit
    15.06.2007
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    6.472

    AW: Die Lobfalle

    Der Artikel ist eine 1 Sichtweise auf diesen Umgang- man kann das alles auch anders einordnen.

    Lob ist eine Art der Manipulation.
    Im Gegensatz zur Bestrafung oder wenn ich jemanden beschimpfe, kommt das Lob in netter Verkleidung daher und hat sich damit gut maskiert. Lob bedeutet immer auch Anerkennung und DAS tut jedem gut- da werden sehr alte Bedürfnisse angesprochen und bedient.

    Wenn du von dem Gefühl "irgendwie von oben herab" sprichst, dann ist das zutreffend, denn Lob bringt immer eine Hierarchie mit.
    Es gibt jemanden, der dein Tun beurteilen kann- und der damit mehr Wissen, Ahnung, Kenntnisse hat und somit über dir "steht". Es GIBT in dem Moment also eine Hierarchie (manche fühlen sich übrigens genau damit nochmals besser, weil sie in die Kindrolle rutschen und ein "gutes Kind" waren).

    Du bist hier im Berufsbereich- in der Erziehung ist es genau dasselbe.
    Verhalten soll mit Lob gefördert werden.

    Aufrichtige Anerkennung ist gar nicht so einfach- gibt es aber und wir können es oft sehr genau erspüren, ob eine Anerkennung nun tatsächlich NUR der Freude, Anerkennung entspringt oder ob dahinter noch anderes liegt.
    Wenn man empfindlich für diesesThema wird, bleibt die Frage "was möchtest du damit erreichen?" und kann damit besser umgehen.

    Wir haben es nicht gelernt- aufrichtig Anerkennung zu geben- und daher können es manche Menschen gar nicht anders.
    Siehe Erziehung- wir sind alle so groß geworden. Mach das, was die Großen wollen- das erfährst du, wenn gelobt wirst- dann bist du die/der Gute und geliebt.
    Wer das nur erlebt, der kann nur das- woher sollte er ein andere Art der Anerkennung können? Selbst, wenn er es gerne anders machen würde.

    Es kann hinter dem klassischen Lob also auch der Wunsch nach "nur Anerkennung" stecken- leider rutscht dabei die Hierarchie immer mit ins Boot.

    Ich will Lob nicht verteufeln- so haben wir es gelernt und können es oft nicht anders.
    Es ist jedoch auch eine Manipulationfalle, denn während ich bei Kritik konkret nach Verbesserung fragen kann- ist das bei Lob ausgeschlossen- der Redner kann perfide einen stillen Angriff fahren und ich bedanke mich aus Höflichkeit noch dafür. Es ist also ein gefährliches Manipulationsmittel.

    Da man sich Lob nicht verbitten kann- bleibt nur- vorsichtiger damit umgehen.
    Sich fragen, was der Gegenüber tatsächlich möchte.
    Sich nicht unterwürfig freuen sondern auf der Hut sein.
    Und wenn das Gefühl von ehrlicher Anerkennung da ist- sich freuen und das auch mitnehmen- warum auch nicht?

    Ich hatte einen oberen Chef, der geradezu lächerlich diese Kommunikations-Manipulation abzog.
    Kam rein und lobte zuerst alle Anwesenden- wie gut gearbeitet würde und wie stolz er auf die Leistung aller wäre........um dann immer mit eine Auftrag nachzulegen, den niemand wollte.
    Als ich neu war, war ich bei den ersten Sätzen ganz verblüfft "boah- ein Chef, der so lobt"- fand ich toll- und 5 Sätze weiter, war klar warum.....
    Was für ein dämliches Verhalten- was nach dem 2. Mal schon dursichtig wurde und seine "Lobesreden" wurde von niemanden ernst genommen- egal wann.

  5. Avatar von chaos99
    Registriert seit
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    AW: Die Lobfalle

    Zitat Zitat von BlueVelvet06 Beitrag anzeigen
    Was ist denn das für eine Einstellung, zu jedem Lob auch noch eine materielle Belohnung obendrauf zu erwarten, sonst ist das Lob keine wirkliche Anerkennung? Kann ich nichts mit anfangen, mit dem Artikel auch nicht.
    Hunde wedeln dann mit dem Schwanz...:))))

    Ich kann mit der Sichtweise auch nur in sofern etwas anfangen, dass ich minderes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sehe.

    Eine/-n Chef/-in, die mit Lob um sich werfen erwecken eher bei mir den Eindruck mangelnder Führungsqualifikation.

    Gerade gelesen, wie man Mitarbeiter motiviert und sich die "kostengünstige" Variante heraus gesucht, weil emotionaler Kontext bei dem Stichwort Mitarbeiterzufriedenheit gar nicht begriffen werden.

  6. Avatar von linsemo
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    AW: Die Lobfalle

    Gestern war in meiner Zeitung ein Interview mit Claudia Roth und Wolfgang Kubicki, u. a. kam auch dieses Thema auf.
    Kubicki hatte Claudia Roth für etwas gelobt und sie empfand es als sexistisch. Kubicki versicherte ihr aber, daß es ehrlich gemeint war.

    Ich würde mal sagen, man kann Lob in die verschiedenen Ecken schieben, wo man es gerade hinhaben möchte. Es kommt auf einen selber an, auf das eigene Denken. Lob kann manipulierend sein, was man dann damit macht liegt bei einem selber.

    Mir ist Lob grundsätzlich immer am Popo vorbei gegangen, es war mir völlig egal.
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
    Ich bin heute so blöd, ich könnte Amerika regieren.
    Oma ist so dick, weil sie so voller Liebe steckt.


  7. Registriert seit
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    503

    AW: Die Lobfalle

    Bei meinem Vorgesetzten ist es so, dass er sehr ehrlich und auch häufig "lobt" - unter " " deshalb, weil Lob, wie oben ja auch schon geschrieben wurde, mitunter nicht nur positiv besetzt ist - sprechen wir also vielleicht von "Anerkennung".

    Er sieht gute Leistung bzw. Engagement und erkennt das freudig und verbunden mit einem Dank regelmäßig an. Er hat dabei einfach so eine ehrliche und wertschätzende Art, dass keinem einfiele, das sei jetzt manipulativ oder mit "Auflagen verbunden".
    Und das finde ich sehr schön und einen sehr feinen Zug.

    Vice versa hört er häufig und nicht nur im jährlichen Mitarbeitergespräch aber auch von mir, was ich an ihm bzw. der Zusammenarbeit mit ihm so schätze und freut sich darüber.

    Das Klima bei uns ist jedenfalls ein sehr vertrauensvolles und wertschätzendes, seit er die Leitung übernommen hat. Und "der Laden brummt", wie man so schön sagt :-)

  8. Inaktiver User

    AW: Die Lobfalle

    Ich hab mehrere Jahre gebraucht, um zu merken, dass " Wenn ich Dich nicht hätte!" gar kein Lob ist.

  9. Moderation
    Registriert seit
    20.08.2010
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    32.049

    AW: Die Lobfalle

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich hab mehrere Jahre gebraucht, um zu merken, dass " Wenn ich Dich nicht hätte!" gar kein Lob ist.
    Oder "Niemand sortiert Socken so gut wie Sie!"
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  10. Avatar von Test00
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    812

    AW: Die Lobfalle

    Nun die Loberei vom Chef kann man so oder so sehen, es gibt viele verschiedene Nuancen von Lob.

    Mein letzter Chef (bin nun in Rente) hat sehr wenig gelobt. Ich habe ihn deswegen ab und aus Spaß aufgezogen, so in der Art, nie werde ich gelobt. Hihi, dann kam prompt ne Streicheleinheit in Form eines Lobes. Habe ich natürlich an die Abteilung weitergegeben.

    Aber dafür war er großzügig, es gab für mich und meine Mädels (ich hatte 8 Mitarbeiterinnen,) ab und ein Überraschungs-Gudi verschiedenster Art.
    Nimm die Dinge wie sie kommen und Sorge dafür, dass sie so kommen, wie du sie haben möchtest.

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