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    Variabler Gehaltsanteil bei längerer Krankheit

    Hallo,

    ich würde gerne mal Erfahrungen zu o. a. Thema hören/lesen sowie möglicherweise auch juristische Einschätzungen. Ganz einfach scheint das Thema ja nicht zu sein.

    Es gibt ja verschiedene Gehaltsmodelle, was variable Anteile anbelangt. Bei uns ist es so geregelt: Man bekommt ein Fixum und bekommt umsatz- bzw. gewinnabhängig einen variablen Anteil dazu. Das Fixum ist der Großteil des Gehaltes und auch nicht unbedingt wenig (reich wird man damit allerdings auch nicht).

    Wir sind nach Teams unterteilt, denen diverse Kunden zugeordnet sind. Danach werden normalerweise dann auch die Aufträge "verteilt". Ein Team besteht aus einem Außendienstler und einem Innendienstler. Es gibt einen offiziellen Vertretungsplan.

    Wenn urlaubs- oder krankheitsbedingt jemand ausfällt, gehen die Provisionen an denjenigen, der das Projekt begonnen hat, d. h. bei Weiterführung bekommt es der "offizielle" Innendienstler, bei Neuaufträgen die Vertretung. Ich hoffe, das ist soweit verständlich.

    Jetzt ist eine Kollegin krank geworden und war fast 10 Wochen nicht da. In dieser Zeit habe u. a. ich ihre Vertretung gemacht, was auch sehr stressig und arbeitsaufwändig für mich war. Ein Projekt wurde dann nachträglich gesplittet in 2 Projekte. Der Großteil blieb dann bei ihr, den neuen Teil hab ich komplett neu aufgerollt und in 3 Tagen durchgeboxt (Verhältnis ca. 3:1). Wohlgemerkt war das ein sehr komplexer Vorgang, in den ich mich - neben meiner normalen Arbeit - reindenken musste. Der kleinere Teil ist also bei mir geblieben.

    Jetzt kam sie wieder und meinte, darüber würden wir aber nochmal sprechen. Die Provision für diese Arbeit möchte sie - zumindest zum Teil - beanspruchen. Das wird ein Thema mit unserem Abteilungsleiter.

    Ehrlich gesagt, sehe ich das nicht ein, auch wenn ich sie natürlich verstehen kann. Wir reden jetzt aber auch nicht von Reichtümern. Nur möchte ich für die Mehrarbeit auch mein Geld haben, zumal andere Projekte von mir auch verzögert wurden, so dass die Provision dafür erst im nächsten Abrechnungszeitraum zum Tragen kommen.

    Ich kann verstehen, dass es für sie großer Mist ist. Immerhin hat sie ja auch die geringere Lohnfortzahlung nach 6 Wochen zu verkraften sowie andere Projekte, die ihr ebenfalls "flöten" gegangen sind. Ich habe auch in der Zeit versucht, den Verlust für sie so gering wie möglich zu halten, indem ich trotz großem Aufwand bei einigen Projekten sie als Bearbeiterin drin gelassen habe.

    Jetzt interessiert es mich allerdings generell, wie die Rechtslage bzw. Usus bei anderen Unternehmen ist. Ich kenne das aus einem Vorunternehmen auch so, dass Krankheitstage bei der Provisionsberechnung abgezogen werden (man erhält also für diese Zeiträume nur sein Fixgehalt).

    Auf der anderen Seite hat man ja auch einen gewissen Lebensstandard, der dann u. U. zumindest für einen gewissen Zeitraum stark beschnitten wird. Ganz abgesehen davon hat dies ja sicherlich auch Auswirkungen auf die Sozialversicherung bzw. Berechnung der späteren Rente.

    Ich würde mich sehr über fundierte Ansichten dazu freuen. Ich habe zwar mich auf diversen Rechtsberatungsseiten umgesehen, finde aber keine genaue Regelung dazu bzw. ist das Thema doch recht komplex.

  2. Avatar von Beachnoodle
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    AW: Variabler Gehaltsanteil bei längerer Krankheit

    Liebe TE,

    ich habe auch sehr lange mit solchen Projektbezogenen Anteilen und bei unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet. Es wurde oft nach Arbeitsaufwand der beteiligten Personen im Projektabschnitt verteilt. In der Verkaufsphase waren meist 2-4 Kollegen involviert unter denen der Aufwand und die Provision prozentual im Vorfeld geregelt wurde.
    Es gab zusätzlich zu den quantitativen Zielen, Provision und auch für qualitative Aspekte der Arbeit, diese wurden anhand von einheitlichen Parametern festgelegt, gemessen und angepasst. Heisst man sammelt auch sowas wie Fleisspunkte. Diese Provisionsanteile waren ein Aspekt in der Gesamtbewertung und waren immer so gut wie sicher in de Täsch.

    Ein anderes Unternehmen hatte einen simplen Prozentsatz pro Teammitglied und das wars.

    (Wobei ich hier generell nicht von Vertrieblern rede, die hatten eigene Provisionsverträge bzw. Zielvereinbarungen und weitaus höhere variable Abteile. Da war ich dann später auch Eine von und Da wurde mit Eisenharten Bandagen um jeden Cent gekämpft.)

    Fiel jemand im Beraterteam aus übernahm ein anderer Fachkollege, oder einer der Teamkollegen, dann wurde entsprechend die Provision umverteilt. Es kam dabei darauf z.b. Welcher Ausfall und wann war da, insbesondere bei der Vorbereitung kundenspezifischer Präsentation, Dateneingaben etc. Und auch wenn dann Projektpräsentationen und Workshops mit Kunden durchgeführt wurde.

    Dass waren so Eckpfeiler wo echter MehrAufwand für die Kollegen entstand, was dann auch zur Zuteilung weiterer Prozente führte.
    Im Einzelfall wurde innerhalb des Teams geklärt wenn Verschiebungen im Team auftraten und im Streitfall auch mal per oder de muffti.

    Was den Lebenstandard betrifft, was du Dir leisten kannst oder willst ist sozusagen dein Problem. Dein Grundgehalt muss dann auch dafür reichen. Im brigen ist es zwar nett wenn Du der Kollegin da hilft, sowas muss aber wirklich schriftlich festgehalten und mit Chef und PA abgestimmt werden. Mal 3 Tage was übernehmen, da muss sie sich eben revanchieren. Nur sieht es so aus als ob Sie dass wohl nicht so sieht?

    Auf variables Einkommen besteht per se kein Anspruch. Gibts z.B. keinen Gewinn, wird weniger oder auch gar nichts gezahlt. Lies mal deinen Vertrag, da steht dass so oder ähnlich drin. Ausser dein AG garantiert dir wenigstens einen Anteil von X Prozent.
    Dann ist es noch wichtig wann gezahlt wird. Monatlich dann ist es auch monatlich abzführen an die RV. Wenn nicht wird monatlich dann wird auf die rückliegenden Zeiträume anteilig verteilt, bzw. Bei Vorauszahlung erfolgt anteilige Anrechnung.

    Ich habe in über 25 Jahren mit variablen Anteilen im Gehalt gearbeitet, die aber bei meinen Lebenshaltungskosten niemals fest eingetechnet bis das Geld wirklich da war

    Auf rentenversicherung.de wird das rechtliche doch gut erklärt. Frag die Personalabteilung, oder rufe den Rentenversicherungsträger an. Hier im Forum ist nichts verbindlich.

    Generell gilt Wenn man mal für 2 Monate weniger verdient sind das auf 45 Jahre gerechnet 0,00001 Prozent oder ä unerheblich.

    Du kannst die Provision in eine Zusatzversicherung anlegen, oder dein Ag bietet hierfür einen Plan an.
    Bei mir war beides der Fall.
    Ich kann nur für mich sprechen, daher mag es bei anderen anders laufen.
    Auf dem Boden der Tatsachen liegt eindeutig zuwenig Glitzer
    Geändert von Beachnoodle (26.11.2018 um 17:13 Uhr)


  3. Registriert seit
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    AW: Variabler Gehaltsanteil bei längerer Krankheit

    Liebe Beachnoodle,

    danke für Deine ausführliche Antwort.

    Zitat Zitat von Beachnoodle Beitrag anzeigen
    Was den Lebenstandard betrifft, was du Dir leisten kannst oder willst ist sozusagen dein Problem. Dein Grundgehalt muss dann auch dafür reichen. Im brigen ist es zwar nett wenn Du der Kollegin da hilft, sowas muss aber wirklich schriftlich festgehalten und mit Chef und PA abgestimmt werden. Mal 3 Tage was übernehmen, da muss sie sich eben revanchieren. Nur sieht es so aus als ob Sie dass wohl nicht so sieht?
    Ja, ich sehe das genauso. Im Zweifel muss das Grundgehalt ausreichen. Aber meine Kollegin sieht das anders und macht hier täglich ein Fass auf, dass ihr durch die Krankheit Provisionen flöten gegangen sind.

    "Mal eben 3 Tage was übernehmen": Das war leider ein wenig anders. Ich musste das in 3 Tagen durchboxen, da der Umsatz in dem Zeitraum noch gebucht werden musste. Ich musste in den 3 Tagen mich komplett in ein 4 Monate andaurndes Projekt einlesen, dabei noch die Fehler der Kollegin ausbügeln und hab dafür 3 Mal massivst Überstunden (tw. bis 21 Uhr abends) machen müssen, um das hinzukriegen. Dazu musste ich ja meine eigenen Projekte ja auch noch durchbuchen. Da finde ich, ist es durchaus legitim, wenn ich 1/4 des Deckungsbeitrages angerechnet bekomme.

    Auf variables Einkommen besteht per se kein Anspruch. Gibts z.B. keinen Gewinn, wird weniger oder auch gar nichts gezahlt. Lies mal deinen Vertrag, da steht dass so oder ähnlich drin. Ausser dein AG garantiert dir wenigstens einen Anteil von X Prozent.
    Dann ist es noch wichtig wann gezahlt wird. Monatlich dann ist es auch monatlich abzführen an die RV. Wenn nicht wird monatlich dann wird auf die rückliegenden Zeiträume anteilig verteilt, bzw. Bei Vorauszahlung erfolgt anteilige Anrechnung.
    Die Aufträge nebst Deckungsgrad sind hier personenbezogen angelegt (macht das ERP automatisch). Danach werden die variablen Anteile ausgezahlt. So steht es im Arbeitsvertrag. Dazu gibt es interne Regelungen für Vertretungsfälle wie ich in meinem ersten Beitrag schon dargelegt habe. Wir haben halbjährliche Betrachtung und die Provisionen richten sich nach dem Ergebnis des vorhergehenden Halbjahres.

    Juristisch ist ja - so wie ich das gesehen habe - nicht einmal klar, ob die Provision nicht sogar über die Lohnfortzahlung weiter gezahlt werden muss, da dieser Anteil ja vorher erwirtschaftet wurde? Aber das habe ich möglicherweise in der Kürze der Zeit auch falsch interpretiert.

    Ich habe in über 25 Jahren mit variablen Anteilen im Gehalt gearbeitet, die aber bei meinen Lebenshaltungskosten niemals fest eingetechnet bis das Geld wirklich da war
    Genauso sollte man es tun, ja. Ich habe das auch eine Weile nicht getan (ganz am Anfang) und bin damit auch mal auf die Nase gefallen, als die Provision plötzlich mangels Aufträgen und Umsätzen weg fiel. Das war ein Lernprozess.

    Auf rentenversicherung.de wird das rechtliche doch gut erklärt. Frag die Personalabteilung, oder rufe den Rentenversicherungsträger an. Hier im Forum ist nichts verbindlich.
    Das mit der Rentenversicherung war einen Zusatzüberlegung von mir. Wenn ich mal Zeit und Muße habe, lese ich da gern mal rein. Aber letztendlich wird es den Kohl nicht fett machen, s. u.

    Generell gilt Wenn man mal für 2 Monate weniger verdient sind das auf 45 Jahre gerechnet 0,00001 Prozent oder ä unerheblich.
    Du kannst die Provision in eine Zusatzversicherung anlegen, oder dein Ag bietet hierfür einen Plan an.
    Guter Tipp! Da denke ich mal drüber nach.

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