Hallo,
ich bin seit August Au-pair in Frankreich. Ich wollte schon immer für ein Jahr ins Ausland, habe mich sehr auf den Aufenthalt gefreut und mich auch gut darauf vorbereitet (viel auf Französisch gelesen, Vokabeln und Grammatik wiederholt, regelmäßiges Babysitting etc.).
Vor Ort habe ich mich bei drei Familien vorgestellt und mich letztendlich für eine Familie im Vorort entschieden, die mir zunächst auch sehr sympatisch war. Die Kinder sind 10, 6 und 2 Jahre alt. Lt. der Au-pair-Vermittlung ist eine Arbeitswoche von 30 Stunden plus zwei Mal die Woche Babysitting festgelegt und es muss gewährleistet sein, dass man einen Sprachkurs besuchen kann.
Mittlerweile fühle ich mich hier allerdings ziemlich einsam und isoliert. Ich hänge von Dienstag bis Freitag von 08:00 bis 19:00 Uhr hier fest. Die beiden älteren bringe ich morgens zur Schule und hole sie um 16:30 Uhr wieder ab. Um ca. 19:00 Uhr kommen die Eltern wieder nach Hause. Zwischenzeitlich mache ich mit den Älteren Hausaufgaben, decke den Tisch etc.. Die Kleine hält jeden Tag ca. 2,5 Stunden Mittagsschlaf und ist zwei Mal die Woche für 3-4 Stunden im Kindergarten. Zum Sprachkurs gehe ich Samstags 3,5 Stunden und Montags 1,5 Stunden.
Das Problem ist, dass die Eltern die Zeit, wenn die Kleine schläft für mich als Freizeit ansehen. Ich habe während dessen zwar nichts zu arbeiten, bin aber ans Haus gebunden und kann nichts unternehmen. Es ist also keine wirkliche Freizeit. Während die Kleine in der Kindergruppe ist, kann ich zwar das Haus verlassen, kann aber nicht wirklich was unternehmen. Die Zeit reicht nicht, um in die Stadt zu fahren, einen längeren Sprachkurs zu besuchen und ich kenne auch niemanden im Vorort, mit dem ich mich mal treffen kann, nur in der Stadt. Ich verbringe hier also an vier Tagen die Woche 44 Stunden und mir fällt die Decke auf den Kopf! Babysitten kommt zusätzlich teilweise am Wochenende oder am Montag noch hinzu. Ich habe versucht die "freie" Zeit, die ich hier festhänge bestmöglich zu nutzen, tue was für die Sprachschule, bin in die Bibliothek gegangen aber das bringt es nicht. Ich gehe hier ein! Ich sitze hier und denke: Du wolltest doch so viel unternehmen, gucken, lernen und jetzt sitzt du hier deine Zeit ab! Das, was ich mir hier vorgenommen habe spielt nur noch eine ganz marginale Rolle - Sprachkurs, am Wochenende mal einen Ausflug machen, Stadt angucken. Das Wochenende habe ich meistens frei aber unter der Woche gehe ich ein!
Ich will hier nicht jammern. Ich mag die Kinder und natürlich ist Kinderbetreuung hier meine Hauptaufgabe. Das ist ja klar! Aber doch nicht so! Letztens sind die Eltern einfach erst um 21:00 Uhr nach Hause gekommen, weil sie noch eingekauft und anderes noch erledigt haben - ohne Vorankündigung. Er hat sich wenigstens noch entschuldigt, aber ihr war das anscheinend völlig egal. Bei ihm merke ich immer, dass er mir gegenüber ein schlechtes Gewissen hat aber mit ihr komme ich zwischenmenschlich gar nicht klar!
Ich habe zwar ziemlich schnell gemerkt, dass ich mich hier langweile, aber ich wollte nicht gleich aufgeben. Außerdem, wenn ich ehrlich bin, sind mir die Zeiten als ich mich hier vorgestellt hatte ja mitgeteilt worden. Aber ich war mir nicht bewusst, was das bedeutet. Ich bin ein reflektierter Mensch und frage mich auch selbst, ob ich etwas falsch gemacht habe. Habe auch ein schlechtes Gewissen. Überlege trotzdem die Familie zu wechseln, um klare Arbeitszeiten zu haben und mehr unternehmen zu können.
Was meint Ihr?
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Ergebnis 1 bis 10 von 17
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25.10.2018, 13:34
Au pair - fühle mich ausgenutzt
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25.10.2018, 13:46
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
Hallo Kathrin

Dass die Mittagsschlaf-Zeit der Kleinen für dich als Freizeit gilt, finde ich von der Familie nicht ok. Wenn ich irgendwo babysitte und das Kind abends ins Bett geht, ist es für mich ja trotzdem Arbeitszeit, denn ich bin da und passe auf. Da würde ich auf jeden Fall noch mal mit den Eltern sprechen.
Ansonsten klingt deine Zeit dort ziemlich normal. Dass es unter der Woche während deiner freien Zeit nicht möglich ist, in die Stadt zu gehen - dafür kann die Familie ja nichts. Vielmehr hast du dir doch selbst diesen Vorort und die Familie ausgesucht.
Daher würde ich an deiner Stelle überlegen, wie du die Zeit im Ort oder auch Zuhause für dich schöner gestalten kannst anstatt auf die Familie böse zu sein.
Hat dir deine Agentur keine Kontakte zu anderen Au Pairs vermittelt? Ich kenne es so, dass man ein Orientierungswochenende hat, wo man schon mal andere kennenlernen kann und dann auch eine Liste von Au Pairs in der Nähe bekommt (aber vielleicht ist das auch nur in anderen Ländern so).
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25.10.2018, 14:04
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
hm, bin zwiegespalten....
habt ihr das nicht vorher besprochen?
Was steht denn in deinem Vertrag?
Wie hattest du dir das denn vorgestellt?
Vorort ist immer blöd...
Aber sonst klingt es ganz "üblich"
Was dachtest du, wie es sein würde? mal so in blaue - wenn ihr das besprochen habt, wieso kommst du dann nicht klar?
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25.10.2018, 14:19
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
Ja, es war etwas naiv von mir, mich darauf einzulassen. Ich habe mir einfach keine Gedanken darüber gemacht, was diese Zeiten bedeuten. Es sind ja insgesamt 44 Stunden plus zwei Mal Babysitting, die ich präsent sein muss und nicht 30 Stunden plus zwei Mal die Woche Babysitting. Das schlimme ist einfach, dass mir hier die Decke auf den Kopf fällt und ich nach den vier Tagen richtig deprimiert bin! Der Tagesablauf ist so, dass ich die älteren zur Schule bringe und dann bis 16:30 Uhr mit der Kleinen zusammen bin. Es sei denn sie schläft oder ist in der Kindergruppe. Von der Kleinen lerne ich natürlich nichts. Von 16:30 Uhr bis 19:00 Uhr habe ich dann noch die beiden älteren. Ich versuche die Zeit ja schon bestmöglich zu nutzen. Ich lerne und lese viele und bin auch schon mal im Nachbarort schwimmen gewesen, aber immer mit der Zeit im Nacken. Ich kenne andere Au-pairs, mit denen ich mich am Wochenende treffe, aber keine wohnt im selben Vorort. Die meinten auch, sie würden an meiner Stelle eingehen und was ich den in der Zwischenzeit mache - putzen? Ja, das tue ich auch, Küche und Bad und was sonst so anliegt (keine groben Putzarbeiten). Die einzige Zeit, in der ich mich mit den Eltern unterhalte und auch sprachlich profitiere ist das Abendessen. Ich habe mich außerdem noch für einen Tademsprachkurs eingeschrieben, aber den kann ich auch erst abends machen. Fahre dann abends noch in die Stadt. Aber ich fühle mich hier einfach einsam und isoliert.
Ich finde es aber auch teilweise unfair wie die Eltern mit mir umgehen. Kommen einfach ohne Vorankündigung zwei Stunden zu spät und letztens hat mich die Mutter angeschnauzt weil ich eine Waschmaschine nur mit Handtüchern und Geschirrtüchern gefüllt angestellt habe, dabei war die Waschmaschine voll. Es passt also auch zwischenmenschlich nicht so ganz, jedenfalls nicht zwischen mir und der Frau. Ich werde das noch kurze Zeit beobachten aber wenn sich das nicht ändert, muss ich was unternehmen.
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25.10.2018, 14:28
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
Hast Du Dir selbst die Stelle übers Internet gesucht oder über eine anerkannte Organisation, die auch vor Ort oder zumindest in Paris eine Ansprechpartnerin hat? Deren Aufgabe wäre es die Differenzen zwischen den unterschiedlichen Erwartungen zwischen Dir und den Eltern anzusprechen.
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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25.10.2018, 14:32
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
nochmal, wie dachtest du, dass es läuft?
Ich meine, viel Interpretationsspielraum hinsichtlich der Bedingungen sehe ich nicht.
Das mit den "44 Stunden", wie meinst du das?
Du lebst ja dort...
Wieso nimmst du die Kleine nicht mit auf Unternehmungen? Tagsüber. Das ist doch normal, dass Frau das Kind mitnimmt.
Ihr müsst doch nicht beide immer daheim hocken, oder?
Das mit 2h zu spät war einmal, oder?
Sehe ich jetzt nicht soooo tragisch.
Pass auf, dass du nicht in so ein "blöde Frau, guter Mann-Muster" gerätst.
Das ist generell und überall und immer shit - Tipp fürs Leben
Also, ich rate zum schnellen Wechsel, weil das nix mehr wird.
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25.10.2018, 14:48
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
Die Arbeitszeit ist für europäische Au-Pair Verhältnisse zu hoch, bzw. fehlt Dir Freizeit, in der Du nicht ans Haus/an den Vorort gebunden bist. Ich kenne es aus Frankreich so, dass die Au Pairs die Kinder ca 16h aus der Betreuung/Schule holen und Mittwoch schon mittags und dann bis abends betreuen. Zusätzlich am WE noch ein halber oder ganzer Tag. bei mir war die Arbeitszeit vormittags von 8-12:30h einschließlich Samstag und dazu noch jede 2. Woche Samstagabend babysitten
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25.10.2018, 15:10
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
Ich bin mit einer Organisation hier mit Betreuern vor Ort, an die man sich wenden kann. Kenne auch Au-pairs, die bereits die Familie gewechselt haben oder sogar wieder nach Hause gefahren sind. Ich möchte das Jahr aber auf jeden Fall hier bleiben.
Ich dachte auch, dass es hinsichtlich der Bedingungen nicht viel Interpretationsspielraum gibt. Aber ich habe mich hier, gerade am Anfang, sehr orientierungslos gefühlt. Natürlich muss man auch selber Arbeit sehen, aber ich habe mir einfach gewünscht, dass die mir sagen, was sie konkret für Vorstellungen haben und mich etwas einweisen. Kannte mich ja in deren Haushalt, wie sie bestimmte Dinge handhaben nicht aus. Am Anfang waren beide kurzfristig zu Hause. Da hatten wir die Situation, dass die Eltern im Garten gearbeitet haben und die Kinder (mit Ausnahme der Kleinen) im Wohnzimmer waren. Ich habe die Kinder gefragt, ob wir was spielen wollen und habe mehrere Vorschläge gemacht. Aber die Kinder wollten nicht. Ich habe ihnen gesagt, dass sie sich bei mir melden können, wenn sie es sich anders überlegen. Ich kann sie ja schließlich nicht zwingen. Daraufhin habe ich die Eltern gefragt, ob ich helfen kann. Ich habe den Eltern generell oft diese Frage gestellt, auch wenn es um den Haushalt ging. Manchmal hieß es "Wenn du willst" und meistens hieß es "Nein". Irgendwann hat er mich dann angesprochen und meinte ich soll die Initiative ergreifen. Das hat es mir erstmal die Sprache verschlagen. Ich habe ihm dann später gesagt, dass ich es ziemlich mies finde, ständig meine Hilfe abzulehnen und anschließend zu behaupten, ich hätte die Initiative nicht ergriffen. Das ist einfach gemein und unfair. Ich sagte ihm auch, dass ich mich orientierungslos fühle. Daraufhin hat er mir gesagt, was er für Vorstellungen hat und es ging so einigermaßen. Er meinte allerdings noch, dass sie das erste Mal ein Au pair haben, dass es für sie nicht leicht ist und für die Kinder auch nicht. Immerhin hat er mit noch zugestanden, dass es für mich möglicherweise auch nicht leicht ist. Dann sagte er am Anfang noch, dass wir ja nicht perfekt kommunizieren können, da wir nicht dieselbe Sprache sprechen. Aber das war doch wohl auch klar!
Einmal fragte er mich abends, ob ich runterkommen und mit ihm, der Frau und seinen Eltern was trinken möchte. Habe ich dann auch gerne getan. Einen Tag später sprach er mich an und meinte, sie würden am nächsten Tag zum Abendessen von einem befreundeten Paar Besuch bekommen und hat mir begreiflich gemacht, dass ich da nicht anwesend sein sollte, da sie ihre Privatsphäre benötigen und wenn er mich fragt, ob ich mit seine Eltern was trinken will, ich dann ja auch absagen könne. Ich verstehe natürlich, dass die ihre Privatsphäre brauchen und will mich auch nicht aufdrängen, aber irgendwie komme ich mir da jetzt trotzdem blöd vor.
Ich habe den Eindruck, dass die selber die Situation unterschätzt haben und damit überfordert sind.
Die Kleine mit auf Unternehmungen zu nehmen ist schwierig. Ich war mal mit ihr in der Bibliothek in der Kinderecke und bin im Vorort mit ihr spazieren gegangen. Aber mit ihr in die Stadt fahren (1,25 Std. hin und 1,25 Std. zurück) ist schwierig.
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25.10.2018, 15:57Inaktiver User
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
Liebe Kathrin, schaue bitte mal in deine PN.
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26.10.2018, 08:31
AW: Au pair - fühle mich ausgenutzt
Hast du dich schon mal an die Agentur gewandt?


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