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  1. Registriert seit
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    Gesprächstatik/führung-Tipps?

    Hallo zusammen,

    bald steht wieder mal eine Gesprächsrunde in der Abteilung an. Dieses Mal geht es darum, den anderen -möglichst genau- offenzulegen, was für Aufgaben man hat. Ich bin schon viele Jahre berufstätig, in verschiedenen Branchen, mit verschiedenen Tätigkeiten, doch das Ergebnis bei solchen Gesprächen war stets:

    Am Ende musste ich evtl. ein oder zwei Routinearbeiten nicht mehr machen- was mir zunächst als Entlastung verkauft wurde, allerdings wurden diese Routinetätigkeiten dann gar nicht mehr gemacht. Im Gegensatz dazu, weil ich nun ja "so viel mehr" Kapazitäten frei hatte, bekam ich unliebsame Aufgaben von den anderen zugeschanzt. Das wars dann mit der Entlastung....jaja....

    Das wäre für mein Empfinden noch nicht mal das Ärgerlichste. Die neuen Aufgaben waren fast immer Tätigkeiten, die normalerweise bei ein oder zwei (manchmal noch höher) Gehaltsstufen höher angesiedelt sind, ohne dass ich dafür natürlich mehr Geld bekomme. Ich müsste diese Aufgaben nicht mal können, da fundierte Kenntnisse erforderlich (für die ich eben nicht bezahlt werde), und das ärgert mich.

    Als ich jünger war, bin ich sicherlich noch auf plumpe, verbale Schmeicheleien hereingefallen ala- niemand kann das so gut wie Sie; sie schaffen das; das bringt sie doch auch persönlich weiter, wenn Sie diese Aufgabe bewältigen, bla, bla, bla. Heute empfinde ich solche Sprüche beleidigend, weil es zeigt, für wie doof ich letztlich gehalten werde.

    Fazit solcher Besprechungen also bisher: am Ende hatte ich Aufgaben dazu bekommen, für die ich unterbezahlt bin, während der Rest Aufgaben abgeben konnte und keine dazu bekam.

    Sicher kennt ihr solche Besprechungen...kennt ihr irgendwelche Strategien (meine bisherigen Versuche sind jedesmal gescheitert) die hilfreich sein könnten??
    Gruß Leni

  2. Moderation
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    AW: Gesprächstatik/führung-Tipps?

    Setz dir ein Ziel: 80% Auslastung mit deinen zentralen Themen, für die du eingestellt und bezahlt wirst und die fertig werden müssen. 20% für Sonstiges.

    Gehe mit klaren Daten rein:

    Dein Hauptthema ist das und das.
    Du machst das-und-das.
    Davon zählt das und das nicht zu deinem Hauptthema.

    Deine Auslastung ist (100+N) Prozent.
    Davon X Prozent auf Sachen, die nicht zu deinem Hauptthema gehören.

    Das führt zu diesen und jenen unerwünschten Effekten.

    Das und das ist atomar und kann abgegeben werden.
    Das und das ist bei jemand anders besser aufgehoben und *sollte* abgegeben werdne.
    Das und das ist ineffizient und sollte anders gemacht werden.
    Das und das ist sinnlos und sollte aufgegeben werden.

    Sollte es nicht möglich sein, die Auslastung auf unter 100% zu reduzieren, benötigst du eine Priorisierung (=Was kann liegenbleiben). Deiner Ansicht nach könnte das-und-das liegenbleiben, bis mal Zeit ist.

    Sage nichts zu, was du nicht zusagen mußt. Laß deine Aufwandsabschätzunge nicht runterhandeln.
    Wenn du etwas zusagen mußt, was du nicht zusagen willst, sage, "da wird es dort und dort folgende Probleme/Effekte geben, ist das akzeptabel?" Wenn du die Probleme/Effekte nicht klar bennennen kannst, sage etwas wie, "Ich sehe da mögliche Konflikte, ich müßte mir einen Überblick verschaffen, ehe ich das übernehmen kann" oder, wenn du keine Zeit schinden kannst, komm auf "ich brauche Priorisierungen" zurück.

    Schick ggf anschließend eine e-mail an den Chef, ob ihr im gleichen Film seid. Damit hast du einen Nachweis und eine Grundlage für's nächste Mal, oder für Nachfragen.

    Beobachte, was die Leute tun, die besser verhandeln als du.
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  3. Avatar von BlueVelvet06
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    AW: Gesprächstatik/führung-Tipps?

    Zitat Zitat von -leni- Beitrag anzeigen
    Sicher kennt ihr solche Besprechungen...
    Nur teilweise. Bei mir wars aber immer so, dass sich höherwertige Aufgaben immer auch mittelfristig und somit auch langfristig finanziell ausgewirkt haben. Ich hab das nie so gerechnet "Aufgabe A ist höherwertiger als das, was ich derzeit so mache und deshalb will ich genau dafür mehr haben, sonst mache ich sie nicht". Ich hab sie gemacht, gut gemacht, irgendwann gabs mehr, logische Entwicklung.
    War das bei dir nicht so? Bist du immer noch in der gleichen "Gehaltsklasse" wie zum Zeitpunkt, als du angefangen hast, obwohl du wesentlich verantwortungsvollere Aufgaben dazu angenommen hast?

    Zitat Zitat von -leni- Beitrag anzeigen
    kennt ihr irgendwelche Strategien (meine bisherigen Versuche sind jedesmal gescheitert) die hilfreich sein könnten??
    Wie sahen diese Versuche denn aus?
    Ich würde ja gern ein paar Kilos verlieren.
    Aber ich verliere niemals, ich bin ein Gewinnertyp!


  4. Registriert seit
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    AW: Gesprächstatik/führung-Tipps?

    Hallo Wildwusel, hallo BlueVelvet,

    danke für eure Antworten.

    eine Auflistung, zu wie viel Prozent ich diese und jene Tätigkeiten/Aufgaben erledige, habe ich bereits seit einigen Monaten am Laufen. Mit dem "Oberboss" bin ich das Ganze auch bereits durchgegangen. Verbesserungsvorschläge, wie es für mich direkt etwas einfacher wird, wurden positiv aufgenommen, was jedoch dennoch bedeutet, dass ich sie alleine erledige. Das ist ok so, mein Bestreben ist nicht, Arbeiten auf jemand anders abzudrücken.

    Dazu möchte ich noch erwähnen, dass ich direkt beim Oberboss tätig bin und er sehr viel mitbekommt, was ich tue. Das hilft insofern, dass der Oberboss oft live und in Farbe mitbekommt, wenn "Hinz und Kunz" in meinem Büro stehen und noch dieses oder jenes wollen. Immerhin sage ich mittlerweile, bis wann Zeit ist und wenn es eben sofort sein soll, dann habe ich mittlerweile schon die Freiheit zu sagen, dass es nicht mehr geht. Ich lasse mich dadurch nicht stressen, was früher oft so war. Eine Garantie, es am Ende aber nicht doch noch machen zu müssen, gibt es nicht.

    @BlueVelvet: Gehaltspoker kann ich nur sehr, sehr beschränkt führen, da öffentlicher Dienst. Platt gesagt: der Faule bekommt innerhalb derselben Gehaltsstufe halt soviel, wie der Fleißige.

    @Wildwusel, vorallem dein Tipp, meine Aufwandseinschätzung nicht runterhandeln zu lassen, ist besonders gut. Dies ist mir schon öfter (auch bei früheren Arbeitgebern)passiert. Abgeschmettert. Nicht ernst genommen. Abgetan worden.

    Versuche, zu sagen, was kann liegen bleiben oder was geht nicht, hat bisher meist nur in der Theorie funktioniert. Wenn es soweit war, musste es eben doch "noch schnell" gemacht werden. Immerhin klappt es ab und zu.
    Gruß Leni

  5. Avatar von coryanne
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    AW: Gesprächstatik/führung-Tipps?

    Im Öffentlichen Dienst gibt es allerdings Gehaltszulagen. Danach würde ich mal ganz gezielt fragen und gleichzeitig belegen, was du zusätzlich machst, was nicht in deiner Stellenbeschreibung steht...

  6. Moderation
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    AW: Gesprächstatik/führung-Tipps?

    Zitat Zitat von -leni- Beitrag anzeigen
    Verbesserungsvorschläge, wie es für mich direkt etwas einfacher wird, wurden positiv aufgenommen, was jedoch dennoch bedeutet, dass ich sie alleine erledige. Das ist ok so, mein Bestreben ist nicht, Arbeiten auf jemand anders abzudrücken.
    Das könnte das Problem sein.
    Wenn du hingehst und sagst, "Ich möchte nicht, daß ihr etwas von meiner Arbeit übernehmt. Ich sehe Verbesserungspotential bei mir und werde das selber umsetzen" -- warum sollte jemand Aufgaben von dir übernehmen?

    Zitat Zitat von -leni- Beitrag anzeigen
    Versuche, zu sagen, was kann liegen bleiben oder was geht nicht, hat bisher meist nur in der Theorie funktioniert. Wenn es soweit war, musste es eben doch "noch schnell" gemacht werden. Immerhin klappt es ab und zu.
    "OK, dann poliere ich jetzt die Katze, kein Problem! Damit verzögert sich der Fertigstellungszeitpunkt des Sockensortierens auf Mittwoch, 13 Uhr."
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **


  7. Registriert seit
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    AW: Gesprächstatik/führung-Tipps?

    Zitat Zitat von coryanne Beitrag anzeigen
    Im Öffentlichen Dienst gibt es allerdings Gehaltszulagen. Danach würde ich mal ganz gezielt fragen und gleichzeitig belegen, was du zusätzlich machst, was nicht in deiner Stellenbeschreibung steht...
    Hallo coryanne,

    ich bin im Austausch mit Kolleginnen, die in derselben Gehaltsstufe sind. Die Zusatzaufgaben haben halt oft die, die Aufgaben mit höherem Schwierigkeitsgrad bewältigen können. Mehr Gehalt oder eine Zulage bekommt dafür keine. Es gibt einige, denen das nichts ausmacht, besonders dann, wenn sie ohnehin noch aufsteigen wollen. Die Stellenbeschreibung ansich, ist sehr allgemein und Auslegungssache.

    Es gibt nur eine gewisse Aufgabe, bei der es eine kleine Zulage gibt und noch eine spezielle Funktion, für die es etwas mehr gibt. Diese bekomme ich bereits (juhu).

    @Wildwusel, so ähnlich handhabe ich es, wenn meine Einwände nichts gebracht haben. Also dass sich dann halt andere Dinge verzögern- oder ich mache Überstunden und feiere die entsprechend ab.

    Wie andere es hinbekommen, Aufgaben erfolgreich (an mich) abzugeben, habe ich bisher nicht herausgefunden. Dies geschieht anscheinend sehr überzeugend hinter verschlossenen Türen.
    Gruß Leni

  8. Moderation
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    AW: Gesprächstatik/führung-Tipps?

    Zitat Zitat von -leni- Beitrag anzeigen
    Wie andere es hinbekommen, Aufgaben erfolgreich (an mich) abzugeben, habe ich bisher nicht herausgefunden. Dies geschieht anscheinend sehr überzeugend hinter verschlossenen Türen.
    Dann triff dich hinter verschlossenen Türen und sage, "Chef, ich hab schon wieder zwanzig Sachen Kleinkram am Hacken, die weder meine Zuständigkeit noch meine Kernkompetenz sind und die mich davon abhalten, die Arbeit zu tun, für die ich hier bin. Was muß ich tun, damit ich das abarbeiten kann, was in meiner Aufgabenbeschreibung steht, statt alles, wofür sich kein Freiwilliger gefunden hat?"

    Oder so.

    Auch "Was hier passiert, steht jedesmal wieder im krassen Gegensatz zu den erklärten Absichten und protokolllierten Ausgängen unserer Planungstreffen.", wenn das der Fall ist.

    Und, "Themen A und B sind völlig ineffzient, die Arbeitsabläufe sind eine Katastrophe, verschwenden Zeit und Ressourcen und erzeugen Kommunikationspingpong. Das sollte von jemandem erledigt werden, der näher am Thema dran ist als ich z.B. Thekla oder Chlotilde . Ich könnte dann (Sahnestückchen) übernehmen."

    Wenn immer alle außer dir kriegen, was sie haben wollen, dann ist das entweder ein Problem mit deinem Auftreten, oder Diskriminierung. (Das ist eine Frau, die kann außer mit den Großkunden zu verhandeln und siebenstellige Aufträge an Land zu ziehen doch auch noch das Klo putzen.)
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  9. Registriert seit
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    AW: Gesprächstatik/führung-Tipps?

    das hört sich alles gut an, Wildwusel. Vielen Dank vorab.

    Ganz besonders gefällt mir der erste Absatz. Ich übe gerade, diesen zu verinnerlichen.

    Ich denke schon, dass es viel mit meinem Auftreten zu tun hat, da es sich- mal mehr, mal weniger schlimm- durch mein gesamtes Berufsleben zieht wie ein roter Faden. Sobald die Obrigkeiten merken, was ich kann und wie ich arbeite, bekomme ich zum Dank meist mehr Arbeit. Da bin ich mit Sicherheit selbst schuld. Doch, auch wenn es zunächst nur Kleinigkeiten sind, ein paar Dinge mache ich nicht mehr und ich bin immer noch lernfähig- so wie jetzt.
    Gruß Leni

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