+ Antworten
Seite 1 von 4 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 37
  1. Inaktiver User

    Vom Du zurück zum Sie?

    Hallo allerseits,

    ich würde mich über eine Rückmeldung in folgender Angelegenheit freuen:
    Kurz vor Weihnachten bekam ich sehr spontan das Du von einem Vorgesetzten angeboten, der in etwa einem Jahr aller Voraussicht nach mein direkter Chef sein wird. Das Ganze kam für mich sehr überraschend. Er stand plötzlich in der Tür und fragte. Ich sagte zu.

    Nun ist in den letzten 2 Wochen eine Aufgabe von jemandem, der quasi in einem Jahr mein Vizechef werden könnte, an mich herangetragen worden, die mein ohnehin überquillendes Überstundenkonto noch weiter belasten würde und die obendrein komplett unter meiner Tätigkeitsbeschreibung liegt. Ich kann die Aufgabe auch nicht delegieren, weil mir innerhalb unserer Einheit nur von einer Halbtagskraft zugearbeitet wird, von der ich weiß, dass sie ebenfalls Oberlippe Unterkante arbeitet. Wir verstehen uns sehr gut, ich würde nie eine Überlastung, die ich selbst empfinde, auf jemandem abwälzen, dem es genauso geht.

    Mein Noch-Chef, mit dem ich mich ebenfalls duze, gibt mir bezüglich der Ablehnung dieser Zusatzaufgabe zu 100 % Recht und die entsprechende Rückendeckung. Allerdings fürchte ich, dass meinem künftigen Chef nun dämmert, dass die künftige Arbeitssituation nicht vollkommen harmonisch sein wird. Er hat nun mitbekommen, dass ich einen Arbeitsauftrag meines künftigen Vizechefs in aller Entschiedenheit abgelehnt habe. Es ist vorherzusehen, dass das künftig zu Konflikten führen kann, denn entweder ist er bereit, mir dann in begründeten Fällen wie mein aktueller Chef Rückendeckung zu geben, was ihn von seinem Mitstreiter entzweien kann, oder er lässt alle Arbeit ungefiltert auf mich herabprasseln, was mich wahrscheinlich irgendwann krank werden lässt. Ich arbeite jetzt schon am Limit und frage mich, wie lange das noch gut geht.

    Warum ich darauf komme? Seitdem er mitbekommen hat, dass ich mir für die Ablehnung der Aufgabe von meinem Chef Rückendeckung geholt habe, siezt er mich wieder. Auch geht er mir aus dem Weg. Bislang ist noch keine schriftliche Bestätigung einer tatsächlich gewollten 'Rolle rückwärts' erfolgt. Es gab auch aus meiner Sicht in den letzten 2 Wochen keinen Anlass, mir zu schreiben.

    Nun meine Frage: Wie soll ich mich verhalten?

    Ich persönlich sehe die Sache zweispältig. Das Sie könnte ihm helfen, in seine Vorgesetztenrolle in einem nicht gerade leichten Umfeld hineinzuwachsen. Vielleicht war das Du einfach zu früh ausgesprochen. Zum Vergleich: Mein Chef rückte damit erst nach 6 Jahren heraus, und da war es genau richtig, da wir wussten, dass wir ein Vertrauensverhältnis haben und uns gegenseitig wirklich schätzen. Das alles war durch X Erlebnisse unterfüttert. Andererseits würde natürlich durch das Entziehen des Du eine Kluft zwischen uns entstehen. Eine tatsächlich aktiv herbeigeführte Distanzierung. Ehrlich gesagt würde ich ihn dann für ein sehr leichtes Fähnlein im Wind halten und würde mir ggf. je nach Weiterentwicklung meiner Aufgaben und meines Arbeitspensums etwas anderes suchen. Der Job ist anstrengend, ich muss nicht noch zum Mädchen für absolut alles werden.

    Ich habe überlegt, ob ich ihn mal darauf ansprechen soll. Da ich aber insgesamt den Eindruck habe, dass er ein eher unsicherer Typ ist, befürchte ich, dass ihn das eher dazu bringen könnte, dicht zu machen und dann das Sie nur deshalb auszusprechen, weil er sich bedrängt fühlt.

    Eine Alternative sehe ich darin, einfach ohne Kommentar zum Sie zurückzukehren, wenn es sich seinerseits fortsetzt und irgendwann auch schriftlich in Form von "Hallo Frau XY" vorliegt. Spätestens dann hat es sich ja manifestiert.

    So oder so bin ich aktuell ziemlich enttäusch von ihm. Er hat mich schon so oft abends um 20:00 Uhr im Büro sitzen sehen und mir gesagt, dass mir das die Gesundheit kaputt machen könnte. Nun habe ich mich gegen eine Aufgabe gewehrt, die von seinem wahrscheinlich künftigen Vize - einem sehr bestimmt auftretenden und mitunter auch cholerischen Mann - kommt, und er reagiert so...
    Geändert von Inaktiver User (20.04.2018 um 18:24 Uhr)


  2. Registriert seit
    08.08.2016
    Beiträge
    1.019

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    Ich würde beim "Sie" bleiben. Das schafft die nötige Distanz und auch Respekt. Ich arbeite oft auch am Limit. Aber ich halte nicht soviel vom "Du" bei direkten Vorgesetzten. Mögen kann man sich trotzdem.
    Ich würde zudem ein sachliches Gespräch diesbzgl.suchen. Auf Dauer funktioniert das ja auch nicht.

  3. Avatar von Opelius
    Registriert seit
    24.04.2004
    Beiträge
    15.666

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    siezt er mich wieder
    ich würde ihn ab sofort auch wieder siezen. Dass er das Du nicht ernst gemeint hat, merkst Du ja gerade. Darüber mach Dir keinen Kopf.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  4. Avatar von Horus
    Registriert seit
    08.04.2005
    Beiträge
    42.400

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    Bist du dir zu 100% sicher, dass der einzig mögliche Grund für seine Rückkehr zum Sie deine Ablehnung des Zusatzauftrags war? Oder könnte was ganz Anderes, zeitgleich Passiertes, von dem du nichts weisst, der Grund sein?
    Vielleicht wurde ihm von deinem jetzigen Chef oder von höherer Stelle gesagt, dass sein Duz-Angebot zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht war.

    Ich würde fragen. Beim nächsten Mal, wenn er wieder Mit „Sie“ daher kommt: „sorry, ich bin etwas verwirrt. Kürzlich bei Gelenheit x / am Datum x haben Sie mir das Du angeboten. Offenbar sind wir aber weiterhin oder wieder beim Sie. Was soll denn nun gelten?“
    Irgendwie so.

    Das Problem mit der zu grossen Arbeitslast würde ich trennen davon. Das stellt sich so oder so und muss so oder so mal gelöst werden.

    Achtung, Lesen gefährdet die Dummheit!
    _____________________________________

    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.

  5. Inaktiver User

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    ich würde ihn ab sofort auch wieder siezen. Dass er das Du nicht ernst gemeint hat, merkst Du ja gerade. Darüber mach Dir keinen Kopf.
    Ich persönlich bin vom "Sie" im direkten Umgang begeistert. Ich habe auch vor ganz vielen Jahren den Fehler gemacht, das Du von meinem Vermieter anzunehmen. Es macht nichts besser. Wenn eigene Interessen zu vertreten sind, die das Gegenüber irritieren könnten, ist ein Sie die bessere Wahl.

    Ich fühle mich dadurch besser abgegrenzt. Es ist in Deutschland ein anderes Signal, jemanden zu Duzen, als in skandinavischen Ländern oder in den USA. Selbst wenn ich mir meiner Grenzen bewusst bin, auch wenn ich das Du ausspreche, so kann das mein Gegenüber immer noch als kumpelig empfinden und fühlt sich emotional ganz schwer misshandelt, nur, weil ich ihm unangenehme Sachen sage, die sachlich auf den Tisch kamen, durch das Du aber eine persönliche Färbung bekamen. Das ist eben in Deutschland so und deshalb sollte man sich hier mit dem Du zurückhalten, wenn es nicht einer guten Beziehung dient.

  6. Inaktiver User

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    Zitat Zitat von Horus Beitrag anzeigen
    Bist du dir zu 100% sicher, dass der einzig mögliche Grund für seine Rückkehr zum Sie deine Ablehnung des Zusatzauftrags war? Oder könnte was ganz Anderes, zeitgleich Passiertes, von dem du nichts weisst, der Grund sein?
    Vielleicht wurde ihm von deinem jetzigen Chef oder von höherer Stelle gesagt, dass sein Duz-Angebot zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht war.
    Von etwas, von dem ich nicht weiß, kann ich ja schlecht ausgehen, aber mein Chef hat nach meiner Einschätzung nichts gesagt. Das passt nicht zu ihm.

    Es ist so, dass ich allgemein momentan sehr stark auf der Hut bin, was meine Arbeitslast angeht. Ich sehe momentan in vergleichbaren Jobs Leute zum ersten oder wiederholten Mal in Langzeitkrankheiten abdriften und bin selbst letztes Jahr zweimal im Krankenhaus gewesen. Ich bin nun erstmals überhaupt in meinem Leben so weit, dass ich Aufgaben ablehne und auch mal kommuniziere, wo meine Kompetenzen liegen. Ich bin von der Idee, dass alles machbar ist, mittlerweile abgerückt und will mir meine Gesundheit erhalten. Von meinem Chef habe ich kürzlich eine Gehaltserhöhung und Aufwertung bezüglich meiner Berufsbezeichnung erhalten - just in der Zeit, in er ich erstmals etwas sage. Aus meiner Sicht schlage ich damit nicht über die Stränge, denn ich expandiere bezüglich meines Aufgabenspektrums parallel noch nach oben. Genau aus diesem Grund ist mehr als befremdlich, dass der künftige 'Vize' mir jetzt Aufgaben zuschanzen will, die genau in die entgegengesetzte Richtung weisen. Ich sehe da absolut die Gefahr, zu einem Spielball zu werden, denke aber, dass ich in dieser Gemengelage nur verlieren kann, wenn ich die Aufgaben jetzt schlucke.


    Ich würde fragen. Beim nächsten Mal, wenn er wieder Mit „Sie“ daher kommt: „sorry, ich bin etwas verwirrt. Kürzlich bei Gelenheit x / am Datum x haben Sie mir das Du angeboten. Offenbar sind wir aber weiterhin oder wieder beim Sie. Was soll denn nun gelten?“
    Irgendwie so.
    Es wird mir schwerfallen.

    Das Problem mit der zu grossen Arbeitslast würde ich trennen davon. Das stellt sich so oder so und muss so oder so mal gelöst werden.
    Tja, sehe ich genauso. Natürlich.

    Ich möchte nur keine Zerklüftung mit dem Mann. Sie wäre absolut überflüssig.

  7. Avatar von Horus
    Registriert seit
    08.04.2005
    Beiträge
    42.400

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    Du musst nicht rechtfertigen, dass du die Aufgabe abgelehnt hast. Das war unter diesen Umständen absolut richtig.
    Hast du eigene Vorstellungen von Lösungen? Könnte sie andere Person das Pensum aufstocken? Besteht die Chance, eine weitere Teilzeithilfskraft befristet anzustellen, damit du delegieren kannst.
    „Nein, aber ich hätte Lösungsvorschlag X“ kommt bei Chefs besser an als „ Nein. Punkt“

    Achtung, Lesen gefährdet die Dummheit!
    _____________________________________

    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.

  8. Inaktiver User

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    Zitat Zitat von Horus Beitrag anzeigen
    Du musst nicht rechtfertigen, dass du die Aufgabe abgelehnt hast. Das war unter diesen Umständen absolut richtig.
    Hast du eigene Vorstellungen von Lösungen? Könnte sie andere Person das Pensum aufstocken? Besteht die Chance, eine weitere Teilzeithilfskraft befristet anzustellen, damit du delegieren kannst.
    „Nein, aber ich hätte Lösungsvorschlag X“ kommt bei Chefs besser an als „ Nein. Punkt“
    Ich habe einen Lösungsvorschlag vorgelegt, in dem ich u.a. eine Software vorstellte, die die Sache für kleines Geld zumindest ein Quäntchen weiter operationalisiert hätte. Es wäre aber weiterhin eine Mammutaufgabe, wobei der Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis zum Ertrag stünde. Das sieht eigentlich jeder bis auf der besagte Vize in spe so (Na ja, 'in spe' ist eigentlich der falsche Ausdruck...). Zumindest jeder, der sich dazu verbal äußert, was just mein wohl künftiger Chef nicht getan hat. Ich weiß nicht, wie er dazu steht. Er hält sich des öfteren bedeckt.

    Eine Aufstockung der Kollegin ist in Planung, wird aber nicht dafür sorgen, dass diese Aufgabe komplett abgedeckt werden kann. Sie ist wirklich zeitintensiv, während die Aufstockung nur abdecken kann, dass sie ihre jetzigen Aufgaben bearbeiten kann. Sie kann in jeder Woche einen Tag Überstundenausgleich nehmen, was sie auch immer wieder macht, weil sie sonst von den Überstunden nicht runterkommt. Sie ist ein paar Lenze älter als ich und weiß: Wenn man das nicht macht, geht es so weiter. Man verschenkt seine Arbeitskraft. Sie ist dann einfach weg. Kann ich nachvollziehen.

    Ich habe derweil aus 2017 insgesamt 28 Urlaubstage in dieses Jahr geschleppt (das hat sich in den letzten Jahren aufsummiert, ist also nicht allein aus 2017) und über 100 Überstunden. Zwischendurch habe ich mal einen Tag Ausgleich genommen, aber das eigentlich Bittere: Ich war kürzlich wieder krank. 1,5 Wochen. Ich fühlte mich an 2017 erinnert und dachte: Nein, bitte nicht von vorne...

    Das Geld des AG ist sehr knapp.
    Geändert von Inaktiver User (20.04.2018 um 20:19 Uhr)

  9. Avatar von ikara
    Registriert seit
    20.10.2006
    Beiträge
    14.953

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe derweil aus 2017 insgesamt 28 Urlaubstage in dieses Jahr geschleppt (das hat sich in den letzten Jahren aufsummiert, ist also nicht allein aus 2017) und über 100 Überstunden. Zwischendurch habe ich mal einen Tag Ausgleich genommen, aber das eigentlich Bittere: Ich war kürzlich wieder krank. 1,5 Wochen. Ich fühlte mich an 2017 erinnert und dachte: Nein, bitte nicht von vorne...

    Das Geld des AG ist sehr knapp.
    Mannomann. Wenn man das so liest - bist Du sicher, dass die Frage nach dem Du oder Sie Dein Hauptproblem in dem Job ist? (Wobei die Situation wirklich saublöd und der zukünftige Chef einfach nicht souverän ist.)

    Das sind doch gruselige Zustände und keiner wird sich drum kümmern, wenn Du irgendwann aus den Latschen kippst.


    I am the master of my fate: I am the captain of my soul.

    William E. Henley


  10. Registriert seit
    15.06.2007
    Beiträge
    5.768

    AW: Vom Du zurück zum Sie?

    In meinen Augen liegt das Hauptthema in deiner inneren Einstellung!

    du scheinst erst gerade auf dem Weg zu sein, nach dir zu sehen- dich für dich einzusetzen- die Verantwortung für dich zu übernehmen- Grenzen zu ziehen.
    Es geht mir um die innere Überzeugung, dass DU dir selbst am wichtigsten sein darfst und das ein festgeschriebenes Gesetzt in dir ist-- mit keinerlei Option, dass das von Außen ins Schwanken gebracht werden kann.

    Leider fehlt die dir (noch), denn warum sonst solltest du mit soviel "Angst"? auf das kryptische Verhalten des evt.neu-Chef reagieren?
    Es geht um einen Grundsatz: was bist du dir wert?

    Offenbar setzt du nun Grenzen (allerdings scheint Angst die Motivation dafür zu sein und weniger Selbstliebe) und verstehst dann in Reaktionen, gleich eine Antwort darauf (es kann millionen Gründe für das Verhalten geben).
    Und selbst wenn er so wegen deiner Entscheidung reagiert- was bedeutet das für dich? Wenn ich richtig lese, würdest du auch problemlos kündigen und dir was anderes suchen!?

    Mir scheint, deine Wertigkeit zur Arbeit ist "überdenkenswert"
    Was bedeutet es dir, diese ganzen Arbeiten zu können? Überstunden und Urlaubstage anzusammeln- was genau löst das in dir aus?
    Wieviel Identität oder Selbstwertgefühl ziehst du aus deiner Arbeitshaltung?
    Und wie schnell kann das dir jemand entziehen, der das- auch nur mit vagem Verhalten- negativer bewertet?

    Eher sehe ich dort dein Thema und sehr wenig das Du zurück zum Sie.

+ Antworten
Seite 1 von 4 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •